Der November ist für Autofahrer der Monat, in dem sie sich mit ihrer Kfz-Versicherung auseinandersetzen. Denn in aller Regel kann man nur zum Jahresende den Anbieter wechseln und muss darum seine bisherige Police spätestens zum 30. November kündigen. In diesem Jahr werden vermutlich mehr Autobesitzer als sonst einen Anbietervergleich anstellen: Nach einem jahrelangen Preiskampf in der Branche wollen viele Versicherer die Prämien für Bestandskunden anheben. Preissteigerungen von 15 bis 30 Prozent sind im Gespräch.

Ein Anbietervergleich ist aber nicht ganz leicht, denn die Beitragshöhe wird individuell ermittelt. Zunächst hängt die Prämie vom Fahrzeugtyp und dem Zulassungsbezirk ab – in Orten mit vielen Schadensfällen verlangen die Versicherer höhere Beiträge. Außerdem fließen das Alter des Fahrzeugs und die jährliche Fahrleistung in die Prämienberechnung ein.

Auch Beruf und Alter des Halters und die Frage, ob in Familien auch der 18-jährige Sohn den Wagen benutzt oder ob das Auto im Freien oder in der Garage parkt, wird berücksichtigt. Selbst der Besitz einer Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr oder die Mitgliedschaft in einem Automobilclub kann zu Rabatten führen. Wer sich für einen günstigen Alleinfahrer-Tarif entscheidet, darf dann aber auch keinen anderen ans Lenkrad lassen.

Viele Anbieter streichen Kulanzklausel

Ein wichtiges Kriterium ist zudem die Schadenfreiheitsklasse: Je länger ein Autofahrer unfallfrei fährt, desto höher die Klasse und günstiger die Prämie. Genau an dieser Stelle wird es aber vertrackt, denn viele Anbieter führen jetzt für die Neuverträge andere Schadenfreiheitsklassen ein. Die neue Staffelung endet nicht mehr bei 25 schadensfreien Jahren (SF 25), sondern bei 35 Jahren (SF 35). Der niedrigste Rabatt liegt dann bei einigen Versicherern nicht mehr bei 30 Prozent vom Grundbetrag, sondern bei 20 Prozent.

Das klingt vor allem für ältere, umsichtig fahrende Autofahrer zunächst positiv. Doch die Sache hat einen Haken, wie die Experten der Stiftung Warentest herausgefunden haben. Viele Anbieter streichen im Gegenzug nämlich den sogenannten Rabattretter. Der half langjährig unfallfreien Autobesitzern, die plötzlich doch einen Unfall hatten – sie wurden aus Kulanz nicht hochgestuft. Fällt die Klausel jetzt weg, gibt es als Alternative oft einen Rabattschutz, der aber einen Aufpreis kostet. Ob sich das lohnt, muss für den individuellen Fall ausgerechnet werden.

Auch in anderen SF-Klassen setzen Versicherungsgesellschaften die Prozentsätze herab. Beispielsweise senken viele Anbieter in der Stufe SF 16 die Prämie von jetzt 40 Prozent des Grundbetrags auf 30 Prozent. Doch daran allein sollte man sich nicht orientieren, sagt Bettina Hierath, Expertin beim  ADAC . "Entscheidend ist die Summe, die sich am Schluss ergibt. Denn viele Anbieter locken mit einem günstigen Prozentsatz, erhöhen aber zugleich den Grundbetrag, so dass die zu zahlende Prämie unter dem Strich nicht geringer ist als die momentane."