Die von der Bundesregierung geplante Liberalisierung des Marktes für Fernlinienbusse kommt voran. Im April soll ein entsprechender Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht werden, heißt es vom Bundesverkehrsministerium. Ab 2012 könnte dann mit dem Ausbau eines Fernlinienbusnetzes in Deutschland begonnen werden.

Wie groß der potenzielle Marktanteil der Busse am gesamten Fernverkehr sein wird, ist schwer abschätzbar. "Das Marktpotenzial hängt extrem davon ab, wie sich die Netzdichte entwickelt", sagt Bastian Roet vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. Die wiederum werde von der zukünftigen Genehmigungspraxis und den teilnehmenden Unternehmen beeinflusst.

Derzeit ist der Markt in Deutschland ein Flickenteppich aus genehmigten Ausnahmen und dem Sonderstatus der Hauptstadt (siehe Infobox). Die meisten Fernbuslinien starten und enden in Berlin. Den Großteil dieser Linien betreibt die Berlin Linien Bus GmbH, ein Zusammenschluss von vier Unternehmen, von der zwei eigenständig sind und zwei zur Deutschen Bahn (DB) gehören.

Die Deutsche Bahn wird auch unter den ersten sein, die sich auf dem neuen Markt tummeln werden. Schon jetzt ist das Unternehmen Marktführer und wird diese Stellung wohl auch nach der Liberalisierung verteidigen können. Denn die Bahn hat einen entscheidenden Vorteil: Sie verfügt nicht nur "über umfangreiches Datenmaterial zu Reiseverhalten und Pendlerströmen", so die Autoren der Studie "Liberalisierung des Buslinienfernverkehrs in Deutschland", die die Zeppelin University Friedrichshafen im Auftrag des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) erstellt hat.

Die DB weiß auch, welcher potenzielle Konkurrent wo den Betrieb einer Fernbuslinie beantragt hat – denn die Genehmigungsbehörden müssen vor einer etwaigen Erlaubnis die Unternehmen, die im Einzugsbereich der beantragten Strecke Bahnen oder Busse fahren lassen, anhören. So erhält die Bahn "zahlreiche Informationen über den potenziellen Mitbewerber und sein Vorhaben", heißt es in der Studie.

"Wir wissen aufgrund unserer Fahrgastzahlen und Marktforschung selbstverständlich einiges über unsere Fahrgäste", räumt eine Sprecherin der DB ein. Aber: "Bezogen auf den neuen bundesweiten Fernbus-Markt betreten wir wie alle Branchenvertreter letztlich Neuland. Das gilt auch für das Wissen über den bisherigen Wettbewerb um Strecken im Fernbusbereich." Neben der Bahn werden vor allem Unternehmen, die schon jetzt im Personenverkehr aktiv sind, Interesse an dem neuen Markt haben – beispielsweise Veolia, Arriva, Deutsche Touring, aber auch Unternehmen wie die Hamburger Hochbahn.

Da Bustickets in der Regel preiswerter sind als Bahnangebote , fürchten Kritiker der Marktöffnung, dass viele Fahrgäste von der Bahn in den Bus umsteigen. So kam eine vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Risikoanalyse zu dem Schluss, dass die zukünftigen Fernbus-Passagiere zu 60 Prozent Umsteiger von der Schiene sein werden.