ElektromobilitätSeat plant seine elektrische Zukunft

Seat setzt beim elektrischen Antrieb auf bekannte Modelle: Leon und Altea wurden elektrifiziert und sind jetzt zumindest reif für den Flottentest. von Jürgen Wolff

Nicht nur bei VW in Wolfsburg befassen sich Ingenieure mit der elektrischen Zukunft des Autos. Die anderen Marken im Volkswagen-Konzern tüfteln ebenfalls an eigenen Elektro-Konzepten. Bei der spanischen Tochter Seat beschäftigen sich damit unter dem Entwicklungschef Matthias Rabe rund 40 Leute. Sie konzentrieren sich vor allem auf zwei Konzepte: den Altea XL Electric Ecomotive als reines Elektrofahrzeug und den Leon Twindrive Ecomotive als Plug-In-Hybrid.

Der elektrisch angetriebene Altea unterscheidet sich optisch kaum vom Serien-Altea, einem Kompakt-Van. Lediglich am geschlossenen Kühlergrill – und an der Lackierung – lässt sich erkennen, dass der Altea XL Electric Ecomotive keinen Verbrennungsmotor unter der Haube hat. Der Elektromotor als Frontantrieb leistet 85 kW (115 PS), die Höchstgeschwindigkeit ist auf 135 km/h begrenzt.

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Den Strom bezieht der Motor aus Batteriezellen, die im Wesentlichen unter der Rückbank und dem Gepäckraumboden liegen. Sie haben eine Kapazität von 26,5 Kilowattstunden und sind auf eine Reichweite von 135 Kilometern ausgelegt. Zur Energierückgewinnung wurde ein Rekuperationssystem eingebaut, das einmal eine einstellbare Bremswirkung haben soll. Außerdem soll Photovoltaik auf dem Dach Strom sparen helfen: Die Solarzellen liefern laut Seat Energie für die Lüftung des Fahrzeuginnenraums. Außerdem kann der Wagen vorklimatisiert werden, solange er noch an der Steckdose hängt. Dafür wird der Elektro-Altea über eine Smartphone-App ferngesteuert.

Wie von einem Elektroauto gewohnt beschleunigt der Altea fix und ohne Zugkraftunterbrechungen – allerdings nicht lautlos. Die Ingenieure haben ihm einen Sound-Generator verpasst, damit Fußgänger ihn hören und sein Fahrer die Beschleunigung auch akustisch mitbekommt.

Twindrive für Langstreckenfahrer

Anders als der Elektro-Altea verbindet der Seat Leon Twindrive einen Elektro- mit einem Verbrennungsmotor, ist also ein Hybridfahrzeug – mit einem Schwerpunkt auf dem elektrischen Fahren. Der Wechsel zwischen den beiden Betriebsarten ist kaum zu spüren, selbst der Geräuschpegel verändert sich kaum. Nur ein leichtes Vibrieren ist zu spüren, sobald sich der Benziner zuschaltet.

Der Leon Twindrive kann rein elektrisch laut Seat bis zu 56 Kilometer zurücklegen, dann hilft der 1,4 Liter große TSI-Motor noch einmal rund 850 Kilometer weiter. Der Ottomotor liefert 85 kW (115 PS), der Elektromotor kommt auf eine ähnliche Leistung. Kombiniert liefern die beiden Aggregate zum Beispiel beim kräftigen Beschleunigen eine Systemleistung von 120 kW (163 PS).

Im rein elektrischen Fahrmodus ist die Höchstgeschwindigkeit auf 120 Stundenkilometer begrenzt. Sonst schafft der Leon Twindrive bis zu 170 km/h. Die Akkus haben eine Kapazität von 12 Kilowattstunden und sind unter dem Gepäckraumboden untergebracht. Aufgeladen werden die Batteriezellen an der Steckdose, damit ist der Leon Twindrive ein Plug-in-Hybrid, ähnlich wie der von Toyota für Mitte 2012 angekündigte Steckdosen-Prius. Im Normzyklus verbraucht der Leon Twindrive durchschnittlich 1,7 Liter je 100 Kilometer – das entspräche einem CO2-Ausstoß von gerade einmal 39 Gramm je Kilometer. Allerdings ist der Normverbrauch bei Plug-in-Hybriden ein intransparenter Rechenwert mit wenig Aussagekraft für die Realität.

Mit den beiden Modellen will Seat im nächsten Jahr erst einmal im Flottenversuch Erfahrungen sammeln. Zu kaufen gibt es die beiden Modelle also noch nicht. Die ersten Exemplare gehen vor allem an Behörden wie die Verwaltung Kataloniens und die Stadtverwaltung in Madrid, der Altea XL Electric Ecomotive wird unter anderem bei dem Energieunternehmen Endesa getestet. Ferner engagiert sich Seat seit 2010 in einem vom spanischen Wissenschaftsministerium geförderten Großprojekt, das die Elektromobilität in Spanien voranbringen soll. Dabei geht es auch um die Energieerzeugung aus regenerativen Quellen und den Aufbau einer Lade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge. Laufen die Flottentests wie geplant, könnte der Leon Twindrive als erstes 2015 in Serie gehen, danach der Altea XL Electric.

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Toyota | Akku | Elektrofahrzeug | Elektromobilität | Elektromotor | Seat
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