Gigaliner: Länger unterwegs
Jetzt dürfen die ersten überlangen Lkw in Deutschland fahren. Die 25-Meter-Laster wecken Ängste bei Autofahrern, doch Befürworter halten die Sorgen für übertrieben.
Der Dieselmotor grollt, und langsam setzt sich der Lastwagen in Bewegung. Zwei, drei Meter schiebt er sich rückwärts, dann scheppert es. Sandy Besch am Steuer blickt prüfend in den Rückspiegel. Er lächelt. Da ist nichts kaputt gegangen, sondern die Deichsel des Anhängers automatisch in die Kupplung der Zugmaschine geschnappt.
Gerade noch war Beschs gelber Mercedes Actros ein gewöhnlicher Lastwagen, wie er jeden Tag tausendfach über Deutschlands Autobahnen rollt. Jetzt ist er zu einem Koloss geworden.
Besch kann diesen Koloss mit vier Fingern steuern. Die Servolenkung übernimmt die Arbeit, der Lastwagen schlängelt sich nun behutsam zwischen anderen Lkw auf dem Hof seiner Firma in Parchim zur Ausfahrt, wie ein kleiner Güterzug. "Man muss aufpassen", sagt Besch, kurbelt am Lenkrad, blickt nach links und rechts und setzt den Blinker. "Aber nicht mehr als bei einem normalen Lkw."
Es geht auf die Bundesstraße, Richtung Autobahn 24. Beschs rundes Gesicht mit dem Bartschatten wirkt konzentriert, aber kein bisschen angestrengt, als er die Gänge per Halbautomatik einrasten lässt. Seit zwei Jahren steuert er den Laster, sechs Zylinder, 410 PS. Aber nicht einen Kratzer habe er reingefahren, sagt er.
So lang wie sechs Golfs
Beschs Gefährt ist ein Politikum. Die einen halten es für gefährlich, nennen es "Monster-Truck" und "Gigaliner". Die anderen, die mit ihm Geld verdienen wollen, sprechen vom "Euro-Combi" oder vom "Lang-Lkw", das klingt harmloser. 25,25 Meter misst er, das entspricht sechs VW Golf hintereinander, anderthalb mehr als bei üblichen Lkw. Der dreiachsige Motorwagen mit Ladefläche zieht einen Anhänger, der noch einmal so lang ist wie ein Sattelauflieger. Orange Blinklichter auf dem Dach und am Heck signalisieren den Autofahrern, dass sie einen Straßenfrachter besonderen Ausmaßes vor sich haben.
Peter Ramsauer, der Bundesverkehrsminister, gehört zu denen, die den Laster für eine gute Idee halten. Seit Jahresanfang lässt er ausprobieren, ob sich die Güter-Giganten für Deutschlands Autobahnen eignen. Den Oberbayer treibt der stetig zunehmende Frachtverkehr um: In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Transportaufkommen hierzulande mehr als verdoppelt. Ramsauers Beamte schätzen, dass wegen der grenzenlosen Globalisierung bis 2025 noch einmal 70 Prozent mehr Güter zu transportieren sind als 2004. Niemand weiß, wo all diese Lkw fahren sollen. Schon jetzt bilden sie auf den Verkehrsachsen von Ost nach West und von Nord nach Süd kilometerlange Kolonnen.
Ist der lange Lkw dafür die Lösung? Es tobt ein heftiger Streit über die Frage, ob der Superlaster Entlastung bringt oder die Situation weiter verschärft, weil er die Straße noch attraktiver für den Gütertransport macht.
Besch fädelt sich auf der Autobahn 24 Richtung Norden ein. Er durfte das lange vor Ramsauers Vorstoß, weil einige Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern bereits auf einzelnen regionalen Strecken die überdimensionierten Lkw testen. Besch muss sich an eine genau festgelegte Route halten. Er holt Solarmodule von einer Fabrik in Wismar und schafft sie nach Parchim, wo sie zwischengelagert werden. Anderthalb Stunden braucht der 36-Jährige für die Strecke. Ist die gesperrt, muss er warten – oder den Anhänger am Straßenrand stehen lassen.







...wo es dünn besiedelte Gebiete gibt. Also in den USA, Kanada und Australien. Denn da kommen sie ja auch her, bzw. fahren sie ja schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten rum.
Deutschland hingegen ist ein dicht besiedeltes Gebiet. Wenig lange Geraden, eher kurvige Strecken.
Ich bin ja beruflich viel unterwegs und schon heute ist es gelegentlich ein Akt, die richtige Ausfahrt zu bekommen, weil diverse LKW´s Stoßstange an Stoßstange hintereinander herfahren. Und das soll durch Gigaliner jetzt anders werden? Sorry, aber das glaube ich nicht. Die Allgemeinheit wird mal wieder unter Partikularinteressen einzelner Lobbyisten leiden müssen. Weder wird irgendwas dadurch günstiger, noch wird dadurch dadurch der LKW-Verkehr weniger. Wetten?
Wenn zwei Gigaliner drei herkömmliche Lkw ersetzen, dann wird auch ein Fahrer eingespart. Wenn sich die Ladekapazität erhöht, können Produktionsfirmen noch mehr Lagerkapazität auf die Straße bringen. Das Baugewerbe wird wahrscheinlich auch gefördert, es bedarf ja entsprechender Parkplätze.
Habe ich was vergessen?
Andere Verkehrsteilnehmer brauchen länger zum Überholen. Die Autoindustrie und der Karosseriebau wollen auch leben! Sozialverträgliches Ableben wird gefördert.
... das mit der "Lagerhaltung auf der Straße"? Ob die gelieferte Ware nun eingelagert oder ob sie "just in time" direkt weiterverarbeitet wird, ist für das Verkehrsaufkommen doch völlig wurscht. Sie wird genau einmal vom Produzenten zum Abnehmer transportiert, dreht weder Warteschleifen auf der Autobahn, noch gammelt sie auf irgendwelchen Parkplätzen rum.
Auf Autobahnausfahrten wird übrigens 1500m vorher bereits hingewiesen. Wer bis zur 200m-Bake auf der linken Spur Tempo 180 stehen läßt, der bekommt evtl. wirklich rechts keinen Platz mehr. Das ist dann aber nicht die Schuld der LKW.
Andere Verkehrsteilnehmer brauchen länger zum Überholen. Die Autoindustrie und der Karosseriebau wollen auch leben! Sozialverträgliches Ableben wird gefördert.
... das mit der "Lagerhaltung auf der Straße"? Ob die gelieferte Ware nun eingelagert oder ob sie "just in time" direkt weiterverarbeitet wird, ist für das Verkehrsaufkommen doch völlig wurscht. Sie wird genau einmal vom Produzenten zum Abnehmer transportiert, dreht weder Warteschleifen auf der Autobahn, noch gammelt sie auf irgendwelchen Parkplätzen rum.
Auf Autobahnausfahrten wird übrigens 1500m vorher bereits hingewiesen. Wer bis zur 200m-Bake auf der linken Spur Tempo 180 stehen läßt, der bekommt evtl. wirklich rechts keinen Platz mehr. Das ist dann aber nicht die Schuld der LKW.
Andere Verkehrsteilnehmer brauchen länger zum Überholen. Die Autoindustrie und der Karosseriebau wollen auch leben! Sozialverträgliches Ableben wird gefördert.
... das mit der "Lagerhaltung auf der Straße"? Ob die gelieferte Ware nun eingelagert oder ob sie "just in time" direkt weiterverarbeitet wird, ist für das Verkehrsaufkommen doch völlig wurscht. Sie wird genau einmal vom Produzenten zum Abnehmer transportiert, dreht weder Warteschleifen auf der Autobahn, noch gammelt sie auf irgendwelchen Parkplätzen rum.
Auf Autobahnausfahrten wird übrigens 1500m vorher bereits hingewiesen. Wer bis zur 200m-Bake auf der linken Spur Tempo 180 stehen läßt, der bekommt evtl. wirklich rechts keinen Platz mehr. Das ist dann aber nicht die Schuld der LKW.
Schon ein üblicher LKW verursacht 50.000 fach mehr Schäden an den Strassen als PKWs, bei Brücken gar 200.000 fach mehr!
Die Gigaliner werden dies noch übertreffen.
LKWs sollten entsprechend auch besteuert werden: Also mind. 50.000 mal höher als PKWs bzw. PKWs 50.000mal weniger als LKWs.
...hat man Anfang der 1960er Jahre überlange LKW und Busse mit separaten Personenanhängern aus dem Verkehr gezogen.
Artikelzitat: "Zwar verlangen viele Konsumenten in ihren Supermärkten Joghurt aus Oberbayern, Mineralwasser aus Norditalien und Orangen aus Spanien, ..."
Ich verlange schon mal gar nichts. Ich gehe zu Fuß in den nächsten Supermarkt und kaufe, was da ist. Schon toll, wie man dem Verbraucher mal wieder ein schlechtes Gewissen einreden will.
Lieber Cherrypicker,
es heißt im Text ja auch: "viele Konsumenten". Natürlich gibt es andererseits auch viele wie Sie, die regionale Produkte kaufen, die saisonal gerade erhältlich sind.
Aber viele Kunden kaufen eben bedenkenlos Äpfel aus Chile, Spargel aus China und Trauben aus Indien oder möchten exotische Früchte essen, die bei uns nicht wachsen.
Lieber Cherrypicker,
es heißt im Text ja auch: "viele Konsumenten". Natürlich gibt es andererseits auch viele wie Sie, die regionale Produkte kaufen, die saisonal gerade erhältlich sind.
Aber viele Kunden kaufen eben bedenkenlos Äpfel aus Chile, Spargel aus China und Trauben aus Indien oder möchten exotische Früchte essen, die bei uns nicht wachsen.
... an einem "Gigaliner" ( allein diese Bezeichnung ist schon Gigaschwachsinn ) vorbei zu fahren, sollte nicht mehr selbst fahren, sondern sich einen Chauffeur leisten . Bus, Straßenbahn, Bahn, Taxi, Flugzeug ...
Auf einer normalen Bundesstraße kommt man ohnehin kaum an einem Lkw vorbei, weil die dann 85 fahren und nicht nur 60 wie sei sollten, dazu allenthalben amtlich angeordnete Vrkehrsbehinderungen ...
Die Beschränkung des Gewichts macht anklässlich der maroden Struktur - bei all' den Einnahmen über Mineralöl- und Kfz-Steuer! - der Verkehrswege Sinn, die Beschränkung der Länge nicht. Wenn wenigstens bei den Lkw nicht die Außenspiegel zur Länge zählen würden ...
Und wenn die Bahn nicht wettbewerbsfähig ist, an wem liegt das denn? Bei allen Vorbehalten: Doch nicht an den Fuhrunternehmern oder am Wissmännchen.
...ist ja auch ein ehemaliger Spitzenpolitiker, der wie Walter Riester, Roland Koch und Bert Rürup hinterher fürstlich für seine Politik "belohnt" wurde. Wenn das kein G'schmäckle hat...
...ist ja auch ein ehemaliger Spitzenpolitiker, der wie Walter Riester, Roland Koch und Bert Rürup hinterher fürstlich für seine Politik "belohnt" wurde. Wenn das kein G'schmäckle hat...
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