Die Wolfsburger können richtig gehässig sein. "Wir haben die Technik für die nächsten 125 Jahre Automobil", flimmert es bei der Präsentation des VW XL1 über die Großbildleinwand. Als Adressat dieser Spitze kann sich eigentlich nur ein Konzern in Stuttgart angesprochen fühlen, der gerade 125 Jahre Automobil feiert. Stolz präsentieren in Doha im Emirat Katar derweil Volkswagen-Chef Martin Winterkorn und Technologievorstand Ulrich Hackenberg die neueste Errungenschaft ihres Konzerns. "So ein Fahrzeug hat es in 125 Jahren Automobilgeschichte noch nicht gegeben", sagt Winterkorn in seiner Eröffnungsrede.

Der 3,9 Meter lange und nur 1,2 Meter hohe VW XL1 ist ein Plug-In-Hybrid mit Diesel- und Elektromotor. Das Auto hat eine kohlefaserverstärkte Karosserie und konsumiert im Schnitt keinen ganzen Liter Sprit: 0,9 Liter pro 100 Kilometer lautet der offizielle Durchschnittsverbrauch. Die Passagiere sitzen nun nicht mehr wie beim 2009 gezeigten VW L1 hintereinander, sondern nebeneinander. Es gibt sogar schicke Flügeltüren.

Der Berg kreiste – und gebar zwar keine Maus, aber auch keinen Elefanten. Denn wieder einmal handelt es sich nur um einen Prototypen, zudem wurde der Dieselhybrid bereits im VW L1 gezeigt. Neu ist die Plug-in-Fähigkeit: Der Lithium-Ionen-Akku wird nicht nur bei Schubphasen oder beim Bremsen, sondern auch über Nacht an einer normalen Steckdose geladen.

Die ersten 35 Kilometer geht es bei voll aufgeladener Batterie rein elektrisch voran. Der TDI-Motor wird solange von der Antriebswelle abgekoppelt und ausgeschaltet. Das erklärt den Mini-Durst auf den ersten 100 Kilometern. Danach steigt natürlich der Durchschnittsverbrauch des Hybridsystems. Deshalb kommt der XL1 bei zehn Litern Tankinhalt auch nur auf 550 Kilometer Reichweite. Aber wer am Tag bloß wenige Kilometer fährt, braucht den Dieselmotor wahrscheinlich selten bis nie.

Und die Serienfertigung? "In zwei Jahren, als Kleinserie", sagt Technik-Vorstand Hackenberg. Ob das Hybridsystem vielleicht in anderen Modellen wie dem Polo eingesetzt wird, will der Konzern nicht kommentieren – ebenso wenig den Preis des Sparmobils. Immerhin soll sich die Optik des Wagens bis zur Serienfertigung kaum noch ändern. Die windschlüpfrige Karosserie mit den verkleideten Radhäusern ermöglicht einen beeindruckenden cw-Wert von 0,186.