Luftverschmutzung : Laxe Kontrollen in den Umweltzonen

Autos mit hohem Rußausstoß können in fast alle Umweltzonen ungehindert einfahren: Die Umwelthilfe kritisiert mangelnde Kontrollen und droht den Städten mit Klagen.
Ein Schild kennzeichnet die Umweltzone in Berlin. Nur Autos mit grüner Plakette dürfen in dem Bereich fahren. © Andreas Rentz/Getty Images

Die Bremer Innenstadt ist seit Anfang 2009 eine Umweltzone, am 1. Juli wird sie sogar noch verschärft, dann dürfen nur noch Autos mit einer grünen Plakette in die Innenstadt fahren. Das Ziel: gesundheitsgefährdender Feinstaub und Stickoxide in der Luft verringern. Doch gebracht hat die Umweltzone in der Hansestadt bislang nichts, meint der ADAC und verweist auf die Messungen an verschiedenen Stellen in der Stadt, die keine Verbesserung der Luftqualität ergeben haben.

Doch das ist kein Beweis gegen die Wirksamkeit von Umweltzonen , kontert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) – und hat nun ein schlagkräftiges Argument: In Bremen werde die Einhaltung der Regelung überhaupt nicht effektiv kontrolliert. Damit befindet sich die Hansestadt in "guter Gesellschaft": Wie die DUH herausfand, setzen gerade einmal zwei der 43 deutschen Städte mit Umweltzone die selbst erlassenen Regeln danach auch wirklich effektiv durch. Das sind Hannover und Berlin, wo sowohl bei fahrenden als auch geparkten Autos geprüft wird, ob sie die korrekte Plakette für das Fahren in der Umweltzone haben.

Sechs weitere Städte – Augsburg, Frankfurt, Leipzig, Neu-Ulm, Osnabrück und Wuppertal – kontrollieren zumindest teilweise, nämlich in der Regel geparkte Fahrzeuge. Bremen hingegen erhielt von der DUH die "Rote Karte" zusammen mit 34 anderen Städten wie Essen, Stuttgart, München, Düsseldorf oder Schwäbisch Gmünd. Die Umwelthilfe hatte in den vergangenen vier Monaten die Verantwortlichen in allen 43 Städten mit Umweltzone befragt, ob und wie stark Fahrzeuge kontrolliert werden.

Auffällig: Unter den 35 Städten, die nicht wirksam die Einhaltung der Umweltzone kontrollieren, sind vor allem Kommunen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Dabei liegen drei der fünf Städte, in denen die höchsten Feinstaubwerte gemessen wurden, im Südwesten, angeführt vom Neckartor in Stuttgart. "Diese 35 Städte betreiben ihre Umweltzonen offensichtlich im Spielbetrieb", kritisierte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. "Sie nehmen den Umweltschutz und die berechtigten Interessen ihrer Bürger nicht ernst."

Vielerorts dürften selbst Fahrzeuge mit roter Plakette einfahren oder es würden großzügig Ausnahmegenehmigungen erteilt, sagte Resch. Das sei ein Affront für diejenigen Autobesitzer, die ihr Fahrzeug auf eigene Kosten nachgerüstet hätten, ergänzte DUH-Anwalt Remo Klinger. Kritik erntete auch die Stadt Köln für das von ihr selbst gepriesene "Kölner Modell", das erst beim vierten registrierten Verstoß Strafen vorsieht. Die Ordnungswidrigkeit wird mit 40 Euro Bußgeld und einem Punkt im Flensburger Verkehrssünderregister geahndet. 

Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Umweltzonen...

...sind Gelddruckmaschinen für Städte.

Öllampen und Kerzen bleiben weiterhin erlaubt - auch die rußen.

Wer grillt produziert Asche - da ist auch Feinstaub bei.

Und wer wollte könnte den eigenen Diesel/Benzingenerator nutzen (Lärmbelästigung wäre eventuelle ein Problem) und der bräuchte keine Plakette.

-> Würden die PKWs nach ihren Schadstoffemissionen besteuert wäre es viel einfacher. Und vor allem fairer - denn dann würde die Regel nicht je nach Stadt/Land variieren.

Der Umweltschutz ist hier nur ein kurzfristiges Gelddruckargument.
Genauso wie die Umleitung von Lastkraftwagen von der Hauptsraße auf kleine Nebenstraßen damit an einem Meßpunkt die Feinstaubwerte sinken - was hat das mit Umweltschutz zu tun?

Nicht wirklich:

Auch wenn die Städte den Erwerb dieser Aufkleber/Sticker (will sie nicht als Plakette bezeichnen) nicht kontrolliert, gibt es trotzdem jede menge Menschen welche diese kaufen.

Das Aufstellen der Umweltzonenschildchen dürfte nicht viel gekostet haben - und auch wenn nur 10% der Autofahrer diese Aufkleber kaufen werden damit tausende eingenommen, vor allem über mehrere Jahre bei keinem finanziellen Aufwand.

-> Dadurch ist es eine Gelddruckmaschine.

Sehr geehrter regenbogen-73,

schon die Ausweisung solcher Zonen ist entweder aus Inkompetenz oder der Hoffnung auf zusätzliche Einnahmen enstanden.

Das ganze ist so lächerlich wie unglaublich. Denn wnn man sich einmal die zugehörige EU-Richtlinie zu Gemüte füht, dann ergeben sich schon für die Probenahme erhebliche Bedenken gegenüber den bisherigen Methoden. Noch dazu kommt, in D. geren ignoriert, das die o.a. VO fordert den Feinstaub nicht nur nach Konzentration zu bewerten sondern auch dessen Zustandekommen nach geogenen und anthropogenen Anteilen zu saldieren.

Auch die Topografie und die Wetterlagen sind zu berücksichtigen!

Würde das umgesetzt, gäbe es kaum noch Überschreitungstage!!

Daher handelt es sich bei Sanktionen ohne Klärung des analytischen Hintergrunde, so wie in der Richtlinie gefordert, um einen nach dem Stand von Wissenschaft und Technik fehlerhaften und damit unangemessenen Verwaltungsakt.

MfG Karl Müller

Unfug

Sie sollten vielleicht erstmal mal sehen, wer denn die Plaketten so verkauft. Das sind in den seltensten Fällen die Städte, sondern meistens KFZ-Betriebe, ADAC und Co.

Von dem Geld sehen die Städte überhaupt nichts, weswegen Ihre Behauptung mit Gelddruckmaschine für die Städte mal so völlig haltlos ist. Aber man kanns natürlich einfach mal behaupten, nicht wahr?

Irgendwelche Lügen bringen der Debatte jedenfalls nichts.

Verkäufer:

Seltsame Argumentation - "Sie sollten vielleicht erstmal mal sehen, wer denn die Plaketten so verkauft. Das sind in den seltensten Fällen die Städte, sondern meistens KFZ-Betriebe, ADAC und Co."

Ach so, und wen einer einen Lottoschein kauft geht der volle Preis an den Verkäufer. Die lokale Lidl/Aldi/Edeka etc. Filiale nimmt natürlich den gesamten Kaufpreis der Wahre ein...

Wer es verkauft ist ziemlich egal:
Ihre Kfz-Betriebe oder der ADAC agieren als Zweigstellen der Städte - sie verdienen vermutlich auch daran, aber am Ende fließt das Geld in die Kassen der Städte. Alleine auch weil ein Automobilclub nicht berechtigt ist in einer Stadt kurzerhand "Umweltzonen" einzuführen.

Energiebilanz

"So seien in Berlin insbesondere die toxischen Dieselruß-Emissionen seit Einführung der Umweltzone um 58 Prozent zurückgegangen".
Diese Aussage suggeriert, dass die Umweltzonen eine extreme Verbesserung der Luftqualität gebracht hätten. Das ist keineswegs der Fall. In Graz (Österreich) wurde nach einer Studie Abstand von Fahrverboten genommen, da der Rückgang an Ruß gerade mal 2% betragen hätte. Stattdessen wird in neue Heizungen investiert.

Außerdem ist zu beachten, dass Dieselfahrzeuge ohne Katalysator zwar mehr Ruß ausstoßen, dieser aber nicht lungengängig ist, d.h. auf Dauer weniger gesundheitliche Schäden verursachen als die feinzerstäubten Rußpartikel neuer Fahrzeuge, die in den Lungen bleiben.

Von den messbaren Unterschieden in den Innenstädten einmal abgesehen, würde mich die Gesamtbilanz interessieren. Ich wage zu behaupten, dass die Einführung der Umweltzonen unterm Strich die Umwelt eher geschädigt haben. Und zwar wenn die Fertigung aller Schilder sowie deren Anbringung, die Neuproduktion von Fahrzeugen, die ältere, funktionstüchtige ersetzten sowie aller sonstiger Energieaufwand und Ressourcenverbrauch miteingerechnet wird.
Da einzusparen ist natürlich nicht im Interesse der Wirtschaft, ääh, Politik. Gleichermaßen wie Beförderungsalternativen, die den Verkehr eindämmen, einen wesentlich größeren Vorteil für unsere Gesundheit gebracht hätten.

Der Weg zur sauberen Umwelt

Vor etlichen Jahren wurde dieses Thema "Feinstaub" bereits diskutiert. Die Rußpartikelfilter sind teuer für den autofahrer, so denn er solchen nachrüsten läßt. Es bringt für die Umwelt rein gar nichts. Das sage nicht ich, sondern Wissenschaftler.
Vielleicht sollten dies Städte ja mal ein sinnvolles Reinigungskonzept für die verdreckten Städte ( Leipzig / Bremen usw. ) erstellen. Hier in Leipzig liegt der Dreck in den wohnstraßen seit der Deutschland Radtour von ca. 8 Jahren, seither wurde die rinnen und Seitenflächen nicht mehr gereinigt.
Vor gut 15 Jahren habe ich mich mit Wissenschaftlern von der Uni München mit dem Thema Feinstaub und Streusplitt befaßt.
dabei wurde ermittelt, je öfters ein Splittkorn oder sagen wir einfach "Dreck" von den Autoreifen durchgewalkt und zerrieben wird umso feiner wird dies - nämlich "Mehlkorn" und Feinststaub - der dann nicht mehr vom Ruß zu unterscheiden ist - man wischt ihn nur täglich in der Wohnung oder im Büro vom Fentsrbrett oder von Tisch usw. usw.
hier sollte man mal wieder beginnen - mehr auf Sauberkeit zu achten, als nur politisch gängige Sprüche zu klopfen - so ähnlich sieht die Bilanz für Elektroautos auch aus - wahrscheinlich kommt für die Befürworter der Strom auch nur aus der Steckdose und dem Netz - mit welchem aufwand und Dreck er produziert wird hat man auf dem langen Weg bis zur Steckdose vergessen - so wie für 30 % der Bevölkerung die Kühe eben auch lila sind.