Das Elektro-Fahrzeug Twizy von Renault hat nicht einmal Türen. © press-inform

Der französische Hersteller Renault hat klare Vorstellungen. Sein neues batteriebetriebenes Kleinstauto Twizy soll den Verkehr in den Ballungsräumen revolutionieren und so den noch jungen Markt für Elektro-Autos aufmischen. Der aufsehenerregende Zweisitzer, der in diesem Jahr zu den Händlern kommt, ist halb Auto und halb Motorroller – und steht für einen Trend. Denn auch Volkswagen hat vor einigen Monaten mit der Studie Nils ein ähnliches Konzept vorgestellt. Konkurrent Opel arbeitet an einem Einsitzer mit Elektromotor.

Ob sich für die außergewöhnlichen Flitzer allerdings Kunden finden, ist zweifelhaft. Einer Studie des CAR Centers der Universität Duisburg-Essen zufolge werden es diese Konzepte zumindest auf Europas größtem Automarkt sehr schwer haben. Das Institut kommt zu dem Ergebnis, dass das Interesse an motorradähnlichen Zweisitzern in Deutschland bei null liegt. Nicht ganz so gewöhnungsbedürftige Elektroautos haben hingegen sehr wohl eine Chance.

In einem umfangreichen Experiment beobachteten die Forscher drei Monate lang das Verhalten von 226 repräsentativ ausgewählten Personen gegenüber Elektrofahrzeugen. Dabei wurden die Testpersonen eingangs befragt, danach längeren Praxistests mit den Fahrzeugen ausgesetzt und ihre Meinung zu den Stromern am Ende erneut eingeholt.

Eines der Ergebnisse: Vehikel wie der Renault Twizy stoßen in Deutschland auf keinerlei Kundeninteresse. Dennoch müssen die Hersteller von Elektroautos sich nicht entmutigen lassen. Denn es gibt auch ein positives Resultat: Die Kaufbereitschaft für Elektro-Fahrzeuge lag generell nach dem Fahren deutlich höher als vor dem Test.

Die Nachfrage nach Stromern wird unterschätzt

Die Experten des Instituts glauben deshalb, dass die Nachfrage nach den Stromern in Deutschland unterschätzt wird. Die vergleichsweise geringe Reichweite der Fahrzeuge sei bei der Umfrage kein entscheidender Parameter gewesen. Der momentan noch sehr hohe Preis wirke sich dagegen sehr negativ aus. Die heute erhältlichen Elektroautos wie der Mitsubishi i-Miev oder der Citroen C-Zero lägen mit 36.000 Euro deutlich über der Grenze, die die Kunden auszugeben bereit seien.

Dennoch zeigt sich Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer überrascht, wie positiv die Befragten auf die Elektroautos reagierten: "71 Prozent aller Testpersonen haben nach den umfangreichen Fahrten und Einweisungen in die Stromlademöglichkeiten angegeben, beim nächsten Autokauf Elektroautos mit zu berücksichtigen." Dies sei ein sehr hoher Wert, der die Bedeutung von Produkttests bei der Umsetzung der Elektromobilität belege. "Der Schlüssel zur Elektromobilität ist die Neugierde der Autofahrer, Neues kennenzulernen, ohne eine Verpflichtung einzugehen", glaubt Dudenhöffer.

Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) sollte daraus Konsequenzen ziehen, raten die Experten aus dem Ruhrgebiet. Es gebe kein besseres Instrument, als durch Carsharing mit Elektrofahrzeugen die Menschen mit den neuen Produkten vertraut zu machen.

Erschienen im Handelsblatt