In Japans großen Städten geht es eng zu. Wer Tokyo oder Osaka mit dem Auto erkunden will, verzweifelt an der Parkplatzsuche. Ein japanisches Unternehmen will Abhilfe schaffen: Kobots heißen die winzigen Elektroflitzer, die in Japan bald auf den Markt kommen und Touristen zum Shopping oder Sightseeing durch die Stadt tragen könnten. Auf der Automesse in Tokyo wurde das Konzept gerade zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Die beiden Studien der Tokyo Motor Show, Kobot V und Beta, sind futuristisch gestaltete Einsitzer ohne Dach. Ein drittes Modell ähnelt ein wenig dem Renault Twizy und bietet eine winzige Kabine mit zwei Sitzplätzen. Hinter den Kobots steckt ein Joint-Venture der beiden Unternehmen Kowa und Tmsuk. Kowa stellt medizinische Geräte her, Tmsuk produziert Service-Roboter. Gemeinsam wollen sie eine "umwelt- und menschenfreundliche Elektromobilität" entwickeln, verkünden die beiden Unternehmen.

Die Stromer sehen zwar aus wie Rollstühle aus einem Science-Fiction-Film, aber haben es in sich: Bis zu 60 Stundenkilometer sind die Kobots laut dem Hersteller schnell. Die Fahrzeuge haben ein Lenkrad, der Pilot sitzt zumindest auf den Kobot-Konzeptstudien ohne Helm und Gurt im Sattel. Mit einem Wahlhebel schaltet man zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang um. Ein großer Monitor dient gleichzeitig als Instrumentenbrett und Navigationssystem.

Das Besondere ist aber nicht das erreichbare Tempo, zumal für die Serienversion die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert werden soll. Der Clou ist die Wendigkeit der Kobots. Die dreirädrigen Vehikel können auf der Stelle drehen und brauchen kaum Parkfläche. Das dritte Rad wird beim Parken nämlich samt Sitz in den Aufbau des Fahrzeuges hineingeklappt. Diese Teleskop-Lösung bietet sich gerade für chronisch überfüllte Städte wie Tokyo an, wo man bei der Zulassung eines neuen Autos sogar einen eigenen Parkplatz nachweisen muss.

Hersteller will 2012 mit der Fertigung beginnen

Aktiviert werden die Kobots nach den Vorstellungen ihrer Schöpfer durch ein Smartphone. Dann entfalten sich die Vehikel auf Knopfdruck und sind abfahrbereit. Den Kobot-Entwicklern schwebt ein Mietmodell vor, das ähnlich wie beim Car- oder Bike-Sharing funktioniert. Touristen buchen sich online einen Kobot, aktivieren ihn per Code mit ihrem Smartphone und düsen dann damit durch die Stadt. Zudem könnten die Kobots in gebirgigen Regionen, wo das Radeln und Laufen mühselig ist, zum Einsatz kommen.

"Unsere Konzeptstudien sind aus den Stadtplanungsinitiativen entstanden, die in Europa in Städten wie Paris oder London laufen", sagt Kowa-Tmsuk-Chef Yoshito Serita. In Zukunft könnten schließlich immer mehr Stadtzentren für den konventionellen Autoverkehr gesperrt werden. In die City dürfen dann nur noch Fahrräder oder Zero Emission-Fahrzeuge, also Elektroautos.

Dafür wären die Kobots dann geeignet, denn sie sind elektrisch angetrieben – über die Motorleistung und die Kapazität der Lithium-Ionen-Batteriepakete schweigt man bei Kowa Tmsuk aber noch. Schließlich sind die Vehikel erst einmal nur Studien. Aber schon für das nächste Jahr strebt das Unternehmen den Start der Serienproduktion an. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie viel vom futuristischen Manga-Design am Ende übrig bleibt: "Die Serienfahrzeuge werden natürlich anders aussehen", kündigte bereits ein Firmensprecher an.