Reisen in DeutschlandRegierung gestattet bundesweiten Fernbusverkehr

Zwischen Berlin und Hamburg fahren sie bereits. Jetzt dürfen Fernbusse auch deutschlandweit verkehren. Bahn und Billigfliegern dürfte nun neue Konkurrenz entstehen. von dpa und Reuters

Zwischen deutschen Städten sollen Reisende bald bundesweit mit Fernbussen fahren können. Das Kabinett hat eine weitgehende Freigabe des innerdeutschen Buslinienverkehrs beschlossen. Das bedeutet mehr Konkurrenz für Pkw, Bahn und Billigflieger.

Die Gesetzesänderung von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) beseitigt jahrzehntelange Beschränkungen, die einst den Aufbau der Bahn schützen sollten: Laut Personenbeförderungsgesetz sind nationale Fernbuslinien derzeit genehmigungspflichtig. Busse dürfen dort nicht fahren, wo eine Bahnverbindung besteht. Diese Schutzklausel soll voraussichtlich im kommenden Jahr wegfallen.

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Auch künftig müssen Fernbuslinien bei den Länderbehörden beantragt werden, sie sind jedoch "grundsätzlich genehmigungsfähig". In der Vergangenheit wurden aufgrund der besonderen Lage während der Teilung Deutschlands Verbindungen nach West-Berlin freigegeben. Darüber hinaus sind nur einige Zubringerlinien zu Flughäfen und Bahnhöfen genehmigt. Allerdings hatte es zuletzt Gerichtsurteile gegeben, die die bisherigen Regelungen infrage stellten.

"Wir befreien den Markt für Fernbusreisen von seinen Fesseln", sagte Ramsauer, als er den Plan vorstellte. Verbraucher sollten die Möglichkeit erhalten, auch über längere Strecken kostengünstig und umweltfreundlich mit dem Bus zu fahren statt jeweils für sich im Auto. Konkurrenz solle der Bahn keine entstehen. "Wir wollen also Verkehre auf der Straße bündeln, jedoch der Schiene keine Kunden abjagen", erläuterte er.

Haltestellen müssen 50 Kilometer voneinander entfernt sein

Auch den öffentlich finanzierten Nahverkehrsangeboten sollen Fernbusse keine Konkurrenz machen: Fernbus-Haltestellen müssen mindestens 50 Kilometer voneinander entfernt sein.

FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring bezeichnete den Beschluss als "einen wichtigen Schritt für mehr Wettbewerb" zwischen den Verkehrsträgern. Fernbusse seien besonders für junge Leute und Menschen mit geringem Einkommen eine interessante Alternative zu hohen Bahnpreisen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband äußerte sich ähnlich.

Die Deutsche Bahn ist selbst Deutschlands größter Busanbieter. Überlegungen, das eigene Busgeschäft bei einer Marktfreigabe deutlich auszubauen, hatte der bundeseigene Konzern aber vorerst wieder verworfen.

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Leserkommentare
  1. 1. wuhuuu

    Das wurde auch Zeit oder? Das Verbot für Fernbusverkehr hatte schon immer ein geschmäckle.

    12 Leserempfehlungen
  2. Na die Distanz ist sicherlich nach einer wissenschaftlich fundierten Analyse entstanden. Oder haben da die Entwurfsverfasser (allen voran Herr Döring) etwa am Tisch gesessen und sich die Zahl einfach ausgedacht?

    Na das wird dann in der PRaxis interessant, wenn sich die ersten darüber beschweren, dass der Bus nach 49 km nicht in ihrem Ort halten darf.

    Herr wirf Hirn vom Himmel!!!

    11 Leserempfehlungen
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    • Riktam
    • 04. August 2011 7:34 Uhr

    … kann man ja einfach Pinkelpausen machen, oder?

  3. Die 50-Kilometer-Grenze ist dennoch merkwürdig. Ob die wohl EU-wettbewerbskonform ist? Denn die Regierung kommt hier ja nur einem entsprechendem Beschluss zuvor, es ist ja nicht nur Eigenmotivation, die diese Veränderung veranlasst hat.

    4 Leserempfehlungen
  4. Na, dann willkommen im Stau !

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    Vielleicht gibt es ja irgendwann auch mal eine Busspur in Deutschland.

  5. Die Autokraft, wie im Bild gezeigt, ist eine Bahn-Tochter. Daher ist das gewählte Beispiel nicht unbedingt gut, um eine Konkurrenz zur Bahn zu verdeutlichen.

    9 Leserempfehlungen
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    ...für die Aufklärung! :-)...

    Hätte mich auch gewundert, wenn es gegen die Bahn ginge.

    Und wieder einmal sehen wir, wie der Bürger veralbert werden soll und Lobbyismus betrieben wird! Von wegen Konkurrenz!

    Vielleicht sollte der Auto des Artikels auch mal vorher genau recherchieren, bevor er sowas vom Stapel lässt. Aber ich weiß ja...der liebe Journalismus....wie er heute vorwiegend funktioniert.

  6. ...man der Bahn kein Geld in den Rachen werfen will.

    Auch vergrößert sich die Chance, bei großer Hitze oder im Winter doch noch von A nach B zu kommen ;-)

    3 Leserempfehlungen
  7. Hier wird ein Teufel an die Wand gemalt, der nirgendwo und in keiner Weise existiert.
    Die Busverbindungen sind keine Konkurrenz und schon gleich gar nicht auf den längeren Strecken. Beispiele:
    Berlin-Hamburg, ICE: 1 Std. 40 Min. für 39 Euro
    Berlin-Hamburg, Bus: 3 Std. 10 Min. für 27 Euro

    Berlin-München, Flug: 1 Std. 10 Min. für 50 Euro
    Berlin-München, ICE: 6 Std. 10 Min. für 60 Euro
    Berlin-München, Bus: 8 Std. 30 Min. für 33 Euro

    Wer mit dem Bus reißt, spart Geld. Aber man spart nicht so viel Geld, welches die unverhältnismäßig längere Reisezeit rechtfertigen würde. Außer man hat alle Zeit der Welt, aber selbst dann hätte ich keine Lust, 8 Stunden meinen Arsch in einem Bussitz platt zu drücken.

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    Die Abwägung zwischen Zeit und Geld, und sei es 10 Euro gegen zwei Stunden, kann bei verschiedenen Personen sehr unterschiedlich ausfallen. Wenn ein Busangebot nicht angenommen wird, kann es ja sher einfach eingestellt werden - sehr viel einfacher als ein entsprechendes Bahnangebot.

    Abgesehen davon sind die von Ihnen genannten Preise für die Bahn nicht immer verfügbar Sonderangebote, wenn ich mich nicht sehr irre. Die Normalpreise liegen eher beim Doppelten.

    @ der_mops,

    Ihre Zahlen sind Unsinn. Zum Flug müssen Sie erst mal hinkommen, Check-in und Security, das unterschlagen Sie alles. Von München nach Berlin kommen Sie per Flugzeug nicht unter 4 Stunden.

    Bei den Preisen müssen Sie auch die Konditionen berücksichtigen (bestimmte Reisetage, Vorbuchungsfrist, Umbuchung etc). Aber selbst unter optimalen Bedingungen finde ich keinen 50-Euro-Flug nach Berlin.

    vor allem vom Geldbeutel und Anspruch ab.
    Ich könnte mir vorstellen, dass vor allem jüngere Menschen mit wenig Geld(Jugendliche, Azubis, Studenten) diese Möglichkeit nutzen werden. Da sind 12€ haben oder nicht haben schon ein ziemlicher Unterschied.
    Wenn es ein günstiges Angebot geben sollte, würde ich es vielleicht auch machen. Allerdings müsste es wirklich gut sein. Denn aufgrund der Sicherheit und des Komforts werde ich weiter Bahn fahren bevorzugen.

    Welchen tieferen Sinn die 50Km Grenze hat, wird sich mir sicher noch erschließen. Man kann ja davon ausgehen das die verantwortlichen Politiker sich schon etwas dabei gedacht haben. Das heißt ja nicht, dass dies zum Wohle des Verbrauchers sein muss. Wenn die FDP von einem "einen wichtigen Schritt für mehr Wettbewerb" redet, ist große Vorsicht angebracht.

    Ich bin manchmal zwischen Hamburg und Berlin unterwegs, da ich in beiden Städten viele Freunde habe.

    Der ICE ist zweifellos die angenehmste Variante, aber auch die teuerste. Gerade eben geguckt, Wenn ich heute von HH nach B fahren möchte:

    Zug: 100 Minuten Fahrt für 56€ bis 70€
    Bus: 190 Minuten Fahrt für jedsmal 27€

    und nicht vergessen...

    Mitfahrgelegenheit: 150 Minuten Fahrt für 15€

    Irgendwelche Sonderangebote, die man nur bei zwei Monaten Vorausbuchung kriegt, darf man wohl kaum als normale Preise zählen.

    Wenn die angegebenen Preise für die Bahn auch nur annähernd realistisch wären für Menschen, die ihre Fahrten nicht wochenlang im Voraus planen können und dann auch noch das Glück haben, eines dieser Tickets zu ergattern, dann wäre die Bahn tatsächlich (fast) als konkurrenzfähig zu bezeichnen.

    Leider ist die Bahn aber in der Realtität weit von Gut und Böse mit ihren Preisen - dass ich sie trotzdem nutze, liegt einzig und alleine am Komfort. Den man aber auch nur hat, wenn man nicht gerade den Anschlusszug verpasst hat oder die Klimaanlage nicht funktioniert oder der Sitznachbar Wurstbrote isst oder der Vordermann laut telefoniert oder ein Kegelausflug den gleichen Wagen gewählt hat oder (und dafür bekomme ich jetzt sicherlich gleich eins hinter die Ohren) eine junge Familie dafür sorgt, dass sich deren Kinder auf Kosten der anderen Mitfahrer freiest entfalten dürfen.

    Allerdings kann einem vieles davon auch mit dem Bus passieren - Reisen ist halt eine Last, aber was will man machen, wenn man wo hin muss, wo man nicht ist?

    • ikonaut
    • 03. August 2011 16:11 Uhr

    unterschlagen:

    berlin-münchen: mitfahrgelegenheit, 6 h, 30 euro, individuell, zu allen tages- und nachtzeiten

    zb > http://www.mitfahrgelegen...

    • emkayyy
    • 03. August 2011 19:31 Uhr

    Wer sagt denn außerdem, dass die Buspreise so bleiben werden, wenn es mal richtig Konkurrenz gibt? Dass die Bahn-Busunternehmen nicht wirklich im Wettbewerb zu Bahn stehen kann man sich ja an einer Hand abzählen.

    In UK oder den USA bietet Megabus Tickets für $1 für Fahrstrecken von 3h an, wenn man früh genug bucht. Ansonsten kostet das $17, bei dem Beispiel das ich kenne. Da muss ich Bahn erst mal preislich mitkommen.

    Ein Flug von Hamburg nach München für 50€?
    Ernst gemeinte Frage: Wo bekomme ich das Schnäppchen?

  8. ....die Bundesregierung will den Schienenverkehr, um teures Erdoel zu sparen und die Umwelt zu schonen, foerdern, oder? Nun werden wir noch mehr verstopfte Strassen und Unfaelle haben. Auch der Ruf nach neuen Strassen, die logischerweise nur auf Kosten von Waeldern und Wiesen entstehen koennen, koennte bald sehr laut werden. Wenn es also mit dem Verlegen auf die Schiene, warum auch immer, nicht klappt, dann bleibt uns wenigstens zu hoffen, die Busfahrten werden wesentlich billiger als die Zug- und/oder die Autofahrten sein.

    6 Leserempfehlungen
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    Warum sollen neue Straßen gebaut werden, weil Busse Passagiere nun auch auf der Langstrecke befördern dürfen? Unser Autobahnnetz ist bereits, so gut wie einmalig auf der Welt, sehr dicht geschlossen. Auch leuchtet mir nicht ein, dass die Busse die Straßen verstopfen würden, da Busse ja eine Vielzahl von Passagieren befördern, deren Autos wiederum stehen bleiben werden. Das Problem auf deutschen Autobahnen ist doch eher der manchmal nicht mehr erträgliche LKW-Güterverkehr.
    Übrigens hat sich die betroffene Zielgruppe bereits durch Internetseiten wie Mitfahrgelegenheit.de selbst Abhilfe geschaffen. Hier wird oft profitfrei der Spritpreis geteilt, gut für Geldbeutel und Umwelt, und man lernt zuweilen sogar nette Menschen kennen. Fazit: Die Busse sind eine gute Idee, aber man ist schon weiter.

    • c2j2
    • 03. August 2011 21:21 Uhr

    Da der Bus sorgen soll, daß weniger Leute Auto fahren, könnte auch das Gegenteil eintreten: weniger Stau und Unfälle. Wenn allein 10-20 Leute statt mit dem Auto mit dem Bus fahren, wären schon 10 Autos (viele fahren allein) weniger. Und damit wäre ich sehr einverstanden, ein Bus statt 10 PKW.

    Wenn die Bundesregierung so was beschliesst, dann ist das doch ein deutliches Signal: Es wird nicht mehr im Schienennetz investiert. Uns ist der Chaos vom letzten Winter immer noch sehr gut in Erinnerung. Dieser Chaos ist in erster Linie auf nicht getaetigte Investionen, u.a. im Bereich Enteisung der Schienen, zurueckzufuehren. Die Bahn muss sich das hochentwickelte Deutschland anpassen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Peter Ramsauer | Regierung | CSU | Deutsche Bahn | Bahnhof | Billigflieger
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