Verkehr in HongkongLuxuslimousine zwischen Sammeltaxis

Nur jeder 20. Einwohner Hongkongs besitzt ein Auto – es sind vor allem die Reichen. Darum fallen die Nobelwagen vor allem aus deutscher Fertigung umso mehr ins Auge. von Stefan Grundhoff

Am frühen Sonntagmorgen kommen sie in Scharen. Kurz nach Sonnenaufgang düsen Lamborghinis, Ferraris, Porsches und Fahrzeuge der BMW-M-Reihe aus den Hongkonger Stadtteilen Central und Kowloon nach Norden Richtung New Territories ins Wochenendvergnügen. Einen ähnlichen Corso kann man an Feiertagen erleben. Denn Hongkong mit seinem überfüllten Straßennetz bietet den wohlhabenden Einwohnern der Sieben-Millionen-Stadt sonst kaum Möglichkeiten, ihre Luxuslimousinen und Sportwagen auszufahren. Unter der Woche lassen sich viele mit einem Chauffeur in die Firma fahren.

Die Vielzahl von Luxuslimousinen mit langem Radstand ist auffällig: Rolls-Royce Ghost, Bentley Continental, Mercedes S-Klasse, Audi A8 oder 7er BMW gehören zum Straßenbild. Wohl nirgends gibt es eine größere Dichte an Modellen der Marken Rolls-Royce und Ferrari . Wer etwas auf sich hält, fährt ein europäisches Produkt – amerikanische Fahrzeuge sind in Hongkong verpönt. Chinesische Autos sowieso, auch fast 15 Jahre nach der Rückkehr der einstigen britischen Kronkolonie an die Volksrepublik.

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Auch unterhalb der Oberklasse ordert ein Hongkonger mit ausreichendem Vermögen einen Wagen aus Europa , etwa einen Audi A4 oder einen BMW 3er oder 5er. Die Autos sind asientypisch komplett ausgestattet. Auf Stoff sitzt hier niemand. Lederbezüge, Navigationssysteme und sonstige Komfortausstattung wie klimatisierte Sitze gehören zum Standard. Old- oder Youngtimer sucht man indes vergeblich. Einzig ein paar Autofanatiker fahren ältere Porsche- oder Mercedes-Modelle. In ist, was neu ist. Das Gestern interessiert wenig – auch beim fahrbaren Untersatz.

Die Autohändler mit ihren schmucken Verkaufsräumen befinden sich meist direkt im Stadtkern oder gruppieren sich um ihn herum. BMW hat in Hongkong sechs Händler, allein einen in Kowloon und einen nur ein paar hundert Meter weiter südlich im Finanzdistrikt. Porsche ist ebenso häufig vertreten. Daimler hat immerhin vier Stationen, zwei davon auf Hong Kong Island, wo die gut betuchten Leute wohnen. Konkurrent Audi ist mit einem Geschäft, jedoch im Herzen der Stadt, etwas zurückhaltender. Die Kunden sind anspruchsvoll: Warten auf sein Auto will kaum einer. Kommt der Firmenbonus, muss der Wagen verfügbar sein – am besten am nächsten Tag.

Mangelware Parkplatz

Neben den teuren Modellen aus Europa wird der Straßenverkehr in erster Linie von günstigen Mittelklassemodellen aus Japan dominiert. Marktführer ist der Hersteller Toyota , der besonders in den unteren Segmenten den Großteil der Kundennachfrage abgreift. Aber auch Autos von Mazda oder Honda sieht man an fast jeder Ecke. Kombis fährt kaum jemand. Neben der klassischen Limousine sind hier meist SUV und Kompaktmodelle unterwegs.

Alles in allem ist Hongkong aber keine Autostadt. Rund 400.000 Fahrzeuge sind privat angemeldet, das ist nicht viel bei über sieben Millionen Einwohnern. Nicht einmal jeder Zwanzigste hat also ein eigenes Auto. Pro Jahr werden etwa 25.000 Fahrzeuge neu zugelassen – ebenfalls ein niedriger Wert für eine so große Stadt.

Ein Grund dafür ist neben den abschreckenden täglichen Megastaus die extrem dichte Bebauung im Zentrum. Es fehlt schlicht an Parkraum. Seitdem Großbritannien die Herrschaft über Hongkong am 1. Juli 1997 wieder an China zurückgegeben hat, hat sich viel getan, überdimensionale Wolkenkratzer wachsen im Jahrestakt in den Himmel. Das Straßennetz kann da nicht mithalten. Damit kommt den öffentlichen Verkehrsmitteln wie U-Bahn und Doppelstockbussen eine zentrale Bedeutung zu.

Aufgrund der Lage Hongkongs – eine Halbinsel an der Mündung des Perlflusses mit vielen vorgelagerten kleinen Inseln – spielten dabei Boote seit jeher eine wichtige Rolle. Heute verbinden neben den grünen Fähren auch drei moderne Tunnel die zentralen Stadtteile Kowloon und Central/Financial District, die durch den Hafen voneinander getrennt sind. Wer nicht im eigenen Auto unterwegs ist, kann zudem aufs Taxi ausweichen. Während die rot-weißen Taxis bei Touristen und Geschäftsleuten besonders beliebt sind, setzen die Einheimischen eher auf Kleinbusse, die als Sammlertaxis auf festen Routen verkehren. Angehalten wird auf Handzeichen.

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Leserkommentare
  1. dachte, die Kronkolonie wurde von den Briten hochgezogen und zwar bis in die neueste Zeit hinein. Haben so viele Einwohner seit dem Handover (Rückgabe der Kronkolonie an die Volksrepublik in 1997) ihre Autos abgeben müssen oder haben sie nie einen mitbestimmenden Einfluß auf die Wohlstandsverteilung in der Kolonie gehabt? Dreimal darf man raten... Wenn die Kommis oder die jetzige Führung oder wer auch immer es dann geschafft haben, den Wohlstand entsprechend zu erhöhen, dann laufen hier die China-Basher ein und beschimpfen China als den größten Umweltverschmutzer. Die Bigotterie kennt halt keine Grenzen...

    • TDU
    • 08. Januar 2012 13:57 Uhr

    Das kommt hierzulande auch noch. Nur die Sammeltaxis wirds nicht geben. Selbst wenn alle elektrisch laufen würden. So billig kann das Lohniveau schon wegen der immer geltenden Ökosteuer nicht sein. Ausserdem könen die, die sich kein Auto leisten können doch zu Fuss gehen oder sich tragen lassen, wenn sie zu faul sind zum Laufen.

    Honkongs Verhältnisse sind fürs Klima doch förderlich. Und auf deutschen Auitobahnen wäre endlich freie Fahrt.

  2. geben, aber das faellt schwer bei einem Artikel, der sich dadurch auszeichnet, dass er banalen Inhalt darbietet, als sei er voller Bedeutung.
    Der Autor haette lieber ueber die Hongkonger U-Bahn ein Wort verlieren sollen. Ein so sauberes und modernes Verkehrsmittel gibt es in Deutschland nicht. Deswegen hat sich auch der bisherige Boss der New Yorker Subway von Hongkong abwerben lassen, und arbeitet jetzt dort. Das waere doch ein Thema, das sich lohnt: ganz Asien modernisiert nach neuestem Know-How, und Deutschland steckt im Gestern fest.

    • Jappie
    • 09. Januar 2012 16:09 Uhr

    ..., dass es nur wenige Autos und, wenn dann, nur die teuersten Modelle sind?
    Antwort: Kosten für Steuern und Versicherung plus Stellplatz sind so horrend, da sind die Anschaffungskosten z.B. für einen voll ausgestatteten BMW der Oberklasse fast nebensächlich - abgesehen davon (wie im Artikel teilweise erwähnt), dass in Hongkong die Nutzung eins Autos nicht nur keinen Mehrwert bietet, sondern hinsichtlich alltäglicher Fortbewegung ein echter Nachteil ist: Neben den wenigen verstopften Straßen ist Hongkong eine Inselansammlung, die regelmäßige Fähren-Nutzung unumgänglich macht (Fähren sind hier nur als Passagierfähren ausgelegt).

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Verkehr | Audi | Hongkong | Ferrari | Rolls Royce
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