Alternativer AntriebVolle Garantie auch beim Autogas-Einbau

Wer ein neues Auto mit preisgünstigem LPG-Antrieb kaufen will, bekommt dafür auch eine Vollgarantie – doch nicht alle Verkäufer wissen das. von 

Umrüstung eines Opel Corsa auf Autogas-Betrieb

Umrüstung eines Opel Corsa auf Autogas-Betrieb  |  © GM Corp.

Der Hyundai-Verkäufer bleibt hart. Wer den Neuwagen mit einer Autogas-Anlage kaufen wolle, müsse auf die sonst gewährte Fünfjahresgarantie inklusive Wartungsvertrag verzichten, behauptet er. Dann sei nach einem Jahr Schluss. Was nun? Schließlich ist der LPG-Antrieb – das Kürzel steht für Liquified Petroleum Gas – in der Tendenz noch preisgünstiger als ein Diesel, und der südkoreanische Autobauer wirbt auf seiner Homepage damit als Teil der ökologischen "Blue Drive"-Kampagne .

Doch Kaufinteressenten sollten sich von solchen Äußerungen in Autohäusern nicht ins Bockshorn jagen lassen. Denn der Verkäufer ist im Irrtum, die Fünfjahresgarantie bleibt vollständig erhalten. "Der Kunde trägt kein finanzielles Risiko", sagt Günter Klaiber von ecoengines . Das Unternehmen baut die Autogasanlage ein, wenn sie bei einem Hyundai-Händler bestellt wird.

Anzeige
Autogas (LPG)

Autogas ist ein Gemisch aus Butan und Propan, das unter geringem Druck flüssig gespeichert wird. So erklärt sich das Synonym Flüssiggas sowie das Kürzel LPG (Liquified Petroleum Gas). Campingkocher und Feuerzeuge funktionieren ebenfalls damit. Autogas eignet sich auch als Nachrüstlösung für Benzinmotoren. Das Tankstellennetz ist mit gut 6.000 Säulen sehr dicht. In Polen und Italien ist Autogas schon lange sehr verbreitet. Bei der Verbrennung entsteht etwas weniger CO2 als bei Benzin.

Erdgas (CNG)

Chemisch ist Erdgas im wesentlichen Methan. Es wird unter hohem Druck von etwa 200 bar in die Tanks gepresst. Daher stammt die Abkürzung CNG (Compressed Natural Gas). Die CO2-Ersparnis liegt bei bis zu 25 Prozent. Das Tankstellennetz ist mit rund 1.000 Säulen nur ausreichend. Mehr als ein Drittel der deutschen Haushalte heizen mit Erdgas. Es stammt aus fossilen Quellen, zum Beispiel aus Russland, kann aber auch in Biogasanlagen oder als "Windgas" aus erneuerbaren Quellen produziert werden.

Das Problem bei LPG: Sind die Ventilsitze in den Zylinderköpfen nicht hart genug, kann in den umgerüsteten Autos ein Motorschaden drohen. Bei ecoengines, wo Anlagen der italienischen Hersteller Lovato und Landirenzo importiert werden, weiß man genau, welche Fahrzeuge Autogas uneingeschränkt verkraften, welche wie Hyundai und Kia ein Additivsystem zum Schutz brauchen und welche ungeeignet sind. Eine Zusatzgarantie gibt es zur Beruhigung trotzdem: Wer hier eine Autogasanlage ab Werk oder nachträglich kauft, bekommt automatisch eine LPG-Versicherung über die volle Garantiezeit – fünf Jahre bei Hyundai, sieben Jahre bei der Schwestermarke Kia – gegen Schäden, die durch Autogas verursacht werden.

"Diese Versicherung ist bei Hyundai Motors Deutschland Pflichtbestandteil", bestätigt die Pressestelle. Dabei sei es unbedeutend, ob das von Fahrzeug von Hyundai mit einer LPG-Anlage geliefert worden sei oder ob es durch einen autorisierten Händler umgebaut werde. Die Garantie bleibt in jedem Fall bestehen.

Autogas günstiger als Diesel, aber nicht automatisch besser

Dennoch greifen viele Käufer, die sich für Autogas entscheiden, fürs gute Gefühl am liebsten zu LPG-Lösungen, die die Autohersteller regulär in ihren Preislisten aufführen. Etwa den Opel Corsa LPG für 14.865 Euro. Der Antrieb funktioniert tadellos, wie ZEIT ONLINE im Praxistest feststellte. Je nach Fahrweise benötigt der Wagen auf 100 Kilometer zwischen acht und zehn Litern Autogas; ein Liter kostet derzeit etwa 76 Cent. Ein Opel Corsa mit vergleichbarem Dieselmotor muss sich schon lang machen, um auf ähnlich niedrige Verbrauchskosten zu kommen. Außerdem sind Steuer und Versicherung beim LPG-Fahrzeug niedriger.

Allerdings ist der Opel Corsa LPG, der als Bifuel-Modell sowohl mit Autogas als auch mit Benzin fährt, kein Freudenspender: Der Motor wirkt zäh, durchzugsschwach und brummig, auch im Benzinbetrieb. Moderne Benziner mit Turbolader und Direkteinspritzer laufen erheblich kraftvoller, mit mehr Biss und ruhiger. Auch die Diesel sind deutlich souveräner.

Leserkommentare
  1. Wie der Einbau von einer Fachwerkstatt.
    Aber dann übernehmen die Hersteller keinerlei
    Garantien!
    Geschehen bei meinem Doblo Mehrpreis sollte bei Fiat
    für eine unbekannte Anlage 2700 € sein.
    Bei Anfrage eines Gaseinbauer war der Preis 1650 €
    dort.
    Aber Fiat verweigerte in diesem Fall
    die Neuwagengarantie.

  2. Ich habe den Opel Corsa mit LPG Anlage auf der IAA getestet und fand ihn nicht träge. Das ist liegt vielleicht daran, dass der Autor schon an Autos mit entsprechender Beschleunigung gewohnt ist. So will es ja auch die Autoindustrie - Power statt Umweltschutz. In der Werbung immer schön auf der Ökowelle reiten und dann die Rennsemmeln verkaufen.

    Hat es schon mal jemand geschafft eine Probefahrt mit dem Corsa LPG zu vereinabren? Bei Händlern in Düsseldorf gibt es noch keine Fahrzeuge. Viele Hersteller reden nicht über Autogas (wann sieht man schon mal eine Werbung dafür?) und die wenigsten bieten überhaupt Probefahrzeuge an. Der Grund könnte sein dass Autogas die Konkurrenz zum Diesel ist.

    Ob es sich finanziell lont muss jeder selbst ausrechnen ob es sich lohnt. Ich habe die Umrüstung von meinem 2. Auto (VW Polo) bis jetzt nicht bereut und bei ca. 25.000 km pro Jahr amortisiert sich die Anlage in ca. 2 Jahren (wobei ein Auto im Schnitt 8 Jahre alt wird). Ich zahle übrigens ca. 6,30 statt 10,50 Euro/100 km. Dafür sinkt der CO2 Wert sofort und ich brauche keine Angst zu haben dass hinten schwarze Dieselpartikel rauskommen...

    • LeMans
    • 18. Oktober 2011 11:46 Uhr

    Zitat
    "Irgendwie kann man sich des Gefühls nicht erwehren, daß manche Leute nicht rechnen können:"

    Ja, Sie zum Beispiel!

    Kleines Beispiel aus meiner Familie:
    Umbaukosten für 4-Zylinder mit FlasLub und Mietfahrzeug:
    1.850,- EUR

    bei Fahrleistung 30.000 km/Jahr :

    30.000 km x 9 Liter Verbrauch x 1,50 EUR Spritpreis = 4.050,- EUR Kraftstoffkosten

    30.000 km x 10 Liter Verbrauch x 0,72 EUR LPG-Preis =
    2.160 ,- EUR Kraftstoffkosten

    also Amortisation nach 1 Jahr oder 30.000 km

    Bei noch höherer Laufleistung amortisiert sich das Ganze noch schneller.

    Antwort auf
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • JCO
    • 18. Oktober 2011 13:06 Uhr

    Rechnen koennen sowas alle, allerdings ist die Frage eben, ob die Annahmen vernuenftig sind...

    9 Liter/100 km verbraucht ein relativ neuer Diesel nur im Stadtverkehr. 30.000 km pro Jahr in reinem Stadverkehr schafft man vielleicht als Pizzabote, aber eher nicht als Privatmann. Wenn man die 30000 km im wesentlichen auf der Autobahn verbringt, verbraucht man vielleicht im Schnitt eher 6-7 Liter/100 km Diesel. Den Rest kann sich jeder selber ausrechnen, ist ja nicht so schwer.

    Man findet eben fuer jede Aussage sein Beispiel. In manchen Faellen ist die Umruestung sinnvoll, in manchen nicht. Allerdings liegt der Preisunterschied zwischen Benzin/Diesel und LPG im wesentlichen an der unterschiedlichen Besteuerung. Dass das keinen grossen Anteil von LPG am Gesamtverbrauch ueberlebt, ist klar. Man kann also also LPG-Umruester nur hoffen, dass es so wenig andere Umruestungen wie moeglich gibt...

    • JCO
    • 18. Oktober 2011 13:06 Uhr

    Rechnen koennen sowas alle, allerdings ist die Frage eben, ob die Annahmen vernuenftig sind...

    9 Liter/100 km verbraucht ein relativ neuer Diesel nur im Stadtverkehr. 30.000 km pro Jahr in reinem Stadverkehr schafft man vielleicht als Pizzabote, aber eher nicht als Privatmann. Wenn man die 30000 km im wesentlichen auf der Autobahn verbringt, verbraucht man vielleicht im Schnitt eher 6-7 Liter/100 km Diesel. Den Rest kann sich jeder selber ausrechnen, ist ja nicht so schwer.

    Man findet eben fuer jede Aussage sein Beispiel. In manchen Faellen ist die Umruestung sinnvoll, in manchen nicht. Allerdings liegt der Preisunterschied zwischen Benzin/Diesel und LPG im wesentlichen an der unterschiedlichen Besteuerung. Dass das keinen grossen Anteil von LPG am Gesamtverbrauch ueberlebt, ist klar. Man kann also also LPG-Umruester nur hoffen, dass es so wenig andere Umruestungen wie moeglich gibt...

    Antwort auf "@joschitura"
    • genius1
    • 19. Oktober 2011 18:42 Uhr

    Mein nächstes Auto ist mit Holzvergaser. Müsste die Ököbilanz doch unschlagbar sein?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hyundai | Opel | Fiat | Kia | Auto | Diesel
Service