CorvetteDer Fan legt selbst Hand an

Die Corvette ist für amerikanische Sportwagenfans der große Traum. Wer sie sich leistet, kann nun bei seinem Auto den Motor selbst bauen. Stefan Grundhoff war dabei. von Stefan Grundhoff

Sportwagenfans lieben Devotionalien. Das Markenlogo prangt auffällig am Schlüsselanhänger, man trägt das Lifestyle-Outfit des bevorzugten Herstellers oder schmückt sein Büro mit Bildern und Postern des Traummobils. Doch es geht noch wilder. Corvette bietet seinen Hardcore-Fans ein unvergleichliches Erlebnis an: Wer sich für eine Sportversion vom Typ Corvette Z06, ZR-1 oder Grand Sport entscheidet, kann – wenn er will – das Herz seines Wagens selbst zusammenbauen.

Seit gut neun Monaten bietet die zum Konzern General Motors gehörende Sportwagenmarke dieses besondere Hand-Werk an, umgerechnet 6.000 Euro kostet das Vergnügen. Bisher konnten nur Corvette-Fans aus den USA nach Wixom reisen – eine halbe Stunde westlich von Detroit – und das Herz ihrer bestellten Corvette zusammensetzen. "Ab diesem Sommer können auch Kunden aus Europa ihren Corvette-Motor hier bei uns selbst zusammenbauen", sagt Carl Pickelman, Manager des Performance Build Centers in Wixom.

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Dort, in einem hellen Flachdachbau in einem Industriegebiet, hat General Motors für die Triebwerke der Power-Corvettes eine eigene kleine Produktionsanlage geschaffen, während die Corvette ansonsten in der Fabrik in Bowling Green montiert wird. Das Motorenwerk in Wixom ist eine echte Manufaktur, laut arbeitende Roboter sucht man vergeblich. An sich kaum zu glauben, dass hier in der heiligen Motorenfertigung von Corvette ungeschulte Arbeitskräfte rangelassen werden und den Job etwa von Mike Priest übernehmen.

Denn heute ist der ruhige Amerikaner mit dem lichten rötlichen Haar nicht gekommen, um sein übliches Tagwerk zu verrichten – er wird stattdessen Miguel da Silva beaufsichtigen, einen Corvette-Fan aus New York. Der verwirklicht seinen Traum und baut einen eigenen Motor. "Normalerweise baue ich in meiner Tagesschicht drei dieser Motoren", erzählt Priest. "Doch mit dem Kunden haben wir alle Zeit der Welt." Seit mehr als 35 Jahren arbeitet er für GM, seit drei Jahren im Performance Center.

Miguel da Silva ist bereits mächtig aufgeregt, stürzt seinen Kaffee hinunter und hüpft von einem Bein aufs andere. Der spanischstämmige New Yorker ist seit seiner Kindheit fanatischer Corvette-Fan. Kürzlich hat er sich für eine neue Z06 entschieden. "Ist ein phantastischer Sportwagen", erzählt er begeistert. "Sieben Liter Hubraum, über 500 PS – genau das, was ich immer wollte. Dass ich den Motor nun selbst zusammenbauen kann, ist das Größte."

Doch nun geht es ans Werk. Mike Priest stapft mit Miguel da Silva hinüber in die gleißend helle Montagehalle. Der Boden ist sauber wie in einer Klinik. Es ist nahezu still. Priest bindet sich wie ein Sternekoch eine Schürze um und zieht lässig einen Schubwagen heran. Da Silva reibt sich die Hände, die er gleich in Arbeitshandschuhe stecken soll. In einem ersten Schritt wird der Motorblock auf einen Wagen gehoben, festgeschraubt und an die Arbeitsstation mit der Nummer eins gefahren. Priest holt die Kolben aus einem Regalwagen und zeigt da Silva, wie man ihre Laufflächen schmiert. Lieber etwas zu viel als zu wenig.

"Der Z06-Motor besteht aus rund 90 Modulen, die von 250 Schrauben zusammengefügt werden müssen", erklärt Carl Pickelman, der im Performance Center die tägliche Arbeit koordiniert. "Bin gespannt, wie lange es bei Miguel dauert." Der drückt derweil den zweiten, kräftig eingeölten Kolben in den Brennraum. Profi Mike gibt kurze präzise Hinweise, schaut aufmerksam durch seine Arbeitsbrille und nickt zufrieden: "Ja, richtig. Well done ", spricht er dem zukünftigen Sportwagenbesitzer Mut zu.

Leserkommentare
  1. Geld dafür zu bezahlen, arbeiten zu dürfen....

    Eine Leserempfehlung
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    • oma007
    • 03. Juli 2011 16:00 Uhr

    Marketing...geht man wo essen, bezahlt man für die Lebensmittel, den Koch, das Ambiente etc. gibt man den Gästen das Rohfleisch, eine Schüssel mit heißem Käse, Getränke etc. bezahlen sie noch mehr dafür.
    warum ???
    "in live - it's all about moving the ass"

    Schon Tom Sawyer hat dieses Prinzip gut erkannt...

  2. Ich geh mir erst mal Zähne putzen, mit 7 Liter Brunnenwasser und ca.400 Handbewegungen.

    Danach werd ich meinen grünen Opel putzen, wenn es noch mal regnet heute.

    • oma007
    • 03. Juli 2011 16:00 Uhr

    Marketing...geht man wo essen, bezahlt man für die Lebensmittel, den Koch, das Ambiente etc. gibt man den Gästen das Rohfleisch, eine Schüssel mit heißem Käse, Getränke etc. bezahlen sie noch mehr dafür.
    warum ???
    "in live - it's all about moving the ass"

    Antwort auf "Verrückte welt...."
  3. Schon Tom Sawyer hat dieses Prinzip gut erkannt...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Verrückte welt...."
  4. Echte Männer fahren sowieso Lamborghini oder Ford Super Duty F-450 aufwärts.

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    ...sind Sie ein echter Mann?

  5. ...sind Sie ein echter Mann?

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    Bald :-)

    • yzzuf
    • 04. Juli 2011 10:32 Uhr

    Was der nette Laien-Schrauber einfettet, sind die Pleuellager. Da hat wohl einer aus Amiland abgeschrieben und falsch übersetzt??

  6. 8. Grins

    Bald :-)

    Antwort auf "Und,..."

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  • Schlagworte Bowling | Detroit | USA | Europa | New York
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