Mobilität der ZukunftJapans Autohersteller gehen unter die Häuslebauer

Japanische Autobauer entwickeln "Smart Homes" mit teilautonomer Stromversorgung und integrierten Elektrofahrzeugen. Die Fukushima-Katastrophe gab ihnen neuen Schub. von Sebastian Viehmann

Die Vernetzung von teilautonomem Haus und Elektroauto wird am Bildschirm gesteuert.

Die Vernetzung von teilautonomem Haus und Elektroauto wird am Bildschirm gesteuert.  |  © press-inform

Das Licht ist an, der Kühlschrank läuft und eine ganze Reihe von Haushaltsgeräten noch dazu. Draußen im Carport lädt der Plug-In-Hybrid seine Batterien auf. Wenn jetzt jemand auch noch den Haartrockner anstellt, gäbe es einen Blackout, weil das Stromnetz des Hauses überlastet wäre. Aber nicht im Smart Home von Toyota: Eine eingebaute Funktion namens Peak Electricity Demand Cut erkennt die drohende Überlastung und stoppt kurzzeitig die Ladung des Autos.

Vom kommenden Jahr an will der japanische Autobauer sein Modellhaus als Eigenheim verkaufen. Darin steuert ein Zentralrechner den Energiefluss. Ein Teil des Strombedarfs wird durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach gedeckt, ein außer Haus gelagerter Lithium-Ionen-Akku dient als Energiepuffer. Elektroautos oder Plug-In-Hybride haben ihre eigene Ladestation.

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Damit die Bewohner den Energiestatus ihres Hauses und den Ladestand des Elektroautos kontrollieren können, gibt es den H2V (Home to Vehicle) Manager. Der lässt sich auf dem Fernsehschirm, dem PC oder dem eigenen Smartphone aufrufen. "Wenn die Ladung ihres Autos unterbrochen werden muss, weil gerade zu viele Verbraucher Strom ziehen, bekommen Sie eine E-Mail oder eine SMS auf Ihr Handy", erklärt ein Toyota-Entwickler das System.

Ab April bezugsfertig

Per Smartphone kann man außerdem kontrollieren, ob alle Türen im Haus verschlossen sind und wo überflüssiges Licht brennt. Ferner lässt sich über das Mobilgerät steuern, wann das Auto am Stromnetz seine Heizung anschalten soll, damit man es morgens beim Einsteigen schön warm hat.

Computergesteuert soll auch die hauseigene Garage werden – Toyota nennt sie Smart Mobility Park. Ein Plug-In-Hybrid hängt dort am Stromkabel, daneben können elektrische Roller und Fahrräder parken. Sie werden induktiv, also kabellos, über eine Platte im Boden geladen. Ein großer Monitor an der Wand zeigt schematisch den Energiefluss, der zwischen dem öffentlichen Stromnetz, den hauseigenen Solarzellen und Windrädern, dem eigenen Akku und den Fahrzeugen an der Ladestation besteht.

Die intelligente Garage ist noch im Entwicklungsstadium, doch die ersten Toyota-Häuser in Japan sollen im April 2012 bezugsfertig sein. Die Häuser bieten dem Hersteller zufolge 126 Quadratmeter Wohnfläche und kosten 24 Millionen Yen, also rund 236.400 Euro.

Leserkommentare
    • hermie9
    • 20. Dezember 2011 11:50 Uhr

    Das ist mal ein praktisches, realistisches Modell.

  1. Ist es grundsätzlich möglich Elektroautos mit Rangeextender bzw. Hybridautos als fahrende "Notstromversorgung" zu betrachten?

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    • tobmat
    • 20. Dezember 2011 18:16 Uhr

    nennt man massive Geldverschwendung, da Autos, auch E-Atuso dafür gar nicht konzipiert sind. Notstromgeneratoren sind billiger und effizienter.

  2. "Deutschland ist von einer Umsetzung dieses Konzepts noch weit entfernt – 2011 wurden bislang kaum mehr als 1.800 Elektroautos neu angemeldet, die Zahl der privaten Zulassungen ist gerade mal dreistellig."
    So ist es bei uns in Japan auch...

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    ...kenne kein Land wo es besser wäre, ist einfach noch unbezahlbar. Das Kernproblem, die Speicherkosten sind einfach nicht zufriedenstellend gelöst. Wahrscheinlich wäre Wasserstoff am Ende doch die bessere und leicher verbilligbare Lösung, zumal man da keine knappen Rohstoffe wie Lithium braucht.

    • hmber
    • 20. Dezember 2011 13:21 Uhr

    Dieses Konzept wird so nicht verwirklicht werden. Das ist mehr oder weniger nur ein Werbegag. Man hat das schon öfter gesehen in der Vergangenheit. Ich erinnere nur an das Meeresströmungskraftwerk von E.on. Im Grunde genommen wird hier nur eine herkömmliche Stromversorgung mittels einer PV-Anlage gemindert, das haben wir auch schon. Das Ganze wird über einen Akku entzerrt, wobei ein sog. Strommanager die einzelnen Verbraucher, der Dringlichkeit nach ein- und ausschaltet. Es ist nur ein neuer Gedanke dabei. das Elektroautu. Darum geht es Toyota. Wer dieses Haus kauft, wird wahrscheinlich über einen längeren Zeitabscnitt Kunde bei Toyota bleiben. Zu dem versucht Toyota sein derzeit desolates weltweites Image aufzupäppeln. Warum sollten wir das in Stuttgart oder München auch so machen? Diese drei Firmen haben kein Imageproblem das zu Verkaufseinbrüchen geführt hat. Ansonsten wird hier in der Regel nichts verstanden, sonst gäbe es keine Begeisterung. Wo bitte sollen denn die Akkus für (in Deutschland) mehr als 60 Millionen Autos und fast ebenso viele Wohnungen herkommen? Wo bitte will japan oder auch wir, die Landschaft so zersiedeln, dass die ganzen Eigentums- und Mietwohnungen in Einfamilienhäuser umgewandelt werden? Dann noch möglichst mit grossem Garten! Was macht ein Mieter? Geht der dann zu Fuss?
    Fragen über Fragen. Zukunftsenergie geht anders.

  3. ..über diese ständige Verwendung des Begriffs 'Häuslebauer' aufgeregt oder stört das hier nur mich? Auch wenn dieses jetzt zugegebenermaßen kein qualifizierter Kommentar zum eigentlichen Thema des Artikels ist: Liebe Redakteure, bemüht in euren Überschriften doch nicht ständig dieses verniedlichende und verkitschte schwäbische Klischee. Auch in anderen Regionen werden Häuser gebaut und dort benutzt man andere Begriffe.

    • tobmat
    • 20. Dezember 2011 18:16 Uhr
    7. Sowas

    nennt man massive Geldverschwendung, da Autos, auch E-Atuso dafür gar nicht konzipiert sind. Notstromgeneratoren sind billiger und effizienter.

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    Geld- und Ressourcenverschwendung wäre es, einen fossil betriebenen Generator zu kaufen, wenn man schon eine Solaranlage auf dem Dach und ein E-Auto bzw. Hybrid neben dem Haus hat. Darum geht es in dem Zukunfts-Modell.

    Und wie lange Strom aus Kohle, Öl oder Uran noch billiger angeboten wird als regenerativ erzeugte Energie, wird sich zeigen. Von der Effizienz ganz zu schweigen - da kann man das Verpulvern von endlichen Rohstoffen ohnehin nicht vergleichen mit direkten und indirekten Nutzung der vorerst unerschöpflichen Sonnenenergie. Zumindest nicht seriös.

  4. Geld- und Ressourcenverschwendung wäre es, einen fossil betriebenen Generator zu kaufen, wenn man schon eine Solaranlage auf dem Dach und ein E-Auto bzw. Hybrid neben dem Haus hat. Darum geht es in dem Zukunfts-Modell.

    Und wie lange Strom aus Kohle, Öl oder Uran noch billiger angeboten wird als regenerativ erzeugte Energie, wird sich zeigen. Von der Effizienz ganz zu schweigen - da kann man das Verpulvern von endlichen Rohstoffen ohnehin nicht vergleichen mit direkten und indirekten Nutzung der vorerst unerschöpflichen Sonnenenergie. Zumindest nicht seriös.

    Antwort auf "Sowas"
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    • tobmat
    • 21. Dezember 2011 10:13 Uhr

    Es ging in meinem Kommentar um Notstrom. Also wenn die externe Versorgung ausfällt, wobei ich die Solarzelle auf dem Dach zur externen Versorgung zähle. Ich bezog mich auch nicht auf den Artikel, sondern auf die Frage eines anderen Kommentators.

    Ja die unerschöpfliche Sonnenenergie. Ist nur leider in so geringen und instabilen Mengen vorhanden, das die Anlagenkosten für die Umwandlung in Strom enorm sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Toyota | Autohersteller | Honda | Mobilität | Nissan | Akku
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