Knirschend springt der zweite Gang des hakeligen Getriebes in Position, ein Tritt aufs Gaspedal lässt den Porsche-Motor aufheulen. Die Nadel des Drehzahlmessers wandert von der 3.000 langsam zur 5.000, das Fahrzeug legt sich in die Kurve. Nun fühlt sich der Porsche 912 ganz in seinem Element – denn niedertouriges Fahren verträgt der 45 Jahre alte Wagen gar nicht, da machen manchmal die kapriziösen Vergaser Ärger. So fühlt sich der 912er vor allem bei schneller Fahrt wohl. Und wie es sich für einen Klassiker aus Zuffenhausen gehört, benötigt man ein bisschen Gefühl am Gaspedal, um das Heck in Zaum zu halten.

Dass sich der Wagen etwas verausgaben muss, hat einen einfachen Grund: Statt der sechs Zylinder im stärkeren Brudermodell 911 hat der Boxermotor im 912 nur vier. So verfügt der kleinere Motor nur über 1.582 Kubikzentimeter Hubraum und leistet 90 PS, 40 PS weniger als der damalige 911er-Motor mit zwei Litern Hubraum. Im Vergleich zum 911 S mit 160 PS war der 912 geradezu schwachbrüstig. Ansonsten sieht der Wagen aus wie ein 911er. Der Schriftzug am Heck verrät aber, dass er keiner ist.

Porsche brachte das Modell 912 im Jahr 1965 auf den Markt, als günstige Alternative zum 911, der ein Jahr zuvor den 356 abgelöst hatte. Der 912 war nicht nur etwas preiswerter, sondern mit seinen 995 Kilogramm auch um 100 Kilo leichter als sein Bruder. Doch das machte die geringere Motorleistung nicht wett – zumal Porsche im 912 den alten Motor aus dem 356 recycelt und ihn obendrein auch noch um fünf PS reduziert hatte.

Darum brauchte der 912 für den Spurt von 0 auf 100 km/h mehr als 13 Sekunden. Der 911er schaffte das je nach Modell und Getriebe schon nach acht bis elf Sekunden. Während die Sechs-Zylinder-Porsche spielend die Marke von 200 Stundenkilometer knackten, lag das Höchsttempo des 912 bei 183 km/h.

Verkaufsschlager

Allerdings war der 912 nicht nur mit weniger PS versehen. Auch der Innenraum war etwas schlichter im Vergleich zum 911, manches Ausstattungsdetail kostete extra. Die ließen sich vielleicht über den geringeren Verbrauch finanzieren. Denn mit einem Durchschnittsverbrauch von zwölf Litern auf 100 Kilometer sparte man immerhin mehr als zwei Liter im Vergleich zum 911er ein.

Doch die Leistung war für viele Käufer des 912 nicht so relevant, denn dafür wurde der Traum vom eigenen schicken Sportwagen für weniger Geld wahr. Der 912 kostete bei seiner Markteinführung im April 1965 nur 16.250 Mark, den 911er gab es erst ab 21.900 Mark. Zudem war Mitte der sechziger Jahre ein 912 auch mit seinen 90 PS ein durchaus konkurrenzfähiger Sportwagen.

Vor allem aber unterschied er sich optisch fast nicht vom 911er. Erstaunlich vielen Kunden kam es genau darauf an, was den Verkaufserfolg des 912 erklärt. Bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 1969 liefen mehr als 30.000 Stück vom Band, davon 2.544 Targa-Versionen – also mit herausnehmbarem Dachmittelteil. Zeitweilig stellte Porsche vom Modell 912 doppelt so viele Fahrzeuge her wie vom 911.