Verkehrsexperten wiegeln jedoch ab: Die DB werde "nicht erheblich leiden", sagt Matthias Gather, Direktor des Instituts Verkehr und Raum an der Fachhochschule Erfurt. "Um keine Kunden an die Busse zu verlieren, wird sie preislich reagieren und flexiblere Angebote machen müssen", sagt Gather, "und da hat sie auch noch Luft". Die DB könnte zum Beispiel mehr Frühbucherrabatte anbieten. Denn Busse seien vor allem für Gelegenheitsfahrer attraktiv. Für Bahn-Stammkunden, die eine Bahncard besitzen, seien die Bustickets gar nicht so viel billiger. Auch Geschäftsreisende, die schnell und komfortabel unterwegs sein wollen, werden nicht auf den Bus umsteigen.

Stattdessen werden Studierende, Menschen mit niedrigem Einkommen, aber auch Ältere, "die den Bus als Reisemittel kennen", mit Fernbussen fahren, schätzt Gather. Auch für Autofahrer und Nutzer der Mitfahrzentralen könnte es einen Anreiz geben, auf den Bus umzusteigen.

Gather geht davon aus, dass vor allem zwischen den großen deutschen Städten Busverbindungen entstehen werden. Eine Chance, dünn besiedelte und bislang vom Personenverkehr abgeschnittene Landstriche mobil zu machen, sieht er durch die Liberalisierung nicht. "Die Busunternehmen werden sich auf stark nachgefragte Strecken konzentrieren."

Das bedeutet aber auch, dass der Bus zu keiner echten Alternative für schlecht genutzte Bahnstrecken wird. Zwar seien einzelne Ersatzangebote denkbar, schließlich sind Busse schneller voll als ein Zug – und deswegen lohnt es sich auch betriebswirtschaftlich eher. "Aber einzelne Fahrtenangebote stellen keine wirklichen Verbesserung der Erreichbarkeit dar", sagt Gather.