Brennendes ElektroautoGM kämpft gegen Imageschaden an

GM bemüht sich, das PR-Desaster um den Batteriebrand im Elektroauto Volt aufzuhalten. Der Feuerverdacht wirft auch einen Schatten auf den baugleichen Opel Ampera. von 

Crashtest mit einem Chevrolet Volt

Crashtest mit einem Chevrolet Volt  |  © press-inform

Geld lässt sich mit aufwändig entwickelten Elektroautos derzeit kaum verdienen. Dafür umso mehr Image. Darum ist der Chevrolet Volt für General Motors (GM) ebenso wenig ein normales Auto wie sein nahezu baugleiches Schwestermodell Ampera für Opel. Der Volt verkörpert für den einst behäbigen und ineffektiven US-Autobauer den Weg in eine moderne, grüne Zukunft.

Doch nun liegt der Hoffnungsträger in den USA unter Beschuss. Der elektrisch angetriebene Chevrolet Volt ist unter Feuerverdacht geraten. Erinnerungen an den Imageschaden von Toyota werden wach: Wegen angeblich unsicherer Autos war der Umsatz der Japaner in den USA vergangenes Jahr über Monate hinweg eingebrochen.

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Was war passiert? Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) unterzog am 12. Mai 2011 einen Chevrolet Volt einem Crashtest auf ihrem Gelände in Wisconsin. Die NHTSA ist die zivile US-Behörde für Straßen-und Fahrzeugsicherheit und dem Transportministerium in Washington unterstellt. Den Volt traktierten die NHTSA-Fachleute zunächst mit einem Seitenaufprall und anschließend mit einem Überschlag. Bei diesem und den anderen Crashtests schnitt der Volt bestens ab: Er bekam fünf von fünf möglichen Sternen.

Das Autowrack wanderte danach, so wie es war, ins Lager. Wie erst jetzt bekannt wurde, begann der demolierte Volt dort 21 Tage später plötzlich zu brennen. Als Brandherd machten die Ermittler das Batteriepaket des Volt aus. Es war bei dem Crash beschädigt, der Kühlkreislauf unterbrochen worden. Nach und nach war Kühlflüssigkeit ausgelaufen, die normalerweise dafür sorgt, dass die einzelnen Zellen der Akkupacks nicht überhitzen. Anders als von Chevrolet im Falle eines Unfalls empfohlen war der Lithium-Ionen-Akku nach dem Crash von den NHTSA-Ingenieuren nicht elektrisch entladen worden, stand also noch unter Strom.

Erneuter Brand im Labor

Brennende Lithium-Ionen-Batterien sind nichts Neues – bisher waren davon aber vor allem Handys, MP3-Player oder tragbare Computer betroffen. Deren Kühlung ist jedoch deutlich wenig aufwändig als die der 288 in Serie geschalteten einzelnen Akkuzellen im Volt. Daher unternahm die NHTSA zusammen mit GM-Technikern zur Ursachenforschung Mitte November in einem Labor des Verteidigungsministeriums weitere Tests an dem Batteriepack. Dabei wurden drei Pakete mechanisch beschädigt und um 180 Grad gedreht, so wie beim Crashtest zuvor. Bei zwei dieser drei Tests kam es nach einiger Zeit zur Erhitzung, Rauchentwicklung und schließlich zum Feuer. Das eine Pack fing ein paar Stunden nach der Beschädigung Feuer, das zweite geriet nach sieben Tagen in Brand.

Anordnung des Batteriepacks im Chevrolet Volt und im baugleichen Opel Ampera

Anordnung des Batteriepacks im Chevrolet Volt und im baugleichen Opel Ampera  |  © press-inform/Hersteller

In einem Memorandum initiierte NHTSA-Untersuchungschef Frank Borris am 6. Dezember daraufhin formelle Untersuchungen. Dabei weist die NHTSA ausdrücklich darauf hin, dass die Brände bisher immer nur unter Laborbedingungen ausgebrochen seien und in größerem zeitlichen Abstand zur jeweiligen Beschädigung der Batterie. "Uns ist kein Unfall auf der Straße bekannt, der wegen der Batterie zu Bränden in einem Chevrolet Volt oder einem anderen Fahrzeug mit Lithium-Ionen-Akku geführt hätte", betont die Behörde.

In der Datenbank des NHTSA finden sich denn auch gerade mal drei Hinweise von Volt-Besitzern auf kleinere Defekte, die jedoch alle nichts mit Feuer oder der Batterie zu tun haben. Dennoch sei man "von den bisherigen Versuchsergebnissen beunruhigt", sagt NHTSA-Sprecherin Lynda Tran. Volt-Besitzer, die nicht in einen Unfall verwickelt gewesen seien, hätten allerdings keinerlei Grund zur Sorge. "Wir glauben nicht, dass Elektroautos ein größeres Feuerrisiko haben als andere Fahrzeuge", sagt Tran.

Leserkommentare
    • henry06
    • 13. Dezember 2011 18:46 Uhr

    Dieses Beispiel zeigt nicht, ob Elektroautos problematisch oder gefährlich wären (jedenfalls nicht gefährlicher als Autos mit Verbrennungsmotor). Allerdings zeigt es, welche Macht die Medien haben, und wie Sie mit exzessiver und einseitiger Berichterstattung eine Technik in kürzester Zeit hochjubeln oder kaputt machen können.

    Bekannte Beispiele gefällig?

    - Transrapid
    - Atomkraft
    - Fotovoltaik
    - jetzt der Volt in den USA
    ...*

    Einmal mehr sollte uns dieses Beispiel bewusst machen, wie wichtig ein in der Breite gebildetes und medienkritisches Volk ist.

    mfg henry

    *(Ob der Medienhype berechtigt ist oder nicht, soll an dieser Stelle nicht bewertet werden)

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    • Zack34
    • 13. Dezember 2011 19:27 Uhr

    habe ich Ihren Kommentar empfohlen.

    In der Tat, diese "Nachricht" liest sich so, als hätte es bisher noch nie gegeben, dass ein Fzg. im realen Einsatz nach so einem Crash auch Feuer fängt. Und was ist da eigentlich passiert? Folgen wir dem Schlüsselsatz: Bei diesem und den anderen Crashtests schnitt der Volt bestens ab: Er bekam fünf von fünf möglichen Sternen. Das Autowrack wanderte danach, so wie es war, ins Lager. Wie erst jetzt bekannt wurde, begann der demolierte Volt dort 21 Tage später plötzlich zu brennen.

    Meine Frage: was ist schlimm daran? Das Fzg. ist danach eh Totalschaden, es hätte nach so einem Seitenaufprall (hier anscheinend IIHS-Test, kritisch für Insassen und B-Säule) schon lange vor Ablauf der 21 Tage den kürzesten Weg in die Schrottpresse gefunden. Und da kommt noch die Frage, wo und wie gelagert war der gecrashte Wagen in den 21 Tagen - auf dem großen Regal draussen im Regen? Und wieso wurde die Batterie danach nicht ausgebaut? Merkwürdig...

    Die Kunden, die nun ihren Volt deshalb zurück geben wollen, machen sich nur lächerlich. (nein ich habe nichts mit dem Hersteller zu tun)

    • tobmat
    • 14. Dezember 2011 10:09 Uhr

    Wo bitte schön wird die Technik schlecht geredet?
    Im Artikel steht ganz klar, das entsprechende Vorfälle nur im Labor passierten und das auch nur unter Missachtung der Vorgaben von GM den Akku zu entladen.
    Es wird sogar darauf hin gewiesen, das es sich im Wesentlichen um einen Image-Schaden handelt und auch andere Autohersteller in der Vergangenheit darunter zu leiden hatten. Selbst wenn die vermuteten Defekte nicht real waren.
    Man kann es auch wirklich übertreiben.

    • Zack34
    • 13. Dezember 2011 19:27 Uhr

    habe ich Ihren Kommentar empfohlen.

    In der Tat, diese "Nachricht" liest sich so, als hätte es bisher noch nie gegeben, dass ein Fzg. im realen Einsatz nach so einem Crash auch Feuer fängt. Und was ist da eigentlich passiert? Folgen wir dem Schlüsselsatz: Bei diesem und den anderen Crashtests schnitt der Volt bestens ab: Er bekam fünf von fünf möglichen Sternen. Das Autowrack wanderte danach, so wie es war, ins Lager. Wie erst jetzt bekannt wurde, begann der demolierte Volt dort 21 Tage später plötzlich zu brennen.

    Meine Frage: was ist schlimm daran? Das Fzg. ist danach eh Totalschaden, es hätte nach so einem Seitenaufprall (hier anscheinend IIHS-Test, kritisch für Insassen und B-Säule) schon lange vor Ablauf der 21 Tage den kürzesten Weg in die Schrottpresse gefunden. Und da kommt noch die Frage, wo und wie gelagert war der gecrashte Wagen in den 21 Tagen - auf dem großen Regal draussen im Regen? Und wieso wurde die Batterie danach nicht ausgebaut? Merkwürdig...

    Die Kunden, die nun ihren Volt deshalb zurück geben wollen, machen sich nur lächerlich. (nein ich habe nichts mit dem Hersteller zu tun)

    Antwort auf "Die Macht der Medien"
  1. ... die sich nicht an die Herstellerempfehlung – wird wohl eher eine Vorschrift sein ... – halten, und das System nach so einem Crash unter Spannung lassen. Wer hat die denn geschmiert?

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    • makk
    • 14. Dezember 2011 19:52 Uhr

    Wieviel Fahrzeuge sehen nach einem Unfall (erstmal) keine Werkstatt?
    ( Die Frage wie heftig der Crash sein muß um die Batterie hinreichend zu schädigen ist zugegebenermaßen offen )

    Solche schleichenden Fehler vom Typ Zufallszeitbombe sind nicht akzeptabel. Auslaufend Benzin ist offensichtlich. Ausströhmendes Erdgas nicht ( daher wird auch Erdgas auffällig odoriert ).

    Unabhängig davon: Nach der fröhlich angeschobenen Jingoismusnummer zum komplett ungerechtfertigten Schaden Toyotas ist der jetzt umgedrehte Spießeffekt zu billigen.

    • raffix
    • 14. Dezember 2011 1:37 Uhr

    Glücklicherweise wird hier mal erwähnt, dass der Volt baugleich zum Ampera ist. Was wurde in Artikeln immer die deutsche Ingenieurskunst so hoch gehalten, weil Opel endlich ein Elektroauto entwickelt hat, dass keine Reichweitenbegrenzung aufweißt. Diese Artikel können einen sehr ärgern und die Marketingabteilung hat phantastische Arbeit abgeliefert.

    Nun steht es endlich da. Der Volt ist in den USA entwickelt worden und wird lediglich bei Opel unter dem Namen Ampera verkauft.
    Weitere Ergänzung: Der Ampera ist kein Elektroauto, sondern ein Hybrid, der nach den ersten 60km (elektrisch) beginnt ziemlich viel zu verbrauchen. Dabei werden etwa 7-8l Benzin auf 100km verbraucht.
    Dass es aber auch besser (und billiger) geht, zeigt der Prius Plugin.
    Das gleiche Konzept wie der Ampera, nur deutlich billiger (und schon über 10 Jahre erprobt im Praxistest). Und wenn die ersten 20km (elektrische Reichweite) verbraucht sind, liegt der Verbrauch nicht bei 7-8l pro 100km, sondern bei 4-5l auf 100km.

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    • 2eco
    • 14. Dezember 2011 9:03 Uhr

    Sie tun ja gerade so, als hätte man alles versucht, den Chevrolet Volt zu verheimlichen. Wenn Sie die Motorpresse im letzten Jahr verfolgt haben, wäre ihnen aufgefallen, dass der Volt überall bereits vor dem Ampera getestet wurde. Aus dem Grund, weil dieser eher verfügbar war und immer darauf hin gewiesen wurde, dass der Ampera baugleich ist. Dazu kommt dass GM in Deutschland neben dem Ampera auch den Volt verkaufen wird.

    So sehr ich auch ein Fan vom Toyota Prius bin, so sind Ihre Argumente pro Prius nicht nachvollziehbar. Die (maximal!) 20 km im Prius reichen für die Meisten im Alltag nicht aus. Daher wird man zwangsweise immer auf den Benzinmotor zurückgreifen müssen. Und wenn der Akku absolut leer ist, kommt man beim Prius auch nicht mehr auf 4-5 Liter. Ohne Elektroantrieb verbraucht dieser auch 6 Liter und mehr. Also ist der Verbrauch mit leerem Akku genauso hoch, wie im Ampera.

    Die 60 km des Ampera spielen da in einer ganz anderen Liga. Die Meisten Leute können mit dieser Reichweite ihren Alltag komplett elektrisch bewältigen.
    Also ist der Ampera dem Prius schon deutlich überlegen.

    • 2eco
    • 14. Dezember 2011 9:03 Uhr

    Sie tun ja gerade so, als hätte man alles versucht, den Chevrolet Volt zu verheimlichen. Wenn Sie die Motorpresse im letzten Jahr verfolgt haben, wäre ihnen aufgefallen, dass der Volt überall bereits vor dem Ampera getestet wurde. Aus dem Grund, weil dieser eher verfügbar war und immer darauf hin gewiesen wurde, dass der Ampera baugleich ist. Dazu kommt dass GM in Deutschland neben dem Ampera auch den Volt verkaufen wird.

    So sehr ich auch ein Fan vom Toyota Prius bin, so sind Ihre Argumente pro Prius nicht nachvollziehbar. Die (maximal!) 20 km im Prius reichen für die Meisten im Alltag nicht aus. Daher wird man zwangsweise immer auf den Benzinmotor zurückgreifen müssen. Und wenn der Akku absolut leer ist, kommt man beim Prius auch nicht mehr auf 4-5 Liter. Ohne Elektroantrieb verbraucht dieser auch 6 Liter und mehr. Also ist der Verbrauch mit leerem Akku genauso hoch, wie im Ampera.

    Die 60 km des Ampera spielen da in einer ganz anderen Liga. Die Meisten Leute können mit dieser Reichweite ihren Alltag komplett elektrisch bewältigen.
    Also ist der Ampera dem Prius schon deutlich überlegen.

    Antwort auf "Ich bin froh"
  2. >> Nach ersten inoffiziellen Schätzungen
    >> würde die Nachrüstung aller bisher
    >> in den USA verkauften Volt rund 1.000
    >> Dollar pro Stück kosten, insgesamt weniger
    >> als eine Million Dollar. [...] In den
    >> USA sind binnen Jahresfrist knapp 6.000
    >> Volt verkauft worden – deutlich weniger
    >> als prognostiziert.

    Gesamtkosten von 1 Mio. oder 6. Mio. Euro?

  3. Dollar, nicht Euro.

    • tobmat
    • 14. Dezember 2011 10:09 Uhr

    Wo bitte schön wird die Technik schlecht geredet?
    Im Artikel steht ganz klar, das entsprechende Vorfälle nur im Labor passierten und das auch nur unter Missachtung der Vorgaben von GM den Akku zu entladen.
    Es wird sogar darauf hin gewiesen, das es sich im Wesentlichen um einen Image-Schaden handelt und auch andere Autohersteller in der Vergangenheit darunter zu leiden hatten. Selbst wenn die vermuteten Defekte nicht real waren.
    Man kann es auch wirklich übertreiben.

    Antwort auf "Die Macht der Medien"

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  • Schlagworte Chevrolet | General Motors | Opel | Toyota | USA | Verteidigungsministerium
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