Autoklassiker Schwedisches Automärchen

Vor 50 Jahren präsentierte Volvo den P1800. Das schöne Coupé wurde zum TV-Star, unvergessen bleibt der "Schneewittchensarg" 1800 ES.

Pelle Petterson liebt das Meer. 1964 holte er bei den Olympischen Spielen in Tokio eine Medaille im Segeln und entwarf später als Industriedesigner elegante Yachten. Doch Volvo-Fans kennen den heute 78-Jährigen vor allem wegen seines Ausflugs ins Automobildesign. Petterson entwarf 1957 den P1800, der 1961 als eines der schönsten Volvo-Modelle aller Zeiten in Serie ging.

In den ersten Jahren wurde der Wagen in Großbritannien montiert. Dort schaffte er es auch zum TV-Star: Roger Moore jagte als Privatdetektiv Simon Templar in einem Volvo P1800 Ganoven über die Insel und fuhr auch privat ein Auto des Modells. 1963 holte Volvo die Produktion nach Schweden ins Stammwerk bei Göteborg. Bis zum Produktionsende 1973 liefen knapp 40.000 Autos vom Band.

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Die seltenste, aber auch faszinierendste Version ist der 1800 ES. Der Lifestyle-Kombi mit den pfostenlosen Seitenscheiben war zwar nicht das erste Auto seiner Art – diese Ehre gebührt eher dem Chevrolet Nomad – aber ganz sicher eins der elegantesten. Für schicke, sportliche Autos war damals die Bezeichnung Kombi fast schon eine Beleidigung, deshalb nannte man den 1800 ES lieber Shooting Brake. Diese Fahrzeuggattung war in England Ende der sechziger Jahre populär, es gab Shooting Brakes wie den Reliant Scimitar und den in Kleinserie gebauten Aston Martin DB5 mit Kombiheck. Auf solche Autos dürfte Volvo geschielt haben, als man den P1800 vom Sportcoupé zum Edelkombi aufpeppte.

In Deutschland hatte der Wagen schnell den Spitznamen "Schneewittchensarg" weg. Schneewittchen wurde im Märchen bekanntlich in einen gläsernen Sarg gelegt, bevor ein vorbeireitender Prinz sich in die Scheintote verliebte und sie am Ende wieder zum Leben erweckte. Das gläserne Heckabteil des Volvo ist wirklich ein Blickfang, auch ohne schlafende Schöne. Es ist mit Teppich ausgekleidet, zum Öffnen der grün getönten Glasklappe muss man sich mit einem eigenwilligen Drehknopf anfreunden. Mit ein paar Handgriffen wird der schicke Schwede sogar wirklich zum Kombi: Bei umgelegter Rückbank bietet der Volvo-Veteran 991 Liter Stauraum.

Auch das Cockpit gibt sich edel, es verwöhnt den Fahrer mit einem gemütlichen Ledersitz samt Lordosestütze. Wer die Gurtschnalle nicht in das beleuchtete Schloss führt, wird sofort mit der Sicherheitsanweisung konfrontiert, wenn das rote "Bitte anschnallen"-Lämpchen am Armaturenbrett aufleuchtet. Zwar bleibt man vom Gepiepse moderner Gurtwarner verschont, doch in den frühen siebziger Jahren, die noch keine Gurtpflicht kannten, war schon die kleine Warnleuchte eine geradezu penetrante Funktion.

Aber so sportlich der Shooting Brake auch aussieht – fahren tut er sich nicht so. Unter der lang gestreckten Haube verrichtet ein Zweiliter-Vierzylinder mit 125 PS seinen Dienst, an die hakelige Viergangschaltung hat man sich nach ein paar Kilometern gewöhnt. Die gefühllose Lenkung vermittelt hingegen überhaupt keinen Kontakt zur Fahrbahn. Die hintere Starrachse trampelt über Bodenwellen. In Kurven gibt sich der Wagen trotz seines Gewichtes von nur 1,2 Tonnen ziemlich schwerfällig. Selbst 1971 gab es viele Autos, die deutlich mehr Fahrspaß zu bieten hatten.

Doch ob Kombi oder Coupé, die Sportlichkeit war ohnehin nie das Aushängeschild des P1800. Dafür ist der Wagen ein zäher Schwede – wie Irv Gordon bewiesen hat. Der Amerikaner kaufte sein P1800 Coupé im Jahr 1966 und hat seitdem mehr als 2,8 Millionen Meilen (4,5 Millionen Kilometer) mit ihm zurückgelegt. Bald will er die Drei-Millionen-Marke knacken. Eigentlich wollte der pensionierte Lehrer sein Rekordfahrzeug – zwei Einträge ins Guinness-Buch hat Gordon bereits geschafft – einem Museum übergeben, doch dann besann er sich anders. Er fuhr ihn weiter, und wenn er ihn irgendwann einmal verkauft, dann wohl nur zu einem stolzen Preis: "Natürlich für drei Millionen Dollar", sagt der 70-Jährige.

Deutlich günstiger ist dagegen ein 1800 ES zu haben. Wer einen in gutem Zustand ergattern möchte, muss laut Youngtimer-Preisnotierung aber mindestens 20.000 Euro einplanen. Und wer sich einen gesichert hat, gibt ihn so schnell nicht wieder her. Insgesamt liefen kaum mehr als 8000 Exemplare des ES vom Band.

 
Leser-Kommentare
  1. Mein jetziger (V70) siebter Volvo hat in Kürze seine 400.000 km Marke erreicht und ist vorgestern problemlos durch den TÜV gekommen. Außer normalen Verschleißteilen ist bisher nur der Schiebedacheinsatz und ein Elektronikteil (Motorsteuerung) ausgetauscht worden. Die gesamte Auspuffanlage ist noch Original.

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    • chamsi
    • 08.04.2011 um 10:49 Uhr

    mein letzter VolvoKombi wurde locker 15 Jahre alt,
    ohne irgendwelche Probleme in der ganzen Zeit.
    Erst dann wollte er nicht mehr und ich habe ihn
    schweren Herzens verschrotten lassen.
    Der neue, ein V70 Kombi/Diesel/Allrad, läuft
    bislang (4 Jahre) auch phantastisch.....
    Vom "Schneewittchensarg" bis heute...eine
    interessante Entwicklung im Design....:)

    • chamsi
    • 08.04.2011 um 10:49 Uhr

    mein letzter VolvoKombi wurde locker 15 Jahre alt,
    ohne irgendwelche Probleme in der ganzen Zeit.
    Erst dann wollte er nicht mehr und ich habe ihn
    schweren Herzens verschrotten lassen.
    Der neue, ein V70 Kombi/Diesel/Allrad, läuft
    bislang (4 Jahre) auch phantastisch.....
    Vom "Schneewittchensarg" bis heute...eine
    interessante Entwicklung im Design....:)

    • chamsi
    • 08.04.2011 um 10:49 Uhr

    mein letzter VolvoKombi wurde locker 15 Jahre alt,
    ohne irgendwelche Probleme in der ganzen Zeit.
    Erst dann wollte er nicht mehr und ich habe ihn
    schweren Herzens verschrotten lassen.
    Der neue, ein V70 Kombi/Diesel/Allrad, läuft
    bislang (4 Jahre) auch phantastisch.....
    Vom "Schneewittchensarg" bis heute...eine
    interessante Entwicklung im Design....:)

    Antwort auf "Was soll ich sagen?"
    • LeMans
    • 08.04.2011 um 10:57 Uhr

    dachte ich beim Anblick der aktuellen Modelle. Abschreckend finde ich nur die Preisgestaltung sowie die Temperamentlosigkeit der Motoren.

  2. Mein V70 - Baujahr 1989 - 2,5 T - 195 PS, 0-100 unter 8 Sec., Spitze 245. Von Temperamentlosigkeit keine Spur.

    Preise müssen der Klasse wegen mit Audi A6 (Basispreis 37.750 €), Mercedes E-Klasse (Basispreis 39.835 €) und BMW 5er (Basispreis 40.350 €) verglichen werden. Und dann sind da noch die Extras.

    V70 - Basispreis 34.280 €
    V70 T4 - 180 PS
    V70 2.0 T - 203 PS
    V70 T5 - 240 PS
    V70 3.2 - 243 PS
    Vto T6 - 304 PS

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    • jchey
    • 13.04.2011 um 21:54 Uhr

    @Bernauheim:

    Der V70 kam erst Mitte/Ende der Neunziger als fast unveränderter Nachfolger des 850 heraus.

    1989 als Baujahr ist also unwahrscheinlich, das hört sich eher nach dem V70 2.4T mit 193 PS an. Vielleicht ein Schreibfehler, 1999? Wie auch immer: heute noch aus verschiedenen Gründen ein sehr nettes Auto!

    Ich bezweifle, dass der Vergleich zu 100% zwischen den genannten Fabrikaten stattfinden muss; letztlich treffen doch viele Menschen die Kaufentscheidung für ein Auto nicht aus rein rationalen Überlegungen, sondern auch aus emotionalen/irrationalen Gründen.

    • jchey
    • 13.04.2011 um 21:54 Uhr

    @Bernauheim:

    Der V70 kam erst Mitte/Ende der Neunziger als fast unveränderter Nachfolger des 850 heraus.

    1989 als Baujahr ist also unwahrscheinlich, das hört sich eher nach dem V70 2.4T mit 193 PS an. Vielleicht ein Schreibfehler, 1999? Wie auch immer: heute noch aus verschiedenen Gründen ein sehr nettes Auto!

    Ich bezweifle, dass der Vergleich zu 100% zwischen den genannten Fabrikaten stattfinden muss; letztlich treffen doch viele Menschen die Kaufentscheidung für ein Auto nicht aus rein rationalen Überlegungen, sondern auch aus emotionalen/irrationalen Gründen.

    • jchey
    • 13.04.2011 um 21:54 Uhr

    @Bernauheim:

    Der V70 kam erst Mitte/Ende der Neunziger als fast unveränderter Nachfolger des 850 heraus.

    1989 als Baujahr ist also unwahrscheinlich, das hört sich eher nach dem V70 2.4T mit 193 PS an. Vielleicht ein Schreibfehler, 1999? Wie auch immer: heute noch aus verschiedenen Gründen ein sehr nettes Auto!

    Ich bezweifle, dass der Vergleich zu 100% zwischen den genannten Fabrikaten stattfinden muss; letztlich treffen doch viele Menschen die Kaufentscheidung für ein Auto nicht aus rein rationalen Überlegungen, sondern auch aus emotionalen/irrationalen Gründen.

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