VW up! im PraxistestKleiner Wagen, großer Durst

VW setzt für den up! vor allem auf städtische Kundschaft. Klein und wendig ist er ja auch – doch der relativ leichte Wagen schluckt im Stadtverkehr zu viel. von Marcel Sommer

VW up!

VW up!  |  © Hersteller

Vor allem in den Großstädten will Volkswagen mit dem neuen up! punkten. Mit einem günstigen Auto, das dank seiner Ausmaße in fast jede Parklücke passt, die Umwelt schont und gleichzeitig Spaß macht. Nun ist "günstig" schon eine recht vage Eigenschaft. Zwar wird in vielen Autohäusern ein Preisschild mit der Aufschrift "ab 9.850 Euro" den up! zieren, wenn er ab Anfang Dezember im Handel ist. Doch der Kaufpreis wird nur selten tatsächlich unter 10.000 Euro liegen – im Basispreis ist noch nicht einmal die Grundlackierung enthalten. Der teuerste up! beginnt bei 14.300 Euro. Alles andere als günstig für einen 3,54 Meter kurzen Kleinwagen.

Das wäre vielleicht noch zu verschmerzen, wenn nach dem Kauf der Wagen an der Tankstelle seinen Preis wieder etwas wettmachen würde. Doch leider verfehlt der up! auch dieses Ziel – und damit das des Umweltschonens. 4,7 Liter Super auf 100 Kilometern sollen es laut VW beim 55 kW (75 PS) starken up! sein: 5,9 Liter innerorts und 4,0 Liter außerorts. Das Basismodell mit 44-kW-Motor (60 PS) soll mit der Spritspartechnik Bluemotion kombiniert sogar nur 4,2 Liter brauchen. Die Realität sieht anders aus: Nach längerer Fahrt im Stadtverkehr mit vielen Stop-and-Go-Phasen zeigt der Bordcomputer des kräftiger motorisierten VW up! neun Liter Verbrauch an, beim Basis-up! sind es immerhin 6,8 Liter.

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Immerhin kann der 929 Kilogramm schwere Kleinwagen in Sachen Fahrspaß überzeugen, und das unabhängig von der Motorisierung. Selbst Michael Schumacher dürfte Schwierigkeiten haben, die 15-PS-Differenz zu spüren. Sie ist ohnehin der einzige Unterschied zwischen den beiden Motorvarianten. Beide Dreizylindermotoren beziehen ihre Kraft aus einem Liter Hubraum und verfügen über ein maximales Drehmoment von 95 Newtonmetern. Lediglich die Programmierung der Software entscheidet über den PS-Zuwachs. Die 600 Euro, die der stärkere Motor mehr kostet, kann man sich also sparen.

Im dritten oder vierten Gang lassen sich im Stadtverkehr kleine Zwischensprints flott umsetzen. Auch im typischen Stop-and-Go-Betrieb spielt der Wagen seine Stärken gut aus. Für den Fall, dass der Fahrer bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h dem Vordermann so dicht auf die Stoßstange rückt, dass ein Unfall droht, sorgt die optional erhältliche City-Notbremsfunktion für einen automatischen Stopp. Das funktioniert sehr gut.

Mehr Gepäckraum als in anderen Kleinwagen

Erfreulich ist die gute Rundumsicht im up!; auch das Einparken gelingt dank der kurzen Überhänge an Front und Heck mühelos. Positiv überrascht auch der leichte Einstieg in die zweite Reihe: Dazu gleitet der Vordersitz schnell zurück. Im Fond bietet der Wagen ausreichend Platz auch für größere Erwachsene. Der Kofferraum stellt ebenso zufrieden. Er beginnt bei 251 Litern Volumen, nach dem Zurückklappen der Rücksitzbank erhöht sich der Laderaum auf 951 Liter. Das ist ordentlich. Zum Vergleich: Der Citroën C1 mit ähnlichen Ausmaßen bietet nur 139 bis 712 Liter; der ebenfalls vergleichbare Hyundai i10 kommt auf 225 Liter.

Ansonsten entspricht der Innenraum aber nicht ganz der hohen Qualität, mit der sich VW sonst gern von der Konkurrenz absetzen möchte. Das Cockpit ist zwar so gestaltet, dass die Bedienung der Knöpfe und Schalter auf den ersten Blick verständlich ist. Doch den Fahrer erwartet überraschend viel Hartplastik – ein markanter Gegensatz zum Äußeren mit der schicken Glasheckklappe. Ärgerlich ist auch, dass bei den optional bestellbaren elektrischen Fensterhebern der Kippschalter für das Beifahrerfenster in der Fahrertür fehlt. Dort kann man nur das eigene Fenster bedienen.

Künftig soll der up! in sieben Farben und fünf verschiedenen Ausstattungsvarianten erhältlich sein – die natürlich den Basispreis schnell deutlich über die 10.000-Euro-Marke treiben. Neben den beiden Benzinmotoren bietet VW auch einen Erdgasantrieb an. Für 2013 hat VW zudem eine Elektroversion fest eingeplant. Einen sparsamen Dieselmotor bekommt der neu konzipierte Kleinwagen dagegen nicht verbaut. Er wäre zu teuer und passt darüber hinaus gar nicht unter die Motorhaube. Schade, denn dann könnte es mit dem geringen Verbrauch vielleicht doch noch klappen.

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Leserkommentare
    • 125ml
    • 15. Oktober 2011 17:31 Uhr
    1. Dreist

    "Lediglich die Programmierung der Software entscheidet über den PS-Zuwachs. Die 600 Euro, die der stärkere Motor mehr kostet, kann man sich also sparen."

    Jetzt geht das bei den Autos auch los.

    Typische VW-Abzocke.

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    aber wo haben sie die letzten 20 Jahre verbracht?! Bei so gut wie allen Herstellern ist das schon lange normal. Selbst den 1.8er im VW Golf 3 gab es schon mit 75 und 90 PS. Unzählige Beispiele folgen, erst recht seit der Turbo überall wieder Einzu gehalten hat.

  1. dass es VW nicht geschafft hat den Verbrauch bei einem Gewicht von ca. 1000 kg unter 3 Liter/ 100 km zu bringen. Nur als Vergleich: Ein Audi A4 2.0TDI mit 136 PS und 1550 kg Leergewicht verbraucht im Normzyklus kombiniert 4,4 Liter/100 km, also 0,2 Liter mehr als der sparsamste Up! mit 60 PS. Da fragt man sich doch ernsthaft, was VW mit dem Up! geleistet hat (wenn man ganz nebenbei bedenkt, dass Audi und VW unter einem Dach stecken).

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    Ich finde es zwar nicht so erstaunlich, dass der Verbauch nicht unter drei Litern liegt, aber genau so einen Vergleich hatte ich vor Augen.

    Der Up kommt mit einem benzinmotor. Der Audi, den Sie beschreiben, hat einen TDI-Motor. (Diesel)

    Dieselkraftstoff hat eine erheblich höhere Energiedichte. Insofern braucht der Audi deutlich mehr Energie als der Up. Nur in Litern Kraftstoff zu rechnen, reicht nicht.

    Vergleichen kann man den Up dann schon eher mit einem Aygo Benziner. Auch da sieht der UP ziemlich schlecht aus.

    Und 929 kg Gewicht ist blamabel viel für einen Kleinwagen.

  2. Ich habe es mir neulich schon bei der Vorstellung von Seat- und Skodakonkurrent gedacht: Was bitte soll an der Glasscheibe schick sein?

    Sowohl Seat als auch Skoda verzichten auf dieses ach so trendige (allein das Wort trendig...) Merkmal und werden zudem wahrscheinlich auch um einiges günstiger sein. Deshalb kann man den up!, der zudem auch noch einen beknackten Namen trägt, getrost übergehen.
    Für mich ist außerdem nicht verständlich, warum es keinen Diesel gibt. Ich würde zwar eine Benzinversion vorziehen, aber das gilt ja nur für mich.
    Die neun Liter stehen meines Erachtens nicht im Gegensatz zur Angabe seitens Volkswagen. Wenn Sie den Wagen eine Stunde im Stau stehen lassen, ohen die Maschine abzuschalten, geht der Verbrauch ruckzuck sicher noch höher. VW hat ja nicht behauptet, der Wagen brauche 5,9l, wenn er die meiste Zeit steht. Die gehen davon aus, dass man, allen Ampeln zum Trotz, dennoch die meiste Zeit auf dem Weg in die/der Stadt fahrend zubringt.
    Das Problem dabei ist ein anderes: Der Wagen benötigt genausoviel Treibstoff wie ein größeres Fahrzeug mit beispielsweise einem Diesel (muss aber nicht zwingend sein). Deshalb stellt sich die Frage, ob sich die Anschaffung überhaupt lohnt. Denn auch mit einem Polo kann man super einparken, aber eben auch mehr einladen.

  3. Ich finde es zwar nicht so erstaunlich, dass der Verbauch nicht unter drei Litern liegt, aber genau so einen Vergleich hatte ich vor Augen.

    Antwort auf "Erstaunlich"
  4. Deutlich verbrauchsärmer, vergleichbare Ladefläche und vom Preis her auch nicht schlechter. Außerdem gibt es eine Dieselvariante, mit der man tatsächlich im alltäglichen Betrieb die 4-Liter-Grenze nach unten durchbrechen kann.

    http://www.spritmonitor.d...

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    Mein sparfanatischer Bruder hat es auf Landstraßen (er prahlt jeden Sommer nach Frankreichurlauben damit) mit einem Stino Seat Leon Diesel 3Liter/100km geschafft.

    Also wer sparsam fährt schafft mit nem Twingo Diesel locker 2,5L.

    Btw. wir könnten da schon viel weiter sein. In sonem Tropfen Benzin steckt sau viel Energie. Man könnte Autos so konzipieren dass man sie nur sparsam fahren KANN.

  5. Ob zwischen Ölkonzernen und Autoentwicklern Geld fliest.

    "pst, hey! da steck das ein, und dafür gibts so nen Scheiss wie den Lupo nicht mehr.. der Touareg gefällt uns schon viel besser, und euer Kleinster kann auch ineffizieter werden"

    Peinlich peilich.. brüstete man sich doch in Wolfsburg bereits mit einer 1L Studie.. und jetzt so ein Rückschritt!

    Resourcenökonomie wird im 21. Jahrhundert aufgrund des ins unermässliche wucherde Wirtschaftswachstum mit allen Mitteln unterdrückt.

  6. Mein sparfanatischer Bruder hat es auf Landstraßen (er prahlt jeden Sommer nach Frankreichurlauben damit) mit einem Stino Seat Leon Diesel 3Liter/100km geschafft.

    Also wer sparsam fährt schafft mit nem Twingo Diesel locker 2,5L.

    Btw. wir könnten da schon viel weiter sein. In sonem Tropfen Benzin steckt sau viel Energie. Man könnte Autos so konzipieren dass man sie nur sparsam fahren KANN.

  7. Der Up kommt mit einem benzinmotor. Der Audi, den Sie beschreiben, hat einen TDI-Motor. (Diesel)

    Dieselkraftstoff hat eine erheblich höhere Energiedichte. Insofern braucht der Audi deutlich mehr Energie als der Up. Nur in Litern Kraftstoff zu rechnen, reicht nicht.

    Vergleichen kann man den Up dann schon eher mit einem Aygo Benziner. Auch da sieht der UP ziemlich schlecht aus.

    Und 929 kg Gewicht ist blamabel viel für einen Kleinwagen.

    Antwort auf "Erstaunlich"
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    Moment, das sind die Brennwerte von Diesel und Benzin:
    Diesel: 12,6 kWh/kg
    Benzin: 11,9–12,3 kWh/kg

    Also Diesel hat ein bischen mehr Brennwert, aber damit kann man den Unterschied nicht erklären.

    Der Grund ist (unter anderem) das bessere Verdichtungsverhältnis von Diesel. Aber die Rechnung ist nicht so einfach dass man einfach die Energiedichten vergleicht. Man muss zuerst Otto mit Diesel Prozess vergleichen und stellt dann fest, dass der Otto Prozess einen höheren Wirkungsgrad hat. Erst wenn man das erreichbare Verdichtungsverhältnis betrachtet, gewinnt der Diesel-Prozess.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Volkswagen | Michael Schumacher | Dieselmotor | Euro | Hyundai
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