Auto-SpitznamenErdbeerkörbchen und Badewanne sind passé

Ob Ente, Schneewittchensarg oder Hängebauchschwein: Spitznamen für Autos sind out, meinen Experten. Ein Grund ist das verwechselbare Autodesign von heute. von dpa

Der Golf Cabrio erhielt in den achtziger Jahren schnell den Beinamen Erdbeerkörbchen, wegen des Überrollbügels

Der Golf Cabrio erhielt in den achtziger Jahren schnell den Beinamen Erdbeerkörbchen, wegen des Überrollbügels  |  © Volkswagen

Die Automobilgeschichte hat viele urige Protagonisten. Da gab es die Knutschkugel, das Kommissbrot, die Badewanne oder den Barockengel. Diese Spitznamen formulierte der Volksmund für den BMW Isetta und die Modelle Hanomag 2/10 PS, Ford Taunus 17M und BMW 501. Unvergessen sind auch der Hausfrauenporsche (Karmann Ghia), der Schneewittchensarg (Volvo P1800 ES) und die Ente (Citroën 2CV).

Doch die Zeit der Kosenamen fürs rollende Blech halten Experten für weitgehend abgeschlossen. Markus Lindla von der Namensagentur Nambos in Köln wagt einen Erklärungsversuch: "Es gibt kaum noch Spitznamen, da sich die meisten Autos von heute der Stromlinienform unterwerfen. Auf den ersten Blick lässt sich mancher Toyota kaum noch von einem Lexus oder der 5er BMW von einem beliebigen anderen Mittelklassewagen unterscheiden." Demnach ist es die mangelnde Charakteristik der Fahrzeuge, die Kosenamen rar werden lässt.

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Als die Autos noch nicht so verwechselbar waren, war der Volksmund hingegen ein reger Erfindergeist. Zum Beispiel zu Zeiten des VW 1200, den es über Jahrzehnte im nahezu gleichen Blechkleid unter anderem auch als VW 1300, VW 1500 oder VW 1303 gab. "Ob es ein amerikanischer Importeur war, der diesen Wagen als allererster 'Beetle' nannte? Kann schon sein", mutmaßt der Leiter der Volkswagen Classic GmbH, Bernhard Kittler. Letztlich sei ungeklärt, wie die naheliegende Bezeichnung entstand, die im deutschsprachigen Raum schnell als "Käfer" übernommen wurde.

Ein Auto, dem ein Spitzname verpasst wird, muss die Menschen reizen – optisch, durch die verbauten Materialien oder einfach durch bescheidene Verhältnis im Innenraum, wie bei der Isetta von BMW (1955 bis 1962). Der Zweisitzer mit der großen Fronttür erhielt wegen der nahezu ballförmigen Karosserie gleich zwei Beinamen: rollendes Ei und Knutschkugel. Letzteren wegen des notgedrungen kuscheligen Zusammensitzens im Innern. Haifischmaul hieß der Opel Olympia Rekord aus den fünfziger Jahren wegen seines ovalen Kühlergrills: "Er sah aus, als wolle er gleich zubeißen", sagt Lindla.

Der Leiter der Kölner Agentur Endmark, Bernd Samland, kennt noch einen weiteren Anreiz für die Spitznamen von damals: "Vor allem die bekamen einen, die keinen richtigen Namen hatten", erklärt der Namenexperte. Das Model T von Ford wurde so zur Tin Lizzy (Blechliesel), der T1 von VW zum Bulli.

Egal ob die Namen liebevoll gemeint waren oder despektierlich – verkaufsfördernd waren sie nach Einschätzung der Experten allemal. Nur die Hersteller erkannten dies nicht immer. "Den Namen Käfer hat man bei Volkswagen gemieden wie der Teufel das Weihwasser", sagt VW-Historiker Kittler. "Er war einfach zu verniedlichend für ein Fahrzeug, das im Deutschland der fünfziger Jahre fast 30 Prozent des Pkw-Marktes ausmachte." Später besann sich VW und griff zumindest zur englischen Bezeichnung, als 1997 der New Beetle vorgestellt wurde.

Leserkommentare
    • pekir
    • 30. April 2011 19:40 Uhr

    Noch einer: "Mensch in Aspik" für den unvergessenen Messerschmitt Kabinenroller.

  1. 2. .....

    "Auf den ersten Blick lässt sich mancher Toyota kaum noch von einem Lexus (...) unterscheiden."

    Und das hat ein Experte gesagt?

    *räusper*

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte BMW | Ford | Fiat | Toyota | Volvo | Lexus
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