Der Frühling ist da, Radler bevölkern die Straßen – und damit beginnt der Kampf auf dem Asphalt wieder. Die Prüforganisation Dekra nimmt dabei vor allem die Radfahrer in die Pflicht. "Manche unternehmen den Ritt auf der Kanonenkugel", sagt der Berliner Gebietssprecher Carsten Bräuer – mit hohem Tempo, in falscher Richtung auf dem Radweg und ohne Rücksicht auf rote Ampeln.

In einer Dekra-Umfrage unter 1600 Autofahrern hatten sich drei von vier Befragten beklagt, dass sich Radler häufig über die Verkehrsregeln hinwegsetzen. Selbst von den Befragten, die oft Fahrrad fahren, meint nur jeder Vierte, dass sich Radler "im Allgemeinen" an die Regeln halten. 44 Prozent aller Befragten äußerten zudem, dass Radfahrer öfter Fußgänger in Gefahr bringen.

Andererseits warf mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) den Autofahrern vor, zu wenig Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen. Genauso viele äußerten die Meinung, dass sich Autos und Fahrräder im Straßenverkehr häufig auf Kollisionskurs bewegen und Radler und Autofahrer oft keine Partner, sondern Gegner sind. Die Dekra forderte Aufmerksamkeit und Rücksicht von allen Verkehrsteilnehmern. Nach dem neuen Verkehrssicherheitsreport der Dekra machen in Deutschland weiterhin die Schwächsten – Radfahrer und Fußgänger – ein Viertel der Verkehrstoten aus.

Mit dem Trend zu Elektrofahrrädern sieht die Prüforganisation zudem neue Gefahren. "Früher haben die Alten und Gebrechlichen diese Räder gekauft, jetzt gibt es sie auch als Sportfahrräder", sagt Dekra-Vorstandsmitglied Clemens Klinke. Nun würden Mountain-Bikes mit Tempo 30 oder 40 den Berg hinauffahren. Für diese Radler forderte Klinke eine Helmpflicht. Radwege müssten deutlich von Straße und Gehweg abgegrenzt sein, Kreuzungen verkehrssicher gestaltet und gut beleuchtet werden.

Zuvor hatte bereits Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) von den Ländern strengere Kontrollen von Radfahrern gefordert. Er erwarte von allen Verkehrsteilnehmern, sich an die Regeln zu halten und das Gebot der Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu beherzigen. Bei den Radlern dürfe sich keine "Ich-darf-das-Mentalität" einschleichen, sagte Ramsauer. "Offensichtlich müssen viele lernen, dass sie nicht die Robin Hoods der Straße sind." Der Begriff der "Kampfradler" mache bereits die Runde. In der Dekra-Umfrage traf der Vorschlag, die Verkehrsverstöße von Fahrradfahrern konsequenter zu ahnden, indes nur auf verhaltene Zustimmung (55 Prozent).

Der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnt hingegen davor, Radfahrer einseitig als Verkehrsrowdys darzustellen. Nur bei einem Viertel der Unfälle zwischen Autos und Radfahrern sei der Radler Hauptverursacher, sagt Doris Neuschäfer vom VCD-Bundesvorstand. "Radfahrer und Fußgänger sind keine Störfaktoren im Straßenverkehr, sondern gleichberechtigte Partner." Wer wie Ramsauer verlange, sich an die Verkehrsregeln zu halten, dürfe nicht "einäugig nur auf die Radler schauen".