Am frühen Sonntagmorgen kommen sie in Scharen. Kurz nach Sonnenaufgang düsen Lamborghinis, Ferraris, Porsches und Fahrzeuge der BMW-M-Reihe aus den Hongkonger Stadtteilen Central und Kowloon nach Norden Richtung New Territories ins Wochenendvergnügen. Einen ähnlichen Corso kann man an Feiertagen erleben. Denn Hongkong mit seinem überfüllten Straßennetz bietet den wohlhabenden Einwohnern der Sieben-Millionen-Stadt sonst kaum Möglichkeiten, ihre Luxuslimousinen und Sportwagen auszufahren. Unter der Woche lassen sich viele mit einem Chauffeur in die Firma fahren.

Die Vielzahl von Luxuslimousinen mit langem Radstand ist auffällig: Rolls-Royce Ghost, Bentley Continental, Mercedes S-Klasse, Audi A8 oder 7er BMW gehören zum Straßenbild. Wohl nirgends gibt es eine größere Dichte an Modellen der Marken Rolls-Royce und Ferrari . Wer etwas auf sich hält, fährt ein europäisches Produkt – amerikanische Fahrzeuge sind in Hongkong verpönt. Chinesische Autos sowieso, auch fast 15 Jahre nach der Rückkehr der einstigen britischen Kronkolonie an die Volksrepublik.

Auch unterhalb der Oberklasse ordert ein Hongkonger mit ausreichendem Vermögen einen Wagen aus Europa , etwa einen Audi A4 oder einen BMW 3er oder 5er. Die Autos sind asientypisch komplett ausgestattet. Auf Stoff sitzt hier niemand. Lederbezüge, Navigationssysteme und sonstige Komfortausstattung wie klimatisierte Sitze gehören zum Standard. Old- oder Youngtimer sucht man indes vergeblich. Einzig ein paar Autofanatiker fahren ältere Porsche- oder Mercedes-Modelle. In ist, was neu ist. Das Gestern interessiert wenig – auch beim fahrbaren Untersatz.

Die Autohändler mit ihren schmucken Verkaufsräumen befinden sich meist direkt im Stadtkern oder gruppieren sich um ihn herum. BMW hat in Hongkong sechs Händler, allein einen in Kowloon und einen nur ein paar hundert Meter weiter südlich im Finanzdistrikt. Porsche ist ebenso häufig vertreten. Daimler hat immerhin vier Stationen, zwei davon auf Hong Kong Island, wo die gut betuchten Leute wohnen. Konkurrent Audi ist mit einem Geschäft, jedoch im Herzen der Stadt, etwas zurückhaltender. Die Kunden sind anspruchsvoll: Warten auf sein Auto will kaum einer. Kommt der Firmenbonus, muss der Wagen verfügbar sein – am besten am nächsten Tag.

Mangelware Parkplatz

Neben den teuren Modellen aus Europa wird der Straßenverkehr in erster Linie von günstigen Mittelklassemodellen aus Japan dominiert. Marktführer ist der Hersteller Toyota , der besonders in den unteren Segmenten den Großteil der Kundennachfrage abgreift. Aber auch Autos von Mazda oder Honda sieht man an fast jeder Ecke. Kombis fährt kaum jemand. Neben der klassischen Limousine sind hier meist SUV und Kompaktmodelle unterwegs.

Alles in allem ist Hongkong aber keine Autostadt. Rund 400.000 Fahrzeuge sind privat angemeldet, das ist nicht viel bei über sieben Millionen Einwohnern. Nicht einmal jeder Zwanzigste hat also ein eigenes Auto. Pro Jahr werden etwa 25.000 Fahrzeuge neu zugelassen – ebenfalls ein niedriger Wert für eine so große Stadt.

Ein Grund dafür ist neben den abschreckenden täglichen Megastaus die extrem dichte Bebauung im Zentrum. Es fehlt schlicht an Parkraum. Seitdem Großbritannien die Herrschaft über Hongkong am 1. Juli 1997 wieder an China zurückgegeben hat, hat sich viel getan, überdimensionale Wolkenkratzer wachsen im Jahrestakt in den Himmel. Das Straßennetz kann da nicht mithalten. Damit kommt den öffentlichen Verkehrsmitteln wie U-Bahn und Doppelstockbussen eine zentrale Bedeutung zu.

Aufgrund der Lage Hongkongs – eine Halbinsel an der Mündung des Perlflusses mit vielen vorgelagerten kleinen Inseln – spielten dabei Boote seit jeher eine wichtige Rolle. Heute verbinden neben den grünen Fähren auch drei moderne Tunnel die zentralen Stadtteile Kowloon und Central/Financial District, die durch den Hafen voneinander getrennt sind. Wer nicht im eigenen Auto unterwegs ist, kann zudem aufs Taxi ausweichen. Während die rot-weißen Taxis bei Touristen und Geschäftsleuten besonders beliebt sind, setzen die Einheimischen eher auf Kleinbusse, die als Sammlertaxis auf festen Routen verkehren. Angehalten wird auf Handzeichen.