Autofahren im AlterWenn es beim Schulterblick im Nacken zwackt

Auch Ältere wollen unbeschwert Auto fahren. Doch viele sehen schlecht oder reagieren langsam. Deshalb bietet der ADAC ein Fahrtraining für Senioren an. von 

Ältere Autofahrer beim 60plus-Fahrtraining auf einem Übungsplatz in Berlin-Tegel

Ältere Autofahrer beim 60plus-Fahrtraining auf einem Übungsplatz in Berlin-Tegel  |  © Jana Brenner

Walter Sylten hält das Lenkrad fest in den Händen – die rechte Hand auf drei, die linke auf neun Uhr, so wie Fahrtrainer Bernd Teicher es ihm erklärt hat. Am Beifahrer-Gurt hat Sylten ein Funkgerät festgeklemmt, aus dem Teichers Stimme Anweisungen gibt. Noch zwei Autos sind vor Sylten, dann ist er dran. "So kurz vorm Start-Signal wird einem schon ein bisschen mulmig", sagt der 82-Jährige.

"Und los!", ruft da Teicher aus dem Funkgerät. Sylten drückt aufs Gaspedal, der Motor seines Automatik-Wagens brummt. Auf 40 Stundenkilometer soll er beschleunigen, dann, bei den zwei orangefarbenen Hütchen, eine Vollbremsung hinlegen. Die Bremsen greifen, Sylten wird in den Gurt gedrückt. "Auf der Bremse bleiben, auf der Bremse bleiben", schallt Teichers Stimme in den Innenraum. Aus Sprenklern klatscht Wasser auf das Dach, das Auto schliddert und kommt mit einem letzten Ruck zum Stehen. Sylten hat alles richtig gemacht: Er hat hart gebremst und das Lenkrad festgehalten. Dann klappt auch eine Vollbremsung auf glattem, nassem Untergrund, der auf dem Übungsplatz in Berlin-Tegel die Eigenschaften von festgefahrenem Schnee simuliert.

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Sylten und sieben weitere Senioren nehmen heute am 60plus-Training des ADAC-Fahrsicherheitszentrums Berlin-Brandenburg teil. Vor der Vollbremsung auf nasser Straße haben sie schon das plötzliche Stoppen auf trockenem Asphalt geübt, sind Slalom gefahren und haben von Teicher ihre Sitzeinstellungen überprüfen lassen. "Sie müssen hoch sitzen, zwischen Kopf und Decke darf nur eine Faust passen", erläutert der Trainer. Walter Sylten saß viel zu niedrig in seinem Auto, Teicher stellt seinen Sitz nach oben. Eine ungewohnte Position für Sylten, der seinen Führerschein 1955 gemacht hat. "Aber schauen Sie mal, wie viel Sie jetzt von der Straße sehen", sagt Teicher. Seit 20 Jahren leitet der 61-Jährige Fahrtrainings.

Ein bis zwei Mal pro Woche findet das Seminar in Tegel statt, mit jeweils zehn bis zwölf Teilnehmern. "Der älteste war 98", sagt der Geschäftsführer des Fahrsicherheitszentrums, Philipp Dressel. Bei dem Training geht es nicht darum, die Senioren zu überprüfen und ihnen danach zu sagen, ob sie noch fit genug für die Straße sind. Sie sollen ihr Auto und seine Technik besser kennenlernen und Extremsituationen ausprobieren. "Ihre Fahrtüchtigkeit können sie schon ganz gut alleine einschätzen", sagt Dressel. "Alte Menschen sind vernünftiger, als wir denken. Wenn sie gar nicht mehr Auto fahren können, dann lassen sie es auch." In der Großstadt ist das natürlich einfacher als auf dem Land, wo man ohne eigenen Pkw oft überhaupt nicht zum Einkaufen, zum Arzt oder zu Freunden kommt.

Die Teilnehmer sind mit unterschiedlichen Fragen gekommen. "Ich habe noch nie richtig bremsen müssen", sagt eine 70-jährige Berlinerin. "Ich weiß überhaupt nicht, was dann passiert." Die anderen nicken. Schert das Fahrzeug aus? Mache ich etwas kaputt, wenn ich voll auf die Bremse steige? "Meine Familie kritisiert mich zurecht beim Spurwechsel", sagt ihr 72-jähriger Mann. "Ich wechsle erst die Spur und dann gucke ich."

Ein anderer berichtet: "Letzte Woche musste ich auf die Gegenfahrbahn ausweichen, weil von rechts einer kam. Ich will wissen, wie ich in so einer Situation am besten reagiere. Und was mein Wagen macht." Bisher sei noch nichts passiert. Aber die Teilnehmer merken, dass sie nicht mehr so fit sind wie früher. Sie werden unsicherer. Und da beugen sie lieber vor und erhoffen sich gute Antworten von Fahrtrainer Teicher.

Leserkommentare
  1. Nicht nur ältere! Es gibt viele , die mit dem Auto gassie fahren! Solche Fahrer sind mir "die Liebsten"!
    Außerhalb von Ortschaften 70 und in Ortschaften 70.
    Ich glaub manche erkennen den Geschwindigkeitsmesser nicht mehr! Überholen ist diesen zu wieder, da man die Technik nicht versteht ,oder den Führerschein gewonnen hat. Viele stehen wie am Montag schlange an der Tanke, weils den Sprit preiswerter gibt, aber blasen den Vorteil an der nächsten Kreutzung durchs Rohr!
    Der Verbrauch vom Hersteller geht wohl in Ordnung und den drücke ich noch, daß ist aber nur möglich, wenn man als Fahrer die einfachsten phisikalischen Gesetze beherrscht! Dieses heist nicht schleichen, sondern schnell hochschalten(Das Problem mit schnell)! Ich düse wohl 200 km/Tag im Stadtverkehr,aber ich liebe Autofahrer, die von Ihrer Technik unterm Arsch nichts verstehen!

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  2. > Die Unsitte, nicht zu blinken, hat sich meiner Beobachtung
    > nach in den letzten fünf oder zehn Jahren herausgebildet.

    Nicht blinken und das Rechtsfahrgebot ignorieren sind halt die häufigsten und altersübergreifenden Probleme in diesem unsereen Strassenverkehr.

    Bernd (welcher langsam in ein Alter kommt, wo es bequemer ist sich mit Tempomat hinter einen Laster zu klemmen statt sich auf der linken Spur unters Jungvolk zu mischen).

    Antwort auf
    • smojoe
    • 10. August 2011 10:02 Uhr

    Tatsächlich so dass offensichtlich viele Leute den Eindruck haben völlig allein auf den Strassen zu sein, und deshalb die Notwendigkeit zu kommunizieren nicht sehen. Den Blinker zu benutzen ist ein wichtiges Kommunikationsmittel und trägt massgeblich dazu bei den Verkehrsfluss aufrecht zu erhalten.
    Das fällt immer ganz besonders am Kreisverkehr auf. Der wurde eigentlich erdacht um den Verkehr flüssig zu halten, aber wenn niemand mehr mitteilt wenn er den Kreisel verlässt ist diese gute Einrichtung leider wenig nützlich.
    Vielleicht sollte die Polizei mal eine Aktion „Blink doch mal wieder“ ins Leben rufen.

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    • xoxox
    • 10. August 2011 13:21 Uhr

    Bei einer Gefahrenbremsung ohne Ausweichen hält sich das Fahrzeug immer in der Spur, das Lenkrad muss nicht festgehalten werden. Man darf natürlich, aber es ist nicht notwendig. In guten Fahrertrainings wird so etwas auch gezielt gemacht um ein besseres Gefühl für Fahrzeugverhalten zu bekommen.

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    • Tim N.
    • 10. August 2011 14:25 Uhr

    Lieber xoxox,
    bei einer Gefahrenbremsung hält das Auto nicht unbedingt 100% die Spur. Unterschiedlicher Luftdruck in den Reifen, mangelhafte Bremsen (es reicht, wenn die Bremsen leicht unterschiedlich "ziehen") können dazu führen, dass Sie bei einer Vollbremsung nach rechst oder links driften. DAs macht sich bei hohen Geschwindigkeiten bemerkbar. Dann landet man schnell im Graben, unterm LKW oder in der Leitplanke bzw. gerät ins Schleudern, weil man zu stark gegenlenkt. Ich spreche aus Erfahrung und bin der Meinung, jeder sollte ein Sicherheitstraining absolvieren müssen (und zwar regelmäßig).

    • Tim N.
    • 10. August 2011 14:25 Uhr

    Lieber xoxox,
    bei einer Gefahrenbremsung hält das Auto nicht unbedingt 100% die Spur. Unterschiedlicher Luftdruck in den Reifen, mangelhafte Bremsen (es reicht, wenn die Bremsen leicht unterschiedlich "ziehen") können dazu führen, dass Sie bei einer Vollbremsung nach rechst oder links driften. DAs macht sich bei hohen Geschwindigkeiten bemerkbar. Dann landet man schnell im Graben, unterm LKW oder in der Leitplanke bzw. gerät ins Schleudern, weil man zu stark gegenlenkt. Ich spreche aus Erfahrung und bin der Meinung, jeder sollte ein Sicherheitstraining absolvieren müssen (und zwar regelmäßig).

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    ... in einem Zustand, der Ihnen Ihre "Erfahrungen" erspart. Ist ja dummerhaftig, eigene "Erfahrungen" allgemein gültigen Erkenntnissen konterkarieren zu wollen.

  3. ICH kann jeden der bisherigen kommentare verstehen und nachvollziehen.

    in deutschland MUSS ich blinken, wenn ich auf der linksabiegespur links abbiegen will (ich könnte schließlich ja auch verkehrswidrig nach rechts abbiegen wollen ,-) ) und vorschrift ist doch vorschrift!!!!

    in deutschland darf ich mit 180 km auf der linken spur mit drängeln und/oder lichthupe alle schleicher von der bahn schieben, ich darf aber auch auf freier autobahn auf der linken spur mit 120 daherzockeln und andere damit nötigen rechts zu überholen und und und

    wenn ALLE nur §1 der StVO einhalten würden => dass leben auf der straße könnte soooo schön sein.

  4. ... in einem Zustand, der Ihnen Ihre "Erfahrungen" erspart. Ist ja dummerhaftig, eigene "Erfahrungen" allgemein gültigen Erkenntnissen konterkarieren zu wollen.

    Antwort auf "Lenkrad festhalten"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte ADAC | Führerschein | Training | Italien | Niederlande | Schnee
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