Jetta-NeuvorstellungNeuer Anlauf fürs VW-Sorgenkind

Die neue Europa-Version des VW Jetta fährt sich durchaus überzeugend. Am Preis dürfte sich aber entscheiden, ob aus dem hiesigen Ladenhüter ein Erfolg wird. von Jürgen Wolff

VW Jetta

VW Jetta  |  © Hersteller/press-inform

Ulrich Hackenberg, Technik-Vorstand bei Volkswagen, formuliert es diplomatisch: "Dieses Auto hat eine gewisse Historie." Und die ist, zumindest in Europa, nicht gerade ruhmvoll. Seit seiner Markteinführung 1979 wurde der VW Jetta gern und häufig als "der Rucksack-Golf" belächelt – der Golf also, den man mit angeklatschtem Kofferraum zum Stufenheck-Limousinchen umgemodelt hatte. Eine biedere Rentner- und Beamtenschaukel mit umhäkelter Klopapierrolle auf der Hutablage als Quasi-Serienausstattung.

Auch bei den VW-Designern war der Jetta "wenig beliebt", wie Hackenberg einräumt. Denn die Designer waren in ihrer Kreativität dadurch eingeschränkt, dass sie anfangs möglichst viele Gleichteile vom Golf in ihrem Entwurf unterbringen mussten: Windschutzscheibe, Türen, Innenraum. "Je mehr man Designer einschränkt, desto weniger Spaß macht es ihnen", gibt der VW-Vorstand unumwunden zu. "Und das hat man dem Auto auch angesehen."

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Entsprechend weit unten auf der Beliebtheitsskala war der Jetta all die Jahre angesiedelt – zumindest in seiner deutschen Heimat. Der Versuch, ihn 1992 durch das Umtaufen auf den Namen Vento noch zu retten, brachte genauso wenig wie 1998 der erneute Etikettenwechsel zu Bora. Ab 2004 stand er auch in Deutschland wieder unter dem ursprünglichen Label bei den Händlern, mit beständig bescheidenem Erfolg. In der monatlichen Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes wird er bis heute nicht als eigenständiges Modell gezählt, sondern wie eh und je zusammen mit dem Golf.

Andernorts – dort, wo die Akzeptanz fürs Stufenheck nicht erst in der gehobenen Mittelklasse beginnt – ist der Jetta dagegen sehr wohl eine Erfolgsgeschichte. In den USA etwa, wo er mit mehr als 100.000 Neuzulassungen pro Jahr die Verkaufshitliste der VW-Modelle anführt und das erfolgreichste europäische Importauto ist, aber auch in Asien oder in osteuropäischen Ländern. Immerhin wurde der Jetta weltweit rund 9,6 Millionen Mal verkauft.

Darum kam die nun in der fünften Generation aufgelegte und weitgehend neu aufgebaute Limousine vor ein paar Monaten zuerst in den USA auf den Markt. Dort und in China sehen die Wolfsburger den hauptsächlichen Markt für den kleinen Passat. In China ist laut Hackenberg ein weiteres Produktionswerk für den Jetta geplant. Derzeit wird er in Mexiko gebaut. Dennoch will es VW mit dem Jetta auch in Europa noch einmal versuchen, mit einer speziell für diesen Markt entwickelten Version. Sie kommt unter anderem mit einem deutlich hochwertigeren Innenraum, mit einer sportlicheren und komfortableren Mehrlenker-Hinterachse, mit modernen Dieselmotoren – und einem spürbar höheren Preis.

Mit einer um neun Zentimeter gewachsenen Länge von 4,64 Metern passt er genau in die Lücke von Golf (4,20 Meter) und Passat (4,77 Meter). Dank des Radstandes von 2,65 Metern bietet der Jetta gut Platz für vier, zur Not für fünf Passagiere. Hat es sich vorn nicht gerade ein Riese bequem gemacht, reicht die Kniefreiheit hinten auch für lange Strecken. Allerdings sollte man auf der Rückbank nicht größer als 1,80 Meter sein, sonst wird es arg knapp mit der Kopffreiheit. Die Sitze sind bequem, geben ausreichenden Körperhalt und sind weit einstellbar.

Leserkommentare
  1. Müssen europäische Autos um so viel "besser" sein, dass sie um 31% teurer sein müssen als die US-Version.
    Oder umgekehrt: Könnte man es nicht dem Kunden überlassen, ob er lieber die Europa-Version oder die US-Version kaufen will.
    Natürlich muss eine deutsche Version den europäischen Bestimmungen entsprechen und muss deutsche Autobahngeschwindigkeiten aushalten. Das war aber auch schon.

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    ich glaube dass es eine wirtschaftliche frage ist warum der preis deutlich höher ist und nicht eine qualitative.
    autos in beinahe allen marken sind im amerikanischen markt günstiger als im euopäischen.

    • Folko
    • 19. Januar 2011 0:20 Uhr

    Was meistens nicht mit beachtet wird sind 2 Dinge. Erstens sind beim amerikanischen Preisen die Steuern nicht dabei. Das macht den Unterschied je nach Bundesstaat nochmal deutlich geringer.
    Und wenn man dann noch die Berichte über die Fahreigenschaften amerikanischer Autos in Kurven usw. im Vergleich zu den europäischen liest, mag ein erheblicher Teil des Mehrpreises durchaus gerechtfertigt sein.
    Weiterhin wird in den USA kaum auf persönliche Bestellung produziert, sondern die Kunden kaufen ein vorrätiges Auto direkt aus dem Showroom. Das reduziert die Kosten für den Hersteller nochmal um 2-3% weil weniger verschiedene Teile geordert werden müssen, von diesen dann aber eine höhere Stückzahl.
    Aber ich muss zugeben, ärgern tut mich der Preisunterschied im ersten Moment auch immer.

    • SK3891
    • 19. Januar 2011 1:49 Uhr

    Na das sind doch Argumente. Wenn der Preis nachher nicht zu Unrecht bei uns höher ist...
    Was ich mich allerdings frage: Warum versucht es VW schon wieder mit diesem Mittelsegment und lässt es jetzt 'neu' aufleben. In Deutschland braucht doch kein Mensch so ein Auto!
    Bezüglich des Designs hat der Jetta doch ohnehin die neue "Konzernschnauze", was im Gegensatz zu früher nun auch schon kein Auswahlkriterium mehr ist(das Design). Zwischen 40cm Unterschied von Golf zu Passat braucht es doch nicht noch ein Modell, wo es doch den Golf, Golf plus, Caddy, Caddy Maxi,Golf Kombi,Passat Limo,Passat Kombi gibt.
    Im Innenraum ist bei allen Modellen von VW Gleichmacherei angesagt. Es ist doch nun nur noch ein Frage von Platz, den man braucht oder nicht braucht,von Namen die einem gefallen oder es nicht tun.Am Verbrauch ändert sich ja bei VW nun auch gar nichts mehr:Im Verhältnis zum Gewicht ist auch bei VW die Zeit stehen geblieben, schätze ich. Mein 93er T4 Benziner verbraucht in der Stadt genauso viel wie der T5 als Diesel mit unnötigen +100 PS. In Ordnung bei gestiegenem sicherheitsrelevantemGewicht bedarf es auch der höheren Leistung.
    In Deutschland geht es nicht mehr darum, den Fortschritt und die Technik voranzubringen, um immer schönere und bessere Autos zu bauen, sondern eigentlich nur darum, jede noch so kleine Nische abzudecken, noch den kleinsten Abnehmer zu finden, jedes Segment zu beherrschen. Das aber nicht zugunsten von Spritverbrauch, Effizienz und Umweltfrendlichkeit...

  2. 2. kW/PS

    Zitat: Der Commonrail-Diesel hat serienmäßig einen Partikelfilter, kommt bei 1,6 Liter Hubraum ebenfalls auf 105 kW/77 PS, liefert aber ein deutlich kräftigeres Drehmoment als der Benziner.

    Bitte PS und kW Werte tauschen. So ist es nämlich falsch.

    Danke.

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    Redaktion

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben die Angabe korrigiert.

    Beste Grüße
    Matthias Breitinger

  3. ich glaube dass es eine wirtschaftliche frage ist warum der preis deutlich höher ist und nicht eine qualitative.
    autos in beinahe allen marken sind im amerikanischen markt günstiger als im euopäischen.

    Antwort auf "Preisfrage"
    • Folko
    • 19. Januar 2011 0:20 Uhr

    Was meistens nicht mit beachtet wird sind 2 Dinge. Erstens sind beim amerikanischen Preisen die Steuern nicht dabei. Das macht den Unterschied je nach Bundesstaat nochmal deutlich geringer.
    Und wenn man dann noch die Berichte über die Fahreigenschaften amerikanischer Autos in Kurven usw. im Vergleich zu den europäischen liest, mag ein erheblicher Teil des Mehrpreises durchaus gerechtfertigt sein.
    Weiterhin wird in den USA kaum auf persönliche Bestellung produziert, sondern die Kunden kaufen ein vorrätiges Auto direkt aus dem Showroom. Das reduziert die Kosten für den Hersteller nochmal um 2-3% weil weniger verschiedene Teile geordert werden müssen, von diesen dann aber eine höhere Stückzahl.
    Aber ich muss zugeben, ärgern tut mich der Preisunterschied im ersten Moment auch immer.

    Antwort auf "Preisfrage"
    • SK3891
    • 19. Januar 2011 1:49 Uhr

    Na das sind doch Argumente. Wenn der Preis nachher nicht zu Unrecht bei uns höher ist...
    Was ich mich allerdings frage: Warum versucht es VW schon wieder mit diesem Mittelsegment und lässt es jetzt 'neu' aufleben. In Deutschland braucht doch kein Mensch so ein Auto!
    Bezüglich des Designs hat der Jetta doch ohnehin die neue "Konzernschnauze", was im Gegensatz zu früher nun auch schon kein Auswahlkriterium mehr ist(das Design). Zwischen 40cm Unterschied von Golf zu Passat braucht es doch nicht noch ein Modell, wo es doch den Golf, Golf plus, Caddy, Caddy Maxi,Golf Kombi,Passat Limo,Passat Kombi gibt.
    Im Innenraum ist bei allen Modellen von VW Gleichmacherei angesagt. Es ist doch nun nur noch ein Frage von Platz, den man braucht oder nicht braucht,von Namen die einem gefallen oder es nicht tun.Am Verbrauch ändert sich ja bei VW nun auch gar nichts mehr:Im Verhältnis zum Gewicht ist auch bei VW die Zeit stehen geblieben, schätze ich. Mein 93er T4 Benziner verbraucht in der Stadt genauso viel wie der T5 als Diesel mit unnötigen +100 PS. In Ordnung bei gestiegenem sicherheitsrelevantemGewicht bedarf es auch der höheren Leistung.
    In Deutschland geht es nicht mehr darum, den Fortschritt und die Technik voranzubringen, um immer schönere und bessere Autos zu bauen, sondern eigentlich nur darum, jede noch so kleine Nische abzudecken, noch den kleinsten Abnehmer zu finden, jedes Segment zu beherrschen. Das aber nicht zugunsten von Spritverbrauch, Effizienz und Umweltfrendlichkeit...

    Antwort auf "Preisfrage"
  4. Redaktion
    6. kW/PS

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben die Angabe korrigiert.

    Beste Grüße
    Matthias Breitinger

    Antwort auf "kW/PS"
  5. Alles schön und gut. Doch das Haupt-Problem des Jetta bleibt: Das unsinnige Stufenheck. Eine Form, die nur Nachteile hat. Da nehme ich doch lieber einen normalen Golf: Kürzer, praktischer und billiger.

    Das Stufenheck mag in der Oberklasse funktionieren, wo es aufs Image ankommt, nicht auf Nutzwert. Aber in der Golf-Klasse denken die Leute einfach anders.

    • Yuyuan
    • 02. Dezember 2012 5:44 Uhr

    Ja den Jetta sieht man sehr oft in China, wie auch den Santana. Richtige Autos halt.Beide sind ja auch recht guenstig.
    http://www.faw-vw.com/model/mod_jetta.htm
    http://www.svw-volkswagen.com/zh/models/santana.html

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  • Schlagworte Ulrich Hackenberg | Chevrolet | Diesel | Euro | Golf | China
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