Mobilität Wenn der Bürger den Bus lenkt

Bürgerbusse schließen auf dem Land Lücken im Nahverkehr, etwa im Umland von Bremen. Ehrenamtliche sorgen damit vor allem für mehr Mobilität von Älteren.

Ein Bürgerbus an einer Haltestelle in Schöppingen-Gemen im Münsterland

Ein Bürgerbus an einer Haltestelle in Schöppingen-Gemen im Münsterland

Eine ältere Dame mit Rollator steigt in einem Wohngebiet zu, eine junge Frau mit Kinderwagen folgt in der Ortsmitte. Zwar ist an diesem Vormittag in der Woche nicht viel los, dafür ist es an anderen Tagen um so voller in dem Bürgerbus von Weyhe. In der Gemeinde südlich von Bremen sind zwei Bürgerbusse im Einsatz, sie sind für die Menschen in der ländlichen Region unentbehrlich geworden. Der Träger, ein Verein mit ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern, schließt so eine Lücke in der Nahverkehrsversorgung.

Früher sorgten auf dem flachen Land Postbusse dafür, dass Leute ohne Auto wenigstens einigermaßen von A nach B kamen. Doch diese Busse existieren längst nicht mehr. Versuche, die Lage durch private Anbieter zu verbessern, sind bislang mehr oder minder gescheitert, denn private Beförderungsunternehmen sind auf das Erzielen von Gewinnen ausgerichtet, die hier kaum anfallen. Die Gemeinden – die kleinen zumal – können es sich jedoch aufgrund leerer Kassen nicht leisten, eigene Busse zu betreiben.

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So bedienen die Privaten auf dem Land meist nur bestimmte Linien im Auftrag von Verkehrsverbünden, wo ihnen Einnahmen garantiert sind. Zwar hat sich das Angebot im öffentlichen Nahverkehr dadurch verbessert, doch die kleinräumige Versorgung in den ländlichen Gemeinden blieb sehr lückenhaft. Die in den neunziger Jahren entstandene Idee, Anrufsammeltaxis einzusetzen, scheiterte an ausufernden Kosten. "Wir haben das Angebot eingestellt", sagt Uwe Kellner, Bürgermeister von Achim, der größten Stadt im Landkreis Verden südöstlich von Bremen.

Hauptsache, es gibt überhaupt einen Bus

Kellner und andere politische Vertreter der Kommune ergriffen schließlich die Initiative und konnten Bürger für das Projekt Bürgerbus in Achim begeistern – mit Erfolg: Seit Oktober verbindet das Fahrzeug die am Rand gelegenen Ortsteile mit dem Stadtzentrum. Viel länger gibt es den Bürgerbus schon in Weyhe: Bereits Mitte 2001 nahm der dortige Verein den Linienbetrieb auf.

Die Fahrer engagieren sich ohne Bezahlung. Sonst sei der Betrieb eines Bürgerbusses nicht zu finanzieren, sagen Peter Henke, der Vorsitzende des Achimer Bürgerbus-Vereins, und sein Weyher Kollege Franz Riedel. Diese Auffassung teilt ein Sprecher des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN). Für eine übliche Buslinie fallen allein an Personalkosten gut und gerne mindestens 50.000 Euro im Jahr an. Hinzu kommen die Aufwendungen für den Unterhalt der Fahrzeuge, die Pflege der Haltestellen und einiges mehr. Dafür aufkommen müssen die Gemeinden im Rahmen ihrer gesetzlich verankerten Daseinsvorsorge. Angesichts nicht vorhandenen Geldes ist ein Bürgerbus eine günstige Alternative.

Dass es hier und da Kritiker gibt, die von Vernichtung regulärer Arbeitsplätze sprechen, ficht die Kommunalpolitiker wenig bis gar nicht an. Auch den Nutzern ist egal, wer das Fahrzeug steuert. Hauptsache, es gibt überhaupt einen Bus, der es gerade den immer mehr werdenden alten Menschen in den Dörfern und Außenbezirken der Gemeinden ermöglicht, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Leser-Kommentare
  1. Aber Milliarden für Kriege und Banken.
    Verrückte Republik.

    • Gnervt
    • 07.12.2011 um 9:05 Uhr

    ... sehr Traurig.
    Ich wohne derzeit ohne Auto in Ostfriesland und kann die Situation verstehen. Der öffentliche Nahverkehr beschränkt sich aufgrund der schwierigen Neztverhältnisse hauptsächlich auf die Beförderung von Schülern sowie den morgends/feierabend Verkehr. Ab 18 Uhr ist es zudem sogut wie unmöglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu kommen.
    Wer hier kein Auto hat und nicht Fahrrad fahren kann ist selbst in der Stadt aufgeschmissen.

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    ... ist leider nicht auf Ostfriesland beschränkt, sondern flächen(sic!)deckend außerhalb dder Ballungsräume vorhanden. Was da in Klein- und Mittelstädten als ÖPNV angeboten wird, verdient diesen Namen meist nicht. Die meisten Verkehrsbetriebe sind hinsichtlich Linienführung und Fahrplangestaltung nie über die 1950er Jahre hinausgekommen.

    ... ist leider nicht auf Ostfriesland beschränkt, sondern flächen(sic!)deckend außerhalb dder Ballungsräume vorhanden. Was da in Klein- und Mittelstädten als ÖPNV angeboten wird, verdient diesen Namen meist nicht. Die meisten Verkehrsbetriebe sind hinsichtlich Linienführung und Fahrplangestaltung nie über die 1950er Jahre hinausgekommen.

  2. "Die Fahrer engagieren sich ohne Bezahlung. Sonst sei der Betrieb eines Bürgerbusses nicht zu finanzieren."

    An solchen selbstverständlich klingenden Sätzen sieht man symptomatisch, wie sehr unser System bereits vor die Wand gefahren ist:

    Mehr und mehr nützliche Tätigkeiten fallen aus dem Wirtschaftssystem heraus, werden entweder gar nicht mehr oder von Unter- oder Unbezahlten übernommen -- und am Ende werden Steuern nur noch für die Tributzahlungen an den Geldadel eingetrieben, ohne daß der Steuerzahler irgendetwas davon hat.

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  3. ... ist leider nicht auf Ostfriesland beschränkt, sondern flächen(sic!)deckend außerhalb dder Ballungsräume vorhanden. Was da in Klein- und Mittelstädten als ÖPNV angeboten wird, verdient diesen Namen meist nicht. Die meisten Verkehrsbetriebe sind hinsichtlich Linienführung und Fahrplangestaltung nie über die 1950er Jahre hinausgekommen.

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    Antwort auf "Verständlich aber..."
  4. .
    ... die paar ebenfalls vorhandenen lukrativen Linien am Rande der Ballungsräume privatisiert werden, ansatt mit diesen den weniger gewinnträchtigen Betrieb in der Fläche zu subventionieren?

    Der Staat in jeder Form, als Kommune, Gemeinde oder Land muss für die allgemeine Daseinsvorsorge wie beispielsweise den Transport von Schülern, Alten und anderen Privatisierungsverlierern einstehen.

    Nachdem dies über Steuergelder und Staatsmonopole (Postbusse) offenbar nicht mehr sichergestellt werden kann, sollte die Versorgung wenigstens als Paket finanziert werden, so dass die Städter mit ihrem gewinnträchtigen öffentlichen Verkehr die Fläche mitversorgen.

    Wenn Unternehmer eine für eine lukrative Linie anbieten, müssen sie gleichzeitig auf die Versorgung zweier weniger gewinnträchtiger fsetgelegt werden, sonst ist es gescheiter wenn der Staat das alles wieder selber macht.

    Und schon kann man den abgehängten in der Fläche auch gleichzeitig wieder Postservice mitanbieten weil ja ohnehin ein Bus fährt ... gleiches gilt übrigens selbstverständlich für die Bahn in der Fläche ... warum haben wir das alles eigentlich gleich wieder privat so derart vor die Hunde gehen lassen?

  5. Nichts gegen Altruismus und Ehrenamt. Aber das geht dann doch zu weit, weil dieses - sicherlich gut gemeinte - Engagement zur Aufrechterhaltung eines gravierenden Mangels beiträgt bzw. ihn geradezu festschreibt. Es geht - wie schon Mitforisten richtig bemerkten - um die gerechte Steuerung der Steuergeldströme, denn für sog. "systemrelevante" Banken sind in der Krise über Nacht der Staat/Steuerzahler mit Rettungsschirmen zur Stelle.

    • serins
    • 07.12.2011 um 10:51 Uhr

    sind sich über die Haftungsrisiken im Falle eines Unfalles bewusst.

    Aber ist schon interessant wie sich der Staat aus der Grundversorgung der Bevölkerung zurückzieht, der Michel da auch noch mit macht und die Presse das auch noch als gut verkauft.

    Erinnere mich noch an einen Auftrag Ende der 90er, da sollte eine Bushaltestelle um 20m verlegt werden und die Beförderer verlangte daraufhin 50000 DM mehr im Jahr, nach den im Auftrag angestellten Berechnungen konnte mein damaliger Chef die reale Mehrbelastung aus seiner Hosentasche bezahlen. Da ist dann auch der Beförderer eingeknickt. Wenn die Kommunen mal Geld für unabhängige Studien in die Hand nehmen würden und auch die Verbandelung von Bestellern und Beförderern intensiver untersuchen würden, könnten imho die Kosten auch wieder auf ein normales Maß reduziert werden. Bin nur froh nicht mehr in dem Irrenhaus Deutschland zu leben.

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    ... besser, oder ist der Irrsinn dort nur anders verteilt?

    Die ehrenamtlichen Fahrer der Bürgerbusse sind versichert. Da gibt es keine Probleme.

    ... besser, oder ist der Irrsinn dort nur anders verteilt?

    Die ehrenamtlichen Fahrer der Bürgerbusse sind versichert. Da gibt es keine Probleme.

    • TDU
    • 07.12.2011 um 10:58 Uhr

    Ein privates Unetrmehen muss Gewinne machen, sonst wirds entweder gestützt oder geht pleite.

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    .
    "...Böse Gewinnerzielungsabsicht
    Ein privates Unetrmehen muss Gewinne machen, sonst wirds entweder gestützt oder geht pleite.
    ..."

    Und genau deshalb hat das private Unternehmen im Bereich der allgemeinen Daseinsvorsorge ALLER Teilnehmer der Gesellschaft eifach nichts, nichts, und wieder nichts verloren.

    Punkt.

    .
    "...Böse Gewinnerzielungsabsicht
    Ein privates Unetrmehen muss Gewinne machen, sonst wirds entweder gestützt oder geht pleite.
    ..."

    Und genau deshalb hat das private Unternehmen im Bereich der allgemeinen Daseinsvorsorge ALLER Teilnehmer der Gesellschaft eifach nichts, nichts, und wieder nichts verloren.

    Punkt.

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