Eben kam Alain Cerf mit einem grollenden Maserati GranTurismo auf den Parkplatz gefahren und zeigte stolz sein aktuelles Spielzeug. Dann ist der Autofan mit den kurz zum Igel geschnittenen grauen Haaren bereits wieder verschwunden – und kommt nach wenigen Augenblicken in einem strahlend blauen Peugeot 302 Darl'mat, einem offenen Rennroadster mit roten Ledersitzen, zurück. Nur einer von vielen Oldtimern, die Cerf sein Eigen nennt.

Der gebürtige Franzose, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Tampa im US-Staat Florida lebt, verdient sein Geld als Inhaber einer erfolgreichen Firma für Verpackungsmaschinen. Doch das ist nur das schnöde Tagwerk – Cerfs Leidenschaft gehört seit den fünfziger Jahren Autos. Mit Vorliebe sammelt er exotische Fahrzeuge jeglicher Art. Als die eigenen Garagen immer voller wurden, eröffnete Cerf im Frühjahr 2005 ein Automuseum , das seinesgleichen sucht. Einst war der flache helle Bau der Sitz einer US-Computerfirma. Cerf baute das Gebäude um, um die Fahrzeuge stilecht in Szene zu setzen – ohne ihnen aber gottesgleich zu huldigen.

Der Darl'mat aus den dreißiger Jahren gilt als eines der schönsten europäischen Autos seiner Zeit. Gebaut wurden von dem sportlichen Zweisitzer allerdings gerade einmal 53 Fahrzeuge. Eines davon ist schon seit mehr als 50 Jahren in Cerfs Besitz. "Ich war damals auf einer Versteigerung und suchte ein günstiges Auto", erinnert sich der Franzose. "Nachdem ich mehrfach bei anderen Fahrzeugen überboten wurde, habe ich beim 302 Darl’mat geheim in einem Briefumschlag geboten, umgerechnet 150 Dollar. Auf einmal habe ich den Zuschlag bekommen." Trotz des schon hohen Alters des Fahrzeugs: Ein im Museum versauerndes Auto ist der grazile Sportwagen nicht. "Ich nutze den Darl'mat hier in der Region zwischendurch als echtes Alltagsauto", erzählt Cerf. "Er fährt ohne jegliche Probleme."

Doch sein Automuseum hat mehr zu bieten. Die Sammlung umfasst rund 50 Fahrzeuge, und darunter sind einige, die Autofans nicht alle Tage zu sehen bekommen: ein Delorean etwa, der Tatra 603 oder der Salmson S4E. Auch deutsche Modelle wie der Hanomag "Kommissbrot", ein NSU Ro 80 und das Heckmotoren-Doppel Mercedes 130 H und 170 H sind im Museum zu finden.

Alain Cerf begeistert sich aber nicht nur für die Autos, sondern auch für die Ingenieurleistungen hinter den Fahrzeugen. "Tatra und sein verantwortlicher Ingenieur Hans Ledwinka symbolisieren die Technik der Heckmotorenfahrzeuge", erläutert er. "Frontgetriebene Fahrzeuge waren auf der anderen Seite ein Meisterstück von Jean Albert Gregoire. Die beiden sind für mich wie Yin und Yang der Automobiltechnik."

Ein besonders ungewöhnliches Fahrzeug hat Cerf am Eingang seines Museum stehen. Der blaue Kastenwagen vom Typ C.G.E. Gregoire ist zwar alles andere als ein Schmuckstück und mit Baujahr 1971 deutlich jünger als die meisten anderen Fahrzeuge in der Sammlung. Doch der Gregoire war eines der ersten modernen Fahrzeuge, die ausschließlich elektrisch mit Strom aus einem Akkupack angetrieben wurden. Die unzähligen Batterien im Innern ermöglichen eine Reichweite von bis zu 120 Kilometern. Die Höchstgeschwindigkeit lag knapp unter 100 Stundenkilometern.

Wer es eleganter mag, findet in der Sammlung des autoverrückten Franzosen einen Jaguar E-Type und einen Maserati Sebring 3500 GTI Series II – in der identischen Lackierung in rot-metallic. Auch einige französische Schmuckstücke hat Cerf in seinem Oldtimer-Park. Beispielswiese den Panhard Dynamic, eine Luxuslimousine, die Mitte der dreißiger Jahre vom exklusiven Autobauer Panhard & Levassor gebaut wurde. Der Wagen mit der filigranen Stromlinienform, abgedeckten Radhäusern und der mittig positionierten Lenkung ist ein Kunstwerk auf Rädern – für Cerf eines der schönsten Autos überhaupt.

Wer sich davon überzeugen möchte und eine Reise nach Florida vorhat, sollte auch einen Abstecher ins Tampa Bay Automobile Museum an der Westküste des Sonnenstaats einplanen. Denn durch Zufall kommt man an dem Gebäude im Pinellas County eher nicht vorbei.