MobilitätSchnell durch die Stadt

Gute Verkehrskonzepte machen Städte wirtschaftlich erfolgreich. Autohersteller, Bahnbetreiber und Technologiekonzerne wollen den Nahverkehr jetzt revolutionieren. von Christian Schlesiger und Martin Seiwert

Shoichiro Toyoda geht durch den Showroom des Berliner Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ). Der 86-jährige Sohn des legendären Toyota-Gründers lässt sich Ladestationen und Elektrofahrräder erklären – eine Dolmetscherin im weißen Businesskostüm übersetzt. Der Japaner, bis 1999 Toyota-Chef, informiert sich an diesem sonnigen Oktobertag in der Bundeshauptstadt über Deutschlands mobiles Vorzeigeprojekt. Solarmodule und Mini-Windräder erzeugen Strom, mit denen Elektroautos aufgetankt werden. Auf dem Carsharing-Parkplatz mit E-Autos setzt sich Toyoda in einen Smart und lauscht später dem simulierten Motorengeräusch des Golf Blue Motion. Dann will er wissen, ob Kunden den Toyota Prius Hybrid mögen. Und noch was: Ob Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch auch schon da gewesen sei.

Toyodas Neugier hat einen Grund: Das Geschäftsmodell der Autokonzerne verändert sich. Sie müssen künftig mehr bieten, als nur Autos zu bauen. Der Traum von neuen Formen der Mobilität wird plötzlich real. Befeuert durch die Energiewende wird sie elektrisch, sauber, grün, aber auch praktisch, intelligent, vernetzt. Schon heute steigen viele Städter auf Mietfahrräder, Carsharing-Autos, Busse und Bahnen um. Prompt wittern traditionelle Verkehrskonzerne wie Auto- und Bahnhersteller sowie Zulieferer ihre Chance. Der Wettbewerb um das beste Geschäftsmodell der Mobilitätsdienstleister ist voll entbrannt.

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Dass es sich dabei um einen Milliardenmarkt handelt, beweist eine weltweite Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL), die die Wirtschaftswoche exklusiv veröffentlicht. Danach werden sich Investitionen in städtische Mobilität von heute rund 300 Milliarden Euro pro Jahr bis 2050 fast verdreifachen. Die Studie bewertet auch die heutige Leistungsfähigkeit der Mobilität in den Metropolen der Welt. Die Experten zählten unter anderem die Angebote von Carsharing und Elektrofahrrädern, bewerteten die Mobilitätsstrategien der Städte und recherchierten das Tempo des Nahverkehrs. Ergebnis: Keine Stadt ist schneller und besser vernetzt als Hongkong, gefolgt von Amsterdam und London.

Mobilität ist Standortfaktor

Bei den 15 größten deutschen Städten zeigte der Mobilitäts-Check Nachholbedarf. Nur München brachte es mit seinem Konzept auf akzeptable Leistungen und kam weltweit unter die Top Ten. Es folgen Hamburg, Berlin, Stuttgart und Leipzig, Schlusslichter sind Köln und Düsseldorf. Nirgendwo in Deutschland ist die komplette Vernetzung aller Verkehrsträger aber annähernd gelöst.

Dabei eignet sich Deutschland bestens, die Weichen für intelligente Mobilitätskonzepte zu stellen, denn die weltweit führenden Verkehrstechnikunternehmen sitzen hierzulande: Autohersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen, Hersteller von Zügen und Bahnkomponenten wie Siemens und Voith, IT- und Telematik-Konzerne wie Toll Collect und Deutsche Telekom. Die Unternehmen sind inzwischen die Treiber der mobilen Zukunft, die über die wirtschaftliche Dynamik einer Stadt entscheidet. Mobilität ist der mit Abstand wichtigste Standortfaktor für Investoren.

Ein Beispiel: Amazon eröffnete im Juli ein Kundenservice-Zentrum in Berlin mit bis zu 400 Arbeitsplätzen. Als Grund nannte der US-Internet-Konzern neben qualifizierten Mitarbeitern die "gute Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel".

Für den Megamarkt Nahverkehr reichen die bisherigen Konzepte der Anbieter von Mobilität für Städte aber nicht mehr aus. "Die Unternehmen verändern ihr Geschäftsmodell radikal", sagt ADL-Partner Ralf Baron. Sie streben in Geschäftsmodelle, wie sie in der Informationstechnologie erfolgreich sind: Apple, Google oder Dell haben mit ihren verschiedenen Strategien nicht nur die Regeln ihrer Branche, sondern das Geschäft weltweit verändert. Nun dienen sie als Vorbild. "Die Unternehmen eifern den Idealtypen nach", sagt Baron. 

Leserkommentare
    • SmoovE
    • 08. November 2011 11:27 Uhr

    "Autohersteller, Bahnbetreiber und Technologiekonzerne wollen den Nahverkehr jetzt revolutionieren."

    Revolutionieren können den Straßenverkehr NUR Straßenbaubetrieb indem sie Radwege bauen

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    • Zack34
    • 08. November 2011 11:44 Uhr


    der Große Vorsitzende des Zentralkommites für die Revolutionierung alias straßenverkehrstechnische Dauerbeglückung seines Volkes.

    Ho-Ho-... Holz-Spielzeug!

    Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

  1. 2. Car2Go

    ist auch ein gutes Konzept, welches ich empfehlen kann. Ansonsten gibt es auch Nachbarschaftscarsharingprogramme wie Tamyca oder Nachbarschaftsauto!

    Beste Grüße.
    FSonntag

  2. Was nützen die besten Mobilitätskonzepte, wenn unsere deutschen Autobahnen voll sind mit Baustellen und nicht jedes Auto ein ferngesteuertes GPS Gerät besitzt?

    • Zack34
    • 08. November 2011 11:44 Uhr
    Antwort auf "Überschrift"
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    in folgende Städte:

    Kopenhagen
    Amsterdam
    Stockholm
    Luxembourg.

    Und schauen Sie sich den ÖPNV an. Fahrradfreundlichkeit hat nichts mit Volksbeglückung zu tun, sondern bringt einen echten Gewinn. Natürlich ist es im Winter oder in sehr bergigen Städten so eine Sache, wie man mit dem Fahrrad von a) nach b) kommt. Aber wenn ich in Luxembourg 1,50 für zwei Stunden ÖPNV bezahle (in ganz Luxembourg), dann muss ich mir schon sehr gut überlegen, was das Auto hier an Mehrwert bringen soll. Ich war dort in einem kleinen Ort, der mit Bussen und einer geschickten Taktung extrem gut angeschlossen war. Amsterdam und Kopenhagen sind tolle Fahrradstädte, und auch in Stockholm hat mich die gute Taktung von U-Bahn und Bussen positiv überrascht. Dazu kommen in manchen Städten Bikesharingangebote. In Wien und Brüssel habe ich sie ausprobiert und das hat wunderbar geklappt, auch für mich als Touri. Und Brüssel ist weiß Gott nicht eine flache Stadt.

    Es geht bei Verkehrskonzepten doch hoffentlich vor allen Dingen um pragmatische Lösungen:
    -Viele junge Leute wollen gern auf Autos verzichten. Es verliert mehr und mehr den Wert als Statussymbol
    -Benzin wird mittel- bis langfristig teurer werden. Warum soll ich also im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Ampel oder im Stadtverkehr Geld verbrennen?
    -In den Rushhours sind manche Innenstädte schlimmer verstopft als die Toilette im Wohnheim.

    Für mich ist die Frage nach einem modernen ÖPNV eine sehr wichtige, und das Fahrrad spielt eine große Rolle.

    • CM
    • 08. November 2011 12:14 Uhr

    Die straßenverkehrstechnische Dauerbeglückung erhalten wir seit Jahrzehnten durch die Fahrer stinkender, lauter Autos - ist dann der ADAC das Zentralkommitee?

    Die Städte sind verstopft und stickig, da müssen wir etwas tun.

    Sehen Sie es doch mal positiv: Autofahren macht viel mehr Spaß, wenn weniger Autos unterwegs sind.

    • CM
    • 08. November 2011 11:53 Uhr

    Man muß das Rad nicht neu erfinden, sondern es fahren.

    Kopenhagen - eine eher kalte Stadt mit viel Wind und Regen - geht dabei erstaunlicherweise voran:

    36% des gesamten Verkehrsaufkommen der Stadt wird mit Fahrrädern erreicht. In Wien zum Beispiel sind es nur 5%, deutsche Städte stehen kaum besser da. Bis 2015 will Kopenhagen bei 50% sein.

    Die Methoden sind ganz einfach: Vorrang für den Fahrradverkehr, Radspuren und -wege, Rückbau von Autospuren, Mietangebote für Fahrräder. Die Lebensqualität der Bewohner hat sich sehr verbessert, die Läden in der Innenstadt und die Gastronomie werfen mehr Geld ab als vorher.

    Warum geht so etwas in Deutschland nicht? Ist das Auto bei uns immer noch Ersatzreligion und Ego-Ersatz?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es gibt keinen billigen, sicheren, verkehrsgünstig angebundenen Parkraum RUND UM die Städte. Also müssen die Menschen ihre Autos mit hinein in die Stadt nehmen und können sie nicht draußen stehen lassen.

    • kerle51
    • 08. November 2011 11:55 Uhr

    Es gibt nicht nur Berufsverkehr, sondern fast ebenso starken Berufs-Verkehr: Lieferanten, Handwerker, Vertreter, Servicefahrzeuge verursachen den ganzen Tag über sehr viel Verkehr, erheblich mehr als noch vor etwa 10 Jahren. Das kann ich sehr gut beobachten, da ich an einer 10-Spurigen Einfallstraße arbeite. Noch vor 10 Jahren war tagsüber nicht viel los, nur morgens zwischen 5 und 8 Uhr und dann nachmittags. Das hat sich drastisch geändert: den gesamten Tag über herrscht viel Verkehr, geschätzte Menge etwa 70% des Berufsverkehrs.
    Es ist eine Folge des gewaltigen Wirtschaftsboom, den wir seit der Einführung der Agenda 2010 und der Einführung des Euros erleben. Wenn man den Verkehr vermindern möchte, sollte man ihn einfach teurer machen: pro km wird Straßennnutzung bezahlt, der Einfachheit halber über gehobene Kraftstoff-Steuer. Das beflügelt auch die alternativen Antriebe, die man da besser stellen könnte. Überflüssige Fahrten werden teuerer und öfters vermieden: z.B. Yoghurt aus Bayern nach Schleswig-Holstein fahren. Und Handwerker müssen nicht aus Hamburg nach Hannover fahren, wenn sie dort nichts so Spezielles zu tun haben, das niemand anderes auszuführen vermag. Das Arbeiten von zuhause aus wird dadurch auch gefördert. Gerade in ländlichen Gebieten müßte daher mehr in schnelle Datenleitungen investiert werden etc. Es gibt viele einfach umzusetzende Lösungen, die aus mangelnder Flexibilität und Kreativität, also aus mangelnder Notwendigkeit nur nicht umgesetzt werden.

  3. in folgende Städte:

    Kopenhagen
    Amsterdam
    Stockholm
    Luxembourg.

    Und schauen Sie sich den ÖPNV an. Fahrradfreundlichkeit hat nichts mit Volksbeglückung zu tun, sondern bringt einen echten Gewinn. Natürlich ist es im Winter oder in sehr bergigen Städten so eine Sache, wie man mit dem Fahrrad von a) nach b) kommt. Aber wenn ich in Luxembourg 1,50 für zwei Stunden ÖPNV bezahle (in ganz Luxembourg), dann muss ich mir schon sehr gut überlegen, was das Auto hier an Mehrwert bringen soll. Ich war dort in einem kleinen Ort, der mit Bussen und einer geschickten Taktung extrem gut angeschlossen war. Amsterdam und Kopenhagen sind tolle Fahrradstädte, und auch in Stockholm hat mich die gute Taktung von U-Bahn und Bussen positiv überrascht. Dazu kommen in manchen Städten Bikesharingangebote. In Wien und Brüssel habe ich sie ausprobiert und das hat wunderbar geklappt, auch für mich als Touri. Und Brüssel ist weiß Gott nicht eine flache Stadt.

    Es geht bei Verkehrskonzepten doch hoffentlich vor allen Dingen um pragmatische Lösungen:
    -Viele junge Leute wollen gern auf Autos verzichten. Es verliert mehr und mehr den Wert als Statussymbol
    -Benzin wird mittel- bis langfristig teurer werden. Warum soll ich also im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Ampel oder im Stadtverkehr Geld verbrennen?
    -In den Rushhours sind manche Innenstädte schlimmer verstopft als die Toilette im Wohnheim.

    Für mich ist die Frage nach einem modernen ÖPNV eine sehr wichtige, und das Fahrrad spielt eine große Rolle.

    Antwort auf "So sprach..."
    • CM
    • 08. November 2011 12:14 Uhr

    Die straßenverkehrstechnische Dauerbeglückung erhalten wir seit Jahrzehnten durch die Fahrer stinkender, lauter Autos - ist dann der ADAC das Zentralkommitee?

    Die Städte sind verstopft und stickig, da müssen wir etwas tun.

    Sehen Sie es doch mal positiv: Autofahren macht viel mehr Spaß, wenn weniger Autos unterwegs sind.

    Antwort auf "So sprach..."

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