NachhaltigkeitAutos bauen mit weniger CO2-Ausstoß

Autohersteller versuchen, die Umweltbelastung ihrer Werke deutlich zu senken. Seat deckt einen Teil seines Strombedarfs mit eigenen Solarzellen, Renault geht noch weiter.

Solarzellen auf dem Seat-Werk Martorell bei Barcelona

Solarzellen auf dem Seat-Werk Martorell bei Barcelona

Alan Titchmarsh hatte keine große Mühe auf der Pirsch nach brütenden Lerchenpärchen. Der Tierfilmer musste nur Rolls-Royce aufs Dach steigen, um die scheuen Vögel für eine Folge seiner BBC-Serie Nature of Britain vors Teleobjektiv zu bekommen. Während in der Manufaktur einen Stock tiefer Luxuswagen montiert und auf Hochglanz poliert wurden, bauten er und sein Team auf dem 22.500 Quadratmeter großen und dicht mit Wiese bewachsenem Flachdach Kamera und Mikrofon auf. Neben den nistenden Lerchen filmte das Team Hänflinge, Wiesenpieper und Bachstelzen.

In der Automobilindustrie gibt es nicht nur ein Umdenken im Hinblick auf Benzinverbrauch, Abgasverhalten oder umweltfreundliches Verschrotten – auch die Fertigung und die Produktionsanlagen werden immer "grüner". Rolls-Royce hat das beim Umzug vor einigen Jahren aus dem alten industriellen Norden Großbritanniens in den grünen Süden der Insel besonders weit getrieben. Nicht nur mit seinem "Lebenden Dach". Die Rolls-Royce-Manufaktur liegt idyllisch inmitten der Felder und Wiesen des Earl of March and Kinrara, unweit der historischen Rennstrecke von Goodwood mit ihren jährlichen Oldtimertreffen, einer Pferderennbahn und dem Schloss des Earl.

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Der moderne Gebäudekomplex verschmilzt optisch mit der sanft hügeligen Landschaft. Die gläsernen Werkhallen und Büros werden von elektrischem Strom aus Solarenergie gespeist, und der mit Seerosen bewachsene Teich vor dem Haupteingang dient zusammen mit weiteren kleinen Gewässern auch zur Klimatisierung der Büros. Rings um die Gebäude ist auf 17 Hektar Fläche mittlerweile ein Biotop entstanden, in dem mehr als 400.000 neu gepflanzte Bäume und Büsche einer üppigen Flora und Fauna Schutz bieten. Unter anderem sind hier alleine an Vögeln inzwischen Graureiher heimisch geworden, Wildenten, Bless-, Reb- und Teichhühner, Kanadagänse, Höckerschwäne, Ammern, Amseln, Singdrosseln, Dorngrasmücken und Grünspechte. Immer wieder lassen sich Rehe, Füchse und Eulen blicken.

Was sich liest wie eine süße Phantasiewelt aus der PR-Abteilung, macht für Rolls-Royce gleich mehrfach Sinn. Schon die hauseigene Klimatisierung senkt die jährlichen Kosten spürbar – "es ist einfach erstaunlich, wie hoch Einsparungen schon durch anscheinend kleine Änderungen sein können", sagt Rolls-Royce-Vorstand Ian Robertson. Zu einem sauberen Image trägt es außerdem bei – wenn man schon bei den Verbrauchswerten seiner Autos nicht gerade zu den Umweltfreundlichsten gehört.

Bei einer Jahresproduktion von rund 2.700 Stück wie in Goodwood fällt es relativ leicht, alles in einem überschaubar idyllischen Rahmen zu halten. Aber auch große Automobilproduzenten sind dabei zu lernen, dass sich ökologische Produktion durchaus rechnet. Selbst wenn man ein riesiges Werk, aus dem jeden Tag fast so viele Autos rollen wie bei Rolls-Royce im ganzen Jahr, nur schwerlich in eine grüne Oase verwandeln kann.

Leserkommentare
  1. Ich mein nichts gegen Seat, aber wäre es nicht wichtiger, so für den Planeten "Autos mit weniger CO2-Ausstoß bauen" anstatt "Autos bauen mit weniger CO2-AUsstoß"? Das hört sich ja toll an, aber ist das nicht einfach nur PR?
    Was ist mit dem 3L Lupo passiert? Das warn doch Ansätze!
    Wieso baut man - jetzt zwar CO2 Neutral - immernoch Geländewägen für die Stadt?

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    Sicherlich, Autos bauen die weniger CO2 verbrauchen ist primär wichtiger, aber warum nicht auch noch Teile der Produktionskette CO2-neutraler gestalten?

    Man muss nicht immer nörgeln, nur weil die Welt nicht von heute auf morgen schlagartig besser wird.

    Sicherlich, Autos bauen die weniger CO2 verbrauchen ist primär wichtiger, aber warum nicht auch noch Teile der Produktionskette CO2-neutraler gestalten?

    Man muss nicht immer nörgeln, nur weil die Welt nicht von heute auf morgen schlagartig besser wird.

  2. Heyho,

    ist nur der *Zusammenbau* oder auch die komplette Produktion der einzelnen Teile CO2-neutral? Der Zusammenbau verschlingt wohl weit weniger Energie als die Stahl- und Aluminiumproduktion, insofern ist es leicht ein paar Bürogebäude und die Werkshallen CO2-neutral zu bauen. Und die bei der (Teile-)Produktion entstehenden giftigen Abfälle werden auch gerne unterschlagen. CO2-neutral heißt noch lange nicht umweltfreundlich.

    Procyon

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  3. Na also, geht doch! Es tut sich endlich was.
    Neben all den anderen Aspekten zeigt mir dieses Beispiel, dass der Kunde offensichtlich einen ganz erheblichen Einfluss hat - wird er wohl auf umweltfreundliche Produktion eher anspringen als auf Dreckschleudern.

    Ich kann nur sagen: Weiter so! Kunden, nehmt eure Macht war und zeigt "der Wirtschaft", wo der Bartel den Most holt!

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    Meinen Sie das ernst? Oder ist das clevere Ironie?

    Also wenn man sich generell mal den Energieaufwand und die globale Verkettung von Produktionsprozessen - nicht nur im Autobau - ansieht, dann könnte man sehr viel CO2 und Umweltvergiftung unterlassen und sparen, wenn man wollte. Man halte sich nur mal vor Augen was alles in einem Land produziert werden könnte, aber in Schwellenländer ausgelagert wird, und dann wieder eingeflogen werden muss.

    Dem Durchschnittskonsumenten ist doch schon lange so ziemlich ALLES egal. Der Anteil von FairTrade Schokolade liegt immernoch bei unter 1%. Kik boomt, nicht nur bei Bedürftigen - und wer sichs leisten kann fährt 300PS.
    Und nur weil div. Automarken jetzt ein grünes Image aufbauen in dem Sie bei verschiedenen Werken etwas mehr Energie sparen (Win-Win-Situation!) heisst das nicht dass dafür ein Ökobewusstsein seitens der Kunden verantwortlich , geschweige denn überhaupt da ist.

    Oder Sie meinten es doch ironisch, und ich bin jetzt reingefallen..

    Aber dennoch: Ich würde es mir genauso wünschen, dass der Kunde häufiger nach dem globalen Rattenschwanz fragt, der an seiner Frühstückswurst, an seinem Fernseher und an seinem Auto klebt.

    Meinen Sie das ernst? Oder ist das clevere Ironie?

    Also wenn man sich generell mal den Energieaufwand und die globale Verkettung von Produktionsprozessen - nicht nur im Autobau - ansieht, dann könnte man sehr viel CO2 und Umweltvergiftung unterlassen und sparen, wenn man wollte. Man halte sich nur mal vor Augen was alles in einem Land produziert werden könnte, aber in Schwellenländer ausgelagert wird, und dann wieder eingeflogen werden muss.

    Dem Durchschnittskonsumenten ist doch schon lange so ziemlich ALLES egal. Der Anteil von FairTrade Schokolade liegt immernoch bei unter 1%. Kik boomt, nicht nur bei Bedürftigen - und wer sichs leisten kann fährt 300PS.
    Und nur weil div. Automarken jetzt ein grünes Image aufbauen in dem Sie bei verschiedenen Werken etwas mehr Energie sparen (Win-Win-Situation!) heisst das nicht dass dafür ein Ökobewusstsein seitens der Kunden verantwortlich , geschweige denn überhaupt da ist.

    Oder Sie meinten es doch ironisch, und ich bin jetzt reingefallen..

    Aber dennoch: Ich würde es mir genauso wünschen, dass der Kunde häufiger nach dem globalen Rattenschwanz fragt, der an seiner Frühstückswurst, an seinem Fernseher und an seinem Auto klebt.

  4. Sicherlich, Autos bauen die weniger CO2 verbrauchen ist primär wichtiger, aber warum nicht auch noch Teile der Produktionskette CO2-neutraler gestalten?

    Man muss nicht immer nörgeln, nur weil die Welt nicht von heute auf morgen schlagartig besser wird.

    4 Leserempfehlungen
  5. Meinen Sie das ernst? Oder ist das clevere Ironie?

    Also wenn man sich generell mal den Energieaufwand und die globale Verkettung von Produktionsprozessen - nicht nur im Autobau - ansieht, dann könnte man sehr viel CO2 und Umweltvergiftung unterlassen und sparen, wenn man wollte. Man halte sich nur mal vor Augen was alles in einem Land produziert werden könnte, aber in Schwellenländer ausgelagert wird, und dann wieder eingeflogen werden muss.

    Dem Durchschnittskonsumenten ist doch schon lange so ziemlich ALLES egal. Der Anteil von FairTrade Schokolade liegt immernoch bei unter 1%. Kik boomt, nicht nur bei Bedürftigen - und wer sichs leisten kann fährt 300PS.
    Und nur weil div. Automarken jetzt ein grünes Image aufbauen in dem Sie bei verschiedenen Werken etwas mehr Energie sparen (Win-Win-Situation!) heisst das nicht dass dafür ein Ökobewusstsein seitens der Kunden verantwortlich , geschweige denn überhaupt da ist.

    Oder Sie meinten es doch ironisch, und ich bin jetzt reingefallen..

    Aber dennoch: Ich würde es mir genauso wünschen, dass der Kunde häufiger nach dem globalen Rattenschwanz fragt, der an seiner Frühstückswurst, an seinem Fernseher und an seinem Auto klebt.

    Antwort auf "Na also, geht doch!"
  6. ... aber ich fürchte, dass Autohersteller damit nur einer bisher vernachlässigten Debatte zuvorkommen wollen.

    Die Produktion eines Autos verschlingt größenordnungsmässig ähnlich viel Energie wie der Betrieb während der ganzen Laufzeit. Es ist zwar wünschenswert aber schwer vorstellbar, dass ein substantieller Anteil dieser enormen Energiemenge durch alternative Energiequellen auf dem Werksgelände bereitgestellt werden kann.

    Vielleicht wäre es ein vernünftiger Weg, Lebensdauer und Wartbarkeit der Produkte zu erhöhen, damit die zur Produktion eingesetzte Energie besser genutzt wird.
    Um die Energiebilanz so positiv zu beeinflussen wie eine Verlängerung der durchschnittlichen Laufleistung von 200Tkm auf 300Tkm zu erreichen, müsste man den Verbrauch deutlich stärker reduzieren als bisher geschehen - oder sehr viel mehr regenerative Energie in die Produktion einspeisen.

    Im Moment habe ich den Eindruck, dass die Entwicklung eher in die entgegengesetzte Richtung geht: Wir mussten die beiden Familienwagen (aus süddeutscher Produktion) jetzt mit etwa 160Tkm verschrotten, weil mehrere wesentliche Komponenten fast gleichzeitig ausfielen und Reparaturen den Preis eines Neuwagens erreicht hätten.

    Keiner der vielen, zuvor in meinem Leben gefahrenen Wagen hatte derartige Defekte vor Erreichen der 200Tkm.

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  7. Grundsätzlich gute Ansätze, finde ich. Selbst wenn die übrigen Faktoren (Zulieferbetriebe, Treibstoffverbrauch und Lebensdauder der Flote, usw.) gleich bleiben, wird doch anscheinend an einem bestimmten Punkt der Produktionskette tatsächlich Energie gespart, ohne Teile der Produktion auszulagern.

    Was bei mir aber einige Fragen aufwirft ist die Geschichte mit den Eukalyptusbäumen. In Spanien wird Eukalyptus eher als Umweltproblem diskutiert. Die Bäume dort stehen in dichten Plantagen, die ätherischen Öle bedingen eine starke Brandgefahr. Zudem sind die Plantagen extrem artenarm. Vor allem aber ist der Wasserverbrauch deutlich höher als der einheimischer Gattungen, entsprechend sinkt vielerorts der Grundwasserspiegel (selbst im regenreichen Nordspanien!).

    Deswegen die Frage an die Redaktion: Gibt es weitere Informationen, wie der geplante "nachhaltige Anbau" in Marokko aussehen wird?

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  8. ist das wirklich ein artikel wert? Ihr Vorzeigekonzern Seat produziert 6 mio. kWh pro Jahr? diesen lächerlichen wert kann man mit einer einzigen windkraftanlage produzieren!

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