Elektromobilität : "Die Zukunft gehört der Brennstoffzelle"

Reine Elektroautos eignen sich nur für bestimmte Bereiche, sagt Opel-Vorstand Rita Forst. Im Interview erklärt sie, warum E-Autos nie so günstig wie Benziner werden.

ZEIT ONLINE: Frau Forst, Sie bieten den Opel Ampera – ein E-Auto mit zusätzlichem Benzinmotor – erst einmal nur in einer Luxusversion an. Gibt es dafür überhaupt interessierte Privatkunden?

Rita Forst: Oh ja! Bis jetzt haben wir 6.000 Vorbestellungen, etwa ein Drittel davon sind Privatkunden. Dazu kommen Firmen, für die der Ampera eine interessante Alternative ist, um Umweltbewusstsein zu zeigen. Viele davon sind Energieversorger, die demonstrieren wollen, dass man mit erneuerbaren Energien Autos antreiben kann. Und auch Ministerien haben Interesse bekundet.

ZEIT ONLINE: Die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge wird aber überschaubar bleiben...

Forst: Sicher, wir fangen ja auch gerade erst an. Doch unser Ampera hat mit Sicherheit bessere Marktchancen als ein reines batterieelektrisches Auto. Es handelt sich um ein vollwertiges Erstfahrzeug. Wenn die Batterie leer ist, schaltet sich automatisch der Verbrennungsmotor zur Stromerzeugung ein. Der Fahrer kommt überall hin, zu jeder Zeit.  

Rita Forst

Rita Forst leitet seit 2008 die Automobilentwicklung bei Opel, seit Anfang 2011 im Rang eines Vorstands. Sie begann ihre Karriere bei dem Rüsselsheimer Autohersteller 1977 nach dem Abschluss eines Maschinenbau-Studiums. Die 56-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

ZEIT ONLINE: Zu einem stolzen Preis – der Ampera kostet in der Minimalversion 42.900 Euro. Wie stark wird der Preis in den nächsten Jahren sinken?

Forst: Die Kosten werden vor allem von der Batterie verursacht. Wir streben langfristig eine Halbierung dieser Kosten an, aber wann wir dieses Ziel erreichen, kann ich Ihnen heute nicht sagen. Das ist von vielen Faktoren abhängig.

ZEIT ONLINE: Wird sich dann auch der Kaufpreis halbieren?

Forst: Der Preis wird sinken, aber es ist unrealistisch zu glauben, man könne ein elektrisches Auto in absehbarer Zeit zum gleichen Preis kaufen wie ein vergleichbares Fahrzeug mit herkömmlichem Antrieb. Schon die derzeitigen Kaufpreise sind nicht kostendeckend.

ZEIT ONLINE: Das größte Problem der Elektroautos ist die geringe Reichweite. Wie stark lässt sich die Kapazität der Batterien noch steigern?

Forst: Dazu wird viel geforscht, auch bei Opel. Es gibt Alternativen zu der derzeit verwendeten Lithium-Ionen-Technologie, doch sie werden erst in einigen Jahren das Labor verlassen. Ich bezweifle, dass man auf absehbare Zeit Batterien entwickeln wird, die die Energie so gut speichern können wie Benzin oder Diesel. Für 500 Kilometer brauchen Sie in einem Dieselfahrzeug 33 Kilogramm Kraftstoff. Allein die Zellen einer Lithium-Ionen-Batterie müssten für dieselbe Reichweite insgesamt 540 Kilogramm wiegen. Da müsste man die Batterie in einem Anhänger mitschleppen, weil sie gar nicht ins Auto passte. Reines batterieelektrisches Fahren wird darum auf bestimmte Einsatzzwecke wie zum Beispiel innerstädtischen Verkehr beschränkt bleiben. 

Kommentare

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Wenn, dann Methanol

Die Oxidation von Methan ist allerdings erheblich erschwert, insbesondere auch wegen der Symmetrie und der dadurch gegebenen Stabilität des Moleküls.

Methan-Brennstoffzellen funktionieren deswegen hauptsächlich bei hohen Temperaturen, bei denen die üblichen Materialprobleme auftreten.

Bei niedrigen Temperaturen muss man auf Methanol zurückgreifen, welches außerdem flüssig und deswegen eher geeignet für den mobilen Bereich ist.

Nie oder nicht in absehbarer Zeit?

"Im Interview erklärt sie, warum E-Autos nie so günstig wie Benziner werden." Aus der Einleitung

Forst: Der Preis wird sinken, aber es ist unrealistisch zu glauben, man könne ein elektrisches Auto in absehbarer Zeit zum gleichen Preis kaufen wie ein vergleichbares Fahrzeug mit herkömmlichem Antrieb.

Die Frage ist doch in welche Richtung geforscht wird. Der herkömmliche Antrieb hat in der Forschung viele Jahre Vorsprung. Dass dieser Vorsprung nie aufzuholen ist, wird auch bei Opel niemand behaupten.

Busspuren

"... Es gibt vielfältige Anreize. Zum Beispiel sollten Elektrofahrzeuge in den Innenstädten bevorzugt parken und Busspuren benutzen dürfen..."

Busspuren gehören den Bussen. Wenn man da auch E-Autos und Hybride (wie den Ampera) drauf lassen würde behindert man vor allem den auf die Ampelschaltungen meist genau eingetakteten Busverkehr massiv, das dürfte ökologisch dann ein ziemlicher Schildbürgerstreich werden.

Da kann man nur hoffen, dass sich die Autolobby wenigstens in dem Punkt nicht durchsetzt.

Wen meinen Sie denn bitte...

... mit "Kaum fragt man mal jemandem vom Fach, schon erhält man realistische Antworten!"?

Doch wohl nicht etwa Opel, oder?

Opel wurde jahrelang von der amerikanischen Mutter GM ausgepresst und hat keine Kompetenz in Bezug auf Brennstoffzellen oder Elektroantriebe.

Der im Interview genannte Opel Ampera ist eigentlich der Chevrolet Volt, den Opel gnädigerweise in homöopathischen Dosen in Deutschland vertreiben darf.

2012 sollen ca. 60.000 Volt produziert werden (2011: 16.000), von denen lediglich 10.000 für den Export nach Europa bestimmt sind.

Abgesehen davon ist selbst der Volt eine extrem konservative Konstruktion. Vom Akku mit ca. 16kWh werden nur ca. 10kWh (ca. 62%) genutzt, um den Akku möglichst zu schonen.

Die asiatischen Hersteller die "reine" Elektroautos bauen (z.B. Leaf, iMiev) nutzen mehr als 80% Ihrer Akku-Kapazitäten aus.

Deutschland ist beim Thema Elektroautos fast abgemeldet. Mercedes-Benz versucht nach Jahrzehnten der Verschwendung von Millionen an Forschungs- und Fördermittel für die H2-Brennstoffzelle, doch noch ein wenig daran zu verdienen.

Auch wenn sie's mehr mit den Verbrennungsmotoren hat ...

"...es ist unrealistisch zu glauben, man könne ein elektrisches Auto in absehbarer Zeit zum gleichen Preis kaufen wie ein vergleichbares Fahrzeug mit herkömmlichem Antrieb. Schon die derzeitigen Kaufpreise sind nicht kostendeckend."

"Für 500 Kilometer brauchen Sie in einem Dieselfahrzeug 33 Kilogramm Kraftstoff. Allein die Zellen einer Lithium-Ionen-Batterie müssten für dieselbe Reichweite insgesamt 540 Kilogramm wiegen."

"Ein rein batterieelektrisches Auto ist nur für das Fahren im städtischen Umfeld sinnvoll."

"Wir forschen seit mehr als 15 Jahren auf diesem Gebiet, die technischen Probleme sind weitgehend gelöst. Wir wären in der Lage, ab 2016 Fahrzeuge mit Brennstoffzelle zu produzieren."

Ich habe nicht den Eindruck, daß sich Frau Forst, Leiterin Automobilentwicklung bei Opel, diese Aussagen aus den Nägeln saugt.

Haben Sie vielleicht...

... meinen Kommentar nicht gelesen?

Opel hat nichts im Bereich der Brennstoffzelle oder der E-Antriebe vorzuweisen. Keine Versuchsautos, keine Forschungsprojekte, gar nichts. Mercedes-Benz ist im Bereich der Brennstoffzelle führen, von Opel hört man nichts. Opel ist vielmehr ein Pleite-Kandidat, da hilft es sicher in einer großen Zeitung etwas die Werbetrommel zu rühren.

Ich habe auch nicht alle ihre Aussagen bestritten, sondern lediglich ihre Hauptaussage "Die Zukunft gehört der Brennstoffzelle".

Darüber hinaus sind alle ihre Aussagen wachsweich.

Was bedeutet denn "auf absehbare Zeit"? Übrigens muss man E-Autos gar nicht zum selben Preis kaufen können wie Verbrennungsautos, weil der Unterhalt viel günstiger ist.

Richtig ist, dass Akkus immer teuer sein werden... aber technisch sind 500km Reichweite sind kein Problem. Finanziell nur unsinnig... und da so gut wie niemand 500km Reichweite braucht ist dies eh egal.

Ich persönlich bin ein großer Fan der plugin-Hybride mit Verbrennungsmotor wie eben des Chevrolet Volt, da diese die Vorteile von Verbrennungsmotor und E-Antrieb vereinen können.

Doch, hab' ich!

"Haben Sie vielleicht...
... meinen Kommentar nicht gelesen?"

Doch, habe ich. Dieser war jedoch eine Replik auf meinen, und deshalb habe ich mal klar gestellt, auf welche der Aussagen von Frau Forst ich mich bezogen habe. Das was sie sagt, klingt jedenfalls wohltuend anders, als das, was derzeit aus den Reihen mehr oder weniger weltfremder "Visionäre" zu hören ist. (Fast wäre ich geneigt, ein geflügeltes Wort des Herausgebers dieser Zeitung zu zitieren.)

"Übrigens muss man E-Autos gar nicht zum selben Preis kaufen können wie Verbrennungsautos, weil der Unterhalt viel günstiger ist."

Damit liegen Sie m.E. gründlich daneben. Da ein E-Auto, wie Frau Forst treffend darlegt, niemals ein "richtiges Auto" wird ersetzen können, muß es zusätzlich(!) zu diesem angeschafft werden. Deshalb muß es in der Anschaffung äußerst günstig sein und darf v.a. keine zusätzlichen laufenden Kosten verursachen, sonst amortisiert es sich niemals. Wieviele Haushalte könnten mit einem Smart 90% ihrer Transportaufgaben erledigen und dabei relativ zur Familienkutsche 2/3 Treibstoff sparen? Wenn jedoch neben der Anschaffung noch KFZ-Steuer und Versicherungskosten anfallen, rentiert sich's nicht. Selbst einen Motorroller muß man sich da ja schon fast schön rechnen. Das Wechselkennzeichen, das jedermann einen zweckgerichteten Fuhrpark ermöglichen würde und das z.B. die Schweizer seit Dekaden kennen, ist in Berlin gerade mal wieder an der deutschen Borniertheit (insbes. der des Finanzministers) zerschellt.

Obwohl ich...

... Herrn Schmidt äußerst schätze, so liegt er und auch Sie mit dem "geflügelten Wort" absolut falsch. Ohne Visionen gäbe es keine Pyramiden, keine große Mauer, keinen Kölner Dom und wir säßen heute noch in der Steinzeithöhle.

Bei ca. 12 Mio. Zweit/Drittautos in Deutschland sehe ich keine Probleme mit dem Ersatz mittels E-Auto. Selbst ein Teil der Erstautos läßt sich ersetzen. Immerhin gibt es Autovermietungen und verschiedenste Carsharing-Modelle, die weitaus günstiger sind als ein für 99% der Einsätze krass überdimensioniertes Verbrennerauto zu unterhalten. Das gilt insbesondere, wenn die Spritkosten steigen... was sie wohl auch mittelfristig tun werden.

Und für den Großteil des Rests bieten sich plugin-Hybride an, wie eben der Chevrolet Volt/Opel Ampera. Die sind zwar nicht ganz so wartungsarm wie reine E-Autos, aber da der range-extender im Gegensatz zu aktuellen Automotoren äußerst simpel sein kann dürften sich auch dessen Wartungsansprüche arg in Grenzen halten.

Blinder Glaube ist gefährlich

Da ein E-Auto, wie Frau Forst treffend darlegt, niemals ein "richtiges Auto" wird ersetzen können, muß es zusätzlich(!) zu diesem angeschafft werden.
Nein, muß es nicht.
Für die, die nicht sowieso schon 2+ autos haben und eines davon durch ein E-Auto ersetzen können, gibt es für die 10-x% der nicht elektrisch machbaren Fahrten Mietwagen und Carsharing als Alternativen.
Die existieren zwar noch nicht immer und überall, aber immer häufiger.

Abgesehen davon erinnern mich Frau Forsts Behauptungen, denen Sie so blindlings vertrauen, an Prognosen wie diese

"Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten - allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren."
(Automobil-Erfinder Gottlieb Daimler, um 1900)

oder Kaiser Wilhelms legendäre Weissagung vom Pferd als einzigem Verkehrsmittel der Zukunft.

Ihnen entgeht wohl...

... das Wesentliche:

Die Kompetenz zur Entwicklung & Produktion des Volt/Ampera ist bei GM/Chevrolet beheimatet, nicht bei Opel.

Entsprechend erschöpft sich die Restkompetenz von Opel auf die Lokalisierung des Volt (sofern das nicht auch GM/Chevrolet gemacht hat) und ein wenig Werbung dafür.

Das ist keineswegs ein Widerspruch zu meiner Aussage über die fehlende Kompetenz Opels bezüglich E-Antriebe und Brennstoffzellen.

Und wie es geht...

... denn schließlich sprießen überall die E-Ladestellen aus dem Boden, obwohl es noch fast gar keine E-Autos gibt.

Natürlich verändert sich das Tank/Ladeverhalten strukturell, aber das ist technisch problemlos beherrschbar. Sicher kann man Szenarien konstruieren in denen das Ladesystem überfordert wird. Jedoch ist es eher unwahrscheinlich das es dazu kommt, da es einige Möglichkeiten gibt dies zu unterbinden, allen voran das smartgrid mit flexiblen Tarifen.

Wirtschaftliche Nachteile bringt diese Ladeinfrastruktur nicht mit sich, eher wirtschaftliche Vorteile. Denn einen Teil der Infrastruktur muss ohnehin aufgrund der Erneuerbaren Energien installiert werden, wobei die E-Autos den Erweiterungsbedarf reduzieren können oder die neue Infrastruktur besser auslasten können.

Auch zum Thema...

... da es gerade in unsere Unterhaltung passt, die H2-Versorgung im Falle weitverbreiteter H2-BZ im Auto wäre auch alles andere als eine triviale Infrastruktur.

Das E-Auto ist gegenüber des H2-BZ-Antriebs ab Primärenergie ca. 2-4 mal so effizient. Für die selbe Fahrleistung benötigt man also ca. 2-4 mal so viel Energie im Fall der BZ.

Vermutlich ist ein Netz aus H2-Tankstellen günstiger zu haben als eine E-Ladeinfrastruktur, aber der Energiebedarf ist sehr viel höher. Übrigens ist auch der Frischwasserverbrauch bei der Elektrolyse nicht zu unterschätzen. Sowohl die zentrale wie auch die dezentrale H2-Produktion haben erhebliche technische Nachteile, die unmittelbar auf die Kosten der H2-Mobilität durchschlagen.

Ach wissen Sie Zack34...

... wenn Sie da einen Widerspruch sehen wollen, dann tun Sie das. Für mich ist es sehr wichtig zu wissen, wer die Entwicklungs- und Produktionskompetenz hinter dem Volt/Ampera besitzt, um die Äußerungen von Fr. Frost einschätzen zu können.

Das... "Opel (mit dem ich nichts zu tun habe, weder direkt, noch indirekt)" ... hätte ich auch gar nicht erwartet, aber interessant, dass Sie dies für erwähnenswert halten. Ich glaube mich hingegen daran zu erinnern, dass Sie schon immer ein H2-Enthusiast waren, was dann auch wohl der Grund für Ihr unreflektiertes Verhalten bezüglich der Nicht-Kompetenz von Opel darstellt.

Genau in diese Kerbe schlagen Sie mit Ihrer Vorstellung, die Verbrennungstechnologie mit H2 weiterzubetreiben. Es gäbe nichts, was dümmer wäre als H2 in Verbrennungsotoren im Auto zu verwenden. BWM ist seit einigen Jahren nach Jahrzehnten der verschwendeten Forschungs- und Fördermittel aus der H2-Verbrennungstechnik ausgestiegen.

Auch ignorieren Sie offenbar völlig, dass der H2 ja irgendwie erzeugt werden muss... und die Verluste gegenüber reinen E-Antrieben dramatisch sind. Weder gibt es sauberes Wasser, noch die umgewandelte "Kraft der Sonne" reichlich für alle.