Automuseum TurinStarke Maschinen, markante Formen

Pünktlich zum italienischen Staatsjubiläum erstrahlt das Turiner Automuseum in neuem Glanz. Das Designbüro Pininfarina hat einige seiner größten Schätze beigesteuert. von Sebastian Viehmann

Italien feiert 150 Jahre Staatsgründung – und die Autobauer feiern mit. In Turin erstrahlt das Automobilmuseum in neuem Glanz. "Jetzt haben auch wir ein Facelift bekommen", freut sich die Leitung des Museo Nazionale dell'Automobile di Torino. 33 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in die Restaurierung und Erweiterung investiert, der bekannte Architekt Cino Zucchi und der Filmset-Designer François Confino haben das 19.000 Quadratmeter große Ausstellungsgelände umgekrempelt. 200 Fahrzeuge von 85 verschiedenen Marken werden aufwändig in Szene gesetzt, das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1769.

Auch wenn vom Trabi über den berühmten Willys Jeep der amerikanischen Armee bis hin zur "Ente" die automobilen Ikonen aus aller Welt vertreten sind, machen die italienischen Klassiker natürlich die eigentliche Faszination des Museums aus. Es beginnt ganz volksnah mit Autos wie dem ersten Fiat von 1899 oder dem ersten Exportmodell Fiat 12/16 HP. Das Kontrastprogramm dazu bilden fast vergessene Preziosen wie der Isotta Fraschini 8A. Der italienische Schauspieler Rodolfo Valentino, ein großer Star der Stummfilm-Zeit, kaufte sich einst diese luxuriös ausstaffierte Limousine.

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So abgedroschen die Redewendung "bella macchina" auch sein mag – hier ist sie wirklich gerechtfertigt. Etwa für den von 1947 bis 1952 nur etwa 170 Mal gebauten Cisitalia 202, eines der schönsten Modelle des ehemaligen Sportwagenbauers. Der Wagen mit Stahlrahmen und Aluminiumkarosserie wurde auch "fahrende Skulptur" genannt – Battista Pinin Farina, der Gründer des legendären Designbüros Pininfarina, erlangte durch den Cisitalia 202 weltweite Beachtung. Selbst ins New Yorker Museum of Modern Art hat es das zeitlos elegante Coupé geschafft.

Auch François Confino zeigte sich von dem Wagen beeindruckt: "Wenn ich ein Auto aus der Sammlung stehlen müsste, dann würde ich den Cisitalia nehmen", gesteht der Gestalter des neuen Museums. Pininfarina steuert aber noch andere Schätze aus der eigenen Historie zur Turiner Sammlung bei. Dazu gehört der Lancia Flaminia Presidenziale von 1960. Nur vier Exemplare der Präsidentenlimousine wurden gebaut, noch heute kommt sie bei großen Paraden zu Ehren. Der ehemalige italienische Staatspräsident Giovanni Gronchi persönlich hatte den Wagen bei Pinin Farina in Auftrag gegeben. Das in Turin gezeigte Exemplar wurde zum ersten Mal 1961 beim Staatsbesuch von Queen Elizabeth eingesetzt.

Informationen zum Museum

Das Museo Nazionale dell’Automobile di Torino liegt südlich der Turiner Innenstadt am Corso Unità d'Italia. Es ist wie folgt geöffnet: montags von 10 bis 14 Uhr; dienstags von 14 bis 19 Uhr; mittwochs, donnerstags und sonntags von 10 bis 19 Uhr, freitags und samstags von 10 bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Schülergruppen zahlen pro Person 2,50 Euro.

"Das neue Museum ist ein wichtiges Lebenszeichen für Turin", sagt Paolo Pininfarina, der Chef des Designbüros. Für ihn sei Turin immer noch die "unbestrittene Hauptstadt des Automobils". Damit die schönsten Formen auch künftig in Italien in Blech gegossen werden, betreibt das Museum Nachwuchsarbeit. In einer speziell für Schüler und Studenten gedachten Abteilung können Autoschöpfer in spe Interviews mit berühmten Designern lauschen.

Der schönste Beweis dafür, dass italienisches Design lebt, war zuletzt der Pininfarina 2uettottanta, der voriges Jahr zum 80. Geburtstag des Unternehmens entstand. Er war 2010 der Publikumsmagnet auf dem Genfer Salon und heimste den Preis "Car Design of the Year" ein. Der 2uettottanta ist ein Tribut an Alfa Romeo und erinnert nicht nur im Namen an den Duetto Spider von 1966. Die leicht geschwungene, aber völlig schnörkellose Seitenlinie läuft in einer dezenten Falz nach hinten, zwei schmale LED-Scheinwerfer blitzen unter der breiten Haube hervor. Das Heck erinnert an ein schnittiges Motorboot und geht in Richtung Cockpit fließend in zwei Höcker über, die vor den Kopfstützen abschließen. Ebenfalls zu sehen im Turiner Automuseum.

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Fiat | Alfa Romeo | Facelift | Lancia | Museum | Italien
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