Mobilität Einmal volltanken für 20 Cent

In Tel Aviv ist der elektrisch angetriebene Roller Trekker schon ein großer Erfolg. Jetzt will der israelische Hersteller mit dem günstigen Gefährt Europa erobern.

In Israel besitzt der Elektroroller "Trekker" schon Kultstatus

In Israel besitzt der Elektroroller "Trekker" schon Kultstatus

Im sanften Morgenlicht, wenn Tel Aviv wieder zum brummenden Bienenstock wird, fährt Dedi Shvartzberg an allen Staus vorbei. Ein leichter Dreh am Gashebel, schon gleitet der 35-jährige Investmentbanker los. Aufrecht und lässig steht er auf seinem ungewöhnlichen Gefährt, einem größeren Tretroller, angetrieben von einem faustgroßen Elektromotor. Während die Autos auf der Dizengoff-Straße im Schritttempo kriechen, fährt Shvartzberg mit bis zu 25 Kilometern pro Stunde an ihnen vorbei. Er setzt auf Fußwege über, schlängelt sich durch Seitengassen und steht nach fünf Minuten vor der Bürotür. Mit dem Auto brauchte er vier Mal so lange. "Der Roller", sagt Shvartzberg, "ist mein fliegender Teppich."

Trekker heißt das neue Elektro-Zweirad, und es ist in Tel Aviv gerade mindestens so angesagt wie ein Sportwagen. Der Hybrid aus Fahrrad, Roller und Scooter ist elektrisch betrieben, lässt sich leicht falten, in kleinen Kellern lagern und sogar in der Bahn transportieren. Mit dieser Erfindung will der israelische Hersteller Motion Innovation am Boom der Elektrofahrräder teilhaben: "Mehr als eine Million E-Bikes werden dieses Jahr in Europa verkauft", sagt Dave Hurst vom US-Marktforschungsinstitut Pike Research voraus.

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Was als private Bastelei des Tel Aviver Ingenieurs Arik Yehuda vor ein paar Jahren begann, ist zum Kultobjekt geworden. Schon verlegen Straßencafés Steckdosen, damit die Gäste ihren Trekker neben dem Tisch aufladen können. 7000 Israelis fahren mit dem trendigen Gefährt zur Arbeit, zum Strand oder zur Familie. Die israelische Tageszeitung Ma'ariv nennt den Roller in einer Artikelüberschrift überschwänglich den "König der Straße". Und nun, hofft der Trekker-Hersteller Motion Innovation, ist Europa an der Reihe.

Vor wenigen Tagen hat der Trekker die EU-Zulassung erhalten. Ab dem Frühjahr will Motion Innovation Holländer und Italiener, wenig später auch den Rest des Kontinents mit seinem Roller elektrisieren. Dafür bauen die Israelis im niederländischen Leeuwarden eine Fertigungslinie, eine zweite soll in Griechenland den Betrieb aufnehmen. Ziel für 2011 seien mindestens 10.000 verkaufte Einheiten, sagt Motion-Innovation-Chefin Naama Taib.

Auch in Deutschland versuchen Anbieter wie der Hamburger Scooter-Hersteller Tante Paula oder Adly Moto aus Taiwan mit kleinen, wendigen E-Rollern Kunden zu gewinnen. Doch das Design vieler Roller erinnerte an Fortbewegungsmittel für Gehbehinderte. Roller wie der Trekker wollen mit ihrer schnittigen Form nun auch bei Studenten und modischen Städtern punkten. Und erst seit Kurzem warten sie dank neuester leistungsstarker Lithium-Ionen-Akkus mit alltagstauglichen Reichweiten auf. Sogar der Autokonzern Daimler prüft jetzt eine Roller-Fertigung für seine Stadtflitzer-Marke Smart.

Für die Einkaufstour, die Fahrt zur Sporthalle oder das Pendeln zur Arbeit könnten die Roller bei gutem Wetter zu einer praktischen Alternative für Bus und Bahn werden. Denn nach drei Stunden Ladezeit trägt der volle Akku den Trekker laut Hersteller bis zu 40 Kilometer weit.

Zudem sind die Mini-Roller deutlich billiger als Bahn und Bus. Tante-Paula-Fahrer berichten im Internet von einem Verbrauch von zwei Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Macht 46 Cent auf der Stromrechnung. Legt man die 300 Euro für eine neue Batterie, die nach ein paar Jahren fällig wird, auf diese Strecke um, kommt noch ein Euro hinzu. Ein Durchschnitts-Pendler, der im Monat 270 Kilometer fährt, zahlt also 3,94 Euro. Ein Monatsticket für den Bus kostet laut dem Internet-Portal Ab-in-den-Urlaub 51 Euro.

Verkehrsexperten wie Andreas Knie vom Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel sehen große Chancen für preiswerte, unkomplizierte Elektrofahrräder. Umgerechnet 1600 Euro kostet das israelische Modell, größere Scooter dagegen 4000 Euro und mehr. Zwar darf man den Trekker in der EU nur auf Radwegen fahren, dafür in vielen Ländern ohne Helm und mit Mofaführerschein. In Deutschland sind Sitz und Kennzeichen Pflicht. Aber trotz dieser Anbauten passt der Trekker laut Hersteller in den Kofferraum oder den Aufzug.

Investmentbanker Shvartzberg lädt ihn direkt neben seinem Schreibtisch auf. Nach Feierabend rollt er leise in die Nacht.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

 
Leser-Kommentare
    • hareck
    • 14.02.2011 um 13:51 Uhr

    Dafür gibt es bereits ein hervorragendes und bewährtes Verkehrsmittel, nämlich das Fahrrad.

    Wenn ich mir die kleinen Räder so anschaue, fühle ich mich darauf deutlich sicherer.

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  1. Das ist absolut nichts neues!

    MZ bietet seinen Roller Charly schon sein min. 2003 an, natürlich mit deutscher Zulassung.

    Ist natürlich auch nicht Helmpflichtig, auch unsinn hier einen Helm zu tragen!

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    ist bei 25 km/h wesentlich sinnvoller als bei 200 km/h.

    ist bei 25 km/h wesentlich sinnvoller als bei 200 km/h.

    • zd
    • 14.02.2011 um 15:36 Uhr

    nicht jeder will/kann schwitzend zur arbeit kommen und roller charly sieht tatsaechlich wie ein behindertenfahrzeug aus, die israelische variante dagegen ist viel kompakter und eleganter.

    ohne frage haben sie gute chancen auf dem eu markt.

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    • hareck
    • 14.02.2011 um 17:32 Uhr

    schon bei Tempo 25 ins Schwitzen kommt, hat es gerade doppelt nötig.

    ... DDR-"Design"; sieht aus wie ein Roller, mit dem der Sandmann vorfährt.

    • hareck
    • 14.02.2011 um 17:32 Uhr

    schon bei Tempo 25 ins Schwitzen kommt, hat es gerade doppelt nötig.

    ... DDR-"Design"; sieht aus wie ein Roller, mit dem der Sandmann vorfährt.

    • hareck
    • 14.02.2011 um 17:32 Uhr

    schon bei Tempo 25 ins Schwitzen kommt, hat es gerade doppelt nötig.

    Antwort auf "@ 1 und 2"
  2. 5. hareck

    Also 25 ist schon ein gutes Tempo und gerade als trainierter Mensch schwitzt man viel eher...
    Also ich find das Teil schon interessant, nur dumm das man in DE mal wieder iwelchen sinnlosen Mist anbaun muss.
    Mich wundert, dass man Skateboards ohne Lenker kaufen kann.

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    • hareck
    • 16.02.2011 um 14:27 Uhr

    aber man stinkt nicht so schnell !-)

    Ätsch.

    • hareck
    • 16.02.2011 um 14:27 Uhr

    aber man stinkt nicht so schnell !-)

    Ätsch.

    • Atan
    • 15.02.2011 um 10:18 Uhr

    Schließlich wird so ein Vehikel nicht von ein großen deutschen Hersteller mit entsprechender Lobby produziert, außerdem steht der riesige Rattenschwanz aus TÜV, Zulassungsbehörden und sonstigen Bürokraten solchen Lösungen entgegen. Daher würde es vermutlich fünf bis zehn Jahre dauern, so etwas in Deutschland zuzulassen, diverse Auflagen würden den Preis mindestens verdoppeln.
    Wo kämen wir da hin, wenn in Deutschland die Bürger sich einfach selbst für eine einfache, neue und preiswerte Art der Mobilität entscheiden könnten! Gute Deutsche fahren ein überteuertes, überschweres Premiummobil oder aber beweisen ihren lauteren Alternativgeist strampelnd und schwitzend auf dem Drahtesel.

  3. Rein technologisch gesehen finde ich das Gefährt durchaus interessant und sicherlich ist es eine bessere Alternative zum Auto, aber welcher Autofahrer wird freiwillig auf ein solches wackeliges und unbequemes Fortbewegungsmittel ohne jeglichen Luxus etc. umsteigen?

    Es werden wohl eher die Umsteigen die jetzt schon ohne Auto den Weg zur Arbeit beschreiten. Also mit Bus/Bahn oder Fahrrad. Wobei der Roller im Vergleich zu diesen Fortbewegungsmitteln nicht wirklich umweltverträglicher sein dürfte.

    Wohin soll das außerdem führen? Dass wir jeden noch so kleinen Weg motorisiert zurücklegen werden? Am besten gar nicht mehr durch eigene Muskelkraft fortbewegen? Dafür aber jeden Woche fleißig ins Fitnessstudio rennen (ach nein Elektro-Rollern) oder uns durch die neueste Brigitte-Diät durchfuttern?

    Wenn der Roller wenigstens die 50 km/h kratzen würde (was aus Sicherheitsgründen sicher besser nicht umgesetzt werden sollte) könnte ich einen Nutzen in dem Gerät sehen, aber 25 km/h???

    Ich fahre jeden Tag mit dem Rad auf Arbeit, bin schneller als Bus/Bahn (von Haustür zu Haustür gerechnet), nur geringfügig langsamer als mit dem Auto, habe kaum regelmäßige Kosten und bewege mich auch noch selber. Verschwitzt bin ich nicht, es sei denn wir haben es mit 30 °C Außentemperatur zu tun, aber selbst dann gibt es in den meisten Firmen Duschen und Umkleiden, auch für Bürojobs...

  4. Wer also ernsthaft mit dem Gedanken spielt sich solch ein Gefährt anzuschaffen, sollte sich die Frage stellen, ob man in ein Fahrrad nicht besser investieren würde (da man dann auch das Fitnessstudio kündigen könnte ;) )

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