EU-KraftstoffregelnStreit ums Diesel-Privileg

Die EU will den Steuersatz bei Diesel erhöhen. Die Autoindustrie betrachtet das als Angriff auf ihre Antriebstechnik – doch Fachleute sehen darin auch Chancen.

1,469 Euro – so viel kostet im Bundesdurchschnitt derzeit ein Liter Diesel. Das sind gut zehn Cent weniger als der umstrittene Kraftstoff E10 und sogar 20 Cent weniger als Super plus. Wer Diesel tankt, spart an der Zapfsäule. Für viele Autofahrer, vor allem Vielfahrer, rechnet sich die Anschaffung eines Diesel-Pkw, selbst bei höheren Anschaffungskosten und höherer Kfz-Steuer.

Noch. Denn der Preisvorteil an der Tankstelle droht zu verschwinden. Grund sind neue Pläne der EU-Kommission: Sie will in einer neuen Energiesteuer-Richtlinie festlegen, dass Kraft- und Heizstoffe in Zukunft gemäß ihrem Energiegehalt besteuert werden müssen. Das hätte für Dieselfahrer Nachteile, denn der Energiegehalt von Diesel ist höher als der von Benzin.

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Die Besteuerung funktioniert in Deutschland derzeit aber genau umgekehrt: Im Literpreis für Diesel stecken 47 Cent Energiesteuer, bei Super sind es dagegen 65 Cent. Künftig könnte der Steuersatz beim Diesel dagegen bei 75 Cent liegen, wenn der Satz für Benzin unverändert bleibt. Ein Liter des Kraftstoffs wäre dann also um mindestens zehn Cent teurer als der Liter Benzin.

Der Protest von ADAC und Autobranche ließ deshalb nicht lange auf sich warten. Der Automobilclub kritisierte den EU-Vorstoß als willkürliche Festlegung. "Es wäre sinnvoller, Energieträger zu besteuern, die man in der Praxis nicht möchte", sagte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. So sei der Energiegehalt von Braunkohle niedriger als der von Steinkohle – nach der Logik der EU müsste sie trotz ihrer Umweltschädlichkeit niedriger besteuert werden. Maurer wies zudem darauf hin, dass die Fahrer von Dieselautos bei der Kfz-Steuer schon mit einem höheren Grundbetrag pro 100 Kubikzentimeter Hubraum belastet seien.

"Die Pläne der EU-Kommission würden dazu führen, dass Dieselkraftstoff gegenüber Benzin deutlich teurer würde", warnte der Präsident des Automobilverbandes VDA, Matthias Wissmann. "Bei einem unveränderten Steuersatz für Benzin bedeutet das eine Erhöhung auf Diesel um 60 Prozent oder 28 Cent pro Liter." Wissmann warnte, dass damit auch der gesamte Straßengütertransport erheblich teurer würde – dies bedeute höhere Verbraucherpreise. "Das trifft jeden Konsumenten", sagte der VDA-Chef.

Zudem gefährdet die EU-Kommission nach Ansicht des VDA mit dem Vorstoß technologische Fortschritte bei der Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes in der Dieseltechnik. Die Kritik des deutschen Branchenverbandes ist aus dessen Sicht durchaus nachvollziehbar: Bei Selbstzündermotoren sind die hiesigen Hersteller Spezialisten, sie haben in den vergangenen Jahren viel in die Entwicklung investiert.

Leserkommentare
  1. Besteuert werden muss der Energiegehalt und nicht der Liter. Dieser alte Zopf muss endlich abgeschnitten werden.
    Ich habe mich über diese Verrücktheit immer gewundert.

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    Wo bleibt Ihre Argumentation?
    Wenn Dieselkraftstoff, der als Nebenprodukt bei der Herstellung von Benzin anfaellt, verteuert wird, steigen automatisch die Preise fuer fast alle Konsumprodukte, also Lebensmittel, Elektroartikel etc., weil hoehere Transportkosten (LKW- u. Schiffsverkehr) auf die Verbraucherpreise aufgeschlagen werden. Das wuerde sich besonders in Europa bemerkbar machen, denn die europaeische Industrie hat einen Grossteil arbeitsintensiver Produktionsvorgaenge in Niedriglohnlaender verlagert. Das sollte doch jedem bekannt sein.
    Das Mineraloelsteuerrecht ist ein ordnungspolitisches Instrument. Wenn es durch Ignoranten ideologisiert werden sollte, entstuende ein oekonomisches Chaos.
    Die EU hat uns bereits mit ihrer Transferpolitik ein solches Chaos bereitet. - Uebrigens waeren der Schiffs- und der Bahnverkehr ebenfalls von der Steuererhoehung betroffen, denn dort werden besonders energiereiche Schweroele verbraucht.
    Wenn es Ihnen, verehrter Herr "dborrmann", in erster Linie um "Gleichbehandlung" geht, sollten Sie sich den Kommunismus á la "Linke" zurueckwuenschen.

    Wo bleibt Ihre Argumentation?
    Wenn Dieselkraftstoff, der als Nebenprodukt bei der Herstellung von Benzin anfaellt, verteuert wird, steigen automatisch die Preise fuer fast alle Konsumprodukte, also Lebensmittel, Elektroartikel etc., weil hoehere Transportkosten (LKW- u. Schiffsverkehr) auf die Verbraucherpreise aufgeschlagen werden. Das wuerde sich besonders in Europa bemerkbar machen, denn die europaeische Industrie hat einen Grossteil arbeitsintensiver Produktionsvorgaenge in Niedriglohnlaender verlagert. Das sollte doch jedem bekannt sein.
    Das Mineraloelsteuerrecht ist ein ordnungspolitisches Instrument. Wenn es durch Ignoranten ideologisiert werden sollte, entstuende ein oekonomisches Chaos.
    Die EU hat uns bereits mit ihrer Transferpolitik ein solches Chaos bereitet. - Uebrigens waeren der Schiffs- und der Bahnverkehr ebenfalls von der Steuererhoehung betroffen, denn dort werden besonders energiereiche Schweroele verbraucht.
    Wenn es Ihnen, verehrter Herr "dborrmann", in erster Linie um "Gleichbehandlung" geht, sollten Sie sich den Kommunismus á la "Linke" zurueckwuenschen.

    • chribo
    • 08.04.2011 um 19:58 Uhr

    In der Schweiz werden die Treibstoffe seit langer Zeit nach Energiegehalt und nicht nach Volumen besteuert. Da Diesel eine grössere Verbrennungsenergie pro Masse enthält und gleichzeitig eine grössere Dichte als die üblichen Benzinsorten aufweist, ist hier Diesel deutlich teurerer als Benzin.
    Trotzdem ist noch anzumerken, dass Dieselmotoren grundsätzlich einen etwas höheren Wirkungsgrad aufweisen als Ottomotoren.

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    Also der Heizwert/kg liegt für Diesel bei 11,8 Mj/kg, Benzin bei 12,1. Wo haben Sie Ihre Erkenntnis her ?

    chribo meinte dass der Heizwert pro Masse in Verbindung mit der Dichte, somit Heizwert pro Liter Diesel > Heizwert pro Liter Benzin ist. Die Werte in Wikipedia unterstützen dieses Argument. (Achtung die Einheiten beachten MJ/kg ist nicht gleich MJ/L)

    Also der Heizwert/kg liegt für Diesel bei 11,8 Mj/kg, Benzin bei 12,1. Wo haben Sie Ihre Erkenntnis her ?

    chribo meinte dass der Heizwert pro Masse in Verbindung mit der Dichte, somit Heizwert pro Liter Diesel > Heizwert pro Liter Benzin ist. Die Werte in Wikipedia unterstützen dieses Argument. (Achtung die Einheiten beachten MJ/kg ist nicht gleich MJ/L)

  2. Der Energiegehalt eines Kraft-, oder Heizstoffes sagt erst einmal nicht das Geringste über dessen relative Umweltverträglichkeit, dessen Nutzen, dessen Produktionsweise, ..., ... und so weiter aus.

    Im Gegenteil, ein höherer Energiegehalt ist innerhalb bestimmter Parameter eher wünschenswert.

    Diese Form der Besteuerung ist daher mehr als unsinnig, sie ist eher kontraproduktiv im Blickfeld einer nachhaltigeren Wirtschaft. Im Ergebnis gibt sie der sinnlosen Masse an Kraft- und Heizstoffen gegenüber einer erreichbaren Qualität den Vorzug.

    Sinnvoller Fortschritt wird so verhindert. Armselig und traurig.

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    Soll nur besteuert oder gesteuert werden? Zählt nachhaltige Entwicklung weniger als eine überstürzt, konfuse Suche nach Lösungen für den Post-PeakOil?
    M.E. sind viele Entscheidungsträger der Idee steuerbegünstigte Dienstwagenfahrer, welche niemals vor der (Investitions-) entscheidung gestanden haben ob ein Diesel oder Benziner die adäqute Wahl zur Lösung individueller Transportanforderungen darstellt.

    Ich habe diese Entscheidung vor ~8 Jahren zugunsten eines Diesel (Euro 3) getroffen und gehofft damit die langfristig (in Bezug auf die Lebenserwartung des PKW) ökologisch wie wirtschaftlich sinnvollste Variante getroffen zu haben. Wenn die Politik nun aber der Meinung ist die Rahmenbedingungen an Trends auszurichten, fehlt mir die Phantasie, wie die Entscheider eine sinnvolle Strategie für die Zeit nach dem Öl auf den Weg bringen wollen.

    Primär sollte es darum gehen die Flottenverbräuche zu senken und z.B. sinnvolle Regelungen für Neuwagen einzuführen (einen Heizöl-Ferrari mit 300kW braucht niemand, die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Autobahnen liegt sicherlich deutlich unter 120km/h). Alles was im Bestand fährt, sollte auch langsfristig genutzt werden, da die für die Produktion neuer Fahrzeuge benötigten Ressourcen niemals durch die Stilllegung Alter amortisiert werden.

    Letztlich muß jeder für sich selbst einen verantwortungsvollen Umgang mit der Notwendigkeit sowie Art und Weise ölgetriebener Fortbewegung lernen. Die Politik muß dafür "nur" sinnvolle Grenzen setzen.

    Soll nur besteuert oder gesteuert werden? Zählt nachhaltige Entwicklung weniger als eine überstürzt, konfuse Suche nach Lösungen für den Post-PeakOil?
    M.E. sind viele Entscheidungsträger der Idee steuerbegünstigte Dienstwagenfahrer, welche niemals vor der (Investitions-) entscheidung gestanden haben ob ein Diesel oder Benziner die adäqute Wahl zur Lösung individueller Transportanforderungen darstellt.

    Ich habe diese Entscheidung vor ~8 Jahren zugunsten eines Diesel (Euro 3) getroffen und gehofft damit die langfristig (in Bezug auf die Lebenserwartung des PKW) ökologisch wie wirtschaftlich sinnvollste Variante getroffen zu haben. Wenn die Politik nun aber der Meinung ist die Rahmenbedingungen an Trends auszurichten, fehlt mir die Phantasie, wie die Entscheider eine sinnvolle Strategie für die Zeit nach dem Öl auf den Weg bringen wollen.

    Primär sollte es darum gehen die Flottenverbräuche zu senken und z.B. sinnvolle Regelungen für Neuwagen einzuführen (einen Heizöl-Ferrari mit 300kW braucht niemand, die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Autobahnen liegt sicherlich deutlich unter 120km/h). Alles was im Bestand fährt, sollte auch langsfristig genutzt werden, da die für die Produktion neuer Fahrzeuge benötigten Ressourcen niemals durch die Stilllegung Alter amortisiert werden.

    Letztlich muß jeder für sich selbst einen verantwortungsvollen Umgang mit der Notwendigkeit sowie Art und Weise ölgetriebener Fortbewegung lernen. Die Politik muß dafür "nur" sinnvolle Grenzen setzen.

  3. Was geschieht mit der erhöhten KFZ-Steuer für Dieselfahrzeuge.
    Die EU abschaffen, jedes Land wirtschaftet eigenständig dann klappt es wieder so wie früher. Wo bleiben all unsere Steuern gehen diese nur in andere Länder. Wie ist es nur möglich Artikel mit mehreren Steuern zu belegen. Unsere Politiker sind am Ende, wann kommt der große Knall ???

    8 Leserempfehlungen
    • self22
    • 08.04.2011 um 20:44 Uhr

    besteuert werden muß der Flug zum Wochenendshoppen nach London oder NY oder der Wochenendtripp (al la Obergrüner Name fällt mir gerade nicht ein) nach Südostasien.

    Aber hier gibt es immer noch Steuefrei!!

    Ihr habt sie doch nicht mehr alle!
    Dem Pendler und gemeinen Malocher das Geld aus der Tasche ziehen, bevor er überhaupt erst die Möglichkeit hat, für seine Familie ein paar Kröten zu verdienen. Ihr schafft es noch, dass er ein Negativeinkommen erzielt, d.h. die steiegenden Fahrtkosten übersteigen das fallende Realeinkommen.

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  4. wieso man nicht die Steuern für Benzin senkt, wenn es um eine "Gleichbehandlung,Energiegehalt" geht?

    7 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 09.04.2011 um 7:44 Uhr

    Es geht hier doch um eine Reform!

    Haben Sie schon einmal von einer Refdorm gehört, die dem "Kleinen Mann" zu Gute kommt?

    • Chali
    • 09.04.2011 um 7:44 Uhr

    Es geht hier doch um eine Reform!

    Haben Sie schon einmal von einer Refdorm gehört, die dem "Kleinen Mann" zu Gute kommt?

  5. Geld für Portugal?

    2 Leserempfehlungen
  6. Für die deutsche Autoindustrie birgt diese Idee der EU-Komission Nachteile, darauf will ich nicht eingehen, ist wohl offensichtlich.

    Es bringt aber Nachteile für die Verbraucher. Es wird alles teurer dadurch. "Alles" übertrieben? Wohl kaum.
    Man schaue sich die Logistikwirtschaft in Deutschland an indem man einfach auf die Autobahnen sieht.
    Sämtliche Industrien und Händler werden ihre Waren nicht mehr so günstig wie bisher erhalten und ausliefern können.

    Im Wesentlichen bekommt dies der Verbraucher zum Einen durch Preiserhöhungen der Produkte zu spüren, zum Anderen aber durch aufbleibende Gehaltserhöhungen - schließlich werden Gewinne wohl auch zurückgehen, da die Kauflust national zurückgehen wird. Ganz abgesehen davon, dass auch der Privatkonsument den Diesel kaufen muss.

    In den letzten 6 Monaten sind unsere Kraftstoffpreise ohnehin um gut 20% gestiegen. Das ist eine Unverschämtheit und Geldmacherei.

    Ich persönlich bin wie viele zufällig auch davon betroffen.

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