Wenn ich dieser Herbsttage mit dem Rad losfahre, setze ich die gestrickte Mütze meiner Oma Elsbeth auf. Es gibt Kollegen, die über die Bommel lachen. Ich mag sie. Ich zähle meine Haare zu meiner Privatsphäre. Ich käme mir bevormundet vor, wenn irgendwer mir verbieten würde, Oma Elsbeths Mütze anzuziehen.

Peter Ramsauer, Bundesverkehrsminister aus Bayern, und andere Gutmenschen wie der Kollege Matthias Breitinger wollen eine Helm-Pflicht für Fahrradfahrer einführen. Die Idee ist nicht neu. Vor drei Jahren wurden gar Unterschriften für eine Gesetzesinitiative gesammelt. Die Politiker wollten damals davon nichts wissen. Überreglementierung war das treffendste Wort, was ihnen dazu einfiel .

Wer auf öffentlichen Straßen fährt, muss sich an mehr als 50 staatliche Paragraphen halten. Auch wenn das Leben eigentlich zu kurz ist, um an roten Ampeln zu warten, verstehe ich die meisten. Ich finde es beispielsweise sinnvoll, dass Überrotfahren bestraft wird.

Ein Fahrradhelm ist eine gute Sache. Er kann Leben retten und sieht nicht schlechter als eine Polizistenmütze aus. Den Helm sollte niemand verunglimpfen. Jeder, der will, sollte einen tragen. Gezwungen werden sollte dazu niemand.

Das hat etwas mit Freiheit und Mündigkeit zu tun. Wenn der Staat seinen Bürgern vorschreibt, was sie sich beim Radfahren auf den Kopf setzen müssen, greift er in ihre individuelle Selbstbestimmung ein.

Diese Art der Unterdrückung gibt es schon genug. Rauchverbot in Kneipen, detaillierte Vorschriften beim Hausbau, die Straßenverkehrsordnung, Alkoholverbot in U-Bahnen. Diese illiberalen Gesetze beschränken den Einzelnen. Sie sorgen für Frust. Aber all das kann ich nachvollziehen.

Die Bevormundungen dienen dem gemeinschaftlichen Wohl. Wer in der Kneipe nicht qualmt, stört keinen Nichtraucher. Wer in der U-Bahn nicht säuft, pöbelt keinen Mitfahrer an. Wessen Ziegeldach nach Vorschrift gebaut ist, wird keinem Nachbarn auf den Kopf fallen. Wer nicht bei Rot über die Ampel fährt, gefährdet keinen Fußgänger. Zum Wohl der Allgemeinheit beschränkt der Staat die Möglichkeiten des Einzelnen. So viel habe ich verstanden.

Nur wem – außer vielleicht mir selbst – helfe ich, wenn ich beim Radfahren einen Helm aufsetze?