Ulrich Hackenberg, Technik-Vorstand bei Volkswagen, formuliert es diplomatisch: "Dieses Auto hat eine gewisse Historie." Und die ist, zumindest in Europa, nicht gerade ruhmvoll. Seit seiner Markteinführung 1979 wurde der VW Jetta gern und häufig als "der Rucksack-Golf" belächelt – der Golf also, den man mit angeklatschtem Kofferraum zum Stufenheck-Limousinchen umgemodelt hatte. Eine biedere Rentner- und Beamtenschaukel mit umhäkelter Klopapierrolle auf der Hutablage als Quasi-Serienausstattung.

Auch bei den VW-Designern war der Jetta "wenig beliebt", wie Hackenberg einräumt. Denn die Designer waren in ihrer Kreativität dadurch eingeschränkt, dass sie anfangs möglichst viele Gleichteile vom Golf in ihrem Entwurf unterbringen mussten: Windschutzscheibe, Türen, Innenraum. "Je mehr man Designer einschränkt, desto weniger Spaß macht es ihnen", gibt der VW-Vorstand unumwunden zu. "Und das hat man dem Auto auch angesehen."

Entsprechend weit unten auf der Beliebtheitsskala war der Jetta all die Jahre angesiedelt – zumindest in seiner deutschen Heimat. Der Versuch, ihn 1992 durch das Umtaufen auf den Namen Vento noch zu retten, brachte genauso wenig wie 1998 der erneute Etikettenwechsel zu Bora. Ab 2004 stand er auch in Deutschland wieder unter dem ursprünglichen Label bei den Händlern, mit beständig bescheidenem Erfolg. In der monatlichen Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes wird er bis heute nicht als eigenständiges Modell gezählt, sondern wie eh und je zusammen mit dem Golf.

Andernorts – dort, wo die Akzeptanz fürs Stufenheck nicht erst in der gehobenen Mittelklasse beginnt – ist der Jetta dagegen sehr wohl eine Erfolgsgeschichte. In den USA etwa, wo er mit mehr als 100.000 Neuzulassungen pro Jahr die Verkaufshitliste der VW-Modelle anführt und das erfolgreichste europäische Importauto ist, aber auch in Asien oder in osteuropäischen Ländern. Immerhin wurde der Jetta weltweit rund 9,6 Millionen Mal verkauft.

Darum kam die nun in der fünften Generation aufgelegte und weitgehend neu aufgebaute Limousine vor ein paar Monaten zuerst in den USA auf den Markt. Dort und in China sehen die Wolfsburger den hauptsächlichen Markt für den kleinen Passat. In China ist laut Hackenberg ein weiteres Produktionswerk für den Jetta geplant. Derzeit wird er in Mexiko gebaut. Dennoch will es VW mit dem Jetta auch in Europa noch einmal versuchen, mit einer speziell für diesen Markt entwickelten Version. Sie kommt unter anderem mit einem deutlich hochwertigeren Innenraum, mit einer sportlicheren und komfortableren Mehrlenker-Hinterachse, mit modernen Dieselmotoren – und einem spürbar höheren Preis.

Mit einer um neun Zentimeter gewachsenen Länge von 4,64 Metern passt er genau in die Lücke von Golf (4,20 Meter) und Passat (4,77 Meter). Dank des Radstandes von 2,65 Metern bietet der Jetta gut Platz für vier, zur Not für fünf Passagiere. Hat es sich vorn nicht gerade ein Riese bequem gemacht, reicht die Kniefreiheit hinten auch für lange Strecken. Allerdings sollte man auf der Rückbank nicht größer als 1,80 Meter sein, sonst wird es arg knapp mit der Kopffreiheit. Die Sitze sind bequem, geben ausreichenden Körperhalt und sind weit einstellbar.