Autoklassiker Mein Käfer und ich

Die Liebe zum Käfer kann weit gehen: Zwei Freunde fahren im alten VW beliebte Strecken der fünfziger Jahre ab. Doch die Freundschaft zu "Rexi" war schon in Gefahr.

Wenn Martin Zinselmeyer über seinen Wagen spricht, dann redet er nicht über PS und Verbrauch, sondern über Gefühle und Gerüche. Der 45-Jährige erinnert sich, wie er als Kind die mollige Wärme des Motors spürte und dabei durch das Rückfenster in den Himmel sehen konnte, wenn seine Mutter zum Besuch der Oma über Land fuhr und er im Kofferraum saß. Er schildert, wie sich das Kunstleder auf der Rückbank anfühlte, wenn dort an heißen Tagen die mit Sonnenmilch eingecremten Beine festklebten. Und er schwärmt davon, wie es ist, wenn man die Tür öffnet und einem die unverkennbare Duftmischung aus Kunstleder und Rosshaar (als Sitzfüllung) entgegenschlägt. Nur ein Käfer-Liebhaber kann auf diese Weise über ein Auto sprechen.

Zinselmeyer sitzt in einem altmodischen Café in Orsoy, einer winzigen Ortschaft am Niederrhein. Auf der anderen Rheinseite ist noch Ruhrgebiet, aber hier schnattern die Gänse. Vor der Tür parkt Zinselmeyers Käfer mit glänzendem Lack und glitzerndem Chrom, fontanagrau, Baujahr 1967, und neben ihm sitzt sein Freund und ehemaliger Kommilitone Jürgen Siebers alias Käfer-Jürgen. Die beiden sind auf ihrer jährlichen Nostalgie-Tour: Sie fahren eine Ausflugsstrecke ab, die in den fünfziger oder sechziger Jahren in der Käfer-Zeitschrift Gute Fahrt empfohlen wurde. Dabei bevorzugen sie Hotels und Pensionen, die schon damals erwähnt wurden. "Leider müssen wir jedes Mal feststellen, dass die Zimmerpreise von ungefähr 2 Mark 50 nicht kursstabil geblieben sind."

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"Da stand für mich fest: Den muss ich haben!"

Wenn die beiden unter sich sind, spricht Zinselmeyer nicht von seinem Käfer, sondern nur von "Rexi". Der Name leitet sich vom Kennzeichen ab: RE-X 65. Das Fahrzeug stammt aus Recklinghausen und ist in einem "unrestaurierten Originalzustand". Ursprünglich gehörte es einer älteren Dame aus Zinselmeyers Nachbarschaft. Eines Tages sprach er sie an der Tankstelle an: "Wenn Sie den mal nicht mehr brauchen, dann sagen Sie Bescheid!" Ein Jahr später meldete sie sich. "Ich weiß noch, wie sie bei strahlendem Wetter aus der Garage fuhr. Sie war mit dem Wagen noch nicht ganz aus dem Rolltor raus, da stand für mich fest: Den muss ich haben!" Den Preis von 4.000 Mark bezahlte Zinselmeyer von seinem ersten selbst verdienten Geld als Maschinenbauingenieur.

Jürgen Siebers aus Meschede hatte zeitweise sogar zwei alte Käfer, einen von 1963 und einen von 1968. Doch als junger Familienvater musste er beide verkaufen. "Das war grausam. Das war ungefähr so, als ob man mir ohne Narkose ein inneres Organ rausgenommen hätte", sagt der heute 43-Jährige. Jahrelang musste er seine Leidenschaft auf den Aufbau einer Käfer-Bibliothek mit 50 Bänden und das Sammeln von Kuriosa beschränken. Seit dieser Zeit gilt er unter Gleichgesinnten als wandelndes Lexikon. Aber was bedeutet schon graue Theorie! Im vorigen Jahr kaufte sich Siebers wieder einen eigenen Käfer, einen 1964er in rubinrot mit Stahlschiebedach. "Die Sehnsucht war zu groß. Ich hatte beruflich viel Stress, fühlte mich ein bisschen down und brauchte einfach etwas, das mir neue Kraft geben würde", erzählt Siebers.

Immer wieder kommt es vor, dass Leute mit Kopfschütteln auf so viel Käfer-Schwärmerei reagieren. Was um alles in der Welt soll denn nun so toll daran sein? Zinselmeyer antwortet dann: "Du musst einmal einen Käfer selbst von Hand gewaschen haben. Du musst einmal die Konturen mit dem Schwamm abgefahren sein. Diese Kurven, diese Rundungen. Dann merkst du, wie wunderbar diese Form designt worden ist." Und alle Fragen erübrigen sich.

Leser-Kommentare
  1. Er saß im Kofferraum? Klärt mich auf, aber ich dachte, ein Käfer hat den Kofferraum vorne. Und durch welches Fenster will er da geschaut haben?

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  2. Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Moment mal"
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    Ich hab mir schon sowas gedacht. Aber so ists schön anschaulich. Jetzt ist mir auch klar, warum ihn der Motor gewärmt hat :-)

    Ich hab mir schon sowas gedacht. Aber so ists schön anschaulich. Jetzt ist mir auch klar, warum ihn der Motor gewärmt hat :-)

  3. "Auf der anderen Rheinseite ist noch Ruhrgebiet, aber hier schnattern die Gänse."

    Das finden Sie im Revier auch, zumal in RE, das ans
    Münsterland grenzt.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Und gleichzeitig wird heroisch nostalgisch über stinkende Blechdosen berichtet.

    Solange die Zeit ihr Ressort "Auto" nicht in "Mobilität" umbenennt, aufhört Werbung für spritfressende Dickmobile zu machen und anfängt über intelligente, alternative Möglichkeiten der Fortbewegung zu berichten, ist sie ebenso mitverantwortlich für das Desaster, für das uns die nachfolgenden Generationen noch danken werden.

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    Nicht zu fassen, sogar hier muss gequengelt werden. Haben Sie denn wirklich nichts besseres zu tun?
    Klären Sie mich bitte auf, was an einem Käfer "Dickmobil" sein soll. Klären Sie mich auf, wofür sonst Werbung gemacht werden sollte? Ganz abgesehen davon, dass hier sowieso niemand Werbung für irgendetwas macht, aber egal.
    Schreibt man über ein E-Auto, ist es keine Werbung, weil es ja dem "Zeitgeist" entspricht. Mein Gott, Sie sind ja so aufgeklärt.
    Was fahren Sie denn privat? Das würde mich jetzt mal interessieren. Denn immerhin bemüßigen Sie sich ja auch, hier anderer Leute Fortbewegungsmittel als stinkende Blechdose zu verunglimpfen. Und die nachfolgende Generation. Naja, wie alt sind Sie denn? Was haben Sie denn schon alles gefahren? Warum haben Sie nicht von vornherein konsequent auf alles verzichtet? Kehren Sie vor Ihrer eigenen Tür und lassen Sie anderen Ihren Frieden.

    Nicht zu fassen, sogar hier muss gequengelt werden. Haben Sie denn wirklich nichts besseres zu tun?
    Klären Sie mich bitte auf, was an einem Käfer "Dickmobil" sein soll. Klären Sie mich auf, wofür sonst Werbung gemacht werden sollte? Ganz abgesehen davon, dass hier sowieso niemand Werbung für irgendetwas macht, aber egal.
    Schreibt man über ein E-Auto, ist es keine Werbung, weil es ja dem "Zeitgeist" entspricht. Mein Gott, Sie sind ja so aufgeklärt.
    Was fahren Sie denn privat? Das würde mich jetzt mal interessieren. Denn immerhin bemüßigen Sie sich ja auch, hier anderer Leute Fortbewegungsmittel als stinkende Blechdose zu verunglimpfen. Und die nachfolgende Generation. Naja, wie alt sind Sie denn? Was haben Sie denn schon alles gefahren? Warum haben Sie nicht von vornherein konsequent auf alles verzichtet? Kehren Sie vor Ihrer eigenen Tür und lassen Sie anderen Ihren Frieden.

  5. Ich hab mir schon sowas gedacht. Aber so ists schön anschaulich. Jetzt ist mir auch klar, warum ihn der Motor gewärmt hat :-)

    Antwort auf "guggsduhier"
  6. Nicht zu fassen, sogar hier muss gequengelt werden. Haben Sie denn wirklich nichts besseres zu tun?
    Klären Sie mich bitte auf, was an einem Käfer "Dickmobil" sein soll. Klären Sie mich auf, wofür sonst Werbung gemacht werden sollte? Ganz abgesehen davon, dass hier sowieso niemand Werbung für irgendetwas macht, aber egal.
    Schreibt man über ein E-Auto, ist es keine Werbung, weil es ja dem "Zeitgeist" entspricht. Mein Gott, Sie sind ja so aufgeklärt.
    Was fahren Sie denn privat? Das würde mich jetzt mal interessieren. Denn immerhin bemüßigen Sie sich ja auch, hier anderer Leute Fortbewegungsmittel als stinkende Blechdose zu verunglimpfen. Und die nachfolgende Generation. Naja, wie alt sind Sie denn? Was haben Sie denn schon alles gefahren? Warum haben Sie nicht von vornherein konsequent auf alles verzichtet? Kehren Sie vor Ihrer eigenen Tür und lassen Sie anderen Ihren Frieden.

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    Zitat AfterEight:...., was an einem Käfer "Dickmobil" sein soll!
    ####
    Die Bauform nicht, aber gesoffen hat er wie ein SUV :-)
    .
    10 Liter auf der Autobahn und im Winter auf Kurzstrecke in der Stadt konnten es auch mal >15 Liter sein :-))
    .
    Die Fahrer, die mit einem beladenen Käfer < 8 Liter verbraucht haben wollten, waren auch sonst schwach in Mathe und sahen meist die 6 Striche auf dem Deckel als 12 an :-)
    .
    Nostalgische Gruesse
    Sikasuu

    Zitat AfterEight:...., was an einem Käfer "Dickmobil" sein soll!
    ####
    Die Bauform nicht, aber gesoffen hat er wie ein SUV :-)
    .
    10 Liter auf der Autobahn und im Winter auf Kurzstrecke in der Stadt konnten es auch mal >15 Liter sein :-))
    .
    Die Fahrer, die mit einem beladenen Käfer < 8 Liter verbraucht haben wollten, waren auch sonst schwach in Mathe und sahen meist die 6 Striche auf dem Deckel als 12 an :-)
    .
    Nostalgische Gruesse
    Sikasuu

    • 3cpo
    • 06.11.2011 um 9:16 Uhr

    , dann ist es der Geruch und der Klang meines Käfers. -.-

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