Autotechnik Fährt sich wie von selbst
Computergesteuertes Autofahren ist für manche ein Traum, für andere ein Schreckensbild. BMW setzt die Vision schon um – der Fahrer schaut zu und kann nur noch staunen.
© press-inform

Hände weg vom Lenkrad: Computergesteuertes Autofahren in einem umgerüsteten 5er-BMW
Im Wagen vor mir, in dem der Sänger gedankenversunken der jungen Frau in ihrer klapprigen Ente hinterherfuhr. Der 5er-BMW schleicht mit Tempo 85 hinter einer Kolonne von Lastwagen her. Das fehlende Überholmanöver liegt aber keinesfalls an einem verträumten Fahrer – er hat seine Macht ohnehin längst aus den Händen gegeben. Auf der Autobahn A9 zwischen München und Ingolstadt fährt der Wagen autonom, ohne aktives Zutun der Person auf dem Fahrersitz.
In der silberfarbenen BMW-Limousine kommt man sich an diesem Vormittag vor wie im Siebziger-Jahre-Schlager
Bis zum Autobahnkreuz Neufahrn hatte der menschliche Pilot noch Gewalt über den Prototypen aus der BMW-Entwicklungsabteilung. Dann ein Druck auf eine Taste am Lenkrad – und mit der Herrschaft ist es auf einmal vorbei. Seither übernehmen zwei Rechner im Kofferraum die Geschicke im turbulenten Verkehr auf der A9 Richtung Norden. Der BMW sieht abgesehen von ein paar Antennen und Sensoren aus wie ein ganz normaler Fünfer, er lenkt, gibt Gas und bremst aber völlig ohne Eingriff des Fahrers.
Zwei Jahre hat die BMW-Abteilung Forschung und Entwicklung unter der Leitung von Professor Raymond Freymann an diesem System gearbeitet. Das Umfeld des Autos wird per Radar, Laser und Kamera überwacht. Zudem kann der Wagen mit GPS-Daten bis auf ein paar Zentimeter genau berechnen, wo und wie er unterwegs ist. Einer der Computer im Kofferraum verarbeitet diese Daten in Echtzeit, der zweite sorgt für das Fahren des Autos.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Überholen ist die Sache des Systems jedoch nicht. Ein Grund ist die freiwillige Selbstbeschränkung auf Tempo 120. Der BMW setzt darum nur dann den Blinker und zieht auf die linke Spur, wenn der Abstand zum Hintermann groß genug ist. Zugleich wird akribisch der Sicherheitsabstand zum Vordermann gehalten. Alles gut und schön, doch gerade im Alltagsverkehr auf der A9 realitätsfremd. So dümpelt der BMW mit beeindrucktem, aber leicht zerknirschtem Fahrer oftmals lang hinter trägen Lkw her.
Dafür fühlt man sich trotz eines sich stetig selbst drehenden Lenkrads schon nach wenigen Kilometern in dem computergesteuerten Auto wohl wie in Abrahams Schoß. Man plaudert mit den Mitfahrern und könnte ein paar E-Mails auf dem Blackberry beantworten. Sogar Gedanken an automobilen Fernsehkonsum kommen auf. Entspannt in Nürnberg oder gar Frankfurt ankommen? Schnell noch ein paar Akten durcharbeiten?
Doch Freymann erteilt allen Gedanken an eine automatisierte Autozukunft eine Absage, zumindest aus BMW-Sicht: "Es geht uns nicht darum zu zeigen, dass der Wagen autonom fährt", sagt der Forschungschef. "Es geht uns allein um die Unfallvermeidung und das Thema autonome Aktion, um das Fahren sicherer zu machen." Das Sicherheitsgefühl ist beeindruckend und wird nur durch zwei Bremsmanöver gestört, die der Wagen ohne ersichtlichen Grund vornimmt. "Hier hat der Computer wohl angenommen, dass der Lastwagen auf der rechten Spur herausziehen wollte", sagt Helmut Spannheimer aus dem Bereich Fahrerassistenzsysteme entschuldigend.
2.000 Kilometer sind die Handvoll Prototypen in den vergangenen Monaten im Realbetrieb auf der Autobahn gefahren. Hinzu kommen 5.000 Kilometer am Simulator – ohne einen Unfall oder eine brenzlige Situation. "Wir haben uns überlegt, wo ein automatisiertes Fahren am sinnvollsten wäre", berichtet Freymann. "In der Stadt bringt es nicht viel, und auf der Landstraße hat man das Problem des Gegenverkehrs. Daher haben wir mit der Autobahn angefangen." Das automatisierte Fahren funktioniert auch bei Regen und in der Nacht; aktuell arbeiten die Entwicklungsingenieure an den Problemfeldern Engstellen, Baustellen und Autobahnkreuze.
Im Blick hat das Team insbesondere ältere Menschen. "Sie sollen mobil bleiben und keine Angst vor dem Straßenverkehr haben. Dieses System schenkt ihnen mindestens fünf Jahre Mobilität", sagt Freymann. Trotzdem soll das automatisierte Fahren in den nächsten Jahren nicht als Autobahn-ACC (Adaptive Cruise Control, also adaptive Geschwindigkeitsregelung) oder Langstrecken-Tempomat in die BMW-Aufpreislisten einziehen. "Ein solches Komfort-ACC ist nicht geplant", sagt Dirk Wisselmann aus dem Bereich Forschung und Entwicklung, "doch eine automatisierte Längs- und Querführung des Fahrzeugs ist durchaus denkbar." Und wer sich die Entwicklung von Systemen wie Airbags und ESP vom Ersteinsatz in Luxusfahrzeugen bis zur Massenanwendung ins Gedächtnis ruft, kann sich ausmalen, wie sich das automatisierte Fahren entfalten könnte.
- Datum 03.10.2011 - 10:10 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Und was macht der Fahrer mit seinen Händen, sieht er sich den Playboy an?
Wer will so estwas als Verbraucher?
Den meisten Autofahrern macht das Fahren vielleicht nichts aus. Das heisst allerdings nicht, dass es denen gefällt.
Tagtäglich die gleiche Strecke zu fahren hat nichts mit Fahrspaß zu tun und im Stau zu stehen schon gar nicht.
Und wenn es automatische Autos geben würden, wäre das für die meisten Auto-'Fahrer' eine wirklicher Fortschritte. Dann könnte man die verschwendete Zeit im Auto anders nutzen. Und voraussichtlich würden etliche Staus gar nicht entstehen, wenn vernünftig fahrende Automatikautos auf den Straßen unterwegs wären.
Den meisten Autofahrern macht das Fahren vielleicht nichts aus. Das heisst allerdings nicht, dass es denen gefällt.
Tagtäglich die gleiche Strecke zu fahren hat nichts mit Fahrspaß zu tun und im Stau zu stehen schon gar nicht.
Und wenn es automatische Autos geben würden, wäre das für die meisten Auto-'Fahrer' eine wirklicher Fortschritte. Dann könnte man die verschwendete Zeit im Auto anders nutzen. Und voraussichtlich würden etliche Staus gar nicht entstehen, wenn vernünftig fahrende Automatikautos auf den Straßen unterwegs wären.
längere strecken autobahn fahren, wäre das natürlich schon interessant, bloß nicht mit 80 hinterm laster im "fahrschul"-modus.
man könnte die flexibilität des autos mit dem vorteil der eisenbahn, noch mal etwas lesen zu können, verbinden.
aber gerade in der stadt wäre so ein system auch interessant. aus entwicklungstechnischer sicht ist es klar, daß mit der am besten "definierten" autobahn angefangen wird. aber in der stadt gibt es die meisten streßsituationen pro zeiteinheit, besonders im dichten verkehr verschiedener provenienz. auf der landstraße kann man es dann ja wieder abschalten und selbst ein paar serpentinen nehmen...
sinn macht so ein system natürlich nur, wenn es "besser" als der gute fahrer ist.
auch hatte die elektronic das problem, nicht antizipieren zu können. da waren diese lernenden automaticgetriebe,
die, wenn der fahrer sportlich gefahren war, auch dann noch im kleinen gang hochdrehten, wenn man längst hinter einem lastwagen war und von hand in einen höheren gang geschaltet hätte, um drehzahl und geräusch zu senken.
In Kanada gibt es auf allen Straßen eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Es fährt sich entspannter und alle kommen schneller ans Ziel.
In Deutschland müßte sich nur die Erkenntnis durchsetzen, daß die 10 Prozent Raser den gesamten Verkehrsfluß hemmen.
Insofern sollte man die 85 Km/h nicht so abwertend als Fahrschulmodus sehen. Auf den meisten Strecken wären die Fahrer froh, wenn sie 85 Km/h Durchschnittgeschwindigkeit erreichen würden.
In Kanada gibt es auf allen Straßen eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Es fährt sich entspannter und alle kommen schneller ans Ziel.
In Deutschland müßte sich nur die Erkenntnis durchsetzen, daß die 10 Prozent Raser den gesamten Verkehrsfluß hemmen.
Insofern sollte man die 85 Km/h nicht so abwertend als Fahrschulmodus sehen. Auf den meisten Strecken wären die Fahrer froh, wenn sie 85 Km/h Durchschnittgeschwindigkeit erreichen würden.
ich sehe mich schon in 10 jahren auf der autobahn-auf dem weg in den urlaub- mit meinen kindern spielend, der autopilot hat ja übernommen.
@diewelle warum muss man immer alles schlecht machen bzw von sich auf andere leute schließen. es soll durchaus menschen in diesem land geben, deren tag ruhig 48h haben könnte,weil sie soviel zutun haben. da wäre so ein system eine echte erleichterung. schnell noch auf der fahrt zum nächsten termin akten sichten. wenn ihr tag so leicht mit gutem zeitmanagement in den griff zu kriegen ist, sollten sie dankbar dafür sein.
Zitat: "... schnell noch auf der fahrt zum nächsten termin akten sichten."
Mich beschäftigt dabei folgende Frage:
Wie sieht das Aktensichten hinter´m Steuer ergonomisch aus? Wenn Sie am Fahrersitz sitzen, haben Sie so gut wie kaum Platz, wo Sie Ihre Akten ablegen, um sie überhaupt vernunftig lesen zu können, vorausgesetzt die Systeme nehmen Ihnen das Fahren ab.
Und vergessen Sie eins nicht: mit der Abwendung vom Geschehen vor Ihnen verlieren Sie definitiv jede Versicherung und verstoßen gegen eine Reihe der Verkehrsvorschriften, die etwas mit der Sicherheit im Strassenverkehr zu tun haben.
Zitat: "... schnell noch auf der fahrt zum nächsten termin akten sichten."
Mich beschäftigt dabei folgende Frage:
Wie sieht das Aktensichten hinter´m Steuer ergonomisch aus? Wenn Sie am Fahrersitz sitzen, haben Sie so gut wie kaum Platz, wo Sie Ihre Akten ablegen, um sie überhaupt vernunftig lesen zu können, vorausgesetzt die Systeme nehmen Ihnen das Fahren ab.
Und vergessen Sie eins nicht: mit der Abwendung vom Geschehen vor Ihnen verlieren Sie definitiv jede Versicherung und verstoßen gegen eine Reihe der Verkehrsvorschriften, die etwas mit der Sicherheit im Strassenverkehr zu tun haben.
"Überholen ist die Sache des Systems jedoch nicht. Ein Grund ist die freiwillige Selbstbeschränkung auf Tempo 120. Der BMW setzt darum nur dann den Blick und zieht auf die linke Spur, wenn der Abstand zum Hintermann groß genug ist. Zugleich wird akribisch der Sicherheitsabstand zum Vordermann gehalten. Alles gut und schön, doch gerade im Alltagsverkehr auf der A9 realitätsfremd."
Und woran liegt das? Weil keiner Sicherheitsabstände beachtet und viele ach-so-Eilige immer "Lücken zumachen" damit keiner vor ihnen auf der Überholspur einscheren kann; wenn man mal den Blinker links setzt hinterm LKW wird schnell noch beschleunigt statt jemanden vorzulassen.
Wenn alle Autofahrer sich vorbildlich verhielten wäre das System auch nicht mit sowas überfordert, aber der Alltag auf deutschen Autobahnen ist wenig vom Mit- und mehr vom Gegeneinander geprägt.
In Kanada gibt es auf allen Straßen eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Es fährt sich entspannter und alle kommen schneller ans Ziel.
In Deutschland müßte sich nur die Erkenntnis durchsetzen, daß die 10 Prozent Raser den gesamten Verkehrsfluß hemmen.
Insofern sollte man die 85 Km/h nicht so abwertend als Fahrschulmodus sehen. Auf den meisten Strecken wären die Fahrer froh, wenn sie 85 Km/h Durchschnittgeschwindigkeit erreichen würden.
Soein Autopilot im Auto wäre wohl DER Alptraum schlechthin.
Nicht das ich jetzt hier Technikfeindlichkeit schüren möchte, nur die Implementation mit nur einem Rechner fürs Steuern des Fahrzeugs ist doch etwas brisant. Ein Flugzeug hat an der selben stelle bis zu sieben Rechner, die unabhängig voneinander einen optimalen Kurs berechnen und die Ergebnisse dann demokratisch untereinander aushandeln. Sollte einer ein völlig schräges Ergebnis ermitteln, wird dieser von den anderen abgeschaltet und der Rest des Fluges geht dann ohne diesen weiter.
Sieben müssten es ja im Auto nicht sein, nur unter drei würde ich nicht auf die Idee kommen, dieses System jemals einzuschalten
Den meisten Autofahrern macht das Fahren vielleicht nichts aus. Das heisst allerdings nicht, dass es denen gefällt.
Tagtäglich die gleiche Strecke zu fahren hat nichts mit Fahrspaß zu tun und im Stau zu stehen schon gar nicht.
Und wenn es automatische Autos geben würden, wäre das für die meisten Auto-'Fahrer' eine wirklicher Fortschritte. Dann könnte man die verschwendete Zeit im Auto anders nutzen. Und voraussichtlich würden etliche Staus gar nicht entstehen, wenn vernünftig fahrende Automatikautos auf den Straßen unterwegs wären.
Zitat: "... schnell noch auf der fahrt zum nächsten termin akten sichten."
Mich beschäftigt dabei folgende Frage:
Wie sieht das Aktensichten hinter´m Steuer ergonomisch aus? Wenn Sie am Fahrersitz sitzen, haben Sie so gut wie kaum Platz, wo Sie Ihre Akten ablegen, um sie überhaupt vernunftig lesen zu können, vorausgesetzt die Systeme nehmen Ihnen das Fahren ab.
Und vergessen Sie eins nicht: mit der Abwendung vom Geschehen vor Ihnen verlieren Sie definitiv jede Versicherung und verstoßen gegen eine Reihe der Verkehrsvorschriften, die etwas mit der Sicherheit im Strassenverkehr zu tun haben.
Sie gehen einfach von zu kurzen Zeiträumen aus und schließen vom Jetzt auf's Immer. Nur weil jetzt die Computer und die Software noch nicht so effektiv arbeiten heisst das nicht, dass sie es niemals sein werden.
Wenn Sie daran denken, an welche elektronischen Helfer in Autos, Flugzeugen oder anderen Verkehrssystemen vor zwanzig oder dreissig Jahren noch gar nicht zu denken war, die jetzt aber erforderlich sind, um überhaupt eine Zulassung zu bekommen.
Vielleicht merken Versicherungen ja in 10-20 Jahren, dass automatisierte Autos weniger Versicherungsschäden verursachen und auf einmal gilt der menschliche Fahrer als unzuverlässig und wird zum Sicherheitsrisiko deklariert. Dann wird sich die Gesetzgebung ganz schnell ändern und das vollautomatisierte Fahren wird Normalität werden.
Sie gehen einfach von zu kurzen Zeiträumen aus und schließen vom Jetzt auf's Immer. Nur weil jetzt die Computer und die Software noch nicht so effektiv arbeiten heisst das nicht, dass sie es niemals sein werden.
Wenn Sie daran denken, an welche elektronischen Helfer in Autos, Flugzeugen oder anderen Verkehrssystemen vor zwanzig oder dreissig Jahren noch gar nicht zu denken war, die jetzt aber erforderlich sind, um überhaupt eine Zulassung zu bekommen.
Vielleicht merken Versicherungen ja in 10-20 Jahren, dass automatisierte Autos weniger Versicherungsschäden verursachen und auf einmal gilt der menschliche Fahrer als unzuverlässig und wird zum Sicherheitsrisiko deklariert. Dann wird sich die Gesetzgebung ganz schnell ändern und das vollautomatisierte Fahren wird Normalität werden.
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