Fahrbericht CivicAlte Motoren in Hondas Raumschiff

Honda hat die futuristische Optik des Civic entschärft. Fahrkomfort und Raumangebot überzeugen, bei den Motoren hinkt der Hersteller aber hinterher. von Jürgen Wolff

Das Raumschiff ist wieder auf der Erde gelandet. Kam der Honda Civic zuletzt reichlich spacig-futuristisch daher mit breit gezogenen Leuchtbändern vorne und hinten und einem Cockpit wie aus Raumschiff Enterprise, so sieht der neue, ab Januar erhältliche Civic in der mittlerweile schon neunten Generation wieder eher wie ein bodenständiges Auto aus. Was die Verantwortlichen bei Honda eine "konsequente Weiterentwicklung und Neuinterpretation" nennen, ist in der Realität vor allem eine Überarbeitung der Optik und der Hinterachse. Die Motoren dagegen sind weitgehend dieselben geblieben.

Die Karosserie des 4,30 Meter langen Japaners ist etwas flacher und windschlüpfiger geworden, die Radhäuser sind weiter ausgestellt. Die Bänder zwischen den Heckleuchten und zwischen den Scheinwerfern vorne sind aufgelöst. Allerdings sind die wulstigen Rückleuchten sicher auch Geschmackssache, und nach wie vor teilt ein Bürzel am Heck das Rückfenster waagerecht in zwei Hälften.

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Im Cockpit zeigt wie gehabt ein Digitaltacho vor dem Fahrer die Geschwindigkeit an. Aber dennoch ist vieles neu im Innenraum, denn Honda hat das Armaturenbrett aufgeräumt. Die verschiedenen Bereiche sind klarer getrennt, das Lenkrad ist nicht mehr ganz so mit Knöpfen überfrachtet. Außerdem verwendet Honda im Cockpit nun deutlich griffigeres und hochwertigeres Plastik. Der Fahrersitz wurde ebenfalls verbessert: Er lässt sich vielfältig verstellen und erlaubt so auch auf längeren Strecken ein bequemes Reisen.

Neuer Kollisionswarner, alte Motoren

Nach wie vor unschlagbar in dieser Klasse sind die Größe und Variabilität des Innenraums. Weil Honda, anders als üblich, den Benzintank nicht unter den Rücksitzen unterbringt, lassen die sich sehr flexibel klappen. Rückenlehnen und Sitzkissen sind bei Bedarf wie Kinositze zusammenfaltbar, damit entsteht zusätzlicher Stauraum. So lässt sich das Ladevolumen auf bis zu 1.378 Liter erweitern. Regulär bietet der Civic 477 Liter. Schon das ist in dieser Klasse keineswegs normal. Der Golf etwa kommt auf ein Kofferraumvolumen von 350 Litern, der Opel Astra bescheidet sich mit 370 Litern, Volvos C30 mit gerade einmal 251 Litern.

Die Honda-Ingenieure haben auch mehr Sicherheits-Technologien in den neuen Civic gepackt. Zum ersten Mal gibt es die europäische Version nun mit Kollisionswarnsystem und der Adaptiven Geschwindigkeitsregelung, die vor allem das Fahren auf der Autobahn deutlich bequemer und sicherer macht. Bei nicht mehr vermeidbaren Kollisionen bremst der Wagen selbstständig ab und vermindert so die Folgen eines Unfalls.

Nur wenig getan hat sich bei den Motoren. Während die meisten Hersteller in ihre Autos mittlerweile turbogestärkte, aber zugleich geschrumpfte Triebwerke einbauen, arbeiten im Civic nach wie vor die alten Saugmotoren oder ein 2,2-Liter-Diesel. Immerhin haben die Ingenieure sie etwas genügsamer gemacht, etwa indem der Ölfluss optimiert und die Reibung reduziert wurden. Aber auch der geringere Luftwiderstand trägt zum Spritsparen bei: Der cw-Wert sank gegenüber dem Vorgängermodell um 12,6 Prozent auf 0,27. Außerdem baut Honda jetzt in alle Modelle serienmäßig eine Start-Stopp-Automatik ein. So ausgerüstet, begnügt sich der 1,4-Liter-Benziner mit 100 PS nun mit einem offiziellen Verbrauch von 5,4 Litern auf 100 Kilometer – der Vorgänger brauchte noch 5,9 Liter.

Leserkommentare
  1. Ich habe einen Honda Civic 1. Serie von 1978 mit 60 PS und 700kg Leergewicht. Würde mich mal interessieren, wie die aktuelle 100 PS-Variante und mein betagtes Modell im Beschleunigkeitsrennen zueinander stehen.
    Aber eigentlich finde ich gar nicht, dass Autos so schnell sein müssen, schon gar in der Golf-Klasse. Dass der neue Civic im Eco-Betrieb etwas schwerfällig ist, erübrigt sich ja wohl. Und der Spritverbrauch ist nicht höher als bei vergleichbaren Fahrzeugen.
    Alles in allem ist der Honda im Marktvergleich wohl eine attraktive Option.

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  • Schlagworte Alte | Honda | Diesel | Motor
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