Consumer Electronics ShowSchlaues Auto dank Smartphone

Auf der CES zeigen Autobauer, wie das Smartphone zum externen Gehirn des intelligenten Fahrzeugs wird. Der Vorteil erhöhter Verkehrssicherheit soll Kunden überzeugen. von dpa

Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas wird eine Radarfallen-App auf einem iPhone gezeigt.

Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas wird eine Radarfallen-App auf einem iPhone gezeigt.  |  © Ethan Miller/Getty Images

Ohne Smartphone läuft bei den großen Automobilherstellern nichts mehr – und damit sind nicht die über Handy kommunizierenden Manager gemeint. Für das Ziel, die Fahrzeuge intelligenter zu machen, nutzen die Entwickler der Autobauer zunehmend das Smartphone als eine Art ausgelagertes Gehirn, statt intelligente Technik direkt ins Cockpit einzubauen. Ein Hauptgrund sind die langen Entwicklungszyklen der Hersteller.

Außerdem liege der Rückgriff auf das Smartphone ganz im Interesse der Kunden, sagt Ford-Sprecher Alan Hall der Nachrichtenagentur dpa. "Fast jeder hat ein Handy oder Smartphone, für das er schon zahlt", erläutert Hall. "Der Kunde kann das Gerät einfach ins Auto mitnehmen, wo es dann nahtlos mit unserer Plattform kommuniziert."

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Welche Möglichkeiten sich dadurch bieten, ist derzeit auf der Consumer Electronics Show ( CES ) in Las Vegas zu sehen. Das digitale Auto ist in diesem Jahr einer der Schwerpunkte der CES. Punkten wollen die Autobauer vor allem mit der Sicherheit im Straßenverkehr. Der koreanische Hersteller Kia etwa zeigt, wie bei einem Unfall automatisch ein Notruf über das Smartphone abgesetzt wird. Wenn die Fahrzeugtechnik eine Reparatur signalisiert, kann der Fahrer gleich einen Termin in der Werkstatt ausmachen.

Die "Kia E-Services" – zurzeit noch in der Testphase – helfen dem Fahrer auch bei einem ganz alltäglichen Problem: Weil das Smartphone die Steuerungszentrale aller Dienste ist, merkt es sich auch, wo das Auto geparkt wurde. Ähnlich nützlich ist die Smartphone-App "MyFord Mobile", die Ford ebenfalls in einer Testversion auf der Messe zeigt. Die App überwacht bei Elektroautos den Ladezustand und zeigt an, wo die nächste Stromtankstelle ist. Außerdem unterstützt die Anwendung Energie-effizientes Fahren und führt die Nutzer in einem Sozialen Netzwerk zusammen.

Der digitale Begleiter als Aufpasser

Die Taschencomputer bieten einige Vorteile. Auf ihnen laufen Anwendungen aller Art – auch solche, die beim Autofahren nützlich sein können, etwa Karten oder Verkehrshinweise. Und dank Mobilfunkverbindung können sie jederzeit ihre Daten aus dem Internet laden. Ist das Smartphone über ein USB-Kabel oder drahtlos über Bluetooth mit dem Bordcomputer des Autos verbunden, werden die Ergebnisse auf einem Display oder über Lautsprecher ausgeben. Schließlich soll jede Ablenkung vermieden werden.

Auch externe Entwickler sollen die Autos intelligenter machen, Ford stellt ihnen dafür die Schnittstelle zum eigenen System zur Verfügung. 3.000 Entwickler, so hört man am Ford-Stand, haben sich bereits um eine Kooperation mit dem Autokonzern beworben. Das Startup Roximity aus Denver hat beispielsweise eine App für Schnäppchenjäger programmiert. "Die App holt sich Angebote aus der Umgebung und liest sie vor", sagt Roximity-Mitbegründer Daniel Newman. Dafür nutzt sie die Ortungsfunktionen des Smartphones. Bei Interesse lotst das Navigationssystem den Fahrer gleich zum Geschäft.

In einem der viel beachteten Leitvorträge der CES stellt Daimler-Chef Dieter Zetsche , der einst selbst als "Dr. Z" in Werbespots auftauchte, eine neue Generation von Apps vor: Mbrace2 stellt Autofahrer eine Vielzahl von Internetdiensten bereit. Dazu gehören neben der klassischen Navigation auch die Unterstützung von Sicherheit und Fahrzeugtechnik.

In einem Trickfilm demonstriert Zetsche, wie ein Fahrzeug automatisch vor einem überfluteten Straßenabschnitt gebremst wird. Informationen über solche Risiken auf der Straße werden von den Smartphones anderer Fahrer zu einem Server geschickt und von dort an die nachfolgenden Autos übermittelt. Diese Technik werde derzeit in einem Pilotprojekt in Deutschland getestet, berichtet der Daimler-Chef. "Wir arbeiten an einer neuen Generation von Fahrzeugen, die als digitale Begleiter dienen."

Der digitale Begleiter als Aufpasser – auch Ford hat ein derartiges Szenario entwickelt. Der US-Hersteller stellt auf der Messe den Prototypen einer Anwendung vor, die Diabetiker und Asthmatiker daran erinnert, vor der Fahrt etwas zu essen oder Medikamente zu nehmen. Dafür greift das System auf Informationen von Anbietern wie WellDoc zu, bei denen Nutzer ihre Gesundheitsdaten sammeln können. Denkbar sei in Zukunft auch, Allergiker rund um pollenbelastete Gegenden zu navigieren, erklärte ein Mitarbeiter. Mancher Datenschützer dürfte bei solchen Apps mindestens die Stirn runzeln.

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Leserkommentare
    • Zack34
    • 11. Januar 2012 19:42 Uhr

    <a>
    als "HMI zum Mitnehmen" ist interessant.
    Dabei freilich sollten m.W. die Grundfunktionen eines Bordcomputers schon im Fzg. verankert bleiben. Begründung: ein Smartphone lässt sich - wie wir das inzwischen wissen - auch leicht hacken und manipulieren, womit eine Manipulation des Fzgs. in greifbare Nähe rückt.
    <a>

    • Puqio
    • 11. Januar 2012 21:28 Uhr

    aber warum sollen wir uns einseitig der merkwürdigen Politik eines einzigen Anbieters wie "Facebook" ausliefern?
    Da muss es doch Alternativen geben, die den Datenschutz ernster nehmen!

    Des weiteren macht es mir Sorgen, dass ich auf dem Weg zu meiner heimlichen Geliebten jetzt online ortbar bin und jeder ermitteln kann wo meine Geliebte wohnt.
    Das ist ihr nicht recht und mir auch nicht.
    Einzig meine Ehefrau ist begeistert . .

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Riktam
    • 12. Januar 2012 7:26 Uhr

    … spülen Sie mit Ihrer Geliebten die Sorgen einfach runter. Sie können sich sogar ordentlich die Kanne geben. Warum?

    «Weil das Smartphone die Steuerungszentrale aller Dienste ist, merkt es sich auch, wo das Auto geparkt wurde»

    Prosit!

    • Zack34
    • 12. Januar 2012 9:40 Uhr

    <a>
    Erwischt!
    <a>
    ;-)

    • Riktam
    • 12. Januar 2012 7:26 Uhr

    … spülen Sie mit Ihrer Geliebten die Sorgen einfach runter. Sie können sich sogar ordentlich die Kanne geben. Warum?

    «Weil das Smartphone die Steuerungszentrale aller Dienste ist, merkt es sich auch, wo das Auto geparkt wurde»

    Prosit!

    • Zack34
    • 12. Januar 2012 9:40 Uhr

    <a>
    Erwischt!
    <a>
    ;-)

  1. Die Ab2PipiApp: Zeigt Parkplätze und Toiletten auf Raststätten an
    Die NoAlkApp: App lässt nur den Motor starten, bei 0,0 Promille
    Die SeiJetztStillApp: Staucht schreiende Kinder auf der Rückbank automatisch zusammen, damit der Fahrer sich auf das Fahren konzentrieren kann

    Und viele weitere Spielereien....

  2. ok, wenn das Smartphone sicher den Schlüssel ersetzt, sich den Parkplatz merkt, ok.
    Meine Navisoftware habe ich so schon auf meinem Handy, dafür brauche ich keine Integration.
    Schon weil es allen Ernstes Autohersteller gibt, die meinen, 500€ für ein Naviupdate nehmen zu können - pro Jahr!

    Vieles an Anwendungen scheint mir eher verzweifelten Brainstormingrunden entsprungen zu sein, wir müssen da was machen, hatte der Chef gesagt... so klingt das.
    Aber fein, wenn man genervte Diabetiker jedes mal daran erinnern will, dass sie ihr Insulin nehmen sollen... wenns denn hilft?

  3. ...hihi, seit dem letzten Update meiner Navi-Software kann ich jetzt "Gefahrenstellen" auf Knopfdruck melden. Dummerweise ist der Button dafür so unglücklich angeordnet, dass ich aus Versehen schon mehrfach aus Versehen virtuelle Blitzer gemeldet habe.
    Naja, mit schlechter Usability kann man die Strassen halt auch sicherer machen....

  4. ... was Technikhörige meinen zu brauchen und auch noch glauben, sie wären fortschrittlich !
    Lassen Sie sich das Geld weiter für nutzlose Entwicklungen aus der Tasche ziehen !

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte Dieter Zetsche | Ford | Allergiker | App | Auto | Bluetooth
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