Weniger Autos auf den Straßen, weniger CO2 in der Atmosphäre, ökologisch bewusstere Menschen – für die Befürworter von Carsharing spricht alles dafür, mehr Menschen zum Umsteigen zu bewegen. Experten bescheinigen dem gemeinschaftlichen Autofahren weiter großes Wachstumspotenzial. Für Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) steht fest: "Der Markt ist da." Nur wie groß der Markt genau ist und wie einfach man ihn erschließen kann, lässt sich schwer sagen. Unterschiedliche Schätzungen kommen auf 1,5 bis vier Millionen potenzielle Carsharing-Fahrer in Deutschland.

Doch um dieses Potenzial zu heben, müssen die Anbieter ihre Modelle noch besser machen. "Es muss alles viel einfacher werden", sagt Canzler. "Fahrer müssen jederzeit spontan auf die Wagen zugreifen können, sie sollen nicht vorher festlegen müssen, wie lange sie das Auto brauchen und Einwegnutzungen müssen möglich sein."

Bislang gibt es nur wenige derart flexible Modelle. Carsharing-Fahrer können in den meisten Fällen den Wagen nur an festgelegten Stationen abholen und müssen ihn auch wieder dorthin zurückbringen. Dennoch wächst die Carsharing-Branche , die Zahl der Anbieter und Kunden nimmt zu. 2010 teilten sich immerhin 190.000 Fahrer Autos, gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Bundesverband Carsharing (bcs) mitteilt. Mehr als 120 Anbieter in 300 Städten und Gemeinden bieten Carsharing an – von großen Autoherstellern über Stadtwerke und Start-ups bis zu ehrenamtlichen Initiativen auf dem Land.

Das gemeinschaftliche Nutzen von Autos entlastet den Befürwortern zufolge vor allem die Straßen und die Umwelt. "Ein privates Auto frisst nur Raum, es steht 23 Stunden am Tag ungenutzt herum", sagt Canzler. Ein Carsharing-Wagen ersetzt laut bcs vier bis acht private PKW. Zudem sind die Autos der Carsharing-Flotten im Vergleich zu privaten Wagen im Schnitt kleiner und jünger. Neueste Technik und sparsamere Motoren schonen die Umwelt. Privat kaufe man sich eher große, spritfressende Modelle, heißt es beim bcs.

Der Haupteffekt von Carsharing liegt aber darin, dass die Nutzer lernen, sich umweltfreundlich zu verhalten, sagt Georg Wilke vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. "Das dominierende Argumentationsmuster ist, dass sich Menschen erst beim Carsharing anmelden und dann ihr eigenes Auto abschaffen", sagt Wilke. Weil sie merken, dass sie ihren eigenen Wagen eigentlich gar nicht brauchen, argumentiert zum Beispiel der bcs. Laut Wilke funktioniert die ökologische Gewöhnung aber genau andersrum: Man entscheidet sich erst – aufgrund veränderter Lebensumstände oder Einstellungen – gegen das Auto und meldet sich dann beim Carsharing an. Oder kauft sich eine Monatskarte für den Bus, wenn das besser passt. Im Ergebnis fahren die Menschen weniger Auto, gehen mehr zu Fuß oder nehmen häufiger das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel.

Eine Verbesserung des Carsharing-Ablaufs ist logistisch allerdings nicht so einfach. Die Wagen müssen untereinander und mit der Station informationstechnisch verknüpft werden, die Fahrer sollen unterwegs per Smartphone buchen können – und sich dann auch sicher sein, dass ihnen keiner das Auto vor der Nase wegschnappt. Der Fahrer möchte zudem schnell zum Auto kommen: Weiter als 700 Meter will er nicht laufen, hat der bcs ausgerechnet. Die Anbieter müssen also technisch umrüsten und entweder mehr Stationen einrichten oder ihren Kunden erlauben, das Auto überall zu parken. Mehr Wagen, mehr Technik, das ist für die Anbieter vor allem eines: teuer.