NeuvorstellungLancias Ypsilon strahlt seine Schwächen weg

Lancias Kleinster startet in die vierte Generation. Mit seinem modischen Design bleibt der Ypsilon ein Frauentyp – jedoch mit manchen Schwächen. von Sebastian Viehmann

Schick sieht er aus, der 3,80 Meter kurze Ypsilon. Premium-Ansprüche soll der Neue von Lancia nach dem Willen seiner Macher ins Kleinwagen-Segment tragen. "Es gibt ein Recht auf Luxus", sagt Lancia-Chef Olivier Francois. Ein Blick in den Wagen zeigt, was sich der italienische Hersteller darunter vorstellt: Armaturenbrett und Türinnenseiten sind mit angenehmen Stoffen bezogen, die Kommandozentrale kommt wirklich hübsch daher. Mehrfarbige Außenlackierungen und Interieurs sind der lebensfrohe Gegenentwurf zum Buchhalter-Charme eines VW Polo. Das optionale Sonnendach mit 1,7 Quadratmetern Glasfläche lässt sich elektrisch öffnen und zaubert einen Hauch Cabrio-Feeling ins Innere.

Doch der zentrale Armaturenträger ist ein echtes Ärgernis: Während der Fahrt verdeckt die rechte Hand am Steuer meistens den Tachometer. Warum nur tut Lancia das immer wieder, fragt man sich angesichts solcher unnötigen Designmängel. Auch mehr Ablagen wären im Ypsilon schön gewesen, den Platz dafür gäbe es im Cockpit durchaus. Die Sitze haben zu kurze Beinauflagen, die Kopfstützen sind ähnlich wie im Fiat 500 zu hart.

Anzeige

Auf den Rücksitzen wird es für Personen jenseits von 1,80 Meter Körpergröße recht eng, aber es lässt sich aushalten. Durch die hinteren Türen entfällt immerhin die Schlangenmenschen-Prozedur, die man bei vielen Dreitürern zum Entern des Fonds durchführen muss. Der Kofferraum fasst 245 Liter. Zum Vergleich: Der Mini kommt nur auf 160 Liter, der Citroën DS3 bietet im Kofferraum ein Volumen von 285 Liter, im Audi A1 sind es 267 Liter, im Alfa Romeo Mito 270 Liter.

Lancia bietet Käufern die Wahl zwischen einem agilen und sparsamen Dieselmotor mit 70 kW (95 PS) und zwei Benzinmotoren. Der Basis-Benziner mit 1,2 Litern Hubraum und 51 kW (69 PS) ist angenehm laufruhig und verbraucht laut Hersteller im Schnitt 4,9 Liter pro 100 Kilometer. Für die City ist der Motor spritzig genug, bei höherem Tempo wird es jedoch zäh.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt auch der 0,9 Liter große Turbo-Zweizylinder TwinAir mit 63 kW (85 PS). Er beschleunigt den Wagen zwar deutlich flotter als der Basisbenziner, ist aber bei niedrigen Drehzahlen unwillig und klingt brummig. Man muss häufig schalten, was mit dem hakeligen Fünfganggetriebe wenig Spaß macht. Den Durchschnittsverbrauch des TwinAir gibt Lancia mit 4,2 Litern pro 100 Kilometer an. Eine Besonderheit zum Spritsparen bietet dieser Motor mit einer Eco-Taste. Wenn man sie drückt, wird das maximale Drehmoment von 134 Nm auf 100 Nm reduziert – dann fährt sich der Wagen allerdings ohne rechten Schwung.

Auch das Fahrverhalten des Wagens zeigt Licht und Schatten. Die Lenkung ist angenehm direkt und die Kurvenlage für einen Kleinwagen ordentlich. Bei Schlaglöchern poltert das Fahrwerk hingegen trotz guter Federwirkung geräuschvoll vor sich hin.

Leserkommentare
    • matbhm
    • 28. Mai 2011 23:18 Uhr

    ... einfach nur hässlich und unpraktisch! Lancia hat so gut wie keine Zulassungen mehr! Nicht, dass das irgendjemanden bei der Konzernmutter Fiat stören würde! Anders kann man es nicht erklären, dass die verantwortlichen Designer für das Dauerdesigndesaster hochkant feuern. Man muss ja nun wirklich nicht teutonischer Pkw-Gestaltung nachhängen. Aber anders sein um jeden Preis, auch den Preis bedingungsloser Hässlichkeit kann die Lösung auch nicht sein. Und selbst, wenn man denn das Autodesign mögen würde: Autos werden entworfen und gebaut, um gekauft zu werden. Über das Design haben die Kunden in den letzten 25 Jahren längst abgestimmt: Man kauft die Autos von Lancia nicht. Und nachdem sie technisch nichts besonderes zu bieten haben, weil es sich bei allen um Fahrzeug aus dem Fiatkonzern handelt, denen nur ein neues Kleidchen umgehängt worden ist und ein neuer Innenraum, ist äußerst misslich, dass 1. die Autos hässlich wie die Nacht sind, 2. unpraktisch in jeder Hinsicht (kein Überblick, unsinnige Instrumenträgerspielereien, wenig Ablagen usw., 3. wie fast alle Fiatprodukte man in vielen technischen Dingen nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist und 4. zum Ausgleich für all das die Lancia außergewöhnlich teuer sind! Wer solche Autos kauft, ist selber schuld!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    [...]
    1. Fiats technische Produkte sind absolut auf Höhe der Zeit. Fiat ist beispielsweise der Entwickler der Common-Rail-Einspritzung für Dieselmotoren (1997 im Alfa 156 1.9 JTD). Dieser hervorragenden Technik bedienen sich im Übrigen heute die meisten Hersteller bei ihren Dieselmotoren. Zudem hat Fiat im letzten Jahr das MultiAir-System bei den Benzinmotoren entwickelt. Gucken Sie mal genau, wer den "international engine of the year award" (Also quasi den "Oskar" für Motorenbau) in diesem und letzten Jahr für seine Motoren gewonnen hat. Eines der Siegeragregate ist wohl im neue Lancia Ypsilon zu haben!
    2. Ja in der Tat Fiat bedient sich bei den Modelle seiner Tochtermarken seiner vorhandenen Plattformen. Nur weiß ich bei bestem Willen nicht, was daran verwreflich sein soll?! Oder meinen Sie, dass beispielsweise VW für jeden seiner Seats und Skodas eine neue Plattform, Motor, Getriebe etc. entwickelt? Gucken sie mal genauer auf den "neuen" Seat Exeo, also den alten A4 mit Seat Emblem. Kurzum, das ist heute Gang und Gebe, anders wäre es wohl kaum finanzierbar!
    3. Der Ypsilon ist nicht mehr oder weniger (un)praktisch als seine Konkurrenten, wie bspw. der Mini oder A1.
    Und abschließend, ist das Design grundsätzlich eine Geschmackssache und der Ypsilon gefällt einem oder eben nicht!

    Teil entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/lv

  1. Es ist wirklich eine Tragödie wie Lancia heruntergewirtschaftet wurde.

    Lancia hätte das Zeug zu einer echten Luxusmarke oder zumindest zu einer Marke deren Kern schickes Design ist. Sogar eine sportliche Ausrichtung wäre vor dem Hintergrund von Stratos und Integrale denkbar.

    Wie das ginge zeigt der deutsche Zulieferer Brose mit dem New Stratos:

    http://www.new-stratos.co...

    Dafür fehlt es aber offenbar massiv an Kapital.

    Und Chryslerverschnitte wie den Chrysler 300C mit Lanciaemblem als Thema anzubieten ist nun wirklich der Hohn.

  2. Die Frage kann beantwortet werden:

    Zentrale Armaturentraeger werden verwendet, um zu moeglichst geringen Entwicklungskosten und mit moeglichst vielen Gleichteilen Linkslenker und Rechtslenker darstellen zu koennen.

    Man kann behaupten, das sei ergonomisch besser, und manch einer wird es glauben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Chali
    • 30. Mai 2011 9:54 Uhr

    Ist das ein Synonym für "Die Dummen werden niemals alle"?

    • Chali
    • 30. Mai 2011 9:54 Uhr

    Ist das ein Synonym für "Die Dummen werden niemals alle"?

    • LeMans
    • 30. Mai 2011 11:44 Uhr
    5. Schade

    Lancia sollte man in Würde sterben lassen.
    Was waren Aurelia, Flaminia oder Stratos Monumente von Fahrzeugen. Oder später die Beta-Baureihe.
    Lancia fehlt Geld und vor allem Ideen und Marketing. Man könnte ja meinetwegen Alfa oder Fiat als Basis nehmen und ein schönes Coupé oder eine Limousine auf die Räder stellen.
    Oder ein knackiges, elegantes Cabrio, daß nicht so verfettet und plump daherkommt wie der Spider.
    Würde ich alles sofort kaufen.
    Aber diese Ehe mit Chrysler.....das wird nichts.

  3. ... öffnende und -schließende Tankverschlussklappen gibt's bei Ford schon seit gefühlten 25 Jahren ...

  4. ... der Entscheidung, die 2003er-Stude, die ihrem nostalgischen Namen "Fulvia" gerecht geworden wäre, nicht zu bauen, mau-se-tot. Und jetzt türmt Marcionne Chrysler-Megalithen auf den verwesenden Körper, damit auch eine Auferstehung sicher verhindert wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • LeMans
    • 30. Mai 2011 17:07 Uhr

    Stimmt. Fulvia hatte ich vergessen. Schade, daß aus der Wiederbelebung nichts geworden ist.

    • LeMans
    • 30. Mai 2011 17:07 Uhr

    Stimmt. Fulvia hatte ich vergessen. Schade, daß aus der Wiederbelebung nichts geworden ist.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Audi | Fiat | Alfa Romeo
Service