Automarkt VW stößt mit Nils zu den Kleinstwagen vor

Laut einer Studie haben Mikroautos vor allem in Großstädten eine große Zukunft. Da will auch Volkswagen mitmischen: Der Konzern zeigt auf der IAA gleich zwei Studien.

Man fühlt sich an das Jahr 2002 erinnert. Damals, Mitte April, fuhr der scheidende Vorstandschef von Volkswagen, Ferdinand Piëch, zur VW-Hauptversammlung in einer Art rollenden Zigarre vor: gerade etwas mehr als einen Meter hoch, 3,65 Meter lang, aber nur 1,25 Meter breit. Ein wenig mühsam kletterte der Konzernchef aus dem tief liegenden Wagen und lobte den geringen Verbrauch von durchschnittlich 0,99 Litern je 100 Kilometer.

Jetzt, fast zehn Jahre später, ist der VW-Konzern wieder da, wo er damals schon einmal war: Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) Mitte des Monats in Frankfurt zeigt VW den Besuchern einen Einsitzer, der in Zukunft das Fahrzeug für urbane Pendler sein könnte – ähnlich wie einst Piëchs L1 recht niedrig, dabei 1,39 Meter breit und gerade einmal 3,04 Meter lang. Dabei ist der Wagen dank Aluminiumkarosserie recht leicht: Nur 460 Kilogramm soll Nils, wie die Forscher das Konzeptfahrzeug genannt haben, auf die Waage bringen. Überraschend sind die Flügeltüren, über die sich der VW Nils bequem besteigen lässt.

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Anders als der L1 des Jahres 2002 sitzt im VW Nils allerdings ein Elektromotor unter der Haube. Er ist 15 kW stark, kurzzeitig sollen bis zu 25 kW abrufbar sein. Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut VW bei 130 km/h. Gespeist wird der Motor von einem Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 5,3 kWh. Dies reicht für eine Fahrstrecke von rund 65 Kilometern, bis die leere Batterie an die Steckdose muss. Innerhalb von zwei Stunden lässt sie sich an der Haussteckdose wieder aufladen.

Vor knapp einem Jahrzehnt war die Zeit wohl noch nicht reif für die Massenfertigung derartiger Seifenkisten, doch heute sieht die Lage am Automarkt anders aus. Zum einen sehen Studien zufolge immer mehr Menschen – vor allem junge – Autos nicht mehr als Statussymbol, sondern als reines Transportmittel, das praktisch und sparsam zugleich sein soll. Zum anderen zwingen strenger werdende Emissionsvorgaben die Autohersteller, in ihr Modellprogramm auch genügsame Kleinstwagen aufzunehmen.

Großes Potenzial in Metropolen

So wandelt sich das Nischensegment zu einem Wachstumsmarkt, wie kürzlich auch eine Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan aufzeigte. Demnach könnten sich die Absatzzahlen sogenannter Mikroautos – maximal 3,40 Meter lang und bis zu 1.100 Kilogramm schwer – europaweit von 37.000 in diesem Jahr auf rund 280.000 im Jahr 2017 fast verachtfachen. Für den deutlichen Schub werden laut Frost & Sullivan auch "grünere Agenden" der Politik sorgen, etwa durch gesonderte Fahrspuren und kostenloses Parken für solche Fahrzeuge.

Werden wir also wirklich in ein paar Jahren in solchen Kabinenrollern wie dem VW Nils umherfahren? Vermutlich nicht überall, aber zumindest in Großstädten sehen die Marktanalysten von Frost & Sullivan großes Potenzial. Vor allem in London, Paris, Berlin und Madrid dürften rein elektrisch angetriebene Kleinstwagen eine große Zukunft haben, so die Studie.

Es wird also Zeit für Volkswagen, in dieses Segment vorzustoßen, in dem Konkurrenten wie Nissan, Kia, Peugeot oder Renault bereits Modelle meist als Studie oder Vorserie präsentiert haben. Schließlich will Volkswagen bis 2018 größter Autobauer der Welt werden – in den vergangenen Jahren war gerade die Marke VW aber immer weiter dem Brot-und-Butter-Geschäft entwachsen und hatte sich auf Hochglanzprodukte statt auf Konfektionsware fokussiert.

Leser-Kommentare
  1. Solch ein Mini-Stadt-Auto fände ich sehr interessant, so es denn mal serienreif würde. Was sich mir jedoch bisher nicht erschlossen hat: Zitat "Innerhalb von zwei Stunden lässt sie sich an der Haussteckdose wieder aufladen." Wie läuft dieser Ladevorgang in der Praxis ab, wenn die Haussteckdose sich in meiner Wohnung befindet, das Auto aber 200 Meter weiter auf dem Parkplatz steht? Ich kann in der Großstadt ja nicht eben mal ein Ladekabel quer durchs Viertel verlegen.

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    ...Gehaltsrunde auf einen kostenlosen Stromanschluß für Ihren Nils oder Twizy an.

    In vielen Städten gibts jetzt schon Stromtankstellen an öffentlichen Orten. In der Frankfurter Innenstadt stehen schon 6 Stromtankstellen an Parkplätzen, im Umland nochmal 17.
    12 weitere sind in Planung.
    Bis diese Autos serienreif produziert werden, kann man an jeder Ecke strom tanken.

    ...Gehaltsrunde auf einen kostenlosen Stromanschluß für Ihren Nils oder Twizy an.

    In vielen Städten gibts jetzt schon Stromtankstellen an öffentlichen Orten. In der Frankfurter Innenstadt stehen schon 6 Stromtankstellen an Parkplätzen, im Umland nochmal 17.
    12 weitere sind in Planung.
    Bis diese Autos serienreif produziert werden, kann man an jeder Ecke strom tanken.

  2. ...Gehaltsrunde auf einen kostenlosen Stromanschluß für Ihren Nils oder Twizy an.

  3. Vielleicht ist den meisten noch nicht klar. Das ist ein Wägelchen für Haus und Garagenbesitzer, bestimmt so billig wie ein smart. Ja wenn man einen kleinen Verbrenner einbauen würde zu einem Endpreis von ca.8000 Euro dann könnten zu viele ihre grosse Karre in der Garage stehen lassen. Was sehr schlecht für die Autohäuser wäre, Kundendienst ist mittlerweile sehr wichtig für den Umsatz. Also bleibt alles beim alten, Benzinpreis steigt und der Verbrauch wird von den Herstellern nur wiederwillig gesenkt. Sollte aber der Loremo doch mal gebaut werden für ca. 13000 Euro und die Benzinpreise noch ein wenig höher sein, bricht das jetzige Modellprogram ungeordnet zusammen da Mobilität für die Mehrheit immer noch wichtiger ist als das grosse Auto als Ersatz Sofa im Garten zu benutzen.

  4. Den Kudamm lässt es sich mit dem Einsitzer gut rauf und runter fahren. Aber was mache ich, wenn ich eine Braut abschleppen will?
    Spaß beiseite. Wäre ich noch als Pendler unterwegs, würde mir solch ein kleiner Flitzer auch Spaß machen. Jedenfalls sitz ich im Nils bequemer und trockener als auf einem Roller oder Motorrad.

    Eine Leser-Empfehlung
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    So etwas wäre durchaus eine gute Alternative zum Roller, der im Moment in der Stadt noch unschlagbar ist. Voraussetzung ist allerdings auch ein konkurrenzfähiger Preis. Denn ein 50er kostet neu im Moment ugf 2500 Euro je nach Modell?
    Und jaja das Fahrrad... davon will ich nichts hören. Fahr ich selbst auch gerne in der Stadt, aber dauert eben länger als mit dem Roller. Manche Dinge gehen zudem einfach nicht mit dem Fahrrad.
    Allerdings ist der Name Nils nicht wirklich gelungen für ein Fahzeug. Und bei Audi muss das Ganze schon wieder "Urban Concept" heißen... Warum nicht Stadtkonzept? NERV!

    Außerdem erschließt sich mir nicht so ganz, warum die Karre 130 laufen muss, wenn doch für die Stadt und mit nur 65km Reichweite. Wäre es nicht besser, das Fahrzeug mit Zugeständnis an Stadtautobahnen auf 80km/h zu beschränken und dafür die Reichweite zu erhöhen?

    So etwas wäre durchaus eine gute Alternative zum Roller, der im Moment in der Stadt noch unschlagbar ist. Voraussetzung ist allerdings auch ein konkurrenzfähiger Preis. Denn ein 50er kostet neu im Moment ugf 2500 Euro je nach Modell?
    Und jaja das Fahrrad... davon will ich nichts hören. Fahr ich selbst auch gerne in der Stadt, aber dauert eben länger als mit dem Roller. Manche Dinge gehen zudem einfach nicht mit dem Fahrrad.
    Allerdings ist der Name Nils nicht wirklich gelungen für ein Fahzeug. Und bei Audi muss das Ganze schon wieder "Urban Concept" heißen... Warum nicht Stadtkonzept? NERV!

    Außerdem erschließt sich mir nicht so ganz, warum die Karre 130 laufen muss, wenn doch für die Stadt und mit nur 65km Reichweite. Wäre es nicht besser, das Fahrzeug mit Zugeständnis an Stadtautobahnen auf 80km/h zu beschränken und dafür die Reichweite zu erhöhen?

  5. So etwas wäre durchaus eine gute Alternative zum Roller, der im Moment in der Stadt noch unschlagbar ist. Voraussetzung ist allerdings auch ein konkurrenzfähiger Preis. Denn ein 50er kostet neu im Moment ugf 2500 Euro je nach Modell?
    Und jaja das Fahrrad... davon will ich nichts hören. Fahr ich selbst auch gerne in der Stadt, aber dauert eben länger als mit dem Roller. Manche Dinge gehen zudem einfach nicht mit dem Fahrrad.
    Allerdings ist der Name Nils nicht wirklich gelungen für ein Fahzeug. Und bei Audi muss das Ganze schon wieder "Urban Concept" heißen... Warum nicht Stadtkonzept? NERV!

    Außerdem erschließt sich mir nicht so ganz, warum die Karre 130 laufen muss, wenn doch für die Stadt und mit nur 65km Reichweite. Wäre es nicht besser, das Fahrzeug mit Zugeständnis an Stadtautobahnen auf 80km/h zu beschränken und dafür die Reichweite zu erhöhen?

    Antwort auf "Der kleine Nils"
  6. Es braucht nur low Budget Beförderung für 2 Personen mit 4 Räder, die bis zum Boden reichen und falls keine 2. Person mitfährt eine erweiterte Zuladung beim Großeinkauf für die Woche.

    Entweder VW, BMW, Daimler bauen einen "Kleinen" oder wir bauen die Kleinwagen selbst.

    E-Mobil mit Reserve-Antrieb aus einer Gas-Flasche und ich kaufe bei der Tanke nur noch Gas, Semmel und die Tageszeitung.

    • Wombel
    • 03.09.2011 um 6:56 Uhr

    ist eine neue Isetta längst überfällig, aber Nils ist doch nur wieder Show und wird nie bezahlbar auf den Markt kommen.Am besten verkaufen Sie nur die Rohkarosse mit Fahrwerk dann kann sich jeder günstig einen Mopedmotor selbst einbauen, das wär mal ein Knüller für´s Volk statt so ein superteurer Alibi Ökononsens den sich dann Millionäre als Zweitwagen in den Kofferraum ihres Riesengeländewagens stellen.

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Endlich mal ein Fahrzeug, dass die Nachteile beider Fahrzeugkategorien vereinigt.
    Was soll ich mit einem einsitzigen Zweispurfahrzeug?
    Auf dem Motorrad kann wenigstens noch jemand mitfahren und ich habe keine Parkplatzprobleme.

    Eine Leser-Empfehlung

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