Elektromobilität Leasing soll Elektroautos den Schrecken nehmen

Die Angst vor einem vorzeitigen Batterietod schreckt potenzielle Elektroauto-Käufer ab. Hersteller reagieren mit neuen Vertriebsmodellen.

Ein Renault Kangoo tankt Strom - viele Menschen trauen der neuen Technologie nicht.

Ein Renault Kangoo tankt Strom - viele Menschen trauen der neuen Technologie nicht.

Ein hochfrequentes Sirren an der Hamburger Hafenstraße kündigt die Zukunft an. In Zweierreihe fahren die Elektroautos der Modellregion Elektromobilität zum Sammelparkplatz am Elbufer: Renault Kangoo Zero Emission, Karabag e-Fiorino und dutzendweise kleine Smart electric drive. Die Autos sind serienreif, der letzte Feinschliff wird angelegt.

Doch egal, ob sie bereits bestellt oder reserviert werden können oder ob es ein weiteres Jahr bis zum Marktstart dauert, alle Elektroautos haben zwei Dinge gemeinsam. Das ist erstens der erschreckend hohe Einstandspreis. "Die Batterien sind immer noch sehr teuer", begründet Professor Thomas Spengler vom Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) in Braunschweig den hohen Kaufpreis. Damit entsteht zweitens die Angst, genau dieser wertvolle Speicher könnte durch Defekt oder Verschleiß das ganze Auto vorzeitig entwerten. Eine Angst, die potenzielle Kunden ebenso verunsichert wie die Hersteller.

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Als Lösung für diese beiden Probleme bieten Autobauer neue Vertriebsmodelle an. Renault etwa verkauft nur das Auto und verleast die dazugehörige Batterie. Der beliebte Kastenwagen Kangoo beispielsweise kostet in der lokal emissionsfreien Version 23.800 Euro. Dazu addieren sich monatliche Kosten von 85,68 Euro für die Miete des elektrischen Speichers. Die Laufzeit beträgt 48 Monate bei einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern.

Das Zwitterangebot hat mehrere Vorteile. Es garantiert die dauerhafte Verfügbarkeit einer funktionierenden Batterie und nimmt dem Käufer eines Elektroautos so die Verlustangst. Zudem nützt ein solches Modell dem Fahrzeuganbieter, "weil es psychologisch den Preisabstand zu den Geschwistern mit Verbrennungsmotor senkt", wie Thomas Spengler vom NFF erklärt. Ein Kangoo mit kleinem Diesel und Partikelfilter kostet 14.815,50 Euro. Damit ist der Kangoo Zero Emission nur knapp 9000 Euro teurer – die Differenz wirkt, verglichen mit anderen Elektroautos, recht gering, weil das Batterieleasing auf die Seite der laufenden Betriebskosten verbannt wird. Allerdings addieren sich die monatlichen 85,68 Euro in vier Jahren auch auf 4112,64 Euro.

Für potenzielle Kunden beginnt jetzt ohnehin die große Rechnerei. Dem hohen Kaufpreis und der Batteriemiete stehen niedrige Energiekosten gegenüber. Je nach Fahrweise und Strompreis dürften auf 100 Kilometer zwischen vier und fünf Euro fällig werden. Genaue Werte werden erst ausführliche Praxistests ergeben. Beim Verbrennungsmotor wird es mindestens doppelt so teuer, je nachdem, wie sich die Kraftstoffpreise im Verhältnis zu den Strompreisen entwickeln. Auch die Wartungskosten könnten beim E-Auto geringer sein – Ölwechsel etwa gibt es keine. Und das Bundeskabinett hat in seinem "Regierungsprogramm Elektromobilität" Vorschläge der Nationalen Plattform Elektromobilität übernommen, zum Beispiel eine zehnjährige Befreiung von der Kfz-Steuer oder Begünstigungen für Dienst- und Geschäftswagen.

Wie die Rechnung exakt aussieht und ob sich die Anschaffung wirklich lohnt, muss jeder Interessierte aufgrund seiner individuellen Gegebenheiten prüfen. Unter den ersten Elektroautofahrern werden viele Gewerbetreibende sein, die ihren Strom vielleicht im eigenen Blockheizkraftwerk produzieren. Oder Besitzer einer Photovoltaikanlage, die mit dem sogenannten Eigennutzerbonus finanziell belohnt werden, wenn sie den auf dem eigenen Dach geernteten Strom selbst verbrauchen. Das individuelle Nutzerprofil entscheidet – ähnlich wie beim Handy.

Leser-Kommentare
    • Karl63
    • 23.05.2011 um 8:53 Uhr

    Wenn man an einem Fahrzeug eines bekannten Paketzustellers mit der Aufschrift "abgasfreies Elektrofahrzeug" vorbei fährt, dann hat dies momentan noch den Charakter des exotischen. Es zeigt aber, ein gangbarer Weg führt über Unternehmen mit größeren Fahrzeugflotten. Wenn es gelänge, die Fahrzeuge von Paketzustellern oder Taxiunternehmen (oder Stadtbusse) zu "Elektrifizieren", wäre dies schon ein erheblicher Schritt nach vorne.

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    ...brauchen ihre Autos zum Fahren, nicht zum Rumstehen. Wenn die alle 150-200km für ein paar Stunden an die Steckdose müssen, kostet sie das bares Geld.

    Im Innenstadtbereich mag man vielleicht noch mit solchen Reichweiten auskommen können, aber schon ein Taxifahrer, der hauptsächlich Gewerbekunden vom Bahnhof oder Flughafen an den Stadtrand karren muß, wird damit seine Probleme haben. Von 10 Touren am Tag kann der nämlich nicht leben. Und stundenlang rumstehen will der auch nicht.

    ...brauchen ihre Autos zum Fahren, nicht zum Rumstehen. Wenn die alle 150-200km für ein paar Stunden an die Steckdose müssen, kostet sie das bares Geld.

    Im Innenstadtbereich mag man vielleicht noch mit solchen Reichweiten auskommen können, aber schon ein Taxifahrer, der hauptsächlich Gewerbekunden vom Bahnhof oder Flughafen an den Stadtrand karren muß, wird damit seine Probleme haben. Von 10 Touren am Tag kann der nämlich nicht leben. Und stundenlang rumstehen will der auch nicht.

  1. 2. Genial

    Das Gerät wird gekauft, die Batterien gemietet. So einfach wie genial. Aber dass ausgerechnet Franzosen hier als Beispiel angeführt werden, spricht Bände über die Deutsche Automobilindustrie und deren Verhältnis zu wirklichen Neuerungen.

    Manchmal habe ich das Gefühl, Autobauer könnten nur noch mehr Gimmicks einbauen - autonomes Einparken, Einblenden von Straßenschildern auf der Windschutzscheibe, usw. - ein Auto, das einfach nur fährt und obendrein verdammt kostengünstig ist, scheint für Deutsche Autobauer nicht lukrativ genug zu sein.

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    • joG
    • 23.05.2011 um 10:38 Uhr

    ....verpackt, sind die Autos teuer gemessen an dem, was man bekommt. Die Verpackung macht es dem Käufer lediglich appetitlicher. Bezahlen muss aber den Preis trotzdem jemand. Entweder er oder der Steuerzahler. Einzig das Einzelrisiko der Batterie kann über die Verteilung über viele Käufer gemildert werden. Andererseits müssen die Autos noch ultra-leicht gebaut werden, so dass Kollisionen mit schweren Autos ein erhebliches Risiko für die Insassen bedeuten.

    • Krakz
    • 23.05.2011 um 11:16 Uhr

    Es gibt ja immer Dumme, die sich durch die Leasingreklame verführen lassen. Abert der Kangoo ist doch Top: Den Wagen bekommt man in einer besseren PKW-Aussattung mit Benziner für 12.000 Euro - als Diesel mit guter Ausstattung für 16.000 Euro beim Händler.

    Das Elektromodell kostet 23.000 Euro, das Betterie Leasing entpsricht in etwa einem Aufschlag von 9000 Euro- Oder anders rum: Für Batterieleasing kann man einen kompletten billigen Kleinwagen Leasen.
    So oder so: Man zahlt mächtig drauf fürs Strommobil ...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Diesel: knapp 15000 Euro Anschaffung
    E-Auto: knapp 24000 Euro Anschaffungh

    Dazu noch etwas über 1000 Euro Batteriekosten pro Jahr. Bei einer nutzbaren Tagesreichweite von höchstens 250km (womit der spontane Tagesausflug ins Allgäu bereits für Bewohner der nördlichen Ausläufer Münchens praktisch unmöglich wird, denn man käme da zwar hin aber nicht mehr nach Hause!) gegenüber 800-1000 beim Benziner (mit denen auch ein Frankfurter noch problemlos in den Skiurlaub kommt).

    Und Heizung, Klima, Licht und Radio reduzieren diese Reichweite nochmal.

    Dabei ist das E-Fahrzeug nichtmal richtig langzeiterprobt - ob das Ding 250000 km durchhält (was für einen Diesel normalerweise ungefähr die Auslegungsfahrleistung ist), steht weit in den Sternen.

    Übrigens: 15000km im Jahr sind bei 200 Arbeitstagen schlappe 75km am Tag. Ich kenne eine Menge Berufspendler, die damit nichtmal zur Arbeit kämen. Geschweige denn ihre Freizeit so gestalten könnten wie sie das gerne möchten.

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    Dabei ist noch nicht einmal das Hauptproblem berücksichtigt: Ein Punkt der bei E-Autos immer verschwiegen wird, ist die Lebensdauer (Zyklenfestigkeit) der Li-ion Batterie. Frühere Versprechungen von 5-10 Jahren wurden kürzlich auf 3 Jahre Garantie "eingedampft". Dazu beigetragen hat auch die Publikation der US-Energie Agentur DOE deren Vertragspartner (führende Batteriehersteller: z.B. Johnson Control, LG Chem, A123 System) endlich einmal real-time Untersuchungen zu dem Thema durchgeführt haben. Danach verlieren Li-ion Batterien bereits in 12 Monaten 20% der Kapazität und damit an Reichweite und investiertem Kapital. Wenn nach 3 Jahren eine neue Batterie zu 15-20'000 € fällig wird, müssen diese Kosten hinzu gerechnet werden.

    Übrigens darf wohl keiner darüber erstaunt sein, denn das gleiche Phänomen beobachtet auch jeder Laptop- und Handy Besitzer: nach 2 Jahren ist kaum noch Saft in der Batterie.

    Dabei ist noch nicht einmal das Hauptproblem berücksichtigt: Ein Punkt der bei E-Autos immer verschwiegen wird, ist die Lebensdauer (Zyklenfestigkeit) der Li-ion Batterie. Frühere Versprechungen von 5-10 Jahren wurden kürzlich auf 3 Jahre Garantie "eingedampft". Dazu beigetragen hat auch die Publikation der US-Energie Agentur DOE deren Vertragspartner (führende Batteriehersteller: z.B. Johnson Control, LG Chem, A123 System) endlich einmal real-time Untersuchungen zu dem Thema durchgeführt haben. Danach verlieren Li-ion Batterien bereits in 12 Monaten 20% der Kapazität und damit an Reichweite und investiertem Kapital. Wenn nach 3 Jahren eine neue Batterie zu 15-20'000 € fällig wird, müssen diese Kosten hinzu gerechnet werden.

    Übrigens darf wohl keiner darüber erstaunt sein, denn das gleiche Phänomen beobachtet auch jeder Laptop- und Handy Besitzer: nach 2 Jahren ist kaum noch Saft in der Batterie.

  3. ...brauchen ihre Autos zum Fahren, nicht zum Rumstehen. Wenn die alle 150-200km für ein paar Stunden an die Steckdose müssen, kostet sie das bares Geld.

    Im Innenstadtbereich mag man vielleicht noch mit solchen Reichweiten auskommen können, aber schon ein Taxifahrer, der hauptsächlich Gewerbekunden vom Bahnhof oder Flughafen an den Stadtrand karren muß, wird damit seine Probleme haben. Von 10 Touren am Tag kann der nämlich nicht leben. Und stundenlang rumstehen will der auch nicht.

    Antwort auf "Fahrzeugflotten"
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    Das Leasing ist dann eher eine Versicherungsprämie, die den vorzeitigen Defekt einzelner Akkus für die Gesamtflotte mit abdecken muss. Rechnen kann dann jeder selbst. Für private macht Leasing selten Sinn bzw. bietet keine Vorteile gegenüber einer Kreditfinanzierung des Leasinggutes.

    • Karl63
    • 23.05.2011 um 14:23 Uhr

    Nun um es etwas deutlicher zu formulieren: das bewusste Elektrofahrzeug (in sattem Kaffee-braun) fährt schon jetzt durch die Stadt und liefert Pakete aus. Es geht eindeutig darum diese neue Technik im Alltag zu testen.
    Es bringt in meinem Augen wenig, endlos zu bemängeln was diese Technologie im Moment noch nicht kann. Fakt ist, Erdöl wird sich verknappen und dadurch entsteht ein globaler Bedarf an Mobilität ohne Benzin oder Diesel. Die entscheidende Frage ist doch, ob unsere heimische Autoindustrie daran partizipiert oder ob diese Entwicklung von Anderen getragen wird.

    Das Leasing ist dann eher eine Versicherungsprämie, die den vorzeitigen Defekt einzelner Akkus für die Gesamtflotte mit abdecken muss. Rechnen kann dann jeder selbst. Für private macht Leasing selten Sinn bzw. bietet keine Vorteile gegenüber einer Kreditfinanzierung des Leasinggutes.

    • Karl63
    • 23.05.2011 um 14:23 Uhr

    Nun um es etwas deutlicher zu formulieren: das bewusste Elektrofahrzeug (in sattem Kaffee-braun) fährt schon jetzt durch die Stadt und liefert Pakete aus. Es geht eindeutig darum diese neue Technik im Alltag zu testen.
    Es bringt in meinem Augen wenig, endlos zu bemängeln was diese Technologie im Moment noch nicht kann. Fakt ist, Erdöl wird sich verknappen und dadurch entsteht ein globaler Bedarf an Mobilität ohne Benzin oder Diesel. Die entscheidende Frage ist doch, ob unsere heimische Autoindustrie daran partizipiert oder ob diese Entwicklung von Anderen getragen wird.

  4. Das Leasing ist dann eher eine Versicherungsprämie, die den vorzeitigen Defekt einzelner Akkus für die Gesamtflotte mit abdecken muss. Rechnen kann dann jeder selbst. Für private macht Leasing selten Sinn bzw. bietet keine Vorteile gegenüber einer Kreditfinanzierung des Leasinggutes.

  5. Vielleicht kann mir einer erklären, wieso die Elektoversion 9.000,-€ mehr als ein Benziner kosten soll, wenn die Batterie geleast wird? Die Herstellkosten für das E-Fahrzeug müssten doch geringer sein: Elektromotor vs. Verbrennungsmotor, Motorsteuerung, Getriebe... Das alles sollte elektrisch deutlich günstiger sein als traditionell. Oder erklären die kleinen Stückzahlen den Preis, oder die Möglichkeit einfach mal ein neues Preisniveau zu etablieren oder...
    Da ich nicht vom Fach bin und wirklich an einer Antwort interessiert bin, würden sich weitere Informationen geradzu "rechnen".

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