Dicke Luft und lange Staus – das soll in Amsterdam bald der Vergangenheit angehören. Die niederländische Metropole hat sich für die nächsten Jahre große Ziele gesetzt und setzt dabei auf mehrere Säulen. So will die Stadt bis 2015 rund 10.000 Elektroautos auf den Straßen haben. Attraktiv ist die Anschaffung eines Stromers in der Grachtenstadt derzeit zweifach. Zum einen gibt es direkte Subventionen – allerdings nur für eine begrenzte Zeit und bis zu einer bestimmten Gesamtsumme. Die Stadt schießt dabei bis zu 50 Prozent des Aufpreises zu, den ein Elektroauto im Vergleich zu seinem Benzin-Pendant verursacht.

Zum anderen ist die Ladung an den 100 städtischen Ladesäulen derzeit kostenlos. Den Strom, der laut Stadtverwaltung zu 100 Prozent aus regenerativen Energien gewonnen wird, bezahlt die Stadt. In den Genuss der Vorteile kommen nur Elektroautos, elektrisch betriebene Roller oder Plug-In-Hybride, die mindestens 30 Kilometer weit ohne Hilfe ihres Verbrennungsmotors fahren können. Der Opel Ampera zum Beispiel würde also darunter fallen, der Toyota Prius Plug-In nicht.

Wenn die Zahl der Elektroautos wie geplant stark wächst, dürfte der Strom aber nicht für immer kostenlos bleiben. Zumal die Stadt, parallel zur erwarteten E-Auto-Entwicklung, weitere Ladesäulen errichtet: Bis 2012 soll es 200 öffentliche Stationen für Elektroautos geben. Für die bereits bestehenden Säulen haben bislang 300 Personen eine Kundenkarte erworben. Sie wird – ähnlich wie beim Projekt Mobi.E in Portugal – mit dem Magnetstreifen an die Ladestation gehalten. Das entsperrt die Station, der Ladevorgang kann beginnen. Die Strom-Zapfsäulen sind untereinander vernetzt: Auf Google Maps kann der Fahrer sich die Säulen anzeigen lassen und sehen, welche Station gerade frei ist.

Mit vielen Elektrofahrzeugen allein gibt sich Amsterdam aber nicht zufrieden. Man will auch den Autoverkehr insgesamt im Zentrum reduzieren, und dazu verfährt die Stadtverwaltung nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche. Parkflächen in der Innenstadt sollen schrittweise reduziert werden, dafür macht die Stadt aber Park-and-Ride-Plätze billiger und schafft mehr als 400 Kilometer Radwege. Fahrer von Elektroautos parken kostenlos, und das will in Amsterdam etwas heißen: "Unsere Parkgebühren gehören mit fünf Euro pro Stunde zu den höchsten in Europa", sagt Christine van 't Hull, die in der Stadtverwaltung in der Abteilung zur Verbesserung der Luftqualität arbeitet. Außerdem soll auf den meisten Straßen der Innenstadt Tempo 30 gelten, damit der Autoverkehr langsamer und Radfahren somit zeitlich attraktiver wird.

Die Niederländer erhoffen sich von ihrem Programm nicht nur eine deutliche Verbesserung der Luftqualität, sondern auch einen wirtschaftlichen Schub. Sie wollen Amsterdam als besonders umweltfreundliches Touristenziel etablieren und Unternehmen aus den Branchen alternative Energien und Elektromobilität anziehen. "Bis 2040 könnten in Amsterdam fast alle Motorroller und Autos rein elektrisch unterwegs sein. Der Strom muss dann natürlich komplett aus regenerativen Energien gewonnen werden", sagt van 't Hull. Bei den 200 Ladestationen soll es außerdem nicht bleiben: "Wir rechnen in den kommenden Jahren mit bis zu 2000 Stationen", so die Stadtbeauftragte.

Sollten die Amsterdamer ihr Programm konsequent durchziehen, könnte ihre Stadt zu einer der ersten Smart Cities Europas werden. Bis 2020 entstünden weltweit 110 solcher Smart Cities, in denen sich alles der Nachhaltigkeit und alternativen Energiekonzepten unterordnen muss, sagt der Analyst Surendar Chandrasekar von der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Er untersucht die Trends, von denen die Megastädte der Zukunft geprägt sein werden.

Smart Cities sind dabei entweder auf dem Reißbrett geplant wie die Öko-Stadt Masdar City in Abu Dhabi, oder man wandelt bestehende Städte Schritt für Schritt um. Für Chandrasekar ist Amsterdam das perfekte Beispiel einer solchen Evolving Smart City: "Man versucht dort, die CO2-Emissionen bis 2025 um 40 Prozent zu reduzieren. Das funktioniert natürlich nur, wenn man Anreize für eine Verhaltensänderung schafft", erläutert der Analyst. Neben dem Elektroauto müsse man auf ein komfortables Nahverkehrssystem setzen, mit dem die Nutzer deutlich schneller ans Ziel kommen als mit dem Auto. "Die Menschen werden ja nicht aufhören, Autos zu kaufen", sagt Chandrasekar. "Aber man kann sie davon überzeugen, ihre Autos in der Stadt seltener zu benutzen."