Fahrbericht DS5Der Citroën-Avantgarde fehlt der Fahrkomfort

Citroën fordert mit dem DS5 Edelhersteller wie Audi in der gehobenen Mittelklasse heraus. Den Wagen gibt es sogar als Dieselhybrid. Leider schwächelt er beim Fahrwerk. von Sebastian Viehmann

Citroën DS5

Citroën DS5  |  © press-inform/Hersteller

Die "Göttin" kann man nicht kopieren. Muss man auch nicht. Denn Citroën findet mit der DS-Reihe einen Weg, sich ganz ohne Retro-Zwang von der Masse abzuheben. So orientieren sich die DS-Modelle des 21. Jahrhunderts nicht an der legendären DS der 1950er und 1960er Jahre, sondern an einem deutschen Hersteller: "Beim Qualitätsanspruch im Innenraum war Audi unser Maßstab", sagt Pierre Monferrini, der Projektleiter des DS5.

Wenn man in einem DS5 Platz nimmt, erkennt man auch schnell, dass sich Citroën vor der Volkswagen-Tochter nicht zu verstecken braucht. Schicke Becherhalter mit matten Chromringen, formschön gestaltete Schalter, viel poliertes Metall und eine enorme Liebe zum Detail heben das Interieur des 4,53 Meter langen Wagens auf Premium-Niveau. In Sachen Verarbeitung und Materialanmutung war bislang wohl noch kein Citroën überzeugender.

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Die Sitze sind bequem und nicht zu weich, auch im Fond bietet der Wagen den Passagieren gut Platz. Ein Höhepunkt ist sicherlich das "Cockpit-Dach" mit zwei kleinen Glasdächern über Fahrer und Beifahrer sowie einem großen Ausguck über dem Fond, die sich alle separat mit elektrischen Jalousien verdecken lassen. Schalter im Dachhimmel bringen einen Hauch von Jet-Atmosphäre. Dennoch ist die Sicht nach draußen bescheiden: Vorn blockieren die A-Säulen trotz integrierter Fenster die Sicht in die Kurve, hinten stört das durch den Spoiler zweigeteilte Heckfenster.

Das Head-Up-Display mit Geschwindigkeits- und Navigationsanzeige wird zwar nicht direkt in die Windschutzscheibe gespiegelt, sondern nutzt die kostengünstigere Methode mit separater Kunststoffscheibe – praktisch ist es trotzdem. Unpraktisch sind dagegen die Knöpfe für die hinteren Fensterheber, die zwischen den Vordersitzen hinter der Mittelkonsole versteckt wurden.

Deutliche Abstriche beim Fahrkomfort

Das DS5-Basismodell Chic mit einem 156 PS starken Benzinmotor ist ab 29.700 Euro erhältlich, mit einem 112-PS-Dieselaggregat für 29.350 Euro. Schon diese Version ist ordentlich ausgestattet: Lichtautomatik und Regensensor, Tempomat, Klimaautomatik, LED-Tagfahrlicht und CD-Radio gehören zum Serienumfang.

Das Top-Modell SportChic ist als 200-PS-Benziner, 163-PS-Diesel oder als Hybrid zu haben, zu Preisen zwischen 37.680 und 44.240 Euro. Dafür bekommt man eine Vollausstattung inklusive Navigationssystem, Einparkhilfe, Glasdach, Lederpolstern, Rückfahrkamera, Head-Up-Display, Sitzheizung sowie Bi-Xenonscheinwerfern mit Kurvenlicht. Der Kofferraum ist mit 460 Litern Fassungsvermögen noch passabel, schrumpft in der Hybridversion wegen der Batterie hinter den Rücksitzen aber auf magere 330 Liter.

So gut der DS5 als üppig ausgestatteter Luxusgleiter mit schicker Atmosphäre überzeugt, so sehr schmerzt aber, dass der Wagen ausgerechnet in der Königsdisziplin von Citroën, dem Fahrkomfort, schwächelt. Vor allem der sportlich abgestimmte 200-PS-Benziner lässt bei geringeren Geschwindigkeiten zu wünschen übrig: Er gibt Schlaglöcher und kurze Bodenwellen manchmal kaum gefiltert an die Insassen weiter. Die Kurvenlage des Wagens ist gut, doch die elektrohydraulische Servolenkung hat bei niedrigem Tempo hohe Rückhaltekräfte und fühlt sich unangenehm an. Dafür ist die Lenkung bei schnellerer Gangart nicht zu weich abgestimmt.

Leserkommentare
    • Sauzahn
    • 06. November 2011 10:29 Uhr

    So ist es nur eine Kulissen-DS mit ein paar optischen Gimmiks vom GT.

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    • H0wkeye
    • 06. November 2011 12:30 Uhr

    Leider verkommen die meisten Automobilmarken zu von "cleveren Marketingfachleuten" versauten Maketinggags.

    Kein Mensch, dem etwas am Namen Citroen und der einmaligen Historie dieser Marke liegt, würde auf die Idee kommen, eine Ikone der Automobilindustrie und des Industriedesigns (DS) derart zu beschädigen, indem eine der Name für eine derart mittelmäßige und charakterlose - ja was eigentlich? - Baureihe? Autogeneration? - was auch immer missbraucht wird.

    Was kommt als nächstes? Der Kleinstwagen SM1?

    Ich bin selber BWLer, aber wir brauchen mehr Ingenieure in den Führungsetagen! - Bei Daimler übrigens auch!

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  1. Ich schließe mich der Meinung von HOwkeye an. Ich fahre einen Audi A4 Bj 2011. Durch etliche Bedienungsgags wird das Fahrzeug zum Brechmittel.

    2 Leserempfehlungen
    • Zack34
    • 07. November 2011 10:40 Uhr
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    • Sauzahn
    • 07. November 2011 21:09 Uhr

    Beim C5 gibt es Stahlfahrwerk oder schweben.
    Holz wäre auch nett.

    Und die kommt halt ohne Stahlfedern und herkömliche Stoßdämpfer aus.
    Das wird mit er mit Stahlfahrwerk meinen.

  2. ... daß die PSA-Führung keinerlei Ahnung von Markenführung in Sachen Citroën hat, aber nun einen großen Citroën mit Stahl- und nicht mit Luftfahrwerk anzuwanzen, schlägt dem André den Double Chevron ist Gesicht. À propos Double chevron: Das was bei den D-Modellen heute an der Rückseite pappt, hat ja wohl auch nichts mit Markenzeichen zu tun. Sieht aus wie bei minus 50 Grad festgefrorene Spucke ...
    Also, das sind keine Citroëns mehr. Désolé ...

    • Zack34
    • 07. November 2011 14:53 Uhr
  3. "Was das entsetzlichste sei von allen entsetzlichen Dingen?
    Ein Pedant, den es jückt, locker und lose zu sein."

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    • Sauzahn
    • 07. November 2011 21:09 Uhr

    Beim C5 gibt es Stahlfahrwerk oder schweben.
    Holz wäre auch nett.

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  • Schlagworte Audi | BMW | Peugeot | Toyota | Dieselmotor | Elektromotor
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