Seit einigen Wochen rollen sie wieder über die Straßen von Berlin: In edlem Grau lackierte Elektro-Minis. Auf der Tankklappe hinten links prangt in auffälligem Grüngelb ein Stromstecker-Logo. 70 Exemplare des Kleinwagens mit 204-PS-Elektromotor und 260 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Akkus liefert BMW zwischen Januar und März aus. Freiwillige aus Berlin und dem Umland dürfen die Wagen in der zweiten Phase eines großangelegten Feldversuchs ein halbes Jahr lang testen. Einer der Wagen ging an den britischen Botschafter, Simon McDonald.

"MINI E Berlin – powered by Vattenfall", heißt das Projekt. BMW will – gefördert vom Bundesumweltministerium und wissenschaftlich begleitet von den Technischen Universitäten Berlin, Chemnitz und Ilmenau – seinen Elektroflitzer unter Alltagsbedingungen erproben. Wie viele Kilometer reichen die Batterien in der Realität? Beeinträchtigen lange Nachladezeiten den Nutzwert wirklich? Wie störanfällig sind die geplanten Ladesäulen im öffentlichen Raum? Solche Fragen wollen die Münchner Autohersteller gründlich klären, bevor im Jahr 2013 ihr als revolutionär angekündigtes Megacity Vehicle auf Strombasis in Serienfertigung geht.

Die Energie für den Feldversuch kommt von Vattenfall. 50 öffentliche Ladestellen hat der schwedische Energiekonzern in Berlin aufgestellt , daneben werden in den heimischen Garagen der Testfahrer Stromkästen installiert. Aus den Steckdosen fließe ausschließlich Ökostrom, verspricht Vattenfall – und nutzt das Projekt zur Imagepflege. "Mit grünem Strom wird Fahrspaß umweltfreundlich", heißt es in großformatigen Anzeigen, unter anderem in der ZEIT . Man liefere "die Infrastruktur für eine emissionsfreie automobile Zukunft".

Doch bei genauer Betrachtung wirkt das Ganze zweifelhaft: Den Ökostrom für die E-Minis erzeugt Vattenfall nämlich gar nicht selbst, sondern kauft ihn bei der Konkurrenz ein. Und der Umweltnutzen des Ganzen ist bestenfalls marginal.

Vattenfall ist das schwedische Wort für Wasserfall. Auf seinen skandinavischen Heimatmärkten liefert der Konzern tatsächlich viel sauberen Strom aus zahlreichen Wasser- und Windkraftanlagen. In Deutschland hingegen setzt das Unternehmen auf die umweltschädliche, aber hochprofitable Braunkohleverstromung – 92 Prozent der hierzulande von Vattenfall produzierten Elektrizität stammen laut aktuellem Nachhaltigkeitsbericht aus dieser wenig nachhaltigen Quelle. Daneben betreibt Vattenfall die beiden AKWs Krümmel und Brunsbüttel, die vor allem für ihre Pannen und lange Stillstandszeiten bekannt sind. Unterm Strich verursacht das Unternehmen in Deutschland pro erzeugter Kilowattstunde Strom 1020 Gramm Kohlendioxid. Greenpeace hat Vattenfall deshalb zum "klimaschädlichsten Stromanbieter" des Landes gekürt.