ZEIT ONLINE: Frau Zimmer, die Bundesregierung will mit einer farbigen CO2-Skala Neuwagenkäufer dazu bringen, effizientere Modelle zu kaufen, die weniger umweltschädlich sind. Der Bundesrat hat der Verordnung heute zugestimmt. Wird das Label funktionieren?

Wiebke Zimmer: Das kann funktionieren. Grundsätzlich sind Energieeffizienzklassen eine gute Möglichkeit, um Verbraucher dazu zu bewegen, sparsamere Fahrzeuge zu kaufen.

Aber so, wie das Label jetzt ausgestaltet ist, werden die Wagen nach dem CO2-Ausstoß im Verhältnis zu ihrem Gewicht bewertet. Je nach Ergebnis kommen sie in eine grüne, gelbe oder rote Effizienzklasse. Somit kann auch ein emissionsstarker Geländewagen ein grünes Label bekommen, weil er besonders schwer ist.

ZEIT ONLINE: Welche Folgen hat das?

Zimmer: Die Regelung führt dazu, dass die Hersteller, die schwerere Autos produzieren, profitieren. Produzenten, die dagegen auf Leichtbauweise setzen, werden mit dem CO2-Label abgestraft. Dabei sollte es das Ziel sein, leichtere Fahrzeuge zu bauen, denn diese verbrauchen weniger Kraftstoff.

ZEIT ONLINE: Aber es ist doch sinnvoll, Autos nicht nur anhand der CO2-Emissionen zu beurteilen.

Zimmer: Das stimmt, denn dann würde ich in größeren Fahrzeugklassen schlicht kein grün bewertetes Auto finden. Eine Familie mit drei Kindern zum Beispiel braucht aber ein großes Auto. Und dann ist es gut, wenn sie sich künftig für einen Wagen mit einem grünen Label entscheiden kann.

ZEIT ONLINE: Wie hätte man das Label besser gestalten können?

Zimmer: Man sollte statt des Gewichts die Fläche des Fahrzeugs als Bezugsgröße heranziehen. Je größer die Fläche, desto größer ist der Nutzen des Autos und desto mehr darf es emittieren. Diese Regelung würde die Leichtbauweise fördern: Wird ein großes Auto leichter, verbraucht es weniger Kraftstoff und stößt damit weniger CO2 aus. Also bekommt es eine bessere Bewertung.

ZEIT ONLINE: Auch der Bundesrat scheint dem Faktor Gewicht nicht zu trauen – er hat heute nur mit der Bedingung zugestimmt, in spätestens drei Jahren auch andere Grundlagen für die Berechnung zu prüfen. Nützt das Label, so wie es jetzt ist, der Umwelt denn überhaupt nichts?

Zimmer: So kann man das nicht zusammenfassen. Es bringt immerhin die Menschen zum Nachdenken über Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen. Und: Auch schwere Autos können unterschiedlich effizient sein. Aber trotzdem sollte im Sinne des Klimaschutzes ein solches CO2-Labeling auf die Fahrzeugfläche ausgerichtet sein.