Mobilität der ZukunftElektro-Roller zum Zusammenfalten

Ein junges japanisches Unternehmen hat für die überfüllten Megastädte den Kobot entwickelt: einen smarten Einsitzer, dessen Hinterteil beim Parken eingeklappt wird. von Sebastian Viehmann

In Japans großen Städten geht es eng zu. Wer Tokyo oder Osaka mit dem Auto erkunden will, verzweifelt an der Parkplatzsuche. Ein japanisches Unternehmen will Abhilfe schaffen: Kobots heißen die winzigen Elektroflitzer, die in Japan bald auf den Markt kommen und Touristen zum Shopping oder Sightseeing durch die Stadt tragen könnten. Auf der Automesse in Tokyo wurde das Konzept gerade zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Die beiden Studien der Tokyo Motor Show, Kobot V und Beta, sind futuristisch gestaltete Einsitzer ohne Dach. Ein drittes Modell ähnelt ein wenig dem Renault Twizy und bietet eine winzige Kabine mit zwei Sitzplätzen. Hinter den Kobots steckt ein Joint-Venture der beiden Unternehmen Kowa und Tmsuk. Kowa stellt medizinische Geräte her, Tmsuk produziert Service-Roboter. Gemeinsam wollen sie eine "umwelt- und menschenfreundliche Elektromobilität" entwickeln, verkünden die beiden Unternehmen.

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Die Stromer sehen zwar aus wie Rollstühle aus einem Science-Fiction-Film, aber haben es in sich: Bis zu 60 Stundenkilometer sind die Kobots laut dem Hersteller schnell. Die Fahrzeuge haben ein Lenkrad, der Pilot sitzt zumindest auf den Kobot-Konzeptstudien ohne Helm und Gurt im Sattel. Mit einem Wahlhebel schaltet man zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang um. Ein großer Monitor dient gleichzeitig als Instrumentenbrett und Navigationssystem.

Das Besondere ist aber nicht das erreichbare Tempo, zumal für die Serienversion die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert werden soll. Der Clou ist die Wendigkeit der Kobots. Die dreirädrigen Vehikel können auf der Stelle drehen und brauchen kaum Parkfläche. Das dritte Rad wird beim Parken nämlich samt Sitz in den Aufbau des Fahrzeuges hineingeklappt. Diese Teleskop-Lösung bietet sich gerade für chronisch überfüllte Städte wie Tokyo an, wo man bei der Zulassung eines neuen Autos sogar einen eigenen Parkplatz nachweisen muss.

Hersteller will 2012 mit der Fertigung beginnen

Aktiviert werden die Kobots nach den Vorstellungen ihrer Schöpfer durch ein Smartphone. Dann entfalten sich die Vehikel auf Knopfdruck und sind abfahrbereit. Den Kobot-Entwicklern schwebt ein Mietmodell vor, das ähnlich wie beim Car- oder Bike-Sharing funktioniert. Touristen buchen sich online einen Kobot, aktivieren ihn per Code mit ihrem Smartphone und düsen dann damit durch die Stadt. Zudem könnten die Kobots in gebirgigen Regionen, wo das Radeln und Laufen mühselig ist, zum Einsatz kommen.

"Unsere Konzeptstudien sind aus den Stadtplanungsinitiativen entstanden, die in Europa in Städten wie Paris oder London laufen", sagt Kowa-Tmsuk-Chef Yoshito Serita. In Zukunft könnten schließlich immer mehr Stadtzentren für den konventionellen Autoverkehr gesperrt werden. In die City dürfen dann nur noch Fahrräder oder Zero Emission-Fahrzeuge, also Elektroautos.

Dafür wären die Kobots dann geeignet, denn sie sind elektrisch angetrieben – über die Motorleistung und die Kapazität der Lithium-Ionen-Batteriepakete schweigt man bei Kowa Tmsuk aber noch. Schließlich sind die Vehikel erst einmal nur Studien. Aber schon für das nächste Jahr strebt das Unternehmen den Start der Serienproduktion an. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie viel vom futuristischen Manga-Design am Ende übrig bleibt: "Die Serienfahrzeuge werden natürlich anders aussehen", kündigte bereits ein Firmensprecher an.

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Leserkommentare
  1. Das ist doch der gleiche [...] wie der Seagway. Der ist auch schon wieder out.
    Und auch diese Mode wird vorübergehen.

    Ein Fahrad ohne Akku kann ich auch zusammenklappen und noch mitnehmen.

    In der Ebene ist es kein großer Unterschied ob ich mit Akku fahre oser strampele.

    Gekürzt. Wir hätten uns sehr darüber gefreut, hätten Sie den ersten Kommentar dazu genutzt, um eine anregende Diskussion mit angemessener Wortwahl zu starten. Danke, die Redaktion/se

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    ist der segway "out" weil das teil einfach überteuert ist. 8000 € (!!!!) sind definitiv zu viel. Dafür bekommt man ja bereits ein auto, oder fürdie hälfte einen guten e-roller. Für 2000 - 3000 würde ich evtl darüber nachdenken...

    • Varech
    • 26. Dezember 2011 20:28 Uhr

    Naja, das "einklappbare Hinterteil" und die hinten so luftige Japanerin auf dem Foto stammen doch von der Redaktion selber.

  2. ist der segway "out" weil das teil einfach überteuert ist. 8000 € (!!!!) sind definitiv zu viel. Dafür bekommt man ja bereits ein auto, oder fürdie hälfte einen guten e-roller. Für 2000 - 3000 würde ich evtl darüber nachdenken...

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Seagway"
  3. Konzeptionell ist das interessant, aber wenn ich das Objekt gegen Gebühren parken muss, kann ich auch gleich ein überdachtes Auto kaufen.

    Ohnehin sind solche offenen, oder schlecht isolierten Gefährte in Deutschland aus Klimagründen weniger interessant.
    In Italien gehört der Roller beispielweise zum Stadtbild, in Deutschland kann man damit nur etwa 4 Monate ohne extra dicke Kleidung fahren.

    PS: Wieso muss eigentlich alles aus Japan wie Spielzeug aussehen, brauchen Autos wirklich ein Gesicht?

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    Sorry,aber es klingt ziemlich dekadent, dass man in Deutschland angeblich nur vier Monate ohne "automobilen Vollschutz" zur arbeit kommen könne.

    Wenn man bei diesen Gefährten den Windschutz noch ein wenig höher ziehen würde, dann ließe sich daraus ein nahezu ganzjährig nutzbares Innerstadt-Gefährt machen. Dass man im Herbst und Winter auch mal eine dicke Jacke oder einen Mantel anzieht, ist nicht ungewöhnlich.

    Dekadent erscheint es mir vor allem auch vor dem Hintergrund der Deutschen Automobil-Nutzung: Wenn man sich die Blech-Karavanen ansieht, die sich allmorgend- und -abendlich durch unsere Städte quälen und dabei sowohl unser aller Lebenszeit vergeuden, Produktivität senken, unsere Luft verpesten und mit dem CO2 das Treibhaus weiter anheizen - und man dann sieht, dass da 1-2 Tonnen Masse bewegt werden, um i.d.R. 50-100 kg Biomasse zum und vom Arbeitsplatz zu karren, dann ist die Verhältnismäßigkeit eben nicht mehr gegeben.

    Wir haben uns nur an dieses Lemming-Verhalten gewöhnt und nehmen z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge der mangelnden Bewegung scheinbar billigend in Kauf.

    Wenn solche Konzepte auf den Markt kommen, dann bin ich sehr dafür, dass der Staat die Fahrt zur Arbeit mit dem herkömmlichen PKW so besteuert, dass die Attraktivität zur Bildung von Fahrgemeinschaften und das Umsteigen auf umweltfreundliche Transportsysteme wie diese Vehikel drastisch steigen!

    Wie wir momentan unsere Umwelt vergewaltigen, ist pervers. Da kommen solche Angebote wie gerufen!

  4. Sorry,aber es klingt ziemlich dekadent, dass man in Deutschland angeblich nur vier Monate ohne "automobilen Vollschutz" zur arbeit kommen könne.

    Wenn man bei diesen Gefährten den Windschutz noch ein wenig höher ziehen würde, dann ließe sich daraus ein nahezu ganzjährig nutzbares Innerstadt-Gefährt machen. Dass man im Herbst und Winter auch mal eine dicke Jacke oder einen Mantel anzieht, ist nicht ungewöhnlich.

    Dekadent erscheint es mir vor allem auch vor dem Hintergrund der Deutschen Automobil-Nutzung: Wenn man sich die Blech-Karavanen ansieht, die sich allmorgend- und -abendlich durch unsere Städte quälen und dabei sowohl unser aller Lebenszeit vergeuden, Produktivität senken, unsere Luft verpesten und mit dem CO2 das Treibhaus weiter anheizen - und man dann sieht, dass da 1-2 Tonnen Masse bewegt werden, um i.d.R. 50-100 kg Biomasse zum und vom Arbeitsplatz zu karren, dann ist die Verhältnismäßigkeit eben nicht mehr gegeben.

    Wir haben uns nur an dieses Lemming-Verhalten gewöhnt und nehmen z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge der mangelnden Bewegung scheinbar billigend in Kauf.

    Wenn solche Konzepte auf den Markt kommen, dann bin ich sehr dafür, dass der Staat die Fahrt zur Arbeit mit dem herkömmlichen PKW so besteuert, dass die Attraktivität zur Bildung von Fahrgemeinschaften und das Umsteigen auf umweltfreundliche Transportsysteme wie diese Vehikel drastisch steigen!

    Wie wir momentan unsere Umwelt vergewaltigen, ist pervers. Da kommen solche Angebote wie gerufen!

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nette Idee"
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    Was Sie sich wünschen, klingt auf den ersten Blick ganz plausibel, bringt aber auch unerwartete Probleme mit sich.

    Wenn Mobilität teurer wird, verändert sich damit auch unsere Wohnstruktur und wir entwickeln uns wieder in Richtung 19. Jahrhundert und Siedlungen, die nur durch vorhandene Arbeitsplätze lebensfähig sind.

    Der Pendler ist ein CO2 Produzent, aber er ermöglichte auch ruhige Wohnorte.

  5. Mir fallen bald die Beine ab, weil ich sie nie benutze. Deshalb betreibe ich jetzt "City-Walking": Ich gehe mehrmals pro Woche zu Fuß zum Ziel, bis zu fünf Kilometer Entfernung. Ich verzichte bewusst auf Fahrrad, S-Bahn oder Auto.

    Das tut gut und ersetzt langweiliges Joggen. Ich finde dabei Zeit, um in Ruhe einem Hörbuch zu lauschen. Der Körper wird nicht so stark belastet wie beim Joggen, aber gut durchgewärmt.

    Natürlich macht das nur Freude, wenn man Strecken entlang der Spree oder durch Parks wählt. Einfach mal probieren, Leute! Schaut nach unten, da sind "Füße" an euch dran.

    5 Leserempfehlungen
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    • ztc77
    • 25. Dezember 2011 13:26 Uhr
    Antwort auf "Back to the Füß'"
  6. Was Sie sich wünschen, klingt auf den ersten Blick ganz plausibel, bringt aber auch unerwartete Probleme mit sich.

    Wenn Mobilität teurer wird, verändert sich damit auch unsere Wohnstruktur und wir entwickeln uns wieder in Richtung 19. Jahrhundert und Siedlungen, die nur durch vorhandene Arbeitsplätze lebensfähig sind.

    Der Pendler ist ein CO2 Produzent, aber er ermöglichte auch ruhige Wohnorte.

    Eine Leserempfehlung
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    Mobilität soll nicht teurer, sondern intelligenter und vor allem sozial-kompatibel werden, denn die gegenwärtige Situation ist asozial: Autofahrer vergeuden erhebliche Lebenszeit beim Autofahren, der Individual-Verkehr produziert unverschämt viel CO2 und Tote/Verletzte im Straßenverkehr, Feinstaub mit entsprechenden Krankheitsbildern bei Stadtbewohnern.

    Es geht darum, Verbund-Systeme zu schaffen, die auf größere Entfernungen die Bahn und auf kurze Strecken eben solche Vehikel bevorzugt und effizient benutzbar macht. Vorbild ist hier sicherlich die Schweiz. Wer das (viele) Geld hat, sich angemessen teure Autofahrten zum Arbeitsplatz leisten kann, der soll dann von mir aus immer noch (allein) im Auto zur Arbeit fahren.

    Dieser Quatsch, dass jeder ein Auto hat um damit morgens zur und abends von der Arbeit zu fahren, und dass es eben kein Verbund-System gibt, in dem man wenigstens Teile der Zeit mit der geistigen Vorbereitung auf den Arbeitstag verbringen kann, ist doch mit Sicherheit der Lobby-Arbeit der Automobil-Industrie zu "verdanken".

    Mit den Methoden und dem Wissen von heute muss man dann auch keine Angst vor Schreckens-Szenarien aus dem 19. Jahrhundert haben. Mit dem Stand der Technik und sozialeren Ansätzen wird man auch so günstigere Transport-Kosten erreichen können. Rechnet man dann noch die ganzen Kosten durch Krank- und "Totmacher"-Faktoren" (Stress, Lautstärke, Abgase, Verkehrsopfer, ..) gegen, so ergibt sich mehr Lebensqualität zu geringeren Kosten.

  7. ( Akku hat nur vier Buchstaben und ist deswegen zu kurz für die Überschrift. )

    Wenn der erste Akku verbraucht ist, geht das Jammern los, weil der sehr teuer ist.

    Gibt es für diese Fahrzeuge schon als Steurvergünstigung getarnte Subventionen ?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Renault | Automesse | Elektroauto | Elektromobilität | Fahrzeug | Joint-Venture
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