Die Debatte um Tempo 30 in Großstädten ist wieder eröffnet, vor allem im Berliner Wahlkampf. Aber auch im Münchner Rathaus wird über eine Ausweitung nachgedacht. Wie stark das Thema polarisiert, war jüngst in der auto motor und sport ( ams ) zu lesen. Ein generelles Tempo 30 in Städten sei "idiotisch", wetterte dort ams -Vizechefredakteur Ralph Alex und verwies unter anderem auf Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Der behauptet, bei Tempo 30 käme der Verkehr "nur noch zäh wie Kaugummi" voran – und das belaste dann die Umwelt.

Aber sind die Argumente der Gegner wirklich stichhaltig? Oft wird ins Feld geführt, die Zahl der Unfälle werde durch Tempo 30 kaum reduziert. Das stimmt. Es stimmt aber auch, dass Unfälle dann glimpflicher ausgehen. Der Bremsweg ist bei 30 km/h erheblich kürzer als bei 50 km/h. Bei höherer Geschwindigkeit ist zudem die Aufprallwucht stärker. Deshalb sagt die Zahl der Unfälle allein nichts aus – es macht einen Unterschied, ob man bei einer Kollision schwer, leicht oder gar nicht verletzt wird.

Ebenso wenig stimmig ist das Argument, es drohe zähflüssiger Verkehr. Untersuchungen haben gezeigt, dass Tempo 30 keine negativen Auswirkungen zeigt. Weder läuft der Verkehr weniger flüssig, noch erhöhen sich die Standanteile. "Grundsätzlich läuft der Verkehr besser, wenn alle die gleiche Geschwindigkeit fahren – das ist auch bei vorgeschriebenen 30 km/h nicht anders", erklärt der Verkehrsökologe Udo Becker von der TU Dresden.

Die positiven Effekte von Tempo 30 auf die Luft und damit auf die Gesundheit der Anwohner sind hinlänglich belegt . Besonders trifft das laut Becker für den Feinstaub zu, der bei niedrigerer Geschwindigkeit nicht so stark aufgewirbelt wird. Auch der Abrieb an den Reifen nimmt ab. Der Motor selbst stößt zwar kaum weniger Partikel aus, doch die Menge der Stickstoffoxide (NOx) steigt mit der Temperatur des Motors – bei Tempo 30 ist er tendenziell weniger warm.

Natürlich hängen die Emissionen vom persönlichen Fahrstil ab. Wer mit Tempo 40 im ersten Gang fährt, bläst viel in die Luft. Deshalb raten Experten auch zu niedertourigem Fahren, also in den höchstmöglichen Gang zu schalten, bei dem der Motor noch nicht zu ruckeln beginnt. Laut TÜV lässt sich problemlos bei 30 km/h im dritten Gang fahren, Becker hält sogar den vierten Gang für möglich. Eine solche Fahrweise spart auch Sprit.