Neuvorstellung Infiniti M35hDer dezente Luxus-Spritsparsportler

Die japanische Edelmarke Infiniti hat schon auf dem Markt, was die deutsche Konkurrenz noch erprobt: einen Oberklasse-Hybrid. Der M35h fährt sich sportlich, aber sparsam. von Jürgen Wolff

Seit Kurzem versucht Nissan mit seiner Nobelmarke Infiniti, auch in Europa Fuß zu fassen. Dabei soll auch das Modell M35h helfen: eine hybride Oberklasse-Limousine, optisch eher unauffällig, aber dafür recht komfortabel. Doch nicht nur die umweltverträglichere Antriebsart soll Infiniti bei der Imagebildung helfen – für Sportlichkeit möchte man auch stehen.

Das belegt der kleine Seitenhieb, den sich die Infiniti-Werber im Promotion-Video für den M35h nicht verkneifen mochten: Als es um das Beschleunigungsvermögen von 0 auf 100 Stundenkilometer geht, kommentiert der Sprecher die dafür gemessenen 5,5 Sekunden mit einem knappen "Sorry, Porsche". Dessen Hybrid-Panamera braucht für den gleichen Spurt nämlich eine halbe Sekunde länger.

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Doch so sportlich der M35h auch sein kann: Infiniti macht das verbrauchsarme Fahren zu einem kleinen Wettbewerb des Fahrers mit sich selbst. Über den Bordcomputer lässt sich ins Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho einspielen, wie viele Kilometer man mit Benzinantrieb und wie viele man rein elektrisch zurückgelegt hat. Fahren im E-Modus funktioniert dabei überraschend häufig. In den USA soll der M35h die Hälfte einer Teststrecke über Highways und durch Städte ausschließlich im Elektrobetrieb geschafft haben, berichtet der Hersteller. Bei einer Ausfahrt rund um Birmingham kamen wir auf einen Elektroantrieb von rund einem Viertel.

Der M35h verfügt über einen relativ simpel gestrickten, aber effektiven Vollhybrid-Antrieb, den Infiniti selbst entwickelt hat. Das System kombiniert einen V6-Benzinmotor und einen Elektromotor und stellt so reichlich Leistung bereit. Der V6-Benziner mit 3,5 Litern Hubraum liefert allein schon 225 kW (306 PS) und ein maximales Drehmoment von 350 Nm an die Hinterräder. Der Elektromotor mit 50 kW (68 PS) bringt ein maximales Drehmoment von 270 Nm. Kombiniert ergeben sich 268 kW (364 PS). So lässt es sich im M35h mal in der 30er-Zone elektrisch fahren, mal gemütlich auf der Stadtautobahn gleiten, aber auch beim Überholen flott beschleunigen oder spritzig über Bergstraßen kurven.

Der Verbrennungsmotor ist akustisch so gut abgekapselt, dass er allenfalls in langsamer Fahrt noch gerade so zu hören ist. Auf Autobahn und Landstraße sind die Abrollgeräusche der Reifen lauter. Um beim nahezu lautlosen Fahren mit Elektromotor Fußgänger und Fahrradfahrer nicht zu verschrecken, hat Infiniti dem M35h serienmäßig ein akustisches Fußgängerwarnsystem verpasst: Bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h macht ein künstlich generierter Sinuston mit variabler Tonhöhe und Lautstärke aus Lautsprechern im Frontstoßfänger auf den M35h aufmerksam.

Den Strom erhält der Elektromotor aus einem Lithium-Ionen-Akku-Paket, das hinter den Rücksitzen montiert ist und damit den Kofferraum von 450 auf magere 350 Liter verkleinert. Die Akkus haben eine Kapazität von 1,4 kWh und sorgen dafür, dass man durchaus auch längere Strecken und bis zu 100 km/h rein elektrisch unterwegs sein kann. Das erfordert allerdings einen sensiblen Gasfuß und am besten auch noch die Wahl des – jedoch arg zähen – Fahrmodus ECO. Weitere Fahrcharakteristika, die sich per Drehknopf einstellen lassen, sind ein Sportmodus, einer für Schnee und ein eher auf den Alltag abgestimmter Modus.

Verbrennungs- und Elektromotor liegen im Antriebsstrang hintereinander und können über zwei Kupplungen geschaltet werden. Die erste findet sich zwischen dem Verbrennungsmotor und der Elektromotor-Getriebe-Einheit. Mit ihr kann der V6 komplett abgekoppelt werden, wenn sich der Wagen im reinen Elektro-Fahrbetrieb befindet oder beim Gleiten oder Bremsen elektrische Energie rückgewinnt. Die zweite Kupplung ist in das Getriebegehäuse integriert und ersetzt den Drehmomentwandler. Das siebenstufige Automatikgetriebe senkt den Kraftstoffverbrauch so gegenüber einer herkömmlichen Wandlerautomatik um rund ein Zehntel und spricht auch noch agiler an. Das Ganze funktioniert in der Praxis weitgehend ruckfrei und sehr komfortabel. Wer nicht die Drehmomentanzeige im Blick hat oder sehr genau hinhört, merkt kaum, wenn der Antrieb zwischen den Motoren hin und her schaltet oder beide abfordert.

Leserkommentare
  1. möchte man den Herstellern ins Buch schreiben. Ging aber schon länger (Toyota, Lexus usw.), und das nicht nur für Reiche.

    • hiper
    • 28. August 2011 14:33 Uhr

    56600 ist doch ein glatter Witz, wielange will sich der Autokaeufer in Deutschland das gefallen lassen. In anderen Laendern ist der Wagen fuer 37000 Euro erhaeltlich, auch wenn man die deutsche MWST als Preiskiller sehen kann, koennte das Auto sicher fuer 45000 durchgehen. Und bei der Ausstattung gibt es woanders nicht mal die Wahl, Der Wagen hat Alles was Nisan liefern kann.

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    • fx-555
    • 28. August 2011 19:26 Uhr

    Das liegt an verschiedenen EU-Richtlinien.
    Für die USA, zum Beispiel, werden andere Fahrwerke oder Kühlsysteme eingebaut.

    PS: Die EU hat auch die Umsatzsteuer zwischen 15 und 25 Prozent begrenzt.

  2. "Die japanische Edelmarke Infiniti hat schon auf dem Markt, was die deutsche Konkurrenz noch erprobt: einen Oberklasse-Hybrid,.."

    Herzlichen Glückwunsch, mit dem Hinweis auf den Porsche Panamera Hybrid schaffen sie es ihre eigene Überschrift auszuhebeln. Nebenbei gibt es übrigens auch den Mercedes S 400 Hybrid bereits seit 2009 zu kaufen.

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    • 2eco
    • 28. August 2011 17:09 Uhr

    Die Angaben von Zeit sind korrekt. Der Infiniti M35 fischt nicht im selben Revier, wie S-Klasse und Panamera.

    In der Oberklasse tritt der Infiniti gegen E-Klasse, 5er BMW und Audi A6 an. Und in diesem Segment haben es die deutschen immer noch nicht geschafft einen Hybrid zu liefern.

    • 2eco
    • 28. August 2011 17:09 Uhr

    Die Angaben von Zeit sind korrekt. Der Infiniti M35 fischt nicht im selben Revier, wie S-Klasse und Panamera.

    In der Oberklasse tritt der Infiniti gegen E-Klasse, 5er BMW und Audi A6 an. Und in diesem Segment haben es die deutschen immer noch nicht geschafft einen Hybrid zu liefern.

    • 2eco
    • 28. August 2011 17:29 Uhr

    "mit mehr Klarheit, Kanten und schlichter Elleganz."

    Design ist mit Sicherheit Geschmackssache, aber das aktuelle Design deutscher Premiumhersteller ist alles, nur nicht elegant. Die Klarheit und die Kanten sind nichts anderes als aggressive und protzige Designelemente.

    Die Lufteinlässe an der Front müssen mindestens so groß sein, damit man den Kleinwagen auf der linken Spur verschlucken kann. Krampfhaft wird versucht bei jedem neuen Designentwurf noch eine neue Kante und noch eine neue Sicke zu zeichnen. Elegant ist anders

    Ein Blick in die Historie des Automobils zeigt, dass eine runde Formensprache zeitlos schön und elegant ist. Beim Anblick eines alten E-Types erfreuen sich noch heute Designliebhaber, das Design vom Mini sorgt für tolle Umsatzzahlen im BMW Konzern und der Porsche 911 verkauft sich seit 50 Jahren, im nur behutsam entwickelten Design, noch heute wie geschnittenes Brot.

    Antwort auf
    • fx-555
    • 28. August 2011 19:26 Uhr

    Das liegt an verschiedenen EU-Richtlinien.
    Für die USA, zum Beispiel, werden andere Fahrwerke oder Kühlsysteme eingebaut.

    PS: Die EU hat auch die Umsatzsteuer zwischen 15 und 25 Prozent begrenzt.

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    Die Kraftfahrzeuge sind auch bei identischer Ausstattung in Deutschland am teuersten. Besonders interessant ist dies bei deutschen Fabrikaten, denn die müssen eben nicht tausende von Kilometer transportiert werden. Die Hersteller bieten die Autos im Ausland von sich aus wesentlich billiger an. Deswegen sind ihnen ja auch Grauimporte ein Dorn im Auge. Anfangs haben sie sich ja noch gewehrt (Servicekosten, Service oder Garantie verwehrt...) aber ein paar Gerichtsurteile haben dies irgendwann geändert.

  3. Die Kraftfahrzeuge sind auch bei identischer Ausstattung in Deutschland am teuersten. Besonders interessant ist dies bei deutschen Fabrikaten, denn die müssen eben nicht tausende von Kilometer transportiert werden. Die Hersteller bieten die Autos im Ausland von sich aus wesentlich billiger an. Deswegen sind ihnen ja auch Grauimporte ein Dorn im Auge. Anfangs haben sie sich ja noch gewehrt (Servicekosten, Service oder Garantie verwehrt...) aber ein paar Gerichtsurteile haben dies irgendwann geändert.

    Antwort auf "Hohe Preise"
  4. Na ja. 5.7 Liter auf 100km sind natuerlich nicht so ueberragend. Da sind viele herkoemmliche Diesel besser (die schleppen natuerlich keine Edelholz Vertaefelung mit sich).

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Elektromotor | Hybrid | Porsche | USA | Birmingham | Europa
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