LinienfernbusseAngriff auf die Mitfahrzentralen

Schwarz-Gelb will den bislang kaum existenten Fernbus-Linienverkehr öffnen. Die Bahn wehrt sich dagegen, doch vor allem die Mitfahrzentralen dürften die Folgen spüren. von dpa

Die schwarz-gelbe Koalition macht Ernst mit der Liberalisierung des Busverkehrs: Künftig sollen mehr Fernbusse zwischen den großen Städten rollen. Bislang verhindert ein fast 80 Jahre altes Gesetz einen Busfernlinienverkehr in großem Stil. Es legt fest, dass bis auf wenige Ausnahmen nur auf den Strecken Fernbusse rollen dürfen, wo es keine anderen Verbindungen, also vor allem Bahnstrecken, gibt. Union und FDP wollen nun nach dem Vorbild der Greyhound-Busse in den USA mehr Alternativen zulassen.

Das Vorhaben, bereits im Koalitionsvertrag vereinbart, packt die Regierung nun an – doch der Referentenentwurf für eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes stößt auf Kritik bei der Deutschen Bahn und ihren Anhängern, für die die Fernbusse eine neue Konkurrenz sind. So sieht der Entwurf keine Mautpflicht für Fernbusse vor. Das fordert allerdings die Bahn. Die Allianz pro Schiene argumentiert, bei den Bahntickets müssten schließlich auch die Trassenkosten bei den Bahntickets eingepreist werden.

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Der Geschäftsführer des Lobbyverbands Dirk Flege kritisiert zudem, dass laut dem Entwurf Strecken schon nach drei Monaten wieder eingestellt werden können. Bei der Bahn müsse ein Angebot mindestens ein halbes Jahr lang aufrechterhalten werden, sagt Flege. "Über die Fernbus-Liberalisierung versucht die Politik, sich aus ihrer Pflicht zum Ausbau der Schieneninfrastruktur zu stehlen", kritisiert Flege. Außerdem sei das Unfallrisiko im Bus 27 Mal höher als bei der Bahn. Ferner seien die geplanten Fahrgastrechte für Busreisende nicht ausreichend.

Die Deutsche Bahn ist selbst bisher größter Busbetreiber in Deutschland und fordert für genehmigte Angebote einen Bestandsschutz – schließlich hätten die Firmen in Fahrzeuge, Betriebsstätten und Personal investiert. Einen Bestandsschutz sieht der Entwurf indes nicht vor. Bei Strecken, wo es bereits Betreiber gibt, können diese aber binnen eines Monats auf andere Gebote reagieren und ihr Angebot nachbessern.

Die Bundesregierung begründet die geplante Liberalisierung auch mit ökologischen Argumenten, da bisher viele Menschen private Mitfahrgelegenheiten nutzen. Mit Fernbussen könnten kostengünstige und klimaschonende Alternativen angeboten werden. "Mit einem Bus können 50 Leute fahren statt viele Mitfahrer in Dutzenden Autos", heißt es im Verkehrsministerium. Dort will man den Eindruck vermeiden, dass das Gesetz gegen die Deutsche Bahn gerichtet ist. So wird das Vorhaben auch zu einem Angriff auf die Mitfahrzentralen, deren private Angebote nach Schätzungen von jährlich mehr als einer Million Menschen genutzt werden.

Leserkommentare
  1. Mit BLB kostet eine einfache Fahrt Nykøbing/F - Berlin € 34:-, dauer 05:30. Mit DB € 114:-, dauer 05:15. Nur das Fährticket Gedser-Rostock € 114:-, dazu kommt dann Benzin und Abnutzung, dauer auch etwa 5Std. Mehr Busverbindungen wären sehr begrüßenwert.

  2. > Künftig sollen mehr Fernbusse zwischen den großen Städten rollen.<

    Wenn sich die Mitfahrzentralen beschweren dann das nur für Fahrten "Große Stadt - Große Stadt" gelten. Aber was ist mit "großer Stadt" gemeint? Geht aus dem Artikel nicht hervor. Und außerdem fahren sehr viele als Mitfahrer ins benachbarte Ausland. Das bleibt also.

    Und die "privaten" Mitfahrer sind davon auch nicht betroffen. Sie nehmen andere auch aus kleinen Städten mit. Alleine aus dem "Ossi-Land" kommen z.B. jeden Montag-Morgen etwa 2.000 Arbeitnehmer nach Frankfurt und fahren Freitag-Abend wieder zurück.

    Also keine Aufregung notwendig. Oder sind bei diesen Bussen "Große Stadt - Große Stadt" auch Intervalle von 20 Minuten geplant?

  3. Ich lebe seit einigen Jahren in Grossbritannien und das Fernbussystem hier ist genial. Deswegen kann ich die Idee von der Ausweitung des Fernbusverkehrs in Deutschland nur begruessen. Zumal in Deutschland immer mehr Bahnstrecken "zurueck gebaut" werden. Billigfliegen, auch innerhalb Deutschlands, ist salonfaehig geworden. Nun wird es langsam Zeit das wir alle umdenken und den wesentlich umweltfreundlicheren Bus nicht nur innerhalb der Landesgrenzen sondern auch grenzueberschreiten als billiges Transportmittel salonfaehig machen. Natuerlich wird es immer die Menschen geben die in kuerzester Zeit von einem Ort zum anderen wollen, aber so denkt laengst nicht jeder...

  4. Das sollte aber erst der Anfang sein!

    Jeder Bürger sollte Taxi fahren können mit seinem PKW, da kostet die Fahrt dann eine Stadtpauschale von 2 Euro.

    Damit kann man den öffentlichen Verkehr stark einschränken, dieser kann dann dafür kostenlos werden.

    Eine PKW Standgebühr könnte dafür genutzt werden, das versperren der öffentlichen Straßen ist doch kein Privatrecht!

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    • TDU
    • 04. März 2011 9:47 Uhr

    Gute Idee, die sie haben. Und wieso sollte man sich nicht eine Bus kaufen könnenn und Leute von A nach B transportieren. Weil der Bus noch nahezu das Billigste ist am ganzen Vorhaben. Aber es ist Markwirtschaft und man würde natürlich von einem Angriff auf das Taxi Gewerbe sprechen.

    Mit Elektroprivatautos gings ja auch prima. Wer an der Strasse wohnt, kann seinen Strom bereit halten. Dann würden schon mal die Spritkosten, die je nach Mitnehmen mit 2 Euro völlig unzureichend sind.

    Dazu kommen noch Kosten, die man bei allen guten Absichten erst gar nicht auf der Rechung hat. Gesundheitsprüfung oder man bekommt keine Versicherung. TÜV- Gebühr für Transporter. Haftpflicht zu Gewerbebedingungen. Die einfache wird das Risiko nicht versichern.

    Braucht man nicht, meinen Sie vielleicht. Ein von Ihnen aus üblicher Unaufmerksamkeit verursachter mittelschwerer Schaden beim Fahrgast und sie sind ein Kandidat für den privaten Ruin.

  5. "Wer nicht unter Zeitdruck steht, kann mit dem Fernbus seine Reisekasse schonen"
    Mid der DB gerät man erst recht unter Zeitdruck. Busse mögen eine geringere Kapazität haben, versperren aber nicht die Strecke wenn sie nicht fahren (können), haben keine Signalstörungen und können wesentlich flexibler reagieren.
    Der Kommentare der DB entnehme ich eine gewisse Angst den Ur-Preismonopol zu verlieren.

  6. und ist oftmals der Antrieb für längst fällige Verbesserungen, nicht wahr DB?

  7. Bis Mitte der 80er Jahre gab es den Bahnbus.Sie fuhren über Land und verbanden größere Städte.Die Bahn hat sie aus Kostengründen eingestellt.
    Europa weite Busverbindungen sind zu begrüßen.In der Türkei und vielen anderen Ländern werden die Busse staatlich gefördert,so das die Fahrpreise erschwinglich sind.

    • TDU
    • 04. März 2011 9:25 Uhr

    Tolle Diktion. Sind die Mitfahrzentralen jetzt auch schon eine zu schützende Lobby? Dann schnell subventionieren. Oder liegts nur dran, weil Schwarz Gelb diese längst überfällige Massnahme angeht. Bei Rot Grün wärs vermutlich eine Massnahme zur vernetzten Mobilität.

    Wer die mir vorgeschrieben und alternativlose Buslinie nutzt - unfreundliche Fahrer, zugige Klapperkästen, sehnt sich nach Konkurrenz. Wie beim Taxi. Oder würde man in einem Mitfahren, wo man regelmässig unfreundlich angeraunzt wird.

    Eines werden die Buslinien nicht anbieten. Flexiblen Verkehr nach Fahrtwunsch. Also haben die Mitfahrzentralen immer noch ihren Markt. Wer individuelles Fahren schätzt, wird drauf setzen. Und Konkurrenz belebt schliesslich das Geschäft. Es ist so, weil man sich als Unternehmer mehr anstrengen muss.

    Mit der Bahn habe ich gar kein Mitleid. Nichts gegen Rendite und Profit. Aber wer den Versorgungsgedanken so hintenanstellt hat nur Konkurrenz, und zwar harte, verdient.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Bundesregierung | Deutsche Bahn | FDP | Allianz | Bus | ICE
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