StraßenzustandSchlagloch an Schlagloch

Der Winter hat auf den Straßen seine Spuren hinterlassen. Doch klammen Kommunen fehlt das Geld, um Löcher und Risse vernünftig zu stopfen – die Länder springen nun ein. von dpa

180 Grad heiß fällt die pechschwarze Masse aus dem Lastwagen auf die Landstraße. Die Männer in Orange greifen ihre Werkzeuge und verteilen den Teer gleichmäßig in der langen Furche, die sie gerade erst mit Fräse und Presslufthammer ausgehoben haben. "Hier war Loch an Loch an Loch", sagt Kolonnenführer Torsten Zeidler über den schlechten Zustand der Straße. Nun aber ist Frühling, der Bodenfrost verschwunden, und die kräftigen Männer können die Landstraße 24 bei Oschersleben in der Magdeburger Börde reparieren.

Wie das Team von Kolonnenchef Zeidler rücken die Straßenmeistereien und Bauämter momentan überall in Deutschland aus, um Schlaglöcher, Risse und aufgebrochenen Belag zu glätten. Besonders Ostdeutschland leidet unter den Folgen von Schnee und Eis, denn der Winter fiel dort kälter als aus im Süden und Westen des Landes. "2009/2010 war der Winter ganz schön giftig für die Straßen. Aber dieser Winter war noch giftiger", sagt der Leiter der Straßenmeisterei in Oschersleben, Dietmar Tondera. "Immer wieder kam die Sonne hervor, es taute, das Wasser drang in die Netzrisse der Straßen ein, in der Nacht gefror es – und dann knackte es."

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40 Prozent der deutschen Straßen sind laut TÜV Rheinland mittlerweile stark geschädigt. Das Problem: Ein Großteil der deutschen Straßen wurde in den fünfziger und sechziger Jahren gebaut. Sie seien für wesentlich weniger Verkehr ausgelegt, als nun darüber rollt, heißt es in einer Studie des Automobilclub Europas (ACE). Das Streckennetz sei etwa gleichgeblieben, werde aber von immer mehr Autos und vor allem mehr Lastwagen genutzt.

Für die Reparatur von Bundes- und Landstraßen sowie Autobahnen ist oft wesentlich mehr Geld da als für kommunale Straßen. "Für Winterschäden ist Geld vorhanden – keine Frage", sagt etwa Straßenmeisterei-Leiter Tondera. Wie auf der Landstraße 24 würden rund um Oschersleben die tiefen Schlaglöcher überall sofort gefüllt. "Bis vier Zentimeter ist zumutbar. Und da passen wir gewaltig auf", sagt der 63-Jährige. Wöchentlich kontrollierten er und seine Kollegen ihre 194 Kilometer Landstraßen, zweimal pro Woche die 144 Kilometer Bundesstraßen.

Während Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für seine Straßen in diesem Jahr 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung stellt, fehlt vielen Kommunen das Geld, um umfassend Löcher zu stopfen. Mit rund 400.000 Kilometern macht das kommunale Netz mehr als 60 Prozent des deutschen Straßennetzes aus.

Nach Schätzungen des Deutsche Städte- und Gemeindebundes (DStGB) geben die Kommunen pro Jahr etwa fünf Milliarden Euro für Reparaturen aus. "Wir bräuchten eigentlich das Doppelte, um die Straßen so zu erhalten, dass die Infrastruktur nicht verfällt", sagt DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Eine Grundsanierung, die bei der schlechten Substanz der Straßen jetzt eigentlich erforderlich sei, koste "wenigstens 25 Milliarden Euro".

Mittlerweile greifen die Länder ihren Städten und Gemeinden unter die Arme, damit die schlimmsten Buckelpisten verschwinden. 15 Millionen Euro stellt Sachsen-Anhalt gerade in einem Sonderprogramm zur Verfügung, in Hessen stehen 100 Millionen Euro bereit, in Berlin sind es 25 Millionen Euro und in Mecklenburg-Vorpommern gibt das Innenministerium ein Darlehen von 20 Millionen Euro. Die Stadt Mönchengladbach hat sogar ein Schlagloch-Spendenkonto eingerichtet, auf das Bürger der Stadt Geld überweisen können. Sie dürfen dann konkrete Schlaglöcher benennen, die gefüllt werden sollen.

Während Bund, Länder und Kommunen um die Finanzierung der Straßensanierungen ringen, sind die Autofahrer sauer. "Sogar wenn hier einer dasteht und die Straße heile macht, meckern se", beschwert sich Kolonnenchef Zeidler. Trotz der Tempo-30-Schilder und der gelben Blinklichter rasen die Fahrzeuge oft nur wenige Zentimeter an den Männern vorbei. Manche fahren langsam und öffnen das Fenster – "ich möchte gar nicht wiedergeben, was man da an den Kopf geschmissen kriegt", sagt Zeidler. Dann schnappt er sich eine 800 Kilogramm schwere Walze und rüttelt das Füllgut im Loch fest, bis die Straße wieder glatt ist. Zumindest vorübergehend.

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Leserkommentare
  1. Also hier in Niedersachsen werden die gröbsten Schäden erst kurz vor dem nächsten Winter verkleistert, mit einer Methode, die die nächsten Bruchstellen schon erahnen läßt.

  2. sowie berlins strassen,
    am besten die politiker aus den rathäusern zerren.

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte CSU | Innenministerium | Peter Ramsauer | Bundesverkehrsminister | Euro | Gerd Landsberg
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