Energieeffizienz Volkswagen wegen falschem Energie-Label abgemahnt

VW hat das neue Ökolabel um eine Stufe ergänzt: Damit der Phaeton nicht in der schlechtesten Klasse liegt. VW spricht von einem Irrtum, die Umwelthilfe von Greenwashing.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Volkswagen wegen irreführender Werbung abgemahnt. Der Verband wirft dem Unternehmen vor, beim seit einer Woche geltenden Effizienzlabel geschummelt zu haben. Der Gesetzgeber hat in seiner Verordnung zur Pkw-Energieverbrauchskennzeichnung eine achtstufige Skala von A+ (sehr effizient) bis G (wenig effizient) festgelegt – VW hat für sich aber eine neunte Stufe, H, eingeführt und seine Modelle entsprechend zugeordnet.

Mit der zusätzlichen Energieeffizienzklasse H versuche VW, eigene Modelle mit hohem Benzinverbrauch "etwas grüner zu waschen", kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er verweist etwa auf den VW Phaeton mit 4,2 Liter großem 335-PS-Benzinmotor: Die Oberklasse-Limousine fällt mit einem Verbrauch von 12,5 Litern je 100 Kilometer und einem CO2-Ausstoß von 290 Gramm je Kilometer in die schlechteste Kategorie G. Doch Dank der von VW erfundenen Klasse H kommt dieser Phaeton in die zweitunterste Klasse.

Anzeige

Die zusätzliche Stufe lasse nicht nur den Phaeton, sondern alle Modelle besser aussehen, moniert Resch. Er wirft VW vor, durch die manipulative Veränderung des Regelwerks die Verbraucher "auf dreiste Weise" zu täuschen. "Mit der Verzerrung der Effizienztabelle versucht der Wolfsburger Konzern die insgesamt schlechte Energieeffizienz vieler seiner Modelle zu relativieren", sagt Resch.

Die von VW im Internet verwendete Effizienzskala mit neun Stufen, hier mit der Einstufung des VW Phaeton mit 335 PS starkem V8-Benzinmotor

Die von VW im Internet verwendete Effizienzskala mit neun Stufen, hier mit der Einstufung des VW Phaeton mit 335 PS starkem V8-Benzinmotor

Die Umwelthilfe hat Volkswagen nun aufgefordert, die im Gesetz nicht vorhandene Effizienzklasse H sofort zu streichen und die gesetzlich vorgeschriebene Skala korrekt zu verwenden. Dazu mahnte die DUH am Mittwoch den Autokonzern wegen irreführender Werbung ab und forderte die Abgabe einer Unterlassungserklärung, die bei weiteren Verstößen eine Geldstrafe vorsieht.

"Menschliches Versagen"

Ein Sprecher von VW wies den Vorwurf einer bewussten Verbrauchertäuschung vehement zurück. Es habe sich um einen "Fehler im Computersystem" gehandelt, sagte er ZEIT ONLINE. Die Kennzeichnung der Neuwagen in den Autohäusern sei stets korrekt gewesen, lediglich auf der VW-Website im Internet sei durch "menschliches Versagen" eine Klasse H hinzugefügt worden. Der Fehler, ein "bedauerlicher Irrtum", sei inzwischen behoben worden.

Diese Begründung genügt DUH-Bundesgeschäftsführer Resch allerdings nicht. "Das ist unglaubwürdig", sagt Resch. "Man erfindet doch nicht aus Versehen eine weitere Effizienzklasse. Dazu bedarf es einer kreativen Kraft." Resch betonte, es sei auch keine Nebensächlichkeit, denn VW habe die Effizienzskala an einer entscheidenden Stelle auf der Website verändert, nämlich im Konfigurator, den Kunden in erster Linie verwenden würden. Die DUH besteht deshalb auf die Abgabe der Unterlassungserklärung.

Das Effizienzlabel für Pkw gilt seit dem 1. Dezember. Alle Neuwagen, die in Deutschland angeboten werden, müssen nun eine farblich abgestufte Kennzeichnung mit Angaben zu ihrer Energieeffizienz tragen – ähnlich wie die seit langem bei Elektrogeräten übliche Stromverbrauchs-Klassifizierung. Die gesetzliche Regelung ist ohnehin umstritten, Umweltschutzverbände, darunter auch die DUH, halten das neue Label für wenig aussagekräftig und irreführend, weil bei der Einordnung in eine der acht Effizienzklassen auch das Wagengewicht berücksichtigt wird.

Die Rechenformel führt somit dazu, dass etwa ein schwerer Geländewagen eine bessere Effizienzklasse erreichen kann als ein leichter Kleinwagen, obwohl dieser die Umwelt weniger belastet. Damit würden umweltschädliche Fahrzeuge systematisch begünstigt, kritisieren Umweltverbände und Verbraucherschützer.

 
Leser-Kommentare
    • riciru
    • 07.12.2011 um 16:38 Uhr

    unglaublicher skandal - ist sowass wirklich nötig - primitiv bis zum geht nicht mehr!

    und sich dann noch auf einen mitarbeiter ausreden - warum verdienen denn die manager soviel - sie sollen dann auch die verantwortung übernehmen!

  1. Welchen Käufer eines V8 Phaetons interessiert das (wirklich) - ausserdem ist das Klassensystem mit A+ A++ A+++ etc. ja schon vorher konfus manipuliert gewesen - oder ? Vielleicht hatte man bei VW auch an die BG Grössen gedacht (oder davon geträumt) - da soll es ja sogar I und J geben... habe ich zumindest mal gehört.

    • abut
    • 07.12.2011 um 17:25 Uhr

    "Selbst wenn überdeutlich ist, dass in einer klein und flach gewordenen Welt mit hervorragenden Kommunikationsmitteln und fantastischen Technologien für öffentlichen Nah- und Fernverkehr, die an zuviel Emissionen zugrunde zu gehen droht, das Auto nichts anderes als ein Anachronismus ist, ist seine Zeit noch lange nicht vorbei - es ist in unserer kulturellen Identität verankert wie kaum etwas anderes. Kapitalismus befriedigt Sinnbedürfnisse über Konsumchancen, und das Auto liefert Spaß, Macht, Distinktion, Freiheit, Komfort, Fetisch, Technologie und Sound - also das Maximum an konsumierbarem Sinn. Deshalb will es niemand abschaffen, obwohl es längst von gestern ist."

    Siehe: Leggewie, Claus; Welzer, Harald: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten - Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie. Fischer, Frankfurt a. M. März 2011, S. 91.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Spaß, Macht, Distinktion, Freiheit, Komfort, Fetisch, Technologie und Sound bietet mein 94er Astra nicht aber nach bald 30 Jahren genieße ich es, erstmals nicht mehr den nach Exkrementen und Männern riechenden Berliner ÖPNV nutzen zu müssen :)

    Spaß, Macht, Distinktion, Freiheit, Komfort, Fetisch, Technologie und Sound bietet mein 94er Astra nicht aber nach bald 30 Jahren genieße ich es, erstmals nicht mehr den nach Exkrementen und Männern riechenden Berliner ÖPNV nutzen zu müssen :)

  2. Spaß, Macht, Distinktion, Freiheit, Komfort, Fetisch, Technologie und Sound bietet mein 94er Astra nicht aber nach bald 30 Jahren genieße ich es, erstmals nicht mehr den nach Exkrementen und Männern riechenden Berliner ÖPNV nutzen zu müssen :)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Calato
    • 07.12.2011 um 21:30 Uhr

    Ach, sysop, es ist doch interessant, dass und wie Sie Exkremente und Männer auf eine Stufe stellen.
    Muss ich mal drüber nachdenken. ;-)

    • Calato
    • 07.12.2011 um 21:30 Uhr

    Ach, sysop, es ist doch interessant, dass und wie Sie Exkremente und Männer auf eine Stufe stellen.
    Muss ich mal drüber nachdenken. ;-)

    • Calato
    • 07.12.2011 um 21:27 Uhr

    Wer hätte das gedacht, dass die ZEIT, die einmal Sprachkünstler wie Dieter E. Zimmer zu den ihren zählte, jetzt nicht mehr in der Lage ist, mit einem simplen Genitiv umzugehen?
    "... wegen falschem Energie-Label ..."
    Das tut nur noch unendlich weh.

    • Calato
    • 07.12.2011 um 21:30 Uhr

    Ach, sysop, es ist doch interessant, dass und wie Sie Exkremente und Männer auf eine Stufe stellen.
    Muss ich mal drüber nachdenken. ;-)

  3. Nicht genug der Peinlichkeit, beim Betrug erwischt worden zu sein. Nein, es fehlt den Autobauern aus der Provinz auch sonst an Charakter. Vor Jahren hat ein Werksleiter seine Werksschützer angewiesen, Dienstleister nicht mehr mit Fremdfahrzeugen in das Werksgelände einfahren zu lasen. Gemäß eigenen Größenwahns sollte "wer von VW lebt" auch VW fahren. Kaum war es in der Presse, hieß es, die Anweisung habe es nicht gegeben, sondern sei freie Erfindung des Werksschützers.

    Solche Dinge kommen immer von ganz oben, immer von Menschen, die eine verantwortungsvolle Leitungsposition erreicht haben, ohne die Welt außerhalb von VW zu kennen. Kleine Welten produzieren eben kleine Geister. Wie erbärmlich.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. ... sollte ja eigentlich P wie Piëch genannt werden, aber das war sogar dem Burli zu auffällig. Also hat er's halt schweren Herzens "H" sein lassen, damit der "Feuilleton", wie er ihn anläßlich der Pressepräsentation genannt hat, nicht gar so abstinkt. Wo er doch persönlich dafür gesorgt hat, daß die Klimaanlage absolut zugfrei arbeitet. Muß man doch verstehen so etwas, oder?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Kommentare 15
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte VW | Energieeffizienz | Benzinverbrauch
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service