Contra Fahrradhelm-Pflicht : Ich zähle meine Haare zu meiner Privatsphäre

Anders als Rauch- oder Alkoholverbote würde ein Fahrradhelm-Zwang nicht dem Gemeinwohl dienen: Steffen Dobbert plädiert daher für die Freiheit des Radfahrerkopfes.
Ein Fahrradhelm ist eine gute Sache: Ein Teilnehmer des Velothon Radrennens in Berlin hat seine Kopfbedeckung mit einer Plüschblume geschmückt. © Stephanie Pilick dpa

Wenn ich dieser Herbsttage mit dem Rad losfahre, setze ich die gestrickte Mütze meiner Oma Elsbeth auf. Es gibt Kollegen, die über die Bommel lachen. Ich mag sie. Ich zähle meine Haare zu meiner Privatsphäre. Ich käme mir bevormundet vor, wenn irgendwer mir verbieten würde, Oma Elsbeths Mütze anzuziehen.

Peter Ramsauer, Bundesverkehrsminister aus Bayern, und andere Gutmenschen wie der Kollege Matthias Breitinger wollen eine Helm-Pflicht für Fahrradfahrer einführen. Die Idee ist nicht neu. Vor drei Jahren wurden gar Unterschriften für eine Gesetzesinitiative gesammelt. Die Politiker wollten damals davon nichts wissen. Überreglementierung war das treffendste Wort, was ihnen dazu einfiel .

Wer auf öffentlichen Straßen fährt, muss sich an mehr als 50 staatliche Paragraphen halten. Auch wenn das Leben eigentlich zu kurz ist, um an roten Ampeln zu warten, verstehe ich die meisten. Ich finde es beispielsweise sinnvoll, dass Überrotfahren bestraft wird.

Ein Fahrradhelm ist eine gute Sache. Er kann Leben retten und sieht nicht schlechter als eine Polizistenmütze aus. Den Helm sollte niemand verunglimpfen. Jeder, der will, sollte einen tragen. Gezwungen werden sollte dazu niemand.

Das hat etwas mit Freiheit und Mündigkeit zu tun. Wenn der Staat seinen Bürgern vorschreibt, was sie sich beim Radfahren auf den Kopf setzen müssen, greift er in ihre individuelle Selbstbestimmung ein.

Diese Art der Unterdrückung gibt es schon genug. Rauchverbot in Kneipen, detaillierte Vorschriften beim Hausbau, die Straßenverkehrsordnung, Alkoholverbot in U-Bahnen. Diese illiberalen Gesetze beschränken den Einzelnen. Sie sorgen für Frust. Aber all das kann ich nachvollziehen.

Die Bevormundungen dienen dem gemeinschaftlichen Wohl. Wer in der Kneipe nicht qualmt, stört keinen Nichtraucher. Wer in der U-Bahn nicht säuft, pöbelt keinen Mitfahrer an. Wessen Ziegeldach nach Vorschrift gebaut ist, wird keinem Nachbarn auf den Kopf fallen. Wer nicht bei Rot über die Ampel fährt, gefährdet keinen Fußgänger. Zum Wohl der Allgemeinheit beschränkt der Staat die Möglichkeiten des Einzelnen. So viel habe ich verstanden.

Nur wem – außer vielleicht mir selbst – helfe ich, wenn ich beim Radfahren einen Helm aufsetze?
 

Kommentare

201 Kommentare Seite 1 von 26 Kommentieren

trügerische Sicherheit

das Helmchen vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, die zwar für den Kopf gelten mag, aber nicht für den Rest des Körpers, wenn der unter einen LKW gerät. (Werner: "praktisch so`n Helm")

Meine wichtigste Verkehrserziehung bei meinen Söhnen und drei Enkeln OHNE Helm:
verlasst euch nie auf die Verkehrsregeln - irgendein ein Raser wird gegen sie verstoßen.
Dann hilft Euch auch kein Helm.

Re: wem helfen Sie wenn ....

"Nur wem – außer vielleicht mir selbst – helfe ich, wenn ich beim Radfahren einen Helm aufsetze?"

Griechenland, weil dann die Versicherungen weniger zahlen müssen.

Das ist doch Blödsinn. Die Schäden, die Versicherungen begleichen müssen, sind durch die Beiträge gedeckt. Wenn die Schäden größer werden, dann steigen die Beiträge. Wenn die Schäden geringer werden, dann sinken die Beiträge. Wenn eine Versicherung in ernsthafte Schwierigkeiten gerät, dann ist das selbstverschuldete Misswirtschaft oder im Zweifelsfall riesengroßes Pech. Aber garantiert ist nicht der Versicherungsnehmer daran Schuld. Also hören Sie bitte auf mit dieser Schuldzuweisung.

Contra Helmpflicht ‒ pro Helm (2)

Der Helm ist kein Allheilmittel! Er schützt weder meine Extremitäten noch meine Organe. Ich weiß aber, dass Hautabschürfungen verheilen, Knochen wieder gerichtet und Organe versorgt werden können. Verletzungen am Kopf spielen allerdings in einer ganz anderen Liga.
Und ich finde es unverantwortlich, wenn man seine Kinder zu mehr Obacht im Straßenverkehr erziehen möchte, indem man ihnen einen Helm vorenthält. Mir kann hier kein Elternteil erzählen, dass es unmöglich wäre, Kindern beizubringen, sich weder auf andere Fahrradfahrer, Fußgänger, Autofahrer oder die Straßenverkehrsordnung zu verlassen und sie trotzdem mit einem Helm zu schützen. Soll man sie in Zukunft auch nicht vor heißen Herdplatten oder Hunden warnen, weil sie ihre Erfahrungen selbst machen sollen?

Mann kein sein Kind noch so oft gewarnt haben, sie können noch so erfahren auf dem Fahrrad sein: sie stürzen so oder so! Es muss niemand anderes als die eigene Blödheit involviert sein und man stürzt trotzdem. Vielleicht nicht auf den Kopf, aber wer kann das schon mit Bestimmtheit sagen.

Zugegeben, ich bin alles andere als erfreut über Eltern, die ihre Kinder in Watte packen und sie vor jeder Gefahr fernhalten wollen. Aber zu behaupten, ein Kind sei am sichersten, wenn es seine Erfahrungen am besten ohne Helm macht, finde ich nur verantwortungslos und fahrlässig.

von mir aus keine Helmpflicht...

... aber dann sollte man die Versicherungen auch nicht zwingen die deutlich höheren Behandlungskosten zu übernehmen - das wäre ja sonst unsolidarisch den versicherten Radfahrern gegenüber, die schwere (teure) Verletzungen durch einen Helm vermeiden.

Könnte man gegen eine Gurtpflicht in Autos nicht ähnlich argumentieren? Halten Sie die Gurtpflicht auch für sinnlos?

Sie sprechen von Mündigkeit, aber wer schützt beispielsweise Kinder vor ihren möglicherweise unmündigen Eltern?

Versicherung

Dieses Argument, das jeder, der ein klitzekleines Risiko eingeht oder irgendwo auch nur entfernt selbstverschuldet nicht der Norm entspricht, ist das assozialste in dieser und ähnlichen Debatten überhaupt.
Rauchen Sie, trinken Sie Alkohol, bewegen Sie sich wenig, bewegen Sie sich besonders viel, essen Sie zu viel Fleisch oder zu wenig Gemüse, fahren Sie schneller als 130 auf der Autobahn? Wenn Sie bei irgend einer dieser Fragen "Ja" sagen, tun sie irgend etwas, was ihr Lebensrisiko erhöht. Es gibt noch zahlreiche weitere solche Punkte.

Zur Freiheit gehört auch die Freiheit über solche Dinge entscheiden zu dürfen und dennoch die Solidarität der Gesellschaft hinter sich zu wissen, wenn es denn tatsächlich schief geht.
Ich bin bereit Krankenkassenbeiträge für Raucher, Alkoholiker und Skifahrer zu zahlen, dafür will ich dann auch mal ein Stück ohne Helm radeln drüfen.

Wie niedrig die Bereitschaft zur Solidarität und dazu, dem anderen "Fehler" zuzugestehen, in unserer Gesellschaft ist, ist echt erschreckend.
Glauben diejenigen wirklich, dass sie auf diese weitgehend bedingungslose solidarität selbst nie angewiesen sein werden?

wer ohne Helm Radfährt

...wird im Schnitt gesünder sein und länger leben, als diejenigen, die kein Radfahren. Dies ist mehrfach für Staaten mit niedriger Helmtragerate (Holland, Dänemark, Barcelona, China) nachgewiesen worden. Für Staaten mit hohen Helmtrageraten ist dies nicht nachgewiesen und es wird sogar in New South Wales das Gegenteil angenommen (keine Studie, Helmjünger greifen Zahlen gerne aus der Luft aber veröffentlich vom Staat in einer Helmpflichtanalyse)

Daher ist dies lediglich ein polemisches, falsches Argument, was sich nicht auf Fakten stützt. Autofahren und Motorradfahren mit Gurt und Helm haben übrigens auch nicht die positive Bilanz. Wie wäre es, Auto- und Motorradfahrern die meinen Schaden-zahl-ich-selber-Pflicht dann aufzulegen? Ach ja und wer sich am Schweinsbraten verslustiert, soll die finanziellen Folgen dann auch selber tragen?

Behandlungskosten

Mit dem gleichen Argument könnte man die Behandlungskosten für Ski-, Snowboard-, Paraglidingunfälle etc. ablehnen - ungerecht den Nichtskifahrern, Nichtsnowboardern, Nichtparaglidern gegenüber. Oder die Behandlung von Tropenkrankheiten. Müssen auch die mitbezahlen, die "nur" an der Ostsee waren. Wichtig wäre übrigens auch zu wissen, wie hoch bei der Gesamtzahl der Fahrradunfälle die Prozentzahl ist, bei der Radfahrer unter die Räder kamen. Wenn Sie vom Lkw überrollt werden, nützt sowieso kein Helm.

Versuchen sie es erstmal zu verstehen

http://www.fahrrad-helm.de/#

Mechanische Nebenwirkungen

Ein Radfahrerhelm erhöht die Masse des Kopfes um etwa 5 %, das Trägheitsmoment um den Wirbelsäulenansatz um etwa 10 %, abhängig von der Masse des Helmes und der Masse des Kopfes. Damit werden die aus Beschleunigungen resultierenden Kräfte bei frei beweglichen Kopf größer.

Der Helm vergrößert den effektiven Kopfdurchmesser um etwa 20 %, damit den Hebel äußerer Krafteinwirkungen. Insbesondere beim seitlichen Aufprall mit einer horizontalen Geschwindigkeitskomponente werden die einwirkenden Momente auf den Halswirbelsäulenansatz deutlich größer.

Dummes Argument

Auch wenn ich in dieser Helmpflicht-Debatte noch keine eindeutige Meinung bezogen habe, so muss ich doch sagen, dass Ihr "Argument" mehr als dumm ist.

Sie können nicht irgendeine Statistik herbeiziehen, alle Hintergründe dieser außen vor lassen und sie dann auf Deutschland übertragen. Fügen Sie Holland, Dänemark, Barcelona und China noch Helgoland hinzu. Dort gab es auf dem Land-Verkehrs-Netz in den letzten Jahren wahrscheinlich nicht einen einzigen Unfall. Nur liegt das daran, dass auf Helgoland keine Kraftfahrzeuge und Fahrräder geführt werden dürfen.
Ich könnte Helgoland jetzt also nicht einfach auf Berlin übertragen. Und Sie können auch nicht Dänemark auf Deutschland übertragen. Man vergleiche einfach die Radwege in Kopenhagen und Berlin.
Wenn also in Holland, Dänemark usw. weniger Helme getragen werden, dann kann man daraus schließen, dass es dort weniger notwendig ist, nicht aber, dass es statistisch „gesünder“ sei. Und wenn in Deutschland mehr Menschen Helme tragen und es aber trotzdem mehr Unfälle gibt als in Holland, Dänemark etc., dann liegt das daran, dass sich hier mehr Menschen auf Grund eines höheren Unfallrisikos, das nicht in Abhängigkeit einer „Helm-Trage-Rate“ steht, dazu entschließen ihre Birne zu schützen.

Ich könnte mich ja auch irren, aber dann veröffentlichen Sie doch einfach diese Statistiken, oder verzichten Ihrerseits auf billige Polemik.

Lupenrein

"Ich könnte Helgoland jetzt also nicht einfach auf Berlin übertragen. Und Sie können auch nicht Dänemark auf Deutschland übertragen. Man vergleiche einfach die Radwege in Kopenhagen und Berlin. [blablabla]"
---
Wenn Sie die Diskussion verfolgt hätten, wäre Ihnen nicht entgangen, dass Sie hier genau den Punkt treffen, bloß anders als Sie meinen, denn ihre oberlehrerhaften Ausführungen wurden schon unzählige Male in der Argumentation berücksichtigt.

Wenn das Radfahren nämlich an sich in Kopenhagen ungefährlicher als in Berlin zu sein scheint, dann liegt es _selbstverständlich_ an der Verkehrsführung und/oder den Verkehrsteilnehmern und/oder dem Verkehrsaufkommen.

Ohne die Zahlen für die einzelnen Städte jetzt überprüft zu haben .... wenn es so stimmt, wie vom Vorposter geschildert, dann ist es sehr aussagekräftig: Von Regionen wie "New South Wales über Kopenhagen bis zu Barcelona ist dann nämlich alles dabei". Man/Sie sollte(n) die Zahlen überprüfen, aber die Argumentation ist lupenrein.

Sollten die Zahlen richtig sein: Was lernten wir dann daraus? Wo sollte man ansetzen, wenn man Unfallraten senken möchte?

@weizenkeim:

Wie ich schon sagte, habe ich mich bis jetzt weder für noch gegen eine Helmpflicht ausgesprochen. Ich habe mich lediglich auf die These bezogen, dass Radfahren ohne Helm gesünder sei, die damit begründet wurde, dass es in Ländern/Städten, in denen es weniger Helmträger gibt, weniger Unfälle gibt. Vielleicht hat sich der Kommentator auch einfach nur schlecht ausgedrückt, aber so, wie es klang, hätte es nur noch gefehlt, dass er ein Helmverbot fordert.
Demnach war die Argumentation so lupenrein, wie Putin ein lupenreiner Demokrat ist.

Was man aus den Statistiken schließen kann, ist, dass im Straßenverkehrsnetz dringend etwas für Radfahrer unternommen werden muss. Die Helmpflicht ist in dem Falle nur vorgeschoben, damit nicht etwas Richtiges unternommen werden muss, was mehr Geld kosten würde.
Bis dahin und auch danach ist es gesünder einen Helm zu tragen. Wer das nicht möchte, soll sich ruhig den Schädel aufschlagen, aber sich dann nicht wundern, dass sich die Versicherungen querstellen. (Ich muss zugeben, dass ich in der Regel ohne Helm fahre.)

Obwohl ich gern und überwiegend (und gezwungenermaßen) Rad fahre, möchte ich mich hier nicht mit allen anderen Radfahrern solidarisieren. Die meisten scheinen mir überfordert, gleichzeitig auf sich und andere Teilnehmer des Straßenverkehrs zu achten.

PS: Was ich allerdings bedingungslos fordere, ist eine Helmpflicht für Kinder.

Schön, wenn man selber keine Zahlen hat kritisiert man die...

... der Anderen und nennt deren Argumente vorsichtshalber mal dumm. Eristik nennt man dieses Verhalten...

Erstmal eine übersich über die Studien:
Aber hier mal ein paar Studienergebnisse:
Niederlande => wenig Helme => Radfahren gesünder als nicht Radfahren [De Hartog et al]
Dänemark => wenig Helme => Radfahren gesünder als nicht Radfahren [Andersen LB et al]
Barcelona => wenig Helme => Radfahren gesünder als nicht Radfahren [David Rojas-Rueda et al]
China => wenig Helme => Radfahren gesünder als nicht Radfahren [Matthews CE et al]
New South Wales => viele Helme => Radfahren weniger gesund als nicht Radfahren [PWC estimation, Gesundheitsgewinn niedriger als Crashkosten]

Über die Autoren lassen sich die Studien leicht finden.

Mit etwas G**glen findet man schnell heraus, dass in Dänemark es kaum geringere Todesraten bezogen auf die Gesamtbevölkerung gibt. Es wird etwas mehr Rad gefahren, aber der Unterschied in der Gefährdung ist nicht so gravierend.

Mein Argument ist übrigens, dass Radfahren gesünder ist als nicht Radfahren (nachgewiesen zumindest wenn man keinen Helm trägt). Wer sich unbedingt einen Plastikhut aufsetzen will, bitte! Aber ein Verbot von, oder die Darstellung von Radfahren mit freiem Kopf als gefährlich, beruht einfach nicht auf Tatsachen! Also frage ich zu, ist man zu dumm die Studien zu verstehen oder will man den Radfahrern schaden?

Radfahren ohne Helm ist gesünder...

...als nicht radzufahren (sondern zB Auto). Dieses ist für Helmpflichtstaaten nicht nachgewiesen.

Das fahren ohne Helm gesünder ist als mit glaube ich sofort. Neben der Bewegung gibt es beim Radfahren noch eine andere Komponente. Die der Freiheit und das fallen lassen. Für mich hat Radfahren ähnliche positive Wirkung wie Meditation. Der Helm bringt eine Angstkomponente in die Freiheit. Und Angst ist nicht gesundheitsförderlich. Der Helm bringt Verklemmtheit ins Radfahren und Verklemmtheit ist nicht gesundheitsförderlich. Radfahren ohne Helm ist cool, relaxt und macht Spaß.

Ich bin übrigens mal eine Zeit mit Helm Rad gefahren und habe meinen Kindern einen Helm gegeben. Dann habe ich mir mal die Zahlen angeschaut. Als erstes stellt man fest für den Helm wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Ulla Schmidt hat zB die Existenz von Hemkritischen Studien verleugnet. Und dann, dass es eigentlich keinen echten Grund für Helme gibt. Heute trage ich keinen Helm mehr und meine Kinder brauchen bei mir auch keinen. Wer übrigens eine Helmpflicht nur für Kinder hereinbringt, verkennt, dass eigentlich am ehesten Senioren als Fußgänger und Radfahrer gefährdet sind und nicht die Kinder. Aber das ist halt das Helen Lovejoy Syndrom

Schlussfolgerungen

"Wenn also in Holland, Dänemark usw. weniger Helme getragen werden, dann kann man daraus schließen, dass es dort weniger notwendig ist"

Es ist dort genauso wenig notwendig wie hier.

"Und wenn in Deutschland mehr Menschen Helme tragen und es aber trotzdem mehr Unfälle gibt als in Holland, Dänemark etc., dann liegt das daran, dass sich hier mehr Menschen auf Grund eines höheren Unfallrisikos."

Der beobachtbare Zusammenhang ist, dass mit mehr
Radverkehrsanteil das Unfall(!)-Risiko für den einzelnen
Radfahrer sinkt. Das Verletzungs-Risiko sinkt natürlich auch.

http://fahrrad.wikia.com/...

Im Gegensatz dazu konnte das Massenexperiment Australien nicht
zeigen, dass durch "Helme" das Verletzungsrisiko im System sinkt.
(Tragequote von <=30 auf > 70% in wenigen Jahren)
Dort sind auch die vorher-nachher Bedingungen ziemlich vergleichbar. Das Wegenetz hat sich in der Zeit wohl kaum
verändert. Das individuelle Risiko ist dort eher gestiegen.

http://www.adfc-bw.de/tex...

Die lieben Wanderer

sind für mehr als 70% aller Bergrettungseinsätze verantwortlich.

Dazu gibt es Statistiken vom DAV, ÖAV oder SAC...Kletter, Hochtourengeher...generell alle die am Berg etwas mehr Einsatz bringen und etwas schwierigere bis sehr schwierige Touren machen, verursachen weniger Unfälle.

Das ist auch ganz logisch erklärbar...der gedankenlose Bergwanderer, hat keine passenden Schuhe, zu wenig zum Trinken dabei oder ist einfach nicht fit genug, während diejenigen die schwere Touren machen, mehr Erfahrung mitbringen, das richtige Equipment dabeihaben, die Touren sind besser geplant etc... etc...

Contra Helmpflicht ‒ pro Helm (1)

Widerlegen Sie sich nicht selbst?

Für die Niederlande, Dänemark und China gilt möglicherweise ‒ wenn auch nicht unumstritten ‒ die Annahme „Safety in numbers“. Fahrradfahrer genießen in diesen Ländern allein schon aufgrund ihrer großen Zahl eine mehr Akzeptanz. Zusätzlich sind die Verkehrsnetze und deren Sicherheit in Städten wie Kopenhagen und Amsterdam für Fahrradfahrer einfach besser. Die Reaktion darauf ist eine geringere Helmtragequote, nicht andersherum.

Die Studie in Australien hat nicht untersucht, wie sich das Helmtragen generell auf die Verkehrssicherheit von Radfahrern auswirkt, sondern welche Folgen die Einführung der Helmpflicht nach 2 Jahren hatten. Diese hat vor allem dazu geführt, dass die Anzahl an Fahrradfahrern zurückgegangen ist. Auch wenn ich der Studie vorwerfe, dass sie mit ihrer Auswertung von lediglich 2 Jahren zu kurz greift, so bin ich trotzdem nicht für eine generelle Helmpflicht.

Aber was bringt es uns, wenn wir uns gegenseitig mit Studien bombardieren? Auf jede Studie, die den Nutzen des Helmtragens zeigt, folgt eine, die das Gegenteil beweist:

http://www.helmets.org/he...

http://www.egms.de/static...

http://www.abstractserver...

http://www.adfc-bw.de/tex...

Was bringen Statistiken generell, wenn ich einer von 10%, 1% oder 0,1% bin, der einen schweren Unfall hat, bei dem der Kopf betroffen ist?

Contra Helmpflicht ‒ pro Helm (2)

Feststeht, dass für die Sicherheit von Fahrradfahrern etwas getan werden muss. Wir können nicht zulassen, dass das Fahrradfahren als gesund und ökologisch gepriesen wird, aber dermaßen wenig dafür investiert wird.

Es müssen sich allerdings nicht nur die Verkehrswege ändern. Der beste Radweg bringt nichts, wenn es immer noch Autofahrer gibt, die glauben, dass sie allein auf der Straße unterwegs wären. Sie müssen die anderen Verkehrsteilnehmer nicht nur tolerieren, sondern vor allem respektieren. Das gilt auch für viele Fahrradfahrer und Fußgänger.

Es steht aber auch fest, dass der individuelle Nutzen von Helmen nicht so einfach von der Hand zu weisen ist. Wie ich schon erwähnt habe, hatte ich schon den ein oder anderen Unfall mit und ohne Helm. Mal hätte er mir etwas gebracht, mal hat der Kopf keine Schramme abbekommen und mal kann es unter bestimmten Voraussetzungen dazu führen, dass der Helm sogar kontraproduktiv wirkt.

Tragen Sie beim Treppensteigen einen Helm?

wenn Sie ein Risiko beim Radfahren so hoch empfinden, dann sollten Sie aber unbedingt auch beim Treppensteigen, Duschen oder Autofahren eine harte Kopfbedeckung tragen.
(Placebos wirken!)

Wenn sie sich vor dem Risiko fürchten, derjenige in den 0.1% zu sein, dann legen Sie sich am besten ganz ruhig ins Bett und bleiben sie dort.

Also ich orientiere mich bei Absicherungen meines Alltags am Risiko
dass ich objektiv zu erwarten habe.
Und ich kann statistische Studien lesen, da ich täglich selbst mit
mit solchen Methoden arbeite. Und grad bei pro-Helm Studien stolpere
ich unangenehm häufig über billige Polemik oder voreilige Schlüsse wie:

"60% der Kopfverletzungen liegen im Einflussbereich eines Helms, also hätten 60% der Verletzungen durch den Helm verhindert werden können".

Das ist natürlich nur ein Bullshit-Beispiel, insbesondere wenn in derselben Studie der Zusammenhang zwichen hohen Geschwindigkeiten von 35-50km/h und schweren Kopftreffern seziert wird.

Viel Spass bei Ihrem risikoarmen Leben
Martin

Etwas für Radfahrer tun

Wenn es um wirksame Mittel zur Förderung des Radverkehrs geht,
dann sollte man den Leuten auch die Angst vor dem Radeln nehmen.

Eine andere Massnahme wären Verkehrsplaner, die Radfahrer als Verkehrsteilnehmer und nicht als Hindernisse oder Freizeitsportler akzeptieren. Das ist grad bei uns im Musterländle offensichtlich Neuland. Dann würden vielleicht mal Verkehrswege rauskommen, wo man
auch vorwärts kommt und sich nicht ständig mit allen möglichen offensichtlichen Hindernissen rumärgern muss.

Und nein ich fordere keine guten Radwege, aber Ampeln und Kreuzungen wo ich auf einer vernünftig gelegenen Spur durchkomme.
Und die Durchsetzung der bestehenden Regeln für Auto und Radfahrer
wäre auch nicht schlecht.

Situation in Niederlande und Dänemark

"Für die Niederlande, Dänemark und China gilt möglicherweise ‒ wenn auch nicht unumstritten ‒ die Annahme „Safety in numbers“. Fahrradfahrer genießen in diesen Ländern allein schon aufgrund ihrer großen Zahl eine mehr Akzeptanz."

Ja natürlich ist die Akzeptanz grösser, wenn es alle machen. :-)
Und wir könnten die Entwicklung in .de in die gleiche Richtung
bringen. Helmdiskussionen, Plakate der Hannelore Kohl Stiftung und
überflüssige Verkehrsminister bewirken aber das Gegenteil.

"Zusätzlich sind die Verkehrsnetze und deren Sicherheit in Städten wie Kopenhagen und Amsterdam für Fahrradfahrer einfach besser. Die Reaktion darauf ist eine geringere Helmtragequote, nicht andersherum"

Nee, niemand in .nl glaubte jemals, dass Radfahren so gefährlich ist, dass es einen Helm rechtfertigt. Auch dort gab es nicht immer die Infrastruktur.
In .de glaubte das vor ein paar Jahren auch noch niemand. Heute machen gewisse Kreise sinnlose Propaganda in die Richtung.

Im Übrigen gibts auch in .nl und .dk Organisationen mit Helmpromotion:

http://www.copenhagenize....

zum Gück haben die bisher nicht viel Erfolg.

Ich finde übrigens die Erklärung für Angsaktionen ziemlich überzeugend:

http://www.copenhagenize....

Martin

Sie helfen....

1. dem Gesundheitswesen, und zwar dadurch, dass das Risiko fuer moeglicherweise drastisch ausfallende lebensrettende Massnahmen deutlich verringert wird.

2. dem Wohl ihrer Familie, die sich sicherer fuehlt, wenn Sie behutsam mit sich umgehen.

3. der Wohlfahrt, die u.U. auf ihre hohen Steuerzahlungen angwiesen ist.

Der Staat hat ein Interesse an ihrem Ueberleben. Suizid z.B. ist bei uns verboten.
Wie erklaren Sie sich die Anschnallpflicht beim Autofahren???

Omas Muetze

Zunaechst einmal moechte ich festhalten, dass ichs cool finde, dass Sie sich als Autor in der Kommentarspalte nochmal melden.
Aber wenn Ihnen das Tragen von Omas Muetze so wichtig ist, warum kombinieren Sie es nicht mit dem Kopfschutz? Im Winter wird es unterm Helm sowieso fruchtbar zugig und sobald Sie bei der Redaktion angelangt sind, koennten Sie Ihre Bommel post Helmausziehen wieder praesentieren.

Ich gebe zu, dass ich vor allem im Sommer, und wenn ich nicht auf nem Rennrad sitze, nur hoechst sporadisch mit Helm fahre. Andererseits, vielleicht wuerde uns eitle Gockel eine Helmpflicht von der Sorge befreien, irgendwer koennte uns ohne Bommel und mit Eierschale peinlich http://bit.ly/peinlichkei... finden.

"Der Staat hat ein Interesse an ihrem Ueberleben."

Wenn der Staat und all diejenigen die nun mal wieder nach einer Helmpflicht für Radfahrer rufen auch an anderer Stelle so sehr um meine Sicherheit (als Radfahrer) besorgt wären, würde ich Ihrer Aussage vielleicht Glauben schenken.
Bei der derzeitigen nach wie vor hauptsächlich aufs Auto zugeschnittenen Verkehrspolitik halte ich aber Ramsauers Forderung lediglich für Populismus. Das zeigt sich schon daran, daß der meiste Applaus aus dem Lager der Auto-Lobby kommt, wo es immer gern gesehen wird, wenn der Autoverkehr als naturgegebene Größe dargestellt wird, der sich alle anderen Fortbewegungsarten unterzuordnen haben.

Billiger wärs aber

Wenn Sie nach dem Wein noch arbeiten müssen ... wer weiß, was Sie da noch anstellen.

Nu ja. Jede Politik ist immer auch Fiskalpolitik. Rechnen wir die erzeugte Nachfrage und die daraus resultierenden Einnahmen aus z.B. Körperschaft- oder Gewerbesteuer, Einkommen- und Mehrwertsteuer mit der Ersparnis im Gesundheitssystem und verschiedenen Behörden/Institutionen zusammen, fällt der Verlust der Bestatter und Betreiber von Rehazentren nicht ins Gewicht.

Danke, der Rüffel tat gut

Hallo, Rüdiger. Langfristig haben Sie ja Recht, aber den temporären Verlust, der aus höherer Lebenserwartung entsteht, muss doch im Schnitt irgendwer tragen, gell? Da fallen nach den Gesetzen des Wettbewerbs eine Zahl von Unternehmen hinten runter. Im Schnitt.

Darüber hinaus: man muss nicht alles ernst nehmen, was man liest, weil längst nicht alles ernst gemeint, was jemand schrieb.