Elektrofahrräder : Doping aus der Satteltasche

Elektromotoren erlauben auch denen Radausflüge, die bisher keine Lust auf harte Touren hatten. Dem ADAC machen E-Bikes Sorgen, der Tourismusbranche dagegen Hoffnung.

Den Wanderern an der Bergstation der Planai-Seilbahn auf 1.829 Meter Höhe wird sich diesen Sommer ein überraschender Ausblick bieten. Sie sehen ältere Herrschaften scheinbar leichten Fußes in die Pedale treten und dabei den Eindruck erwecken, als hätte sie weder die Entfernung von 19,5 Kilometer vom Start bei Schladming im Tal noch die Überwindung der 1.142 Höhenmeter bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Keine keuchenden Großeltern, keine pumpenden Väter, die ihre Brut im Kindersitz hochwuchten mussten. Freude und Entspannung allenthalben. Nach der Jause bei Kaiserschmarrn und Speck wird noch schnell der Akku getauscht, bevor Rad und Radler frisch gestärkt mit ihrem E-Bike die Abfahrt antreten.

Ähnliche Szenen werden sich auf den umliegenden Hütten rund um Schladming abspielen, im Tiroler Brixental, ebenso an der Ostsee, wo sich untrainierte Touristen auf Fischland-Darß-Zingst dem Wind entgegenstemmen: E-Bikes erobern die Radwege, in den Urlaubsregionen, am Wochenende in den Naherholungsgebieten und über kurz oder lang auf den normalen Radwegen in der Stadt.

Der Fachkongress E-Vent machte Anfang Juni in Berchtesgaden mit Podiumsdiskussionen und geführten Radtouren auch bei Nacht Werbung für den Vortrieb mit stillen Motoren. In Österreich lädt die Bike-Trophy zu Tourenfahrten ein – doch was Schweiß und Muskelkater verheißt, ist in Wahrheit ein entspannter Ausflug, bei dem das Vergnügen im Vordergrund steht. Wem danach ist, der kann nach der Tour dennoch duschen.

Viel Werbung scheinen die E-Bikes kaum zu benötigen. Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 70.000 E-Bikes verkauft, 2009 waren es bereits 150.000 Pedelecs, wie die Fahrräder mit Trittkraftunterstützung auch genannt werden, und 2010 stieg ihre Zahl auf 200.000. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) haben E-Bikes, die ihre Kraft schon weitergeben, wenn der Fahrer nur leicht in die Pedale tritt, einen Anteil von fünf Prozent am deutschen Fahrradmarkt. Neben den Niederlanden ist Deutschland damit das Land mit den meisten Abnehmern. In den kommenden Jahren rechnet der ZIV gar mit 400.000 bis 600.000 Stück pro Jahr in Deutschland. Das wäre ein Anteil von 10 bis 15 Prozent am Fahrradmarkt.

Und wer ein E-Bike kauft, der fährt es auch. Denn der innere Schweinehund, der bei Anstiegen oder Gegenwind überwunden werden muss, wird dank des Dopings aus dem Akku betäubt. Dank kleinerer Akkus, leistungsfähigerer Motoren und dem Angebot von Aufladestationen in Touristengebieten werden die Vorbehalte gegenüber Pedelecs geringer. Dabei kommt auch eine moderne Optik zu Hilfe.

Die Motoren werden inzwischen sowohl in den Naben des Vorder- und Hinterrads als auch an der Tretkurbel montiert. Die Akkus, der meist am schnellsten sichtbare Hinweis auf elektrisches Doping, verschwinden im Rahmen oder werden als Satteltasche getarnt. Mit frischen Farben und kuriosen Rahmenformen bietet der Markt Modelle an, mit denen der Fahrer nicht gleich signalisiert, er wähle das Pedelec nur, weil er zu faul oder unsportlich sei.

Kommentare

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alltag und führerschein

es ist schön, daß durch pedelcs ein zsatzpotential für touristen erschlossen wird - doch co2 wird dadurch nicht gespart, im gegenteil. alltagsfahrten vor allem in der stadt sind hierbei wichtig um flächenverbrauch, umweltverschmutzung und gefährdungen abzubauen und um weg von der stadt als automobiler transitraum zu kommen. hier können pedelcs allen helfen, die durch kondtitionierung und verlust der körperlichkeit mithilfe der maschine aufs zweirad umzusteigen.
als aktiver eigenmotor-radfahrer weiß ich, dass bereits jetzt die kapazität der vorhandenen radwege nicht mehr ausreicht und die radfahrer immer schlechter werden - wie sieht es dann erst aus wenn viele vollamateure mit tempo 40 dazukommen?
ich plädiere für einen radführerschein, in dem die einfachen und logischen dinge geklärt werden:
- bei spurwechsel blick nach hinten (der tod kommt von hinten und 4 räder)
- kurven ausfahren und nicht schneiden.
- keine schlangenlinien fahren, gerade wenn man langsam ist.
- rechts vor links regel lernen.
die reihe läßt sich verlängern. hier in berlin freut man sich jedenfalls auf den herbst, wenn die schönwetterfahrer wieder verschwunden sein werden und nur des fahrens kundige wieder unterwegs sein werden…

Pedelcs sind was für niedere Geschwindigkeiten.

Natürlich müssen sie schon ne Grundgeschwindigkeit haben, die ein klein wenig über Schrittgeschwindigkeit hinausgeht. Ein Beispiel: Sie fahren eine Steigung mit ca 10% hoch. Wenn sie nicht sehr trainiert sind, dann kommen sie vielleicht mit einem niedrigen Gang auf 8-9 km/h. Allerdings dürfte sie das nicht sehr lange durchhalten. Mit Pedelec schaffen sie diese Steigung mit vielleicht 12-14 km/h. Und der Vorteil, sie ermüden nicht so schnell, und können so schon auch mal 2-3 km den Berg hochfahren.
Was ich sagen wollte ist, dass die normalen Pedelecs eher bei Steigungen und Gegenwind was bringen, wenn es gar nicht so sehr im hohe Geschwindigkeiten geht, sondern um entspanntes Fahren bei Strecken, die man sonst noch sehr viel langsamer fahren müsste.

Schon klar ;-)

...aber wenn dann am Berg statt meines Ganzen Fahrrades "nur" mein Koerper 2m hin und her schwingt, bringt das dem Autofahrer hinter mir auch keinen Vorteil (und fuer mich kein geringeres Risiko).

Ich wusste bisher nicht, dass es die Pedelecs mit unterschiedlichen Unterstuetzungsstufen gibt! Fuer mich waeren ca 15% Unterstuetzung am Berg und bei starkem Gegenwind (wohne in einer Kuestenregion) ideal. Das waere naemlich genau der Unterstuetzungsgrad, der es mir ermoeglichen wuerde, nicht total verschwitzt morgens an meinem Arbeitsplatz anzukommen.

Mit Radnarbenmotoren die IQMomentkraft beisteuert?

Ist der Beitrag wirklich ernst gemeint?
Von der Wirtschaftwoche?
Das kommt mir alles sehr Spanisch vor, jedoch lustig geschrieben, muß man schon sagen.
Bei den Verkaufzahlen , müsste ich jedoch auch in unserer Gegend son Teil schon mal wenigstenst im Real gesehen haben.
Ich werd mal gleich am Dienstag mein Fahrradexperten des Gewissens aufsuchen und Recherche in eigener Sache betreiben, ob ihr einen nicht ein Kukuksei ins Nest legen wollt.

1. Kategorie

20 km mit knapp 6% Steigung dürfte nach Tour-de-France Maßstäben mindestens einer Steigung der 1. Kategorie entsprechen, wenn nicht gar "hors categorie"! Das ist schon etwas mehr als "keine wirklich schwierige Steigung". Aber sie gehören sicher auch zu den Topradlern, die bestimmt mal bei der Tour mitgefahren wären, wenn sie nicht so strikt gegen Doping wären!:-)

btw. Wäre die Steigung so bei ca. 10 % im Durchschnitt über die 20 km verteilt, dann dürfte die Kapazität handelsüblicher Akkus kaum ausreichen.

rekuperation

ist ein thema in der branche, beschränkt sich aber bisher, technisch limitiert auf sog. direktläufer in den laufrädern. die meisten preiswerten und (noch) leichteren motoren sind getriebeläufer, die für eine rückgewinnung anders verzahnt sein müssten.

zur akkutechnik: man bekommt eine halbe kWh in rund 4 kg verpackt (> http://commonman.de/wp/?p... ) - derzeit nur mit teuren hochleistungszellen zu toppen.

das reicht je nach höhenmeter, geschwindigkeit und eigenleistung für 20 - über 100 km.

ich komme zb im flachland bei 30 km/h auf über 70 km, bei 40 nur noch auf 30 km und im sächsischen vorgebirge bei 30 zwischen 40 und 50 km weit. im flachen berlin wirkt sich übrigens ein leergefahrener akku kaum spürbar auf das fahrverhalten aus und erhöht nur das schweisstreiben.

in china fahren über 20 mio. dieser bikes und haben zu spürbarer entlastung von abgasen und lärm geführt.

die höchsten verkaufszahlen von elektrisch unterstützten rädern in europa hat das ultraflache holland.

in unserer "verfetteten" gesellschaft aus meiner sicht ein ressourcensparendes und bewegungsmotivierendes konzept ohne parkplatznot und abhängigkeit von fahrplänen des öpnv.

ich wünsche allen min. 4 bar im reifen und freude am fahren (mit und ohne schub). > http://vimeo.com/19824629

ich faht so ein ding...

Pedelecs sind klasse. Ich fahre da meist einen Schnitt von ca 20 km/h. Das sind Geschwindigkeiten, bei denen ein ambitionierter Rennradler nur müde lächelt. Bei den meisten Pedelecs gibt es drei Unterstützungsstufen, die jeweils 50%, 100%, odr 130 (150)% zu der eingestezten Muskelkraft hinzugeben. Trete ichz.B. mit 100 Watt in die pedale, so kriege ich auf Stufe 1 50 zusätzliche Watt über den Motor. Wie im Artikel erwähnt gibt es jenseits einer gewissen Drehzahl, welche meist 25 km/h beträgt keine Unetrstützung. Solche Geschwindigkeiten erreicht man natürlich bei Rückenwind oder Gefälle locker. Ein pedelec wird dann zu einem normalen Rad. Andererseits lassen sich z.B.Steigungen bis ca 10 % mit Unterstützungsstufe 2 relativ angenehm bewältigen, so mit ca 12-15 km/h. Bei stärkeren Steigungen jenseits der 10 % hilft dann Unterstützungsstufe 3. Aber dann erreicht man auch kaum 10 km/h.
Im Normalbetrieb gibt es grob gesagt zwei Möglichkeiten. Man fährt längere Touren. So bis 100 km/h. Dann jedoch meist nur mit Stufe 1 (also ca 20 km/h). Dabei muss man allerdings bei flacheren Abschnitten mal den Motor ganz ausschalten. Die andere Möglichkeit: Man fährt nur kurze Strecken - z.B. 10 km im Berufsverkeht - dann kann man diese Strecke mit höherem Gang und höherer Unterstützungsstufe fahren. Man erreicht dann vielleicht 25 km/h, allerdings bei wesentlich kürzerer Akkuöaufzeit, (30-40 km).
Zusammengefasst: Ein Pedelec verhält sich im wesentlichen wie ein normales Rad.

Ich fahre auch so ein Pedelec ...

... und habe meinen Aktionsradius gegenüber einem normalen Rad (welches ich auch habe) deutlich erweitert. Es macht einfach Spaß an bestimmten Steigungen jetzt "nicht mehr in die Knie zu gehen", trotzdem ist ein Pedelec ein normales Fahrrad.

Die im Artikel angesprochenen Probleme sind m.E. auf die Autofahrer zurückzuführen, die scheinbar keine Fahrräder neben sich auf der Straße dulden. Übrigens kann auch mit normalen Rädern ohne Motor problemlos Geschwindigkeiten über 25 km/h erreichen.

Ein Großteil der in Deutschland verkauften E-Räder bewegt sich in der 25 km/h-Klasse. Die von den Versicherungen angesprochenen schnellen 45 km/h-Bikes sind eine verschwindent kleine Menge am Markt. Man sollte nicht den Fehler machen diese 45 km/h-Räder mit den 25 km/h-Rädern gleichzusetzen. Rechtlich sind den Mofas gleichgestellt und da gehören sie auch hin oder hat sich die Versicherungsbranche schon mal über diese Gefährte ausgelassen?

Viele Grüße
radfahrer.ruhr