ElektrofahrräderDoping aus der Satteltasche

Elektromotoren erlauben auch denen Radausflüge, die bisher keine Lust auf harte Touren hatten. Dem ADAC machen E-Bikes Sorgen, der Tourismusbranche dagegen Hoffnung. von Thorsten Firlus

Den Wanderern an der Bergstation der Planai-Seilbahn auf 1.829 Meter Höhe wird sich diesen Sommer ein überraschender Ausblick bieten. Sie sehen ältere Herrschaften scheinbar leichten Fußes in die Pedale treten und dabei den Eindruck erwecken, als hätte sie weder die Entfernung von 19,5 Kilometer vom Start bei Schladming im Tal noch die Überwindung der 1.142 Höhenmeter bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Keine keuchenden Großeltern, keine pumpenden Väter, die ihre Brut im Kindersitz hochwuchten mussten. Freude und Entspannung allenthalben. Nach der Jause bei Kaiserschmarrn und Speck wird noch schnell der Akku getauscht, bevor Rad und Radler frisch gestärkt mit ihrem E-Bike die Abfahrt antreten.

Ähnliche Szenen werden sich auf den umliegenden Hütten rund um Schladming abspielen, im Tiroler Brixental, ebenso an der Ostsee, wo sich untrainierte Touristen auf Fischland-Darß-Zingst dem Wind entgegenstemmen: E-Bikes erobern die Radwege, in den Urlaubsregionen, am Wochenende in den Naherholungsgebieten und über kurz oder lang auf den normalen Radwegen in der Stadt.

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Der Fachkongress E-Vent machte Anfang Juni in Berchtesgaden mit Podiumsdiskussionen und geführten Radtouren auch bei Nacht Werbung für den Vortrieb mit stillen Motoren. In Österreich lädt die Bike-Trophy zu Tourenfahrten ein – doch was Schweiß und Muskelkater verheißt, ist in Wahrheit ein entspannter Ausflug, bei dem das Vergnügen im Vordergrund steht. Wem danach ist, der kann nach der Tour dennoch duschen.

Die Einsteiger-Klasse

Offiziell heißen sie "Fahrräder mit Trethilfe"; ihr Elektromotor erzeugt maximal eine Dauerleistung von 250 Watt. Je schneller der Fahrer fährt, desto weniger unterstützt die Elektrik den Fahrer – im Falle einer Abfahrt, auf der das Rad durch Rollen schon schneller als 25 Kilometer pro Stunde fährt, also gar nicht.

Wer nicht in die Pedale tritt, bekommt auch keine Unterstützung. Eine Ausnahme bilden Räder mit einer Anfahrhilfe, die ohne Treten auf bis zu sechs Stundenkilometer beschleunigen.

Die S-Klasse

Sie tragen das Kürzel für "Schweizer Klasse", die Motoren leisten bis zu 500 Watt, die sie entweder in Tempo oder mehr Drehmoment für Steigungen umsetzen. Bis zu einem Tempo von 55 Kilometer pro Stunde unterstützt der Motor den Tritt.

Die Räder der S-Klasse gelten als Krafträder, man benötigt für sie einen Führerschein und Versicherungskennzeichen. Wer vor 1965 geboren ist, dem reicht der Autoführerschein. Auf diesen Rädern besteht Helmpflicht.

Viel Werbung scheinen die E-Bikes kaum zu benötigen. Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 70.000 E-Bikes verkauft, 2009 waren es bereits 150.000 Pedelecs, wie die Fahrräder mit Trittkraftunterstützung auch genannt werden, und 2010 stieg ihre Zahl auf 200.000. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) haben E-Bikes, die ihre Kraft schon weitergeben, wenn der Fahrer nur leicht in die Pedale tritt, einen Anteil von fünf Prozent am deutschen Fahrradmarkt. Neben den Niederlanden ist Deutschland damit das Land mit den meisten Abnehmern. In den kommenden Jahren rechnet der ZIV gar mit 400.000 bis 600.000 Stück pro Jahr in Deutschland. Das wäre ein Anteil von 10 bis 15 Prozent am Fahrradmarkt.

Und wer ein E-Bike kauft, der fährt es auch. Denn der innere Schweinehund, der bei Anstiegen oder Gegenwind überwunden werden muss, wird dank des Dopings aus dem Akku betäubt. Dank kleinerer Akkus, leistungsfähigerer Motoren und dem Angebot von Aufladestationen in Touristengebieten werden die Vorbehalte gegenüber Pedelecs geringer. Dabei kommt auch eine moderne Optik zu Hilfe.

Die Motoren werden inzwischen sowohl in den Naben des Vorder- und Hinterrads als auch an der Tretkurbel montiert. Die Akkus, der meist am schnellsten sichtbare Hinweis auf elektrisches Doping, verschwinden im Rahmen oder werden als Satteltasche getarnt. Mit frischen Farben und kuriosen Rahmenformen bietet der Markt Modelle an, mit denen der Fahrer nicht gleich signalisiert, er wähle das Pedelec nur, weil er zu faul oder unsportlich sei.

Leserkommentare
  1. es ist schön, daß durch pedelcs ein zsatzpotential für touristen erschlossen wird - doch co2 wird dadurch nicht gespart, im gegenteil. alltagsfahrten vor allem in der stadt sind hierbei wichtig um flächenverbrauch, umweltverschmutzung und gefährdungen abzubauen und um weg von der stadt als automobiler transitraum zu kommen. hier können pedelcs allen helfen, die durch kondtitionierung und verlust der körperlichkeit mithilfe der maschine aufs zweirad umzusteigen.
    als aktiver eigenmotor-radfahrer weiß ich, dass bereits jetzt die kapazität der vorhandenen radwege nicht mehr ausreicht und die radfahrer immer schlechter werden - wie sieht es dann erst aus wenn viele vollamateure mit tempo 40 dazukommen?
    ich plädiere für einen radführerschein, in dem die einfachen und logischen dinge geklärt werden:
    - bei spurwechsel blick nach hinten (der tod kommt von hinten und 4 räder)
    - kurven ausfahren und nicht schneiden.
    - keine schlangenlinien fahren, gerade wenn man langsam ist.
    - rechts vor links regel lernen.
    die reihe läßt sich verlängern. hier in berlin freut man sich jedenfalls auf den herbst, wenn die schönwetterfahrer wieder verschwunden sein werden und nur des fahrens kundige wieder unterwegs sein werden…

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    ...gerade, wenn man langsam ist? Wie soll das funktionieren? Ein Rad laesst sich nunmal erst ab einer gewissen Geschwindigkeit stabil geradeaus fahren.

  2. muss man abwarten."

    das massenproblem sind doch eher die 2tonnen geschosse.

    wieviele autofahrer oder kinder werden durch fahrräder getötet?

    also immer schön fastlangsam bleiben; und meidet die radwege

    > http://vimeo.com/21174774

  3. Ist der Beitrag wirklich ernst gemeint?
    Von der Wirtschaftwoche?
    Das kommt mir alles sehr Spanisch vor, jedoch lustig geschrieben, muß man schon sagen.
    Bei den Verkaufzahlen , müsste ich jedoch auch in unserer Gegend son Teil schon mal wenigstenst im Real gesehen haben.
    Ich werd mal gleich am Dienstag mein Fahrradexperten des Gewissens aufsuchen und Recherche in eigener Sache betreiben, ob ihr einen nicht ein Kukuksei ins Nest legen wollt.

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    • Zack34
    • 13. Juni 2011 12:37 Uhr

    [...] Ich halte die Situation, wie sie im Text dargestellt ist, für schlicht unglaubwürdig, wenn nicht sogar frei erfunden.

    Und dennoch: ich lebe in der norddeutschen Ebene und kann den Trend zu e-Bikes der lokalen Radhändler nur bestätigen: die Schaufenster enthalten fast nur noch diese e-Dinger. Obwohl man zurecht meinen könnte, hier bräuchte keiner so eine e-Unterstützung da kaum ernsthafte Berge zu bewältigen...

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg

  4. Pedelecs sind klasse. Ich fahre da meist einen Schnitt von ca 20 km/h. Das sind Geschwindigkeiten, bei denen ein ambitionierter Rennradler nur müde lächelt. Bei den meisten Pedelecs gibt es drei Unterstützungsstufen, die jeweils 50%, 100%, odr 130 (150)% zu der eingestezten Muskelkraft hinzugeben. Trete ichz.B. mit 100 Watt in die pedale, so kriege ich auf Stufe 1 50 zusätzliche Watt über den Motor. Wie im Artikel erwähnt gibt es jenseits einer gewissen Drehzahl, welche meist 25 km/h beträgt keine Unetrstützung. Solche Geschwindigkeiten erreicht man natürlich bei Rückenwind oder Gefälle locker. Ein pedelec wird dann zu einem normalen Rad. Andererseits lassen sich z.B.Steigungen bis ca 10 % mit Unterstützungsstufe 2 relativ angenehm bewältigen, so mit ca 12-15 km/h. Bei stärkeren Steigungen jenseits der 10 % hilft dann Unterstützungsstufe 3. Aber dann erreicht man auch kaum 10 km/h.
    Im Normalbetrieb gibt es grob gesagt zwei Möglichkeiten. Man fährt längere Touren. So bis 100 km/h. Dann jedoch meist nur mit Stufe 1 (also ca 20 km/h). Dabei muss man allerdings bei flacheren Abschnitten mal den Motor ganz ausschalten. Die andere Möglichkeit: Man fährt nur kurze Strecken - z.B. 10 km im Berufsverkeht - dann kann man diese Strecke mit höherem Gang und höherer Unterstützungsstufe fahren. Man erreicht dann vielleicht 25 km/h, allerdings bei wesentlich kürzerer Akkuöaufzeit, (30-40 km).
    Zusammengefasst: Ein Pedelec verhält sich im wesentlichen wie ein normales Rad.

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    ... und habe meinen Aktionsradius gegenüber einem normalen Rad (welches ich auch habe) deutlich erweitert. Es macht einfach Spaß an bestimmten Steigungen jetzt "nicht mehr in die Knie zu gehen", trotzdem ist ein Pedelec ein normales Fahrrad.

    Die im Artikel angesprochenen Probleme sind m.E. auf die Autofahrer zurückzuführen, die scheinbar keine Fahrräder neben sich auf der Straße dulden. Übrigens kann auch mit normalen Rädern ohne Motor problemlos Geschwindigkeiten über 25 km/h erreichen.

    Ein Großteil der in Deutschland verkauften E-Räder bewegt sich in der 25 km/h-Klasse. Die von den Versicherungen angesprochenen schnellen 45 km/h-Bikes sind eine verschwindent kleine Menge am Markt. Man sollte nicht den Fehler machen diese 45 km/h-Räder mit den 25 km/h-Rädern gleichzusetzen. Rechtlich sind den Mofas gleichgestellt und da gehören sie auch hin oder hat sich die Versicherungsbranche schon mal über diese Gefährte ausgelassen?

    Viele Grüße
    radfahrer.ruhr

  5. ...gerade, wenn man langsam ist? Wie soll das funktionieren? Ein Rad laesst sich nunmal erst ab einer gewissen Geschwindigkeit stabil geradeaus fahren.

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    Natürlich müssen sie schon ne Grundgeschwindigkeit haben, die ein klein wenig über Schrittgeschwindigkeit hinausgeht. Ein Beispiel: Sie fahren eine Steigung mit ca 10% hoch. Wenn sie nicht sehr trainiert sind, dann kommen sie vielleicht mit einem niedrigen Gang auf 8-9 km/h. Allerdings dürfte sie das nicht sehr lange durchhalten. Mit Pedelec schaffen sie diese Steigung mit vielleicht 12-14 km/h. Und der Vorteil, sie ermüden nicht so schnell, und können so schon auch mal 2-3 km den Berg hochfahren.
    Was ich sagen wollte ist, dass die normalen Pedelecs eher bei Steigungen und Gegenwind was bringen, wenn es gar nicht so sehr im hohe Geschwindigkeiten geht, sondern um entspanntes Fahren bei Strecken, die man sonst noch sehr viel langsamer fahren müsste.

    Man kann auch bei langsamen Geschwindigkeiten grade aus fahren,wenn man eine Regel beachtet:
    Der "Lenker" heißt "Lenker" und nicht "Balancierer" ergo:
    Das Fahrrad mit dem Körper ausbalancieren und nicht durch wilde Lenkbewegungen, mit etwas Übung fährt es sich gleich entspannter und man kann sich wie mit dem Auto durch unübersichtliche Stellen "durchtasten"

  6. ... und habe meinen Aktionsradius gegenüber einem normalen Rad (welches ich auch habe) deutlich erweitert. Es macht einfach Spaß an bestimmten Steigungen jetzt "nicht mehr in die Knie zu gehen", trotzdem ist ein Pedelec ein normales Fahrrad.

    Die im Artikel angesprochenen Probleme sind m.E. auf die Autofahrer zurückzuführen, die scheinbar keine Fahrräder neben sich auf der Straße dulden. Übrigens kann auch mit normalen Rädern ohne Motor problemlos Geschwindigkeiten über 25 km/h erreichen.

    Ein Großteil der in Deutschland verkauften E-Räder bewegt sich in der 25 km/h-Klasse. Die von den Versicherungen angesprochenen schnellen 45 km/h-Bikes sind eine verschwindent kleine Menge am Markt. Man sollte nicht den Fehler machen diese 45 km/h-Räder mit den 25 km/h-Rädern gleichzusetzen. Rechtlich sind den Mofas gleichgestellt und da gehören sie auch hin oder hat sich die Versicherungsbranche schon mal über diese Gefährte ausgelassen?

    Viele Grüße
    radfahrer.ruhr

  7. ...Da kommt nun eine ganz andere Schicht von Menschen auf die Radwege", sagt für den Club Maximilian Maurer. Die Autofahrer seien nicht darauf eingestellt, Radfahrern zu begegnen .....
    Nach meiner Einschätzung moniert der ADAC alles, was nicht von ihm ist. Stellt man eine technische Frage, antwortet die juristische Abteilung ...

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    Sehe ich ganz genau so. Aufgrund seiner Mitgliederzahl, demnächst dann ohne mich, es gibt such noch den VCD, glaubt er wirklich, bei Mobilität immer und überall mitreden und mitregieren zu müssen.
    Er könnte eigentlich die DB übernehmen und dafür sorgen, dass die dort besser arbeiten. Den Fahrradfahrern braucht er so lange nicht reinzureden, so lange mehr Fahrradfahrer durch Autofahrer umkommen als umgekehrt.

  8. Obwohl ich sportlicher Fahrrad-Purist bin, sehe ich doch das große Potenzial der Elektrofahrräder. Die elektromobile Zukunft kann nur mit leichten, schmalen Fahrzeugen gelingen - und das Leistungsgewicht eines E-Fahrrades ist ideal. Es wird nie möglich sein, mit einem über zwei Tonnen schweren, klimatisierten "Stadtpanzer" lange Distanzen bei hoher Geschwindigkeit zu überwinden. Da müsste die Batterie auf einem Schwerlastanhänger mitgeschleppt werden.

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