Mercedes-Benz : Alte Autos sollen das Image der Marke verjüngen

Mercedes-Benz gilt als Automarke für ergraute Anzugträger – noch. Mit den Baureihen der Achtziger und Neunziger will sich die Marke Coolness und junge Kunden erobern.

Eigentlich läuft es gut für die Modelle mit dem Stern. Die solide Luxus-Aura, die der Marke Mercedes-Benz anhaftet, hilft vor allem in den aufstrebenden Märkten der Schwellenländer. Doch ist diese Aura zugleich ein Problem. Denn das Image ist stark geprägt durch ergraute Anzugträger, die sich für viel Geld sicherheitstechnisch hoch gerüstete Oberklassewagen samt dem elitären Dünkel der Mercedes-Welt kaufen. Das macht es der Marke schwer, ein jüngeres Publikum zu erobern.

Vor allem im Heimatmarkt. In Deutschland sind Neuwagenkunden inzwischen durchschnittlich 50,8 Jahre alt, wie die Automobilforscher der Universität Duisburg-Essen im vergangenen Jahr ermittelten. Wer seinen Kaufvertrag bei einem Mercedes-Benz-Händler unterschreibt, steuert, statistisch gesehen, bereits auf den 56. Geburtstag zu. Damit nimmt der Stuttgarter Autobauer hierzulande fast den Spitzenplatz in der Alterspyramide ein. Nur Jaguar-Kunden sind noch etwas älter.

Vertriebsstrategen muss das alarmieren. Schließlich gilt es, potenzielle Käufer möglichst früh an die Marke zu binden – zumindest aber, bevor es die Wettbewerber tun. Die Marketingexperten reagieren nun und hypen das Potenzial von sogenannten Youngtimern. Das sind Fahrzeuge, die vor 15 bis 30 Jahren auf die Straßen geschickt wurden. Aus dem Hause Mercedes wären da beispielsweise die ersten E-Klassen, die intern als Baureihe W124 bezeichnet wurden. Auch die von 1982 bis 1993 produzierten 190er-Modelle ("Baby-Benz" genannt), gehören dazu, oder Reihen SL und SLK aus den Achtzigern und Neunzigern.

Diese Klassiker, so das Kalkül der Mercedes-Strategen, haben das Zeug, die Silberschläfen-Marke mit dem dringend benötigten Coolness-Faktor zu versehen. Daimlers Trendforscher Alexander Mankowsky sieht sich in dieser These bestätigt, wenn er beispielsweise einen W124 mit Surfbrett auf dem Gepäckträger auf einem Hof im Berliner Szenebezirk Friedrichshain entdeckt. "Früher war vielleicht die Zahnarztgattin mit dem Wagen unterwegs, heute hat eine neue Klientel das Auto für Freizeit- und Alltagsbereiche entdeckt", sagt Mankowsky. "Die stört sich nicht dran, wenn der Wagen dabei auch mal einen Kratzer kriegt." 

Statement gegen Überfrachtung

Dass der vergleichsweise kleine Preis für ein altes Auto, das noch kein Oldtimer ist, bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielt, wissen Trend-Experten und Marketingleute natürlich. Daneben sei die Entscheidung für so ein Fahrzeug heute aber auch als Statement gegen die technologische Überfrachtung moderner Produkte zu sehen. "Je komplizierter und undurchschaubarer die Technik ist, desto größer auch die Entfremdung vom Produkt", erläutert Mankowsky. "Die Vorliebe für einen Automobil-Klassiker steht in einer Reihe mit der Wiederentdeckung von Spiegelreflexkameras, Plattenspielern und Vinylschallplatten."

Über die jungen Klassiker will Mercedes-Benz an Menschen herankommen, "die ansonsten gar nicht über Mercedes nachdenken würden", sagt Michael Bock, der die Classic-Sparte von Mercedes leitet. Er hofft, so auch junge Erwachsene an die Marke binden zu können: die Autos vergangener Dekaden gewissermaßen als Einstiegsdroge. Gleichzeitig könne der respektlose Umgang der Youngtimer-Kundschaft mit den Prestigeobjekten von einst die Marke mit einem Lifestyle-Image aufladen, glaubt Bock.

Laut einer aktuellen Umfrage finden in Deutschland 35 Prozent der Befragten die Altautos von Mercedes-Benz besser als die Klassiker anderer Hersteller. Damit sind sie hierzulande die beliebtesten Youngtimer. Allerdings dürfte sich in ein paar Jahren der Vorsprung vor BMW und Audi deutlich verringern – dann nämlich, wenn die Fahrzeuge der späten Neunziger und nuller Jahre junge Klassiker geworden sind. Im genannten Zeitraum haben die Konkurrenten qualitativ überdurchschnittlich zugelegt. Und in 20 oder 30 Jahren? "Wenn die Elektrifizierung der Antriebe weit vorangeschritten ist, könnte der Verbrenner an sich einen gewissen Kultstatus genießen", meint Trendforscher Mankowsky.

Kommentare

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Konkrete Schritte von Benz?

Verzeihung, vielleicht verstehe ich den Text nicht gut genug. Aber was konkret will den Daimler nun tun?

"Die Marketingexperten reagieren nun und hypen das Potenzial von sogenannten Youngtimern."

Was soll das heißen? Wird es Hochglanz-Fotos von coolen Menschen in/an/auf Youngtimern geben? Schleichwerbung in Sendungen, wo der iPad surfende Hipster im alten Benz seinen Starbuck-White-Mocca schlürft? Bringt man die alten Modelle erneut auf den Markt (Achtung, Youngtimer-Investoren!)? Oder heißt es nur, dass man vermehrt PR-Aktionen zum Thema Daimler-Youngtimer plant (*räusper*)?

Das kann so nicht stimmen:

Seit ich einmal den SMART gefahren habe weiß ich, dass dies kein Auto für Menschen reiferen Alters, sondern für all jene ist, deren Wirbelsäule noch intakt zu sein scheint.

Für meine Begriffe hat hier scheinbar ein Jointventure zwischen Daimler und führenden Orthopäden stattgefunden.

So "beschissen" habe ich noch in keinem Auto gesessen, auch nicht im Trabant oder Wartburg.

Die Federung des Smart erinnert mich an die eines IFA W50, aber auch nur, wenn man hinten auf der Ladefläche auf einer Holzbank sitzt.

Diese Auto ist sein Geld wahrlich nicht wert!

Wieso?

smart - Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart, Rufnummer: 00800 2 77 77 77 7, E-Mail: cs.deu.smart@cac.smart.com, Handelsregister beim Amtsgericht Stuttgart Nr.: HRB 19 360, Umsatzsteueridentifikationsnummer: DE 81 25 26 315, Vertreten durch den Vorstand: Dieter Zetsche (Vorsitzender/Chairman), Wolfgang Bernhard, Christine Hohmann-Dennhardt, Wilfried Porth, Andreas Renschler, Bodo Uebber, Thomas Weber; Vorsitzender des Aufsichtsrates: Manfred Bischoff

aus Quelle:

(Link Anbieter)

http://www.smart.de/smart...

Weder noch

Weder würde ich einen Mercedes kaufen, noch einen Fiat.

Deutsche Autos sind in ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis viel zu teuer und FIAT (Fehler In Allen Teilen) in ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis von der Qualität eine Katastrophe.

Habe 16 Jahre einen R 19 gefahren - ohne Probleme und fahre jetzt einen CLIO.

Auch wenn man den Franzosen oft viel Schlechtes andichtete - im Gegensatz zu den Autos meiner Verwandtschaft (OPEL/VW) hat unser Auto mehr als drei Generationen überlebt und hat uns immer an unsere Ziele gebracht.

Pauschalisierung

Sie urteilen sehr pauschal und absolut. Ich denke bei allen Marken gibt es Ausrutscher und positives. Ein italienisches Fahrzeug egal ob Fiat oder Alfa ist zumindest als Jahreswagen wesentlicher günstiger als ein MB, Audi oder BMW. Dafür habe ich dann auch schon mal das Eine oder andere Klappern in Kauf genommen. Bei mehreren italienischen Fahrzeugen die ich hatte noch nie ein ernsthaftes Problem oder ein Servicefahrzeug benötigt. Dafür schon mal für Mini wegen Elektronikblockade den Service gebraucht und bei einem nagelneuen Mercedes C auf der Autobahn das Schaltgestänge gebrochen.

Ich würde trotzdem die Marke nicht verurteilen da ich viel mit Mietfahrzeugen unterwegs bin und Mercedes als Langstreckenfahrzeuge schätze, da man komfortabel fährt bei geringem Spritverbrauch. Allerdings bin ich bereits 50 und käme trotzdem nicht auf die Idee mir als Privatfahrzeug ein dermassen langweiliges und teures Auto dieser Marke zu kaufen.

Bei Renault stimme ich Ihnen zu. Die Fahrzeuge sind komfortabel, interessant und ich hatte noch nie Probleme!

Woher wollen Sie das wissen?

Wenn Sie noch nie einen Fiat hatten, woher wissen Sie dann, dass deren Qualität so schlecht ist? Vom Hörensagen? Vorsicht – vom Hörensagen lernt man... – na, Sie wissen schon. Mein Fiat Marea Weekend, Baujahr 1999, der mir aus einem Leasinggeschäft hängen blieb und den ich eigentlich gar nicht wollte, hatte 180'000 km drauf, als ich ihn wieder hergab – und er lief diese Strecke ohne jede Reparatur oder sonst ein Problem. Kein Klappern, Kein knistern, kein Rost, gar nichts, dafür zuverlässig im Sommer wie im Winter. Außer für regelmäßige Wartungsarbeiten war der Wagen nie in der Garage, auch privat nicht: er stand bei allem Wetter draußen, keinerlei Pflege, er war ein reines Arbeitstier. Ah, doch, da war was: bei 100'000 km gab eine Schweinwerferbirne den Geist auf. Das war die größte Reparatur. Ich fahre heute wieder eine andere Automarke, aber nicht weil ich von Fiat enttäuscht gewesen wäre. Ganz im Gegenteil.

Apropos Pauschalisierung

Aus meiner Verwandtschaft:

OPEL OMEGA:
- neue Stoßdämpfer nach 20.000km
- ABS funktionierte durch falschen Einbau nicht ordnungsgemäß
- nach 3 Jahren flog die Ölpumpe auseinander
- nach 6 Jahren ging der ganze Motor hoch

OPEL ASTRA:
- ständige Probleme mit der Elektronik
- Drehzahl ging im Leerlauf so hoch, dass der Motor fast hoch ging

VW GOLF und PASSAT:
- nach über 6 Jahren dauernd in der Werkstatt wegen diverser Probleme

Thema FIAT

Selber über 3 Jahre Kleintransporter IVECO (auch FIAT) gefahren und dauernd Probleme mit irgendwelchen Ausfällen im Bereich der Elektrik.
Auspuffhalterungen rissen ständig, bis ich mir selber ein Teil zusammen gebastelt hatte, dass wenigstens hielt.
Kraftstoffschläuche porös, weil nur aus Kunststoff und ohne stabile Ummantelung - erst eine alte Scirocco-Zuleitung (Made in GDR) hielt wenigstens ohne Probleme.
Rost nach 2 Jahren und klappernde Türen.

FIAT Ducato:
- komplettes Getriebe nach 2 Jahren kaputt (lag nicht an meiner Fahrweise)
- dauernder Ölverlust durch undichte Deckeldichtungen
- dauerndes Karosserieklappern
- hakelige und schwerfällige Schaltung

FIAT Panda (meines Freundes)
- nach 6 Jahren durchgerostet
- ständige Werkstattaufenthalte - wegen Kleinigkeiten, die man aber selbst nicht beheben konnte